Anbieter ziehen ernüchternde Bilanz für das erste Jahr – Großanleger halten sich besonders stark zurück
Deutsche Hedge-Fonds warten auf Kunden
Die deutschen Hedge-Fonds-Anbieter haben bei weitem nicht so viel Geld eingesammelt wie erwartet. Die zu Jahresbeginn gehegten großen Absatzhoffnungen sind der Ernüchterung gewichen.
FRANKFURT/M. Bisher legten Privatanleger weniger als eine Milliarde Euro in zugelassene Dachfonds an. Ursprünglich hatte Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS allein für die eigenen Produkte einen höheren Absatz erwartet. Experten glauben aber nach dem schleppenden Start an ein besseres Geschäft im kommenden Jahr.
Gegenwärtig leidet der Absatz der Produkte nicht nur unter der zuletzt bescheidenen Performance von Hedge-Fonds weltweit. Gegenüber dem Handelsblatt weisen Asset-Manager, Consultants und in das Geschäft involvierte Rechtsanwälte auf viele weitere Hürden hin. Dazu zählen geringes Wissen über die komplexen Produkte bei Anlegern und Beratern. Außerdem wurde die maximale Investitionsquote für die wichtige Investorengruppe der Versicherungen erst im September bei fünf Prozent festgezurrt. Zu guter Letzt macht die steuerliche Behandlung der Produkte weiterhin Probleme, sorgen die Anforderungen der Aufsicht an die Risikokontroll- und Risikomanagementsysteme für Anlaufschwierigkeiten.
Hedge-Fonds sind in Deutschland seit Jahresbeginn mit Inkrafttreten des Investmentmodernisierungsgesetzes erlaubt. Sie verfolgen sehr unterschiedliche Strategien von spekulativen bis zu konservativen Ansätzen, nutzen dabei häufig Terminmarktinstrumente. Sie können auch von fallenden Kursen bzw. Preisen profitieren und streben positive Erträge an. Zugelassene Dach-Hedge- Fonds stehen allen Anlegergruppen offen, Einzel-Hedge-Fonds richten sich vor allem an institutionelle Investoren. Bisher gab die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin grünes Licht für sieben Dach-Hedge-Fonds und vier Einzel-Hedge-Fonds. Acht Produkte sind nach Angaben einer BaFin-Sprecherin in der Pipeline. Vom Sonderfall Deutsche Bank abgesehen, sammelte Union Investment mit ihren zugelassenen Dachfonds das meiste Geld ein.
„Eine wichtige Erklärung für den schleppenden Verkauf ist der bisher ungewohnte Umgang mit alternativen Investments“, meint Jochen Wiesbach, Leiter Produktmanagement bei der DWS. Viele Fachleute halten eine Lernphase sowohl für Anbieter als auch Anleger und Berater für normal. „Die Anbieter waren im Vorfeld zu euphorisch, was die erwarteten Absätze angeht, die Kunden hatten unrealistisch hohe Renditevorstellungen“, beschreibt Klaus-Wilhelm Hornberg, Produktmanager Hedge-Fonds bei der Investmentgesellschaft des Bankhauses Oppenheim, die Lage.
Die Institutionellen scheinen sich derzeit besonders zurückzuhalten. „Das bleibt Teufelszeug in deren Augen“, sagt Uwe Rieken, Geschäftsführer von Faros Consulting. Seiner Ansicht nach lassen sich diese Produkte „momentan emotional und psychologisch nicht vermitteln“. Ein anderer Consultant ergänzt: „Manche Großanleger können die mit Hedge-Fonds verbundenen speziellen Risiken derzeit gar nicht einordnen und machen lieber nichts.“
Auf den ersten Blick schuf die Klärung der Anlagequoten für die wichtige Investorengruppe der Versicherungen und andere Institutionen im September Planungssicherheit. „Doch die erlaubte Quote von fünf Prozent ist zu gering, die macht sich in den Portefeuilles kaum bemerkbar“, sagt Ralf Lochmüller, Partner von Lupus Alpha Asset Management. Andere Experten weisen darauf hin, dass die BaFin auch die Anforderungen an Risikomanagement- und Risikokontrollsysteme für Versicherer und Asset-Manager konkretisierte. „Aber für die kleineren Versicherer wird das sehr teuer“, sagt Sven Zeller, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Clifford Chance. Ein eigenes Kapital ist die steuerliche Behandlung der Produkte. Zeller wertet sie als „komplex, unklar, aufwendig und kostspielig“. Jetzt sorge noch die Wiedereinführung der Zwischengewinnbesteuerung für zusätzlichen Aufwand.
