Heute startet Quartalssaison
Deutsche Firmen hängen Konkurrenz ab
Amerikas Unternehmen stehen vor einem historischen Rekord. Noch in diesem Jahr werden sie die längste Serie von zweistelligen Quartalsgewinnen seit mehr als einem halben Jahrhundert verwirklichen. Doch auch die 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne trumpfen auf. Die Gewinner für 2006 stehen nach Expertenmeinung bereits fest.
DÜSSELDORF. Heute gibt der Aluminiumkonzern Alcoa als erstes großes US-Unternehmen seinen Ausblick für das neue Geschäftsjahr und den erwarteten Gewinn je Aktie. Auch Europas Konzerne sehen sich auf Kurs. Sie erwarten 2006 das dritte Rekordgewinnjahr in Folge.
Während in den USA die Ergebnisse unverändert stark steigen werden, dürften sie sich in Europa allerdings abschwächen. Das zeigen die Berechnungen der Finanzdatenanbieter Thomson Financial, Ibes und JCF. Bei den drei Agenturen laufen die Zahlen der Unternehmen und die Schätzungen der Analysten aller großen Investmentbanken zusammen.
Laut Thomson Financial haben die 500 größten börsennotierten amerikanischen Firmen im gerade abgelaufenen vierten Quartal ihr Ergebnis um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. Damit weisen die Firmen im S&P-500-Index ohne Unterbrechung seit zehn Quartalen Gewinne je Aktie aus, die jeweils um mehr als zehn Prozent über denen des Vorjahresquartals liegen. Den Rekord von 13 Quartalen mit zweistelligen Gewinnzuwächsen in Folge werden die S&P-500-Firmen nach Einschätzung der Wall-Street-Analysten im dritten Quartal dieses Jahres erreichen – und im folgenden Quartal übertreffen. „Die US-Großunternehmen verdienen glänzend, und daran dürfte sich im neuen Jahr nichts ändern“, sagt Mike Thompson von Thomson Financial.
Nach den Prognosen der meisten Volkswirte werden 2006 nicht nur die Unternehmensgewinne, sondern wird auch die US-Gesamtwirtschaft robust wachsen. „Bis in die zweite Jahreshälfte hinein dürften positive Faktoren wie die globale Konjunkturerholung und die Auffüllung der Lagerbestände in den USA dominieren“, erklärt der US-Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius.
Die Gesamtsumme der Gewinne der S&P-500-Firmen steuert 2006 auf 800 Mrd. Dollar zu, das ist so viel wie noch nie. „Dieses Geld werden die Konzerne nutzen, um andere Firmen zu übernehmen, ihre Dividende zu erhöhen, eigene Aktien zurückzukaufen und ins eigene Geschäft zu investieren“, sagt Thompson. „Die US-Börsen werden davon profitieren.“ Bereits in den letzten drei Monaten 2005 haben die amerikanischen Konzerne laut Thomson Financial viermal so viel investiert wie im langfristigen Durchschnitt. „Die Unternehmen entwickeln sich zum Konjunkturmotor und entlasten damit die privaten Verbraucher, die ihre Ausgaben 2006 weniger stark steigern dürften“, sagt Henry Dickson von der Investmentbank Lehman Brothers.
Auch für die 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne erwarten Experten in diesem Jahr Gewinnzuwächse von mindestens zwölf Prozent. Das wäre gegenüber 2005 zwar eine deutliche Abschwächung, deutsche Firmen wären damit aber immer noch wesentlich profitabler als ihre Konkurrenten in der Euro-Zone. Ihnen trauen die Finanzspezialisten nur eine Gewinnsteigerung von sieben Prozent zu.
Nach Abschluss der Berichtssaison zum vierten Quartal im Frühjahr werden die 30 Dax-Unternehmen ihre Ergebnisse 2005 um fast ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gesteigert haben. Bereits 2004 hatten sie so viel wie noch nie verdient. Mit einem Zuwachs von mehr als 50 Prozent stehen die beiden Chemiekonzerne BASF und Bayer sowie die Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank am besten da. Abgesehen von Infineon, beenden alle Konzerne das Jahr mit einem Gewinn.
Doch nicht nur die Ergebnisse steigen. Berechnungen der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) zufolge erhöhten die Dax-Unternehmen 2005 auch ihre Umsätze, und zwar um 4,5 Prozent. Da die Kosten nur leicht stiegen, „erreichen die Unternehmen wie im Rekordjahr 2000 eine Vorsteuermarge von 8,5 Prozent“, sagt LRP-Experte Andreas Hürkamp.
Daran wird sich 2006 kaum etwas ändern: Investitionen und Umsätze ziehen weiter an, die Ergebnisse bleiben hoch. Die stärksten Gewinnsteigerungen erwarten Analysten bei den Autokonzernen VW und Daimler-Chrysler. Angesichts erfolgreicher Restrukturierungen rechnen sie mit einem Plus von 64 bzw. 40 Prozent. Allerdings werden in den vergangenen Jahren besonders erfolgreiche Unternehmen wie der Reifenhersteller Continental, die Deutsche Telekom und BASF nach Einschätzung von Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg ihre Gewinne kaum noch weiter erhöhen können: Zum einen stoßen die Kostensenkungen an ihre Grenzen. Zum anderen hat etwa die Telekom angekündigt, künftig seien Investitionen und höhere Umsätze wichtiger als das Gewinnwachstum.
