Deutsche Bank gibt Allfinanz auf


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rosch:

Deutsche Bank gibt Allfinanz auf

 
07.09.01 00:19
Aus der FTD vom 7.9.2001 www.ftd.de/zurich-financial

Deutsche Bank gibt Allfinanz auf

Von Herbert Fromme, Zürich

Die Deutsche Bank und die Zürich-Gruppe stehen vor einem großen Tauschgeschäft. Damit würde sich die Deutsche Bank aus dem operativen Versicherungsgeschäft verabschieden.

Nach Informationen der Financial Times Deutschland soll die Deutsche Bank von der Zürich Gruppe deren US-Vermögensverwaltung Scudder übernehmen. Zurich Financial Services (ZFS) erhält dafür den Deutschen Herold, die Versicherungsgruppe der Deutschen Bank. Außerdem zahlt die Bank eine Barsumme an die ZFS.

Der Gesamtwert des Geschäfts wird auf rund 3 Mrd. $ geschätzt. Über die Höhe der Barzahlung verhandeln beide Seiten noch. Allerdings dürfte sie nach FTD-Informationen über 1 Mrd. $ liegen. Die Verhandlungen sollen innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein. Wichtiger Teil ist die künftige Zusammenarbeit: Die Deutsche Bank soll Lebensversicherungen der vergrößerten deutschen Zürich-Gruppe verkaufen, die Zürich ihrerseits Scudder-Fonds in Europa. Neben der Deutschen Bank hatten auch der angloamerikanische Finanzdienstleister Amvescap und ein unbekannter Dritter Gebote für Scudder abgegeben.


ZFS und Deutsche Bank wollten zu den Informationen nicht Stellung nehmen. ZFS-Chef Rolf Hüppi sagte am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen, die "Prüfung der Optionen" für das Vermögensverwaltungsgeschäft stehe kurz vor dem Abschluss. Kommt der Tausch zustande, erhält die Deutsche Bank einen Vermögensmanager, der mehr als 360 Mrd. $ verwaltet, allerdings in den letzten Monaten stärker als Konkurrenten unter dem Abzug von Anlagegeld litt.



Wachstumsschub für Zürich-Gruppe


Gleichzeitig wüchse die Zürich-Gruppe in Deutschland, wo sie seit Jahren zulegen will, zu einer Versicherungsgruppe mit rund 5,9 Mrd. Euro Prämieneinnahmen. Gemessen an den Zahlen für das Jahr 2000 wäre sie damit die Nummer acht im Markt.


Deutscher Herold und Zürich ergänzen sich: Der Herold ist mit 3,4 Mrd. Euro die Nummer 13 im deutschen Markt, Zürich mit 2,5 Mrd. Euro die Nummer 17. Gestützt auf die Vertriebskraft der Deutschen Bank gehört der Herold zu den am schnellsten wachsenden Lebensversicherern. Mehr als 80 Prozent der Bruttoprämien entfallen auf diese Sparte. Die ZFS ist vor allem im Schaden- und Unfallgeschäft aktiv.



Abschied vom Versicherungsgeschäft


Mit dem Tausch würde die Deutsche Bank ihren 1989 begonnenen Ausflug in die Versicherungsbranche beenden. Sie hatte damals eine Lebensversicherung gegründet. 1992 kaufte sie den Deutschen Herold. Außerdem hält die Bank 30 Prozent am Gerling-Konzern und 26 Prozent an der Nürnberger. Von beiden Anteilen will sie sich trennen.


Die Deutsche Bank schlägt damit einen anderen Weg ein als der Rivale Allianz, der die Dresdner Bank übernahm. Die Deutsche Bank unter ihrem Chef Rolf-E. Breuer glaubt offenbar nicht an den Aufbau eines Allfinanz-Konzerns durch Übernahmen.


Die Zürich-Gruppe zieht sich aus einem Geschäftsfeld zurück, in das sie erst 1997 vorgestoßen war. Konzernchef Hüppi sagte, die Gruppe habe die Strategie nicht verändert, allerdings sei der Markt anders. Der Konzern wolle Kunden weiter gegen Risiken versichern sowie im Vermögensaufbau und in der Altersvorsorge beraten. Allerdings arbeite man jetzt mit Plattformen, die für Drittprodukte offen seien. Der Konkurrenzdruck sei für "Hersteller" von Finanzdienstleistungen wie Asset Manager höher als für die Vertriebsseite, begründete er die geplanten Veränderungen bei Scudder.


