Die Börsen sind zu Greenspan-lastig

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Die Börsen sind zu Greenspan-lastig furby
furby:

Die Börsen sind zu Greenspan-lastig

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13.03.01 17:32
#1
die Wirtschaftszahlen etwa letzte Woche waren zu gut und die Nasdaq rauscht nach unten (natürlich gab's noch flankierende Gewinnwarnungen die auch belastet hatten). Grund: Zinssenkungen erscheinen als unwahrscheinlicher oder anders gesagt das Ausmaß möglicher Zinssenkungen war geringer. Heute die Einzelhandelsumsätze in den USA und der Nasdaq jubiliert (zumindest bis jetzt), weil die etwas schlechter als erwarteten Zahlen Zinssenkungen begünstigen. Das Börsen nichts für rational denkende Menschen sind ist mir schon früher klar geworden, aber langsam geht mir der Hut mit diesen ewigen Zinssenkungsphantasien hoch.

Zinssenkungen sind ein einziger Faktor der es begünstigt mehr zu konsumieren oder nicht zinsgebundene Anlageformen wie die Aktie oder anderes zu wählen. Dieser Faktor wirkt sich zudem erst bekanntermaßen innerhalb von 6 bis 9 Monaten auf die Märkte faktisch aus. Meines Erachtens wird daher den Zinssenkungen und deren Wahrscheinlichkeit des Eintretens in 4 Wochen oder 2 Monaten reichlich überschätzt. Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, daß wir hier nur von den US Zinsen sprechen, die m.E. überwiegend auch nur auf die USA und deren Börsen Auswirkungen haben, andererseits aber die Europäischen und Japanischen Börsen den US Vorgaben folgen wie das Hündchen an der Leine, wird die Absurdität der Gewichtung aller Worte Greenspan's für die Weltbörsen noch offensichtlicher.

Ist den in die kleinen Gehirne der Finanzanalysten und Banker kein anderer Gedanke zu bringen, weshalb eine Börse noch steigen oder fallen könnte?

Falls ich falsch liege, dann korrigiert mich bitte.

Gruß furby  
Die Börsen sind zu Greenspan-lastig tom68
tom68:

K(l)eine Gehirne ist treffender... o.T.

 
13.03.01 17:34
#2
Die Börsen sind zu Greenspan-lastig Allenstein
Allenstein:

Langsam sollten wir unseren eigenen Weg gehen...

 
13.03.01 18:05
#3
Hallo lieber furby,

ich bin ganz Deiner Meinung.

Diese sklavische Abhängigkeit der deutschen (und europ.) Börsen von der Wall Street und auch von "Greespans Worten" ist schon grotesk. Der Chart des Dax folgt dem Dow wie eine Parallele.

Wo sind denn unsere eigenen Impulse, wo und wann reflektieren unsere Kurse auch unser eigenes Wirtschaftsgeschehen? Wo wird die deutsche Steuerreform gewürdigt? Wo werden die Auswirkungen der Rentenreform eingepreist?

Die Wirtschaft im Euroland ist, wenn auch gebremst, auf einen moderaten Wachstumspfad. Viele amerikanische Unternehmen haben Entwicklungen verschlafen und sich viel zu sehr auf die boomende Binnenkonjunktur verlassen. Export und Innovation sind vielfach nur vordergründig behandelt worden (siehe Chrysler). Ich glaube nicht, daß eine Zinssenkung kurzfristig hier etwas entscheidendes bewirken könnte. Ich glaube auch nicht, daß die um Eigenständigkeit bemühte EZB der amerk. Zinssenkung ebenso "sklavisch" folgen wird, warum auch ?  

Wenn wir endlich anfangen würden, unseren Blick auf unsere eigene Wirtschaft und unsere Unternehmen zu fokussieren und nicht immer über den Teich schielen würden, wäre zumindest hier vieles etwas anders.

Ich will nicht verleugnen, daß auch Euroland in etlichen Bereichen mit der Wirtschaftsentwicklung in den USA korrespondiert, aber es gibt Unternehmen zu Hauf, die hier ihre Hausaufgaben gemacht haben. Es will im Moment aber keiner wissen.

Um Deine letzte Frage zu beantworten:

Unsere Börsen sollten steigen oder zumindest mit Ausnahme einzelner Werte nicht mehr fallen, weil es bei uns gar nicht so besch... aussieht.

Aber vermutlich liege ich auch falsch, dann korrigiert mich ebenfalls.