Quelle: HANDELSBLATT, Montag, 09. Januar 2006, 07:18 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Deutsche Firmen hängen Konkurrenz ab
Amerikas Unternehmen stehen vor einem historischen Rekord. Noch in diesem Jahr werden sie die längste Serie von zweistelligen Quartalsgewinnen seit mehr als einem halben Jahrhundert verwirklichen. Doch auch die 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne trumpfen auf. Die Gewinner für 2006 stehen nach Expertenmeinung bereits fest.
DÜSSELDORF. Heute gibt der Aluminiumkonzern Alcoa als erstes großes US-Unternehmen seinen Ausblick für das neue Geschäftsjahr und den erwarteten Gewinn je Aktie. Auch Europas Konzerne sehen sich auf Kurs. Sie erwarten 2006 das dritte Rekordgewinnjahr in Folge.
Während in den USA die Ergebnisse unverändert stark steigen werden, dürften sie sich in Europa allerdings abschwächen. Das zeigen die Berechnungen der Finanzdatenanbieter Thomson Financial, Ibes und JCF. Bei den drei Agenturen laufen die Zahlen der Unternehmen und die Schätzungen der Analysten aller großen Investmentbanken zusammen.
Laut Thomson Financial haben die 500 größten börsennotierten amerikanischen Firmen im gerade abgelaufenen vierten Quartal ihr Ergebnis um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. Damit weisen die Firmen im S&P-500-Index ohne Unterbrechung seit zehn Quartalen Gewinne je Aktie aus, die jeweils um mehr als zehn Prozent über denen des Vorjahresquartals liegen. Den Rekord von 13 Quartalen mit zweistelligen Gewinnzuwächsen in Folge werden die S&P-500-Firmen nach Einschätzung der Wall-Street-Analysten im dritten Quartal dieses Jahres erreichen – und im folgenden Quartal übertreffen. „Die US-Großunternehmen verdienen glänzend, und daran dürfte sich im neuen Jahr nichts ändern“, sagt Mike Thompson von Thomson Financial.
Nach den Prognosen der meisten Volkswirte werden 2006 nicht nur die Unternehmensgewinne, sondern wird auch die US-Gesamtwirtschaft robust wachsen. „Bis in die zweite Jahreshälfte hinein dürften positive Faktoren wie die globale Konjunkturerholung und die Auffüllung der Lagerbestände in den USA dominieren“, erklärt der US-Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius.
Die Gesamtsumme der Gewinne der S&P-500-Firmen steuert 2006 auf 800 Mrd. Dollar zu, das ist so viel wie noch nie. „Dieses Geld werden die Konzerne nutzen, um andere Firmen zu übernehmen, ihre Dividende zu erhöhen, eigene Aktien zurückzukaufen und ins eigene Geschäft zu investieren“, sagt Thompson. „Die US-Börsen werden davon profitieren.“ Bereits in den letzten drei Monaten 2005 haben die amerikanischen Konzerne laut Thomson Financial viermal so viel investiert wie im langfristigen Durchschnitt. „Die Unternehmen entwickeln sich zum Konjunkturmotor und entlasten damit die privaten Verbraucher, die ihre Ausgaben 2006 weniger stark steigern dürften“, sagt Henry Dickson von der Investmentbank Lehman Brothers.
Auch für die 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne erwarten Experten in diesem Jahr Gewinnzuwächse von mindestens zwölf Prozent. Das wäre gegenüber 2005 zwar eine deutliche Abschwächung, deutsche Firmen wären damit aber immer noch wesentlich profitabler als ihre Konkurrenten in der Euro-Zone. Ihnen trauen die Finanzspezialisten nur eine Gewinnsteigerung von sieben Prozent zu.
Nach Abschluss der Berichtssaison zum vierten Quartal im Frühjahr werden die 30 Dax-Unternehmen ihre Ergebnisse 2005 um fast ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gesteigert haben. Bereits 2004 hatten sie so viel wie noch nie verdient. Mit einem Zuwachs von mehr als 50 Prozent stehen die beiden Chemiekonzerne BASF und Bayer sowie die Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank am besten da. Abgesehen von Infineon, beenden alle Konzerne das Jahr mit einem Gewinn.
Doch nicht nur die Ergebnisse steigen. Berechnungen der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) zufolge erhöhten die Dax-Unternehmen 2005 auch ihre Umsätze, und zwar um 4,5 Prozent. Da die Kosten nur leicht stiegen, „erreichen die Unternehmen wie im Rekordjahr 2000 eine Vorsteuermarge von 8,5 Prozent“, sagt LRP-Experte Andreas Hürkamp.
Daran wird sich 2006 kaum etwas ändern: Investitionen und Umsätze ziehen weiter an, die Ergebnisse bleiben hoch. Die stärksten Gewinnsteigerungen erwarten Analysten bei den Autokonzernen VW und Daimler-Chrysler. Angesichts erfolgreicher Restrukturierungen rechnen sie mit einem Plus von 64 bzw. 40 Prozent. Allerdings werden in den vergangenen Jahren besonders erfolgreiche Unternehmen wie der Reifenhersteller Continental, die Deutsche Telekom und BASF nach Einschätzung von Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg ihre Gewinne kaum noch weiter erhöhen können: Zum einen stoßen die Kostensenkungen an ihre Grenzen. Zum anderen hat etwa die Telekom angekündigt, künftig seien Investitionen und höhere Umsätze wichtiger als das Gewinnwachstum.
Quelle: HANDELSBLATT, Montag, 09. Januar 2006, 07:18 Uhr
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