Ein anderer Rechtsanwalt nimmt die lange Genehmigungszeit der Produkte durch die BaFin aufs Korn: „Da gibt es einige Bremser“. Jetzt werde außerdem für jeden im Ausland zugelassenen Einzelfonds vor der Verkaufserlaubnis in Deutschland eine Bescheinigung der dortigen Aufsicht verlangt, dass man mit dem Anbieter gut zusammenarbeite und dass man die BaFin im Falle von auftauchenden Problemen benachrichtige.
Trotz der großen Zahl von Hürden gehen die meisten Fachleute optimistisch ins neue Jahr. So sagt Zeller: „Sowohl das Produktangebot wie auch die Nachfrage werden steigen. Die Versicherungen müssen einfach höhere Renditen erwirtschaften.“ Dominik Kremer, Leiter des Deutschland- Geschäftes bei Pioneer Investments, wertet die gegenwärtige Absatzschwäche als „typische Gewöhnungsphase an eine neue Vermögensform, die man nicht kennt.“ Hornberg von Oppenheim glaubt: „Kunden, Anbieter und Aufsicht sind in der Lernphase und machen Fortschritte, deshalb wird der Absatz 2005 viel besser laufen.“
Quelle: handelsblatt.com, geschr. von Ingo Narat
...be invested
Der Einsame Samariter
Deutsche Hedge-Fonds warten auf Kunden
Die deutschen Hedge-Fonds-Anbieter haben bei weitem nicht so viel Geld eingesammelt wie erwartet. Die zu Jahresbeginn gehegten großen Absatzhoffnungen sind der Ernüchterung gewichen.
FRANKFURT/M. Bisher legten Privatanleger weniger als eine Milliarde Euro in zugelassene Dachfonds an. Ursprünglich hatte Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS allein für die eigenen Produkte einen höheren Absatz erwartet. Experten glauben aber nach dem schleppenden Start an ein besseres Geschäft im kommenden Jahr.
Gegenwärtig leidet der Absatz der Produkte nicht nur unter der zuletzt bescheidenen Performance von Hedge-Fonds weltweit. Gegenüber dem Handelsblatt weisen Asset-Manager, Consultants und in das Geschäft involvierte Rechtsanwälte auf viele weitere Hürden hin. Dazu zählen geringes Wissen über die komplexen Produkte bei Anlegern und Beratern. Außerdem wurde die maximale Investitionsquote für die wichtige Investorengruppe der Versicherungen erst im September bei fünf Prozent festgezurrt. Zu guter Letzt macht die steuerliche Behandlung der Produkte weiterhin Probleme, sorgen die Anforderungen der Aufsicht an die Risikokontroll- und Risikomanagementsysteme für Anlaufschwierigkeiten.
Hedge-Fonds sind in Deutschland seit Jahresbeginn mit Inkrafttreten des Investmentmodernisierungsgesetzes erlaubt. Sie verfolgen sehr unterschiedliche Strategien von spekulativen bis zu konservativen Ansätzen, nutzen dabei häufig Terminmarktinstrumente. Sie können auch von fallenden Kursen bzw. Preisen profitieren und streben positive Erträge an. Zugelassene Dach-Hedge- Fonds stehen allen Anlegergruppen offen, Einzel-Hedge-Fonds richten sich vor allem an institutionelle Investoren. Bisher gab die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin grünes Licht für sieben Dach-Hedge-Fonds und vier Einzel-Hedge-Fonds. Acht Produkte sind nach Angaben einer BaFin-Sprecherin in der Pipeline. Vom Sonderfall Deutsche Bank abgesehen, sammelte Union Investment mit ihren zugelassenen Dachfonds das meiste Geld ein.
