nimmt hier im Thread und bei Ariva (inbesondere Gold/Silber-Threads) mal wieder Übergewicht an.
Man kann daher kontraindikatorisch mittelfristig mit Folgendem rechnen:
Aktien fallen nach kurzer Zwischen-Rallye wegen US-Schuldenaufstockung (kommt diese Woche oder Anfang nächster Woche). Die aus obiger Generalerwartung abgeleitete These, Aktien seien "vor Inflation schützende Sachwerte", wird sich als Illusion entpuppen. Denn sobald die Gewinne wegbrechen - das ist angesichts der Sparauflagen (bis zu 4 Bio. $), die für die Aufstockung der US-Schuldengrenze zwingend erforderlich sind, nur noch eine Frage der Zeit - , kommen auch US-Aktien bzw. die "Leit-Indizes" unter Druck. (Der DAX kaspert wie üblich hinterher). Dann nährt die Baisse die Baisse. Das kann Monate, wenn nicht Jahr anhalten, vergleiche 1930 ff.
Mit den Sparauflagen werden die bisherigen Möglichkeiten des Deficit Spending (deutlich) beschnitten, d.h. das Staatsgepäppel muss in USA erheblich zurückgefahren werden. Das ist den Reps auch nur lieb und billig. Selbst QE3 würde wenig bringen, wenn Geithner (das US-Schatzamt) nicht "im Tandem" die Neuverschuldung hochfahren kann. Die Gelddruckmaschine läuft nur dann effektiv, wenn Geithner frische Anleihen emittiert und die Fed sie (über Schattenbieter-Banken, die sie kurzfristig "zwischen"-halten) aufkauft bzw. "monetarisiert". Sind Geithner wegen der Sparbeschlüsse die Hände gebunden, könnte die Fed bei QE3 im Wesentlichen nur Bestands-Staatsanleihen vom Markt aufkaufen. Die große Frage dabei ist, ob die Banken diese überhaupt weggeben wollen. Denn länger laufende Staatsanleihen passabler Bonität könnten sich - der hiesigen Konsenmeinung zum Trotz - in Zukunft zu den interessantesten Assets überhaupt entwickeln (Begründung: siehe nächster Absatz). Die US-Zinsrenditen fallen bereits seit einem halben Jahr....
Langläufer steigen. Wenn die US-Wirtschaft und die der Eurozone (auch in den PIIGS bremsen Sparauflagen) kaum wächst und die Regierungen sich mit (leicht) negativen Realzinsen behelfen müssen (siehe Gross, oben), herrscht de facto leichte Stagflation. Die Leitzinsen werden dabei lange nahe Null bleiben. Die Inflation entsteht durch die negativen Realzinsen sowie durch Rohstoff-Inflation infolge der Nullzinsen. Die Reallöhne werden in einem solchen Szenario eher sinken, d.h. die Massenkaufkraft schwindet. Die Grenzen zur Deflation sind dabei fließend. Wenn Cash wegen negativer Realzinsen 2 % pro Jahr an Kaufkraft verliert, sind Langläufer, die (zurzeit noch) mit 4 % rentieren, eine interessante Anlagealternative. Sie bringen dann nämlich real immerhin 2 % Plus.
Aktien hingegen werden in einem Stagflations/Deflations-Szenario eher Federn lassen. Die "schönen Dividenden", mit denen Anleger aktuell geködert werden, können - wie wir aus der Vergangenheit wissen - im Handumdrehen auf Null gesetzt werden, falls die Gewinne ausbleiben. Dann bleibt "dem Anleger" nur noch der fallende Kurs. Das ist viel schlimmer als negative Realzinsen bei Festgeld. Denn bei Festgeld ist der Verlust auf real -1 bis -2 % pro Jahr begrenzt, während sich Aktien, insbesondere nach Dividendenkürzungen, auch wieder halbieren könnten - macht -50 % Realrendite auf Aktien.
Der Traum von China/Asien als Ersatzkonjunkturmotor dürfte sich ebenfalls nicht erfüllen, wenn die westl. Industrieländer wegen eigener/innerer Probleme weniger Waren abnehmen. Die Asien-Länder haben viel zu niedrige Löhne, um eine Binnenkonjunktur zu schaffen, die die Nachfrage aus dem darbenden Westen ausgleichen könnte. Außerdem droht China ein Banken-Fiasko, wenn die Immobilien- und Zweckgesellschafts-Kredit-Blasen platzen. Japan leidet noch immer an seinen Altlasten, dem Erdbeben sowie horrender Staatsverschuldung.
Sollte sich ein Szenario wie oben beschrieben entwickeln, dürften wegen zunehmender Risikoaversion und Rückabwicklung der zurzeit massiven Dollar-Carrytrades und sonstigen "Risk Trades"
- der Dollar wieder deutlich stärker werden, während
- Rohstoffe, Öl, Gold, Silber und "Hochzinswährungen" wie der Aussi einbrechen (Szenario ähnlich wie in der 2. Jahreshälfte 2008).
FAZIT: Man kann mich nach wie vor zu den "Bond-Deflationisten" im Sinne David Rosenbergs zählen. Rosenberg ist allerdings - im Gegensatz zu mir - Goldbulle. Ich glaube, dass in einer Deflation auch der Goldpreis um mindestens -30 % runterkommt.