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Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank soll an diesem Freitag die Weichen für die Zukunft des Konzerns stellen. Doch kurz vor der Sitzung sind nach SPIEGEL-Informationen heikle Dokumente zum betrügerischen Handel mit Emissionsrechten aufgetaucht.
Während die Deutsche Bank um ihre künftige Strategie ringt, sind Dokumente aufgetaucht, die Co-Chef Anshu Jain und weitere Vorstandsmitglieder in Bedrängnis bringen könnten. Hintergrund sind hausinterne Ermittlungen zur Rolle der Bank beim Steuerbetrug im Handel mit CO2-Zertifikaten. Aus einem vertraulichen Papier einer mit der Untersuchung befassten Anwaltskanzlei geht hervor, dass belastende E-Mails gefunden wurden.
Die Mails weisen demnach darauf hin, dass Mitglieder des Vorstands und der zweiten Führungsebene bereits 2009 von Betrugsrisiken im Handel mit CO2-Zertifikaten wussten. Unklar ist bislang, ob es sich dabei um im Markt bekannte oder bankspezifische Risiken handelt. Das Geschäft lief jedenfalls bis 2010 weiter.
Namentlich genannt werden neben Ko-Chef Jain auch Finanzvorstand Stefan Krause, IT-Vorstand Henry Richotte, der frühere Risikovorstand Hugo Bänziger sowie der Leiter der Vermögensverwaltung Michele Faissola und Großbritannien-Chef Colin Grassie. Die Bank will sich zu dem Papier nicht äußern. Bänziger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Damit führt erstmals bei einer der zahllosen Affären, in welche die Deutsche Bank verstrickt ist, eine direkte Spur zu Jain. Im Aufsichtsrat lösen die neuen Informationen Alarmstimmung aus. Die Sorge der Kontrolleure: Sie könnten sich haftbar machen, wenn sie Wissen über ein mögliches Fehlverhalten von Vorständen haben und diese dennoch mit der Führung der Bank betrauen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2009 gegen kriminelle Banden, die den deutschen Staat im Handel mit Emissionsrechten um mindestens 800 Millionen Euro betrogen haben sollen. Eine wichtige Rolle soll dabei die Deutsche Bank gespielt haben. Die Staatsanwaltschaft untersucht derzeit rund 25 Mitarbeiter des Konzerns, gegen einige von ihnen könnte im zweiten Quartal Anklage erhoben werden.
Im Visier der Fahnder sind auch Ko-Chef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Krause. Sie sollen eine wegen des CO2-Schwindels falsche Umsatzsteuererklärung des Konzerns unterschrieben haben. Die Bank erklärt, sie habe die Erklärung rechtzeitig und freiwillig korrigiert. Zuständig für die CO2-Geschäfte war ein Teil des Handelsbereichs unter Jain.