oder so ähnlich nannte Kass die laufende Fed- bzw. Zins-Politik in USA.
Genauer war es "Screwflation", wobei "screw" ein Slangwort für fuck ist.
Kass wollte damit ausdrücken, dass die - zunehmend deklassierte - US-Mittelschicht die Hauptleidtragende ("fucked up") dieser Zinspolitik ist. Es gibt kaum noch Zinsen auf Sparguthaben, und die Löhne bleiben wegen struktureller Massen-AL eingefroren, während gleichzeitig QE-bedingt die Preise für Nahrung und Energie (die gerade bei ärmeren Leuten anteilig stark zu Buche schlagen) in die Höhe schießen.
Daraus resultieren im Endeffekt negative Realzinsen.
Bernanke behauptet, für diese Entwicklung nicht verantwortlich zu sein, indem er
1. felsenfest und wider besseres Wissen behauptet, die Preisanstiege seien eine Folge von Knappheit bzw. Angebot/Nachfrage (Ölpeak, Asienboom, "der Markt") und nicht eine Folge seines Geldgedruckes. Tatsächlich aber gab/gibt QE den Rohstoff- und Nahrungszockern inkl. US-Großzockerbanken die nötige psychologische Rückdeckung, da sie sich des Dollar-Carrytrades bedienen. Die klammheimliche "US-Politik des schwachen Dollars" passt zugleich in das strategische Konzept Amerikas, im laufenden "Abwertungsweltkrieg der Währungen" Vorteile rauszuholen.
2. die Nahrungs- und Energie-Inflation bei der Ermittlung der Kern-Rate "wegen hoher Volatilität" rausrechnet, um weiterdrucken zu können und den großangelegten Beschiss am eigenen Volks nicht offenkundig werden zu lassen.
Wir haben also im Nahrung/Rohstoff/Assetbereich eine politisch gewollte Pseudo-Inflation (Assetpreisaufblasung). Die schleichende Dollarentwertung durch die Hintertür (via Fed-Festplatte) führt gleichzeitig zu Massen-Kaufkraftverlust bei weitgehend konstanten Löhnen, was in einer Konsumgesellschaft wie USA nachfragebremsend und mithin mittelfristig deflationär wirkt. In dem Sinne ging das Konzept Bernankes, mittels QE "Deflation zu bekämpfen", NICHT auf.
Man kann die Entwicklung als Stagflation bezeichnen (hab ich im Laufe der letzten zwei Jahre mehrmals gemacht), wobei Kass' Screwflation den Nagel noch besser auf den Kopf trifft.
Kommen wir, Platschquatsch, also zu Ausgangsfrage zurück: Hat QE im Endeffekt etwas gebracht?
Man muss dies an den Langzeitwirkungen festmachen.
Im Prinzip könnte man argumentieren, dass der Versuch der Fed, die Langlaufzinsen mittels Nullzinsen und QE niedrig zu halten (galt mal als Hauptargument für QE), "geglückt" ist. Denn die laufende Rallye bei US-Langläufern ist geradezu krank. 2,9 % auf 30jährige gab es zuletzt am Höhepunkt der Bankenkrise im Winter 2008/2009.
Die Tiefzinsen wirken sicherlich auch positiv für den US-Hausmarkt, weil verzockte Hausbesitzer nun zu günstigen Konditionen umschulden können. Freilich bleibt es dabei, dass derjenige, die im Hausboom zu teuer gekauft hat, lebenslang an dem (Miss)Deal abzahlen muss. Denn die Schuld wird durch tiefe Zinsen bekanntlich nicht kleiner. Wer sich durch "der Bank den Schlüssel auf den Tresen knallen" entzieht, steht langfristig besser da.
Die Tiefzinsen bewirkten, dass die US-Hausverkäufe in den letzten Monaten wieder leicht angezogen haben. Sie sind aber immer noch um den Faktor 3 bis 4 kleiner als 2005, als 1,5 Mio. Häuser verkauft wurden. Man kann von einer Erholung auf unterstem Level sprechen.
Die Bondrallye wurde vor allem durch die Nullzinspolitik ausgelöst. Nullzinsen haben zur Folge, dass Leute der Rendite wegen ihre Geldmarktkonten plündern und (aus Scheu vor Aktien) das Geld in Langläufer inkl. Unternehmensbonds stecken. Das war von Bernanke so geplant - und die Kalkulation ist in dem Sinne aufgegangen. QE hat die Bondnachfrage dabei noch zusätzlich verstärkt.
Dennoch kann man die Fed-Politik nach heutigem Stand als tendenziell gescheitert betrachten, weil
- die progagierte Erholung am US-Arbeitsmarkt ausgeblieben ist. Die aktuell gut 100.000 neuen Stellen pro Monat reichen nicht mal für diejenigen, die monatlich neu in den US-Arbeitsmarkt drängen. So bleibt es bei der hohen Sockel-AL. Dass die AL-Rate dennoch sinkt, ist auf Statistiktricks zurückzuführen. Wer nach 99 Monaten kein AL-Geld mehr bekommt, gilt nicht mehr als arbeitslos. Die Wahrheit zeigt die seit Jahren sinkende "Population Work Force".
- die propagierte Erholung der US-Wirtschaft ausgeblieben ist. Eine reiche 1-%-Minderheit wurde durch die laufende Umverteilung von unten nach oben zwar reicher dann je. Doch dafür sank die breite 99-%-Masse schrittweise in die Verelendung ab. Das US-Wachstum dümpelt bei mageren 2 %. Ohne die massive Neuverschuldung von fast 10-BIP-Prozent pro Jahr seit 2008 - die fast ausschließlich von der Fed via Gelddrucken "refinanziert" wurde - und die damit finanzierte Wohltaten wie Food Stamps und AL-Zahlungsverlängerungen wäre die US-Wirtschaft in den letzten drei Jahren höchstwahrscheinlich geschrumpft. 2 % Wachstum bei 10 % Neuverschuldung sind per saldo katastrophal. Und ein Beleg, dass Vater Staat als Reparaturbetrieb des Zockerkapitalismus kein Chance hat. HInzu kommt, dass Amerika wegen der ausufernden Neuverschuldung inzwischen auf "griechische Verhältnisse" (bald über 100 % Schulden/BIP) zusteuert. Kein Wunder, dass die US-Ratingagenturen in Europa soviel Dampf machen. Das lenkt von eigenen, nicht minder schweren Problemen ab.
- auch das dritte Mandat der Fed, für Preisstabilität zu sorgen, nicht funktioniert hat, weil die Energie- und Nahrungsmittelpreise infolge von QE "explodierten". Dass Bernanke beides rausrechnet, ändert nichts an der Sachlage, das die hohen Preise vom US-Verbraucher schlussendlich bezahlt werden müssen, was Kaufkraft abschöpft und die US-Konsumgesellschaft lähmt (BIP basiert zu 70 % auf Konsum). Die massive Alimentation aus der Neuverschuldung hat die Schieflagen zwar pro forma gedämpft, aber eben um den Preis von nun annähernd 100 % Schulden/BIP-Quote.
FAZIT: Der Fed ist es gelungen, die Langlaufzinsen niedrig (und die Leitzinsen bei Null) zu halten, aber die versprochenen Wunderdinge, die daraus resultieren sollten, sind ausgeblieben. Fuckflation führte vielmehr zur Deklassierung/Verarmung der US-Mittelschicht und zur Verelendung der Unterschicht (Obdachlosigkeit).
Kein Wunder bei einer Notenbank, die im Grunde nichts anderes ist als der verlängerte Arm von Großzockern um Blankfein/GS.