25.08.2012 · Jörg Asmussen ist Deutschlands Mann in der EZB. Jetzt hilft er, die Notenpresse anzuwerfen. Der Kanzlerin ist’s recht. Sein alter Freund, Bundesbankchef Jens Weidmann, schreit auf.
Der 6. September wird ein einschneidender Tag in der Geschichte des Euro: Der Rat der Europäischen Zentralbank will über ein gewaltiges neues Euro-Rettungsprogramm entscheiden. Die detaillierten Pläne dazu hat ausgerechnet ein Deutscher ausgearbeitet, Jörg Asmussen, Mitglied des EZB-Direktoriums; gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Benoît Coeuré. Der Auftrag kam von EZB-Präsident Mario Draghi. Es geht um ein bombastisches Programm zum Ankauf südeuropäischer Staatsanleihen - ohne Limit und ohne zeitliche Begrenzung.
Zugleich wird dieser Tag der Höhepunkt in einem erbitterten Streit zweier ehrgeiziger junger Euro-Retter: Jörg Asmussen und Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank. Der eine ist für solche Anleihenkäufe, der andere hält sie für Teufelszeug.
Warum verlor Weidmann ausgerechnet ihn als Verbündeten?
Der gebürtige Flensburger Asmussen, 45 Jahre, Karrierebeamter mit Superkurz-Haarschnitt und modischer Brille, war einst Freund und treuster Verbündeter Weidmanns. Jetzt ist er zu dessen Gegenspieler geworden.
Während Weidmann mit aller Kraft gegen das Anleihenprogramm opponiert, weil er nichts Geringeres als die Stabilität des Euro selbst in Gefahr sieht, verteidigte Asmussen das Programm vergangene Woche in einem Interview ausgiebig. Es sei „viel besser konzipiert“ als das Vorgängerprogramm, für das die EZB immerhin mehr als 200 Milliarden Euro ausgab - ohne dass die Probleme Südeuropas im Entferntesten gelöst wurden.
Kommt es zum Showdown, dürften die beiden Deutschen im EZB-Rat in einer zentralen Frage gegeneinander stimmen. Kein Wunder, dass sich viele - nicht nur in geldpolitisch interessierten Zirkeln - fragen: Was ist da los? Was motiviert Asmussen, der schließlich von der Bundesregierung für diesen Posten vorgeschlagen wurde, Seit’ an Seit’ mit den Südländern zu kämpfen? Und vor allem: Warum verlor der Bundesbankpräsident ausgerechnet Asmussen als Verbündeten: ihn, den Freund?......
Das Krisen-Duo funktioniert offenbar nicht mehr. Zwar hält man nach außen die Contenance. Hinter den Kulissen aber schimpfen sie wie die Rohrspatzen. Weidmann vertrete „Positionen aus dem 19. Jahrhundert“, wettern die Asmussen-Freunde. Der Hauptvorwurf der Gegenseite lautet, Asmussen habe kein ordnungspolitisches Rückgrat.....
Asmussen ist als Mitglied des Direktoriums der EZB so etwas wie der „Außenminister“ für EZB-Präsident Mario Draghi geworden. Es gehört damit zu seinem Job, die Linie der EZB gegenüber Europas Politikern zu vertreten. Das hat er verinnerlicht.
Anders Weidmann, der seit seinem Wechsel auf den Posten des Bundesbankpräsidenten die Unabhängigkeit des Amtes durchaus zu nutzen weiß. Die Rolle eines Mahners für einen stabilen Euro gehört in der Tradition der Bundesbank zu seinem Job. Die unterschiedlichen Rollen erklären einen Teil der Differenzen.
Auch Asmussen hätte in seinem Amt allerdings Spielraum, sich anders zu verhalten - das zeigt ein Vergleich mit den Vorgängern....
...Auffällig ist in diesem Zusammenhang, wie ähnlich die Worte sind, mit denen Asmussen, Draghi und Merkel die Welt auf das neue Anleihenprogramm vorbereiten. Man werde „alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten“, versichern sie immer wieder. Das klingt sehr nach: selbst Inflation notfalls billigend in Kauf nehmen....
www.faz.net/aktuell/wirtschaft/...en-der-gehilfe-11868247.html