„Eine wichtige Erklärung für den schleppenden Verkauf ist der bisher ungewohnte Umgang mit alternativen Investments“, meint Jochen Wiesbach, Leiter Produktmanagement bei der DWS. Viele Fachleute halten eine Lernphase sowohl für Anbieter als auch Anleger und Berater für normal. „Die Anbieter waren im Vorfeld zu euphorisch, was die erwarteten Absätze angeht, die Kunden hatten unrealistisch hohe Renditevorstellungen“, beschreibt Klaus-Wilhelm Hornberg, Produktmanager Hedge-Fonds bei der Investmentgesellschaft des Bankhauses Oppenheim, die Lage.
Die Institutionellen scheinen sich derzeit besonders zurückzuhalten. „Das bleibt Teufelszeug in deren Augen“, sagt Uwe Rieken, Geschäftsführer von Faros Consulting. Seiner Ansicht nach lassen sich diese Produkte „momentan emotional und psychologisch nicht vermitteln“. Ein anderer Consultant ergänzt: „Manche Großanleger können die mit Hedge-Fonds verbundenen speziellen Risiken derzeit gar nicht einordnen und machen lieber nichts.“
Auf den ersten Blick schuf die Klärung der Anlagequoten für die wichtige Investorengruppe der Versicherungen und andere Institutionen im September Planungssicherheit. „Doch die erlaubte Quote von fünf Prozent ist zu gering, die macht sich in den Portefeuilles kaum bemerkbar“, sagt Ralf Lochmüller, Partner von Lupus Alpha Asset Management. Andere Experten weisen darauf hin, dass die BaFin auch die Anforderungen an Risikomanagement- und Risikokontrollsysteme für Versicherer und Asset-Manager konkretisierte. „Aber für die kleineren Versicherer wird das sehr teuer“, sagt Sven Zeller, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Clifford Chance. Ein eigenes Kapital ist die steuerliche Behandlung der Produkte. Zeller wertet sie als „komplex, unklar, aufwendig und kostspielig“. Jetzt sorge noch die Wiedereinführung der Zwischengewinnbesteuerung für zusätzlichen Aufwand.
Ein anderer Rechtsanwalt nimmt die lange Genehmigungszeit der Produkte durch die BaFin aufs Korn: „Da gibt es einige Bremser“. Jetzt werde außerdem für jeden im Ausland zugelassenen Einzelfonds vor der Verkaufserlaubnis in Deutschland eine Bescheinigung der dortigen Aufsicht verlangt, dass man mit dem Anbieter gut zusammenarbeite und dass man die BaFin im Falle von auftauchenden Problemen benachrichtige.
Trotz der großen Zahl von Hürden gehen die meisten Fachleute optimistisch ins neue Jahr. So sagt Zeller: „Sowohl das Produktangebot wie auch die Nachfrage werden steigen. Die Versicherungen müssen einfach höhere Renditen erwirtschaften.“ Dominik Kremer, Leiter des Deutschland- Geschäftes bei Pioneer Investments, wertet die gegenwärtige Absatzschwäche als „typische Gewöhnungsphase an eine neue Vermögensform, die man nicht kennt.“ Hornberg von Oppenheim glaubt: „Kunden, Anbieter und Aufsicht sind in der Lernphase und machen Fortschritte, deshalb wird der Absatz 2005 viel besser laufen.“
Quelle: handelsblatt.com, geschr. von Ingo Narat
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Der Einsame Samariter