Aus der FTD vom 29.12.2000
Unternehmen
Die FTD-Prognosen für das Jahr 2001
Meistens berichten Journalisten über das, was passiert - und ordnen die Ereignisse in Kommentaren und Analysen ein.
Zum Jahresende wagen Redakteurinnen und Redakteure der Financial Times Deutschland einen Blick auf das gesamte vor uns liegende Jahr. Sie geben zu ihrem Spezialgebiet ihre - ganz persönliche - Prognose ab.
Wird Microsoft aufgespalten?
Alle Anzeichen sprechen gegen eine Aufspaltung. Doch selbst wenn die Justiz den Konzern zerschlagen würde, wäre das wirkungslos. Das Resultat wären zwei Monopol-Unternehmen anstelle eines einzigen. Microsoft hat sich bereits vor zwei Jahren so umstrukturiert, dass eine Teilung ohne große wirtschaftliche Einbußen möglich ist und sogar Steuern sparen würde. Martin Virtel
Wird es eine Schuldenkrise bei Telekomunternehmen geben?
Im nächsten Jahr noch nicht. Zwar haben die Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit mehrerer großer Telekommunikationsunternehmen heruntergestuft, doch bleiben die Bewertungen auf hohem Niveau. Ein akutes Ausfallrisiko bei den größten Kreditnehmern der Branche gibt es nicht. Anders sieht es bei mehreren kleinen Anbietern aus. Sie leiden unter dem versiegenden Mittelzufluss von Kapital- und Kreditmärkten. Für die Großkonzerne wird es erst kritisch, wenn der Rückfluss der horrenden Investitionen in die neue UMTS-Technik nicht wie geplant in Gang kommt - etwa ab 2005. Ulrike Sosalla
Wird das Briefmonopol der Deutschen Post fallen?
Diese Frage wird erst Ende 2002 richtig spannend. Bis dahin ist das Briefmonopol nach dem derzeit geltenden Postgesetz befristet. Ohne Gesetzesänderung läuft es automatisch aus. Die Bundesregierung muss das Postgesetz ändern, will sie das lukrative Briefgeschäft der Post weiter schützen. Nach jüngsten Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller scheint klar, dass das Briefmonopol verlängert wird. Wann sich Postchef Klaus Zumwinkel ganz dem Wettbewerb stellen muss, ist noch unklar. Dies hängt vor allem von Fortschritten bei der Postliberalisierung in Europa ab. Jörn Paterak
Wird es eine allgemeine Flatrate-Pauschale für den Internet-Zugang in Deutschland geben?
Ja, die Flatrate kommt. Die Frage bleibt, zu welchem Preis. Unser Tipp: Viel billiger als jene 69 DM, die T-Online heute anbietet, wird es nicht. Und selbst bei diesem Angebot werden nur wenige große Firmen gewinnbringend arbeiten können. Den Streit über die Flatrate kann nur die Regulierungsbehörde schlichten. Die aber hat sich in solchen Fällen bisher stets elegant aus der Affäre gezogen, indem sie keiner der beiden Seiten so ganz Recht gab. Also: Die Telekom wird zwar verpflichtet, ein Angebot zu machen, allzu weit senken muss sie den Preis gegenüber ihrem ersten Angebot aber nicht. Ulrike Sosalla
Wird Jürgen Schrempp Ende 2001 noch Chef von DaimlerChrysler sein?
Einiges spricht dafür: Auch wenn es für Jürgen Schrempp und seinen Troubleshooter Dieter Zetsche bei Chrysler noch schlimmer kommt, Absatz und Rentabilität weiter sinken. Die beiden werden in den USA eine oder zwei Fabriken schließen und viele Tausend Menschen entlassen müssen. Das sind unbeliebte, harte Maßnahmen. Doch es gibt im Fall Chrysler zur Schrumpfkur keine Alternative. Der Großaktionär Deutsche Bank weiß das, und wird Schrempp deshalb weiter stützen. Guido Reinking
Wird es zu einem echten Wettbewerb auf dem Strommarkt kommen?
Bis dahin ist es ein weiter Weg. Die Durchleitung von Strom durch die Netze konkurrierender Unternehmen zu fairen Preisen funktioniert bislang nur im Ansatz. Anders als im Telekommunikationsmarkt verzichtete das Bundeswirtschaftsministerium auf die Einrichtung einer Regulierungsbehörde und überließ den Verbänden der Stromanbieter und -abnehmer das Aushandeln der Konditionen. Das Ergebnis, die "Verbändevereinbarung", scheint kaum geeignet, neuen Anbietern den Markt dauerhaft zu öffnen. Olaf Preuß
gruß
proxi
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Die FTD-Prognosen für das Jahr 2001
Meistens berichten Journalisten über das, was passiert - und ordnen die Ereignisse in Kommentaren und Analysen ein.
