Die Europäer sind schuld. Für Barack Obama ist die Ursache der neuerlichen Wachstumsschwäche in den USA schnell ausgemacht. Die Eurozone und ihr zögerliches Vorgehen in den Fragen Griechenland-Rettung, Institutionenreform und Banken-Rekapitalisierung ist also verantwortlich für die weiterhin fragile Konjunkturlage im eigenen Land. Klingt nach Vorwahlkampf.
Im Verlauf der letzten drei Jahre widmete ich ein Dutzend PSCs der US Volkswirtschaft, repräsentiert sie doch immerhin noch knapp ein Viertel des Welt-GDPs und rangiert damit auf #2 der größten Wirtschaftsräume, hinter dem der Europäischen Union. Treuen PSC Lesern sollte der neuerliche Rückfall der USA nicht überraschen, wurden doch an dieser Stelle die Gründe für die strukturellen Wachstumsbremsen mehrfach antizipierend erläutert.
US Rezession, Teil II?
Seit dem unnötigen und unverantwortlichen Schauspiel zur Anhebung des US Schuldenlimits Anfang August und dem damit verbundenen Drop in Consumer Confidence & Small Business Optimism, mehren sich die Anzeichen eines Rückfalls in die Rezession. In einer von Konsumenten und Kleinunternehmern getragenen Volkswirtschaft ist mit deren Zukunftserwartungen nicht zu spielen, weil unmittelbar mit negativen Wachstumskonsequenzen verbunden. Quod erat demonstrandum. Die brisante Situation der US Wirtschaft im Herbst 2011 verdient eine nähere Analyse. Deshalb geht der heutige PSC der Frage nach, ob sich die USA neuerlich in einer Rezession befindet.
Lakshman Achuthan, COO des Economic Cycle Research Institute (NY), ist sich sicher: “We’ve entered a vicious cycle, and it’s too late: a recession can’t be averted,”. Weshalb sollte man Achuthan anhören? Das ECRI timte nicht nur den Beginn und das Ende der letzten US Rezession richtig, sondern war spot on bei allen US Rezessionen der letzten 15 Jahre – ohne ein Fehlsignal. Der Inhouse-entwickelte U.S. Leading Diffusion Index lag in den letzten 60 Jahren bei nur einer (sehr kurzen) Rezession (1966-67) daneben. Deren Indikatoren sind eine Wohltat in einer Welt voller Glaskugelleser. Kurz, Achuthan geht von einem neuerlichen Rezessionsbeginn in Q4-11/Q1-12 aus.
David Rosenberg mit einer statistischen Beobachtung: Wann immer seit dem 2. Weltkrieg das YoY GDP Wachstum < 2% gefallen ist, war eine Rezession die Folge. Im September fiel es auf 1,6%. Der nachstehende Chart (September noch nicht aktualisiert) visualisiert die hohe empirische Aussagekraft dieser statistischen Ausprägung.

Rosenberg erwartet den Rezessionsbeginn mit Ende 2011. Hier seine ausführlichere Begründung. Der Vollständigkeit halber sei auch auf unseren Pop-Ökonomen Roubini verwiesen, der die Rezessions-wahrscheinlichkeit auf 60% in 2012 anhob. Goldman Sachs´ Chefökonom Hatzius schätzt sie auf 40% ein, George Soros sieht die USA bereits inmitten einer double-dip recession.
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