Gruss, Allenstein.
Die Börsen sind zu Greenspan-lastig furby

Allenstein ich korrigiere Dich nicht

 
#4
Lieber Allenstein,

Deiner fundamentalen Begründung ist m.E. nichts hinzuzufügen. Bin ebenfalls Deiner Meinung. Man könnte vielleicht noch Schlußfolgerungen aus unseren Überlegungen ziehen und sich fragen warum sich alles so - scheinbar - unlogisch verhält:

1. Meines Wissens sind die umgesetzten Kapitalströme an der Wallstreet und Nasdaq um ein vielfaches größer als die in Europa oder Japan. Hierzu trägt möglicherweise auch bei, daß es in den USA zwei große und in Europa vielleicht 30 bis 40 kleine bis mittelgroße Börsen gibt. Die Liquidität verteilt sich in Europa regional. Es gibt zwar einen Euro-Stoxx Index, das scheint aber nicht viel zu ändern. Solange die US Börsen als die nach Volumen bedeutsamsten gelten, werden sie wohl der Taktgeber für andere Börsen bleiben.

2. Qualitative und nicht quantitative Gründe für die Richtung der weltweiten Finanzströme scheinen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Man kann weder branchenübergreifend behaupten, daß in den USA aus Shareholder Value oder gar fundamentaler Sicht weltweit die meisten der guten Companys ihren Sitz haben (zumindest glaube ich das nicht) noch das in den USA weltweit mehr Menschen reich sind und Aktienanlagen anstreben. Im letzten Punkt muß man aber wohl ein Zugeständnis machen, daß in den USA nach wie vor der größte Teil der Bevölkerung in Aktien anlegt. Es sind jedoch sicher viele Europäer und Asiaten, die ebenfalls Ihr Geld in US Companys zunmindest teilweise anlegen (mich teils eingeschlossen) und damit zum Problem beitragen.

3. Dann sehe ich da noch gewichtige psychologische Gründe. Die Amerikaner sind für mich nach wie vor das Volk, das extrem auf die Außendarstellung achtet. Wenn irgendwo ein Geschäft gewittert wird, dann lassen sich dafür schnell nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Investoren begeistern. Nicht umsonst ging der Internetbörsenboom von den USA aus. Die Europäer oder Japaner hatten viel weniger den Anspruch auf eine wirtschaftliche Weltmacht als die Amerikaner die dies sowohl politisch als auch in vielen Companys celebrieren. Und wer laut ruft, dem gehört offenbar mehr Aufmerksamkeit. Das es eines Tages sich mal wie mit des Kaisers neuen Kleidern verhalten könnte ist für mich nur eine Frage der Zeit. Wenn solche Blasen wie die Internetblase platzen, dann ist das ja auch nichts anderes als: der Kaiser hat ja gar keine/nicht so schöne Kleider an. Leider werden in gewissem Maß auch solche Blasen außerhalb der USA an anderen Börsen weltweit mitvollzogen, so daß es nicht verwundert, wenn diese anderenorts auch bersten.

4. Zu den Wachstumsbörsen Nasdaq und Neue Märkte speziell ist noch zu erwähnen, daß es wohl an keiner anderen Börse weltweit derart restriktive Börsenzulassungsregularien und etwas zur SEC vergleichbares gibt, die letztlich den Anleger schützen. Der Neue Markt in Frankfurt ist dagegen auch mit den marginalen Änderungen seit 1.3.2001 ein Flohmarkt oder Kinderbasar an dem sich die zugelassenen AG's herzlich austoben dürfen. Natürlich ist mir auch klar, daß es auch Nasdaq-Unternehmen gab, die ähnlich wie Gigabell u.a. nicht mal über etwas das den Namen Buchführung verdient verfügten (soweit ich das so richtig der Presse entnommen habe).

5. Ich befürchte, daß die US Börsen ihre weltweite Leitfunktion erst aufgeben könnten, wenn die US Wirtschaft in eine hoffnungslose Wirtschaftskrise stürzt und Nasdaq und Dow Jones darniederliegen. Wobei eigentlich der Nasdaq Zusammenbruch seit 1 Jahr schon einen gewissen Schaden angerichtet haben sollte. Zusätzlich muß wohl ein anderers Wirtschaftssystem (wie z.B. die EU) stark gleichzeitig prosperieren, um die Geldströme woanders hinzulenken.

Soweit meine Gedanken dazu, - die nichts daran ändern, daß auch die derzeitige weltweite Gewichtung der US Börsen und der US Zinsphantasien wie oben zuvor gepostet eine irrationale Übertreibung darstellen, um es mit Greenspan's Worten auszudrücken.

Gruß furby

PS: Hoffe Dir geht's gut Allenstein viele Grüße an die Familie und den Hund, übertreibe es nicht mit der Arbeit...  


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