Nach Murphy's Investment Law passiert immer das Gegenteil von dem, was mit einer Investition beabsichtigt ist. Kleinanleger kaufen Aktien, die dann stark fallen. Kleinanleger shorten Indizes, die dann stark steigen....
Ähnliches dürfte nun den Notenbanken widerfahren. Sie haben mit ihren massiven Staatsanleihenaufkäufen versucht, die Zinsen am langen Ende zu drücken (bzw. PIIGS auszubailen). Bereits jetzt ist in USA erkennbar, dass dies nicht (mehr) funktioniert: Seit Beginn von QE2 sind die Zinsrenditen der US-Langläufer stark gestiegen. Dieser Trend könnte sich künftig weiter fortsetzen, da die Rohstoff-Inflation (ebenfalls eine QE-Folge) den Inflationstrend befeuert und die Zinsen am langen Ende noch weiter nach oben treibt.
Gleichzeitig wird die US-Wirtschaft von den teuren Preisen, die nicht mit in gleichem Maße steigenden Löhnen (Reallohnabbau) einhergehen, ausgebremst - ein typisches Stagflations-Szenario. Hinzu kommt wachsende Risikoaversion, da mit zunehmender US-Staatsverschuldung die Rückzahlungswahrscheinlichkeit immer weiter schwindet. Wir sehen es bereits bei den Munis.
Einige Utopisten in USA glauben, die Fed könne ihre Bilanz so weit aufblasen, dass die gesamten jetzigen Staatsschulden von 14,5 Billionen auf das Soma-Schattenaccount verschoben werden könnten. Dabei dürften jedoch die ausländischen Gläubiger (Staaten) nicht mitspielen, weil sie unter der damit verbundenen Dollar-Verwässerung leiden. Sie könnten bereits vorher in einen US-Staatsanleihen-Käuferstreik treten.
Die Folge dürften US-Staatsanleihen deutlich im Kurs sinken. Das gilt auch für die vielen Staatsanleihen, die die Notenbanken infolge der Aufkäufe in ihrem Bestand halten: Die Fed hat bereits für weit über zwei Billionen Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Wenn diese Anleihen um 30 % fielen (die Zinsrenditen der 10-jährigen würden dann ca. 6 % hochschnellen), liefe bei der Fed ein Netto-Verlust in Höhe von 700 Mrd. Dollar auf. Denn die Schattenschulden für die Aufkäufe "auf der anderen Seite" des Soma-Accounts bleiben ja in voller Höhe stehen. Die Fed hätte dann - wie ein verzockter US-Hausbesitzer - negatives Eigenkapital. Allerdings in schwindelnder Höhe von 700 Mrd. Dollar.
Nach der jüngsten Gesetzesnovelle werden diese Fed-Verluste dann dem US-Schatzamt zugeschoben. Geithner müsste als Ausgleich für zusätzliche 700 Mrd. Schulden aufnehmen.
Die kämen zu den ohnehin eingeplanten 1.500 Milliarden Neuschulden für den 2011-US-Haushalt hinzu. Macht dann satte 2,2 Billionen oder 15 % des US-BIPs. Und siehe da, wir haben "griechische Verhältnisse". Außerdem müssen noch etliche Bestandsanleihen gerollt werden. Wer soll die kaufen, wenn die sieche Fed als Schattenbieter Probleme bekommt, ihr Soma-Account weiter aufzublasen?
FAZIT: QE könnte gemäß Murphy's Investment Law voll nach hinten losgehen. Im Extremfall könnte dabei die Fed oder das US-Schatzamt (oder beide) pleite gehen. Nicht gerade verlockende Aussichten für "US-Anleger".