Aber nein, wir hatten bisher keine "Deflation".Das ist sicherlich richtig. Das Deflations-Gespenst ist reine Notenbankpropaganda, um das Gelddrucken zu legitimieren.
Dennoch ist es ein himmelweiter Unterschied, ob der Leitzins bei über 15 % steht wie um 1980 oder bei Null wie von 2008 bis Ende 2015.
Bei bis über 15 % Preisanstieg pro Jahr - wie um 1980 - würde wohl kein Ökonom eine hohe Inflation in Zweifel ziehen. Die damalige Flucht in Gold erfolgte unter der logisch nachvollziehbaren (wenn auch auch falschen) Prämisse, dass der Geldwert durch Inflation aufgefressen wird. Daher "müsse man" unbedingt in bleibende Sachwerte wie Gold gehen. Doch schon Festgeld hat sich seitdem wacker geschlagen, weil die Verzinsung stets über der Inflation lag.
Eine der besten Investitionen um 1980 - zig Mal ertragreicher als Gold - war eine klassisch antizyklische, nämlich die in 30-jährige US-Staatsanleihen. 1980 gekauft, brachten diese immerhin volle 30 Jahre lang, also bis 2010, zweistellige Renditen. Und wer nicht so lange warten wollte, hätte zwischenzeitlich mit großem Kursgewinn verkaufen können.
Beim Goldtop in 2011 (1900 Dollar) hatten wir eine von den Notenbankern herbeigeredete Deflation, die in Wirklichkeit ein stark gesunkene Inflation war. Ich schätze, die Inflation lag 2011 in USA real bei etwa 2,5 %, das entspricht den Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen (die sich damit immerhin zum "Geldwert-Konservieren" eigneten).
Argumente, um 2011 bei einem Goldpreis von 1900 long zu gehen, sind rational weit schwieriger zusammenzuklauben. Deflation bzw. Mini-Inflation hält den Geldwert ja relativ stabil. Daher mussten Warnungen vom "hyperinflationären Kollaps" her, der sich seitdem seitenweise durch Goldseiten und -Threads ziehen. Das ist Teil der Verkaufspropaganda (siehe # 485). Ja, auch Gold ist ein "business".
Aktuell ist ein hyperinflationärer Kollaps eher ein Wunschdenken der Goldbugs. In Europa ist es nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass der Euro demnächst aufgegeben werden muss. Ob dies geregelt geschieht (Beschluss auf einer Konferenz) oder ungeregelt in einem Crash (z. B. Kollaps der PIIGS-Staatsanleihen), darüber kann man nur spekulieren.
Sicher scheint mir hingegen, dass der US-Dollar den Euro um viele Jahrzehnte überleben wird. Eine Anlage in US-Dollar ist daher vermutlich mittelfristig nicht schlechter als eine ein Gold, zumal wenn man die Dollars in 10-jährigen UST parkt und so eine Rendite erhält.
Mich würde nicht wundern, wenn es den US-Dollar in 100 Jahren noch gäbe. Beim Euro hingegen würde mich umgekehrt wundern, wenn es ihn in 20 Jahren noch gäbe.