Ein bissl off-topic, dennoch interessant. Da fällt mir nicht mehr viel dazu ein...
Druckreifer VergütungsirrsinnSuper Timing. Um staatliche Hilfe betteln, ein Viertel der Mitarbeiter entlassen, und für diese Leistung einen Bonus kassieren. Heidelberger Druck erkennt wieder einmal die Zeichen der Zeit nicht.
Es ist ja nicht so, dass sogenannte hilfsbedürftige Firmen nach Arcandor den Kopf hängen lassen müssen. Anfang der Woche sicherte sich ein Weltmarktführer aus Heidelberg ein Rettungspaket in Höhe von 850 Mio. Euro.
Wir stellen die Firma, die am Dienstag ihre Jahreszahlen per 31. März vorlegte, kurz vor: Der Umsatz ging innerhalb von einem Jahr um 18 Prozent zurück, das Betriebsergebnis drehte von einem Plus von 268 Mio. Euro in ein Minus von 49 Mio. Euro, ein Ergebnis vor Steuern von 199 Mio. Euro wandelte sich in einen Vorsteuerverlust von 347 Mio. Euro. Ab Februar 2010 können Inhaber der Wandelschuldverschreibung vorzeitig andienen, womit beim Kursverlauf der Aktie - minus 80 Prozent seit Begebung der Anleihe im Februar 2005 - zu rechnen ist. Dann fließen über 300 Mio. Euro von der Firma ab. 12 von 15 Analysten empfehlen die Aktie zum Verkauf, vor 2012 wird mit keinem Jahresüberschuss gerechnet. Der Titel kostet die Hälfte vom Buchwert.
Interessant ist nun, wie man sich in Heidelberg auf die Talfahrt vorbereitet hat: Bis Ende September 2008 hat man den Mitarbeiterstamm noch ausgebaut - heute werkeln 90 Prozent in Kurzarbeit, und ein Viertel der Belegschaft soll gehen. Charmanter aber noch die Liquiditätsplanung: Von 2005 bis 2008 wurden eigene Aktien zu einem Durchschittskurs von 34 Euro im Gesamtvolumen von 284 Mio. Euro zurückgekauft. Noch im Juli 2008 wurde eine Dividende von 74 Mio. Euro ausgezahlt. Und das Schmankerl zum Schluss: Für das abgelaufene Jahr wurde dem Vorstand eine erfolgsabhängige Tantieme gegönnt, immerhin 40 Prozent des Vorjahreswerts. Gönnerhaft heißt es zudem im Geschäftsbericht, der Vorstand würde bereits jetzt auf die Hälfte seiner ihm zustehenden Tantiemen für das aktuelle Geschäftsjahr - das, in dem man um Staatshilfe bettelt - verzichten. Ist das nur Realitätsverlust oder schon Hohn? Die besser durch die Krise kommenden Branchenbrüder Technotrans und Koenig & Bauer haben für 2008 sämtliche variablen Vergütungen gestrichen, auf null.
Bei dieser Nachrichtenlage braucht man eigentlich gar nicht mehr auf Diskussionen von Branchenkennern einzugehen, dass es Heidelberger Druck schon länger an einer Strategie mangele.
www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/...Ctungsirrsinn/525532.html
Im Kommunismus wurde erst verstaatlicht und dann ruiniert, im Kapitalismus wird erst ruiniert und dann verstaatlicht.
(Schwerins OBin Gramkow)