Die ZFS-Aktie war seit Anfang des Jahres nach mehreren Gewinnwarnungen Turbulenzen ausgesetzt. Hüppi hatte im März ein "Devestitionsprogramm" angekündigt, das 4 Mrd. $ in die Kasse bringen soll. Das Geld soll zur Optimierung der Finanzstruktur und zur Finanzierung von Wachstum genutzt werden.


Im Zuge der Bereinigung wird ein großer Teil des Rückversicherungsgeschäft unter der Marke Zurich Re in eine separate Firma eingebracht werden. Sie soll mit Töchtern in Deutschland und den USA zur Gruppe Converium zusammengeschlossen und im vierten Quartal an die Börse gebracht werden. Im ersten Schritt will Hüppi "mindestens 70 Prozent" abgeben, langfristig 100 Prozent.


Die Prämieneinnahmen des Zürich-Konzerns stiegen im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf 27,7 Mrd. $. Die Gruppe leidet wie die Branche unter den schwachen Aktienmärkten. Statt 1,37 Mrd. $ im ersten Halbjahr 2000 konnte sie nun nur 555 Mio. $ Gewinn aus Verkäufen realisieren, sagte Finanzchef Günther Gose. Dagegen verlief das Versicherungsgeschäft besser als im Vorjahr vor allem auf Grund geringerer Kosten.


Der Halbjahresgewinn fiel von 1,28 Mrd. $ auf 861 Mio. $. Der von der ZFS erfundene "normalisierte Gewinn", bei dem Kapitalmarktschwankungen herausgerechnet werden, lag mit 922 Mio. $ deutlich unter den 1,1 Mrd. $ des Vorjahres. Für das ganze Jahr werde der normalisierte Gewinn 1,8 bis 2 Mrd. $ betragen, sagte Hüppi. Wegen der Verkaufspläne für Unternehmensteile werde sich das geplante Listing der ZFS in New York verschieben.



© 2001 Financial Times Deutschland
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rosch:

.. und Comdirect setzt auf

 
07.09.01 07:59
Aus der FTD vom 6.9.2001  
Comdirect-Bank setzt auf mobile Berater

Die Comdirect Bank plant eine einschneidende Änderung ihres Geschäftsmodells. Neben dem Online-Brokerage setzt die Tochter der Commerzbank künftig mobile Berater ein, um eine breite Palette von Finanzprodukten zu vertreiben.


"Bis Ende des Jahres hoffen wir, entsprechende Verträge mit Kooperationspartnern abzuschließen", sagte Vorstandschef Bernt Weber im Gespräch mit der Financial Times Deutschland.

Mit dem reinen Online-Brokerage, auf das Comdirect bisher spezialisiert war, können zunehmend weniger neue Kunden gewonnen werden. Die so genannte zweite Welle der Internet-Investoren, d. h. ältere Anleger, wünscht zusätzlich persönliche Beratung. Konkurrenten wie die Advance Bank oder die Direkt Anlage Bank bieten dies bereits an.


Mit bis zu 1000 Vertriebsexperten will Comdirect langfristig zusammenarbeiten. Vorrang habe die Qualität der Berater, die alle den neuen Ausbildungsgang zum "Certified Financial Planner" (CFP) durchlaufen haben sollen.


An den Kunden bringen sollen die CFP Produkte, die weniger konjunkturanfällig sind als das angestammte Brokerage, beispielsweise Fonds, Tagesgeldkonten oder Riesterprodukte. Die unabhängigen Finanzanbieter, mit denen Comdirect zusammenarbeiten will, können den Namen des Online-Brokers als bekannte Marke im Vertrieb einsetzen. Wesentliche Beiträge zum Ergebnis von Comdirect werden die mobilen Finanzberater vorerst nicht leisten können. "Langfristig ist dieses Konzept jedoch durchaus tragfähig", sagt die Analystin Simone Glass von der Investmentbank UBS Warburg. Wie ertragreich die Kooperation sei, hänge davon ab, wie die Provisionseinnahmen zwischen Comdirect und den Beratern aufgeteilt würden. Über diesen Punkt verhandelt Weber noch mit den künftigen Partnern.


Kurzfristig kann Comdirect die Ertragslage nur durch Kostensenkung verbessern. Gegenüber dem Budgetansatz will der verlustreiche Online-Broker die Kosten dieses Jahr um 82 Mio. Euro auf 220 Mio. Euro drücken.