Zum Jahresende wagen Redakteurinnen und Redakteure der Financial Times Deutschland einen Blick auf das gesamte vor uns liegende Jahr. Sie geben zu ihrem Spezialgebiet ihre - ganz persönliche - Prognose ab.
Wird Microsoft aufgespalten?
Alle Anzeichen sprechen gegen eine Aufspaltung. Doch selbst wenn die Justiz den Konzern zerschlagen würde, wäre das wirkungslos. Das Resultat wären zwei Monopol-Unternehmen anstelle eines einzigen. Microsoft hat sich bereits vor zwei Jahren so umstrukturiert, dass eine Teilung ohne große wirtschaftliche Einbußen möglich ist und sogar Steuern sparen würde. Martin Virtel
Wird es eine Schuldenkrise bei Telekomunternehmen geben?
Im nächsten Jahr noch nicht. Zwar haben die Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit mehrerer großer Telekommunikationsunternehmen heruntergestuft, doch bleiben die Bewertungen auf hohem Niveau. Ein akutes Ausfallrisiko bei den größten Kreditnehmern der Branche gibt es nicht. Anders sieht es bei mehreren kleinen Anbietern aus. Sie leiden unter dem versiegenden Mittelzufluss von Kapital- und Kreditmärkten. Für die Großkonzerne wird es erst kritisch, wenn der Rückfluss der horrenden Investitionen in die neue UMTS-Technik nicht wie geplant in Gang kommt - etwa ab 2005. Ulrike Sosalla
Wird das Briefmonopol der Deutschen Post fallen?
Diese Frage wird erst Ende 2002 richtig spannend. Bis dahin ist das Briefmonopol nach dem derzeit geltenden Postgesetz befristet. Ohne Gesetzesänderung läuft es automatisch aus. Die Bundesregierung muss das Postgesetz ändern, will sie das lukrative Briefgeschäft der Post weiter schützen. Nach jüngsten Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller scheint klar, dass das Briefmonopol verlängert wird. Wann sich Postchef Klaus Zumwinkel ganz dem Wettbewerb stellen muss, ist noch unklar. Dies hängt vor allem von Fortschritten bei der Postliberalisierung in Europa ab. Jörn Paterak
Wird es eine allgemeine Flatrate-Pauschale für den Internet-Zugang in Deutschland geben?
Ja, die Flatrate kommt. Die Frage bleibt, zu welchem Preis. Unser Tipp: Viel billiger als jene 69 DM, die T-Online heute anbietet, wird es nicht. Und selbst bei diesem Angebot werden nur wenige große Firmen gewinnbringend arbeiten können. Den Streit über die Flatrate kann nur die Regulierungsbehörde schlichten. Die aber hat sich in solchen Fällen bisher stets elegant aus der Affäre gezogen, indem sie keiner der beiden Seiten so ganz Recht gab. Also: Die Telekom wird zwar verpflichtet, ein Angebot zu machen, allzu weit senken muss sie den Preis gegenüber ihrem ersten Angebot aber nicht. Ulrike Sosalla
Wird Jürgen Schrempp Ende 2001 noch Chef von DaimlerChrysler sein?
Einiges spricht dafür: Auch wenn es für Jürgen Schrempp und seinen Troubleshooter Dieter Zetsche bei Chrysler noch schlimmer kommt, Absatz und Rentabilität weiter sinken. Die beiden werden in den USA eine oder zwei Fabriken schließen und viele Tausend Menschen entlassen müssen. Das sind unbeliebte, harte Maßnahmen. Doch es gibt im Fall Chrysler zur Schrumpfkur keine Alternative. Der Großaktionär Deutsche Bank weiß das, und wird Schrempp deshalb weiter stützen. Guido Reinking
Wird es zu einem echten Wettbewerb auf dem Strommarkt kommen?
Bis dahin ist es ein weiter Weg. Die Durchleitung von Strom durch die Netze konkurrierender Unternehmen zu fairen Preisen funktioniert bislang nur im Ansatz. Anders als im Telekommunikationsmarkt verzichtete das Bundeswirtschaftsministerium auf die Einrichtung einer Regulierungsbehörde und überließ den Verbänden der Stromanbieter und -abnehmer das Aushandeln der Konditionen. Das Ergebnis, die "Verbändevereinbarung", scheint kaum geeignet, neuen Anbietern den Markt dauerhaft zu öffnen. Olaf Preuß
gruß
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