Naja, ganz so ist es nicht.
Ich unterwerfe mich keinem strikten Regelwerk. Ich lasse die Vorauswahl aus einigen tausend Aktien eine Software übernehmen, in dem ich Filter einstelle, die mir persönlich liegen. Das ist ein riesiger Zeitgewinn. Und nur deshalb nutze ich sie.
Dann gucke ich mir die Ergebnisse an und schließlich kommt das, was man gemeinhin "Bauchgefühl" nennt. Nur weil ein Wert meine Kriterien erfüllt, kaufe ich noch lange nicht. Wenn man länger an der Börse ist, weiß man, mit welchen Aktien man "klarkommt", welche einem also liegen. Und um welche man besser einen Bogen macht. Verstehe ich ein Geschäftsmodell nicht, kaufe ich auch nicht. Denn dann bin ich im Abwärtsgang nicht entspannt genug.
Und ich bin ziemlich treffsicher, was Kursrückgänge angeht. Gefühlt immer, wenn ich gerade gekauft habe. Wie war das noch mit NEL? Erst Umplatzierung, dann Explosion. Typisch für mich.
Eine Zeitebene habe ich beim Kauf nicht. Das ergibt sich immer aus der Gesamtdepotentwicklung. Feste Stopps gibt es extrem selten. Meist nur als trailing stopp, um Gewinne abzusichern, wenn mir eine zeitnahe Begleitung nicht möglich ist.
Zu den Filtern:
Ich habe einen Hang zu Darvas und zur Charttechnik allgemein. Schlicht, weil ich nicht glaube, besser informiert zu sein als die Profis. Und alles was ich an Informationen lesen kann, ist grundsätzlich öffentlich und veraltet. Die ganzen Analysen und Zahlenwerke dienen mir eigentlich nur dazu, den Unternehmenszweck und die möglichen Aussichten besser zu verstehen.
Man könnte also auch sagen: der Chart entspricht im allgemeinen der Wahrheit, oft werden die Gründe einer markanten Bewegung der Öffentlichkeit nachgereicht (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel).
News einzuordnen entspricht oft einem Glücksspiel, sieht man gerne auch, wenn die Kurse wild herumzappeln, wenn Relevantes veröffentlicht wird. Ich maße mir nicht an, immer die richtigen Schlüsse zu ziehen und so dauerhaft Gewinn damit zu erzielen.
Wie schwer es ist, die Zukunft vorher zu sagen und dann auch noch auf der Zeitachse treffsicher zu agieren, sieht man ja im Nachbarboard. Gute Ideen, leider oft zur falschen Zeit umgesetzt.
Ich werde dieses Depot mehr aus der "Vogelperspektive" führen. Mit geringen Gewichtungen einsteigen, diese erst nach und nach erhöhen. Einfach um Ruhe bei den teilweise gewaltigen Schwankungen zu bewahren, die amerikanische Aktien gerne haben. Ich erinnere mich an eine Episode mit eHealth im April. Ausbruch bei 70 gekauft, dann Absturz auf unter 50, da bekommt man schon Schnappatmung. Mit Glück ein paar Tage später sogar mit Gewinn verkauft und herzschonend von der Watch verbannt.
Jetzt taucht das Teil wieder auf meiner Ergebnisliste auf, steht über 20% höher. Sowas nervt. Sowas will ich möglichst vermeiden. Das geht halt nur bei geringen Anfangsgewichtungen, zumal die absoluten Schwankungen eh nichts für zarte Gemüter sind bei größeren Depots. Da gewinnt und verliert man täglich schon mal einen feinen Jahresfamilienurlaub. Aber das werden die meisten hier ja kennen :-)