© 2001 Financial Times Deutschland
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rosch:

tecis mit hohen Mittelzuflüssen

 
07.09.01 08:13
tecis mit hohen Mittelzuflüssen

Die tecis Holding AG gab heute bekannt, dass die Nettoneuzuflüsse in den von tecis vermittelten Investmentfonds im ersten Halbjahr 2001 mehr als 350 Mio. DM betragen haben. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2000, das in den ersten drei Monaten durch eine extreme Börseneuphorie gekennzeichnet war, hat tecis ein hohes Niveau gehalten. Das gesamte verwaltete Investmentfondsvolumen (Assets under Management) der tecis Gruppe betrug rd. 3,1 Mrd. DM.
Die auf Financial Planning Konzepte für private Haushalte spezialisierte tecis Finanzdienstleistungen AG, wichtigste Tochter im Konzern, konnte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 125 Mio. DM Einzahlungen in Investmentfonds verzeichnen. Insgesamt erhöhte sich das Volumen der Sparpläne in der tecis Gruppe gegenüber dem ersten Halbjahr 2000 um mehr als 30 Prozent.

Die tecis Finanzdienstleistungen AG verwaltete per 30. Juni 2001 trotz des niedrigeren Kursniveaus ein nahezu unverändertes Investmentvolumen von knapp 700 Mio. DM.

 
07.09.01 08:07 -ps
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rosch:

Starker Strukturwandel im Finanzdienstleistungssek

 
07.09.01 09:01
Starker Strukturwandel im Finanzdienstleistungssektor???????????

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Aus der FTD vom 7.9.2001  
Das Kapital: Auch die Banken haben zu hohe Kapazitäten

Die Bank gewinnt immer. Vermutlich ist das der Grund dafür, dass das Gewerbe mit einem Anteil von gut 17 Prozent mittlerweile der bei weitem schwerste Sektor im Europe Stoxx ist.


Dabei trägt die Finanzbranche nur rund fünf Prozent zur Bruttowertschöpfung in Europa bei, das allerdings inklusive der Versicherungen. Der Bankensektor hat einen Marktwert von über 1000 Mrd. Euro. Bei einem mittleren KGV von knapp 14 ergibt sich ein Nettogewinn von rund 70 Mrd. Euro. Bei den großen Banken kommen im Schnitt 50 bis 60 Prozent der Gewinne aus Kommissionen und dem Eigenhandel. Sie sind damit abhängig von Wertpapieremissionen, vom Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) - und vom Handelsvolumen bei Aktien, Bonds und Währungen. Den Rest liefert das Kreditgeschäft, das ja über die vergangenen Jahre ganz gut gelaufen ist - und mit einer Wachstumsrate von gut acht Prozent bei Krediten an den privaten Sektor immer noch stark ist. Für das nächste Jahr schätzt der Konsens sogar noch eine Gewinnzunahme von 13 Prozent.

Bereits im laufenden und nächsten Quartal wird sich zeigen, wie unrealistisch schon die aktuellen Gewinnschätzungen sind, ganz zu schweigen von denen für nächstes Jahr. Nicht nur das Investmentbanking läuft schlecht, auch die Risikovorsorge für faule Kredite wird wegen der flauen Wirtschaft steigen. Die Banken werden vermutlich sogar große Schwierigkeiten haben, die im vergangenen Jahr verdienten 70 Mrd. Euro dauerhaft zu halten.


Die Jahrtausendwende war eine Ausnahme: Internet-Börsengänge, Megafusionen, UMTS-Schuldenaufnahme und Aktienhysterie erklären die Rekordmargen. Gegenüber 2000 ist das weltweite M&A-Geschäft schon im ersten Halbjahr 2001 um 54 Prozent gefallen. Aber die Banken haben viel zu hohe Kapazitäten aufgebaut, die das Jahr 2000 als Maßstab setzen. Dieser Optimismus ist fehl am Platz. Die Kapazitäten müssen abgebaut werden. Im Investmentbanking werden vor allem kleinere Spieler in Schwierigkeiten geraten, wobei unabhängige Broker noch die besten Chancen haben. Die Großen werden sich relativ gut halten. Aber auch sie werden an der Anpassung nicht vorbeikommen - und wenig zu lachen haben. Das Risiko bei Bankaktien ist größer, als man es bei einem KGV von 14 vermuten würde.


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