Den Banken steht ein weiteres schweres Jahr bevor


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Den Banken steht ein weiteres schweres Jahr bevor

 
15.02.02 08:07
Das Kapital: Den Banken steht ein weiteres schweres Jahr bevor

Kredite vergeben ist allemal leicht. Schwerer wird es, wenn man sie mitten in einer Konjunkturflaute wieder einsammeln will. So gesehen hat sich UBS, von den drei europäischen Großbanken, die Zahlen vorgelegt haben, 2001 am besten behauptet.

Obwohl auch die Schweizer Bank Verluste wegen maroder Investmentgeschäfte verbuchen musste, ist sie relativ glimpflich davongekommen. Bei Barclays dagegen stieg die Risikovorsorge um 35 Prozent, bei ABN Amro schnellte sie sogar um 144 Prozent in die Höhe. Von Enron über Argentinien bis hin zu angeschlagenen Fluggesellschaften haben die Holländer keinen Problemfall ausgelassen.

Auch im operativen Geschäft hat sich UBS gut geschlagen, besonders im Investmentbanking, wo UBS Warburg die Kosten ausgezeichnet unter Kontrolle gehalten hat - ganz anders als bei Credit Suisse oder der Deutschen Bank. Barclays konnte hier ebenfalls satte Gewinne vermelden, nachdem sich die Briten längst auf das Geschäft mit Anleihen anstatt mit Aktien und Übernahmen konzentriert haben. ABN stand wieder vergleichsweise schlecht da. Zwar müssen alle drei weiter an ihrer Profitabilität arbeiten, aber nur bei ABN scheint dazu ein großer Stellenabbau - ein Viertel der Belegschaft im Heimatland wird wegfallen - nötig.

Das kommt auch daher dass die Holländer, was ihr Geschäftsmodell angeht, weder Fisch noch Fleisch sind. War vor 18 Monaten noch die Rede davon, dass sie mit den Großen im Investmentbanking mithalten wollten, stellte das Management am Donnerstag den Ausbau der Vermögensverwaltung als oberstes strategisches Ziel vor. Barclays, viel geschickter, hat schon vor Jahren den internationalen Wettkampf aufgegeben und sich auf profitable Nischen wie Kreditkarten und Hypotheken in England beschränkt. Das einzige Problem ist, dass die Bank wegen ihres hohen Marktanteils dort praktisch nur noch durch Zukäufe wachsen kann - und deswegen doch irgendwann wieder über den Ärmelkanal gucken muss. UBS dagegen will in der Branche ganz nach oben. Das ist wohl die teuerste Strategie, aber verspricht langfristig das schnellste Wachstum.

Zuerst wird 2002 aber nochmal ein schweres Jahr. Alle drei erwarten weiterhin flauen Ertragswachstum und wahrscheinlich noch höhere Rückstellungen. Der Bankensektor hat sich über die letzten zwölf Monate zehn Prozent besser geschlagen als der Markt. Jetzt ist erst einmal Vorsicht geboten.

Schon Michail Gorbatschow versuchte, den Russen Bier als gesunde Alternative zu Wodka schmackhaft zu machen. Zumindest die Bierpolitik des letzten Sowjetlenkers war erfolgreich. Der durchschnittliche Konsum des Gerstensafts ist von 14 Litern pro Person in den letzten zehn Jahren auf 41 gewachsen. Die Tendenz ist stark steigend, und zwar wohl noch ziemlich lange. In Deutschland etwa liegt der Verbrauch bei 127 Litern, in der Slowakei bei 88 Litern.

Kein Wunder also, dass der russische Markt als einer der attraktivsten weltweit gilt. Strategisch ist der Kauf von Hartwall durch Scottish & Newcastle (S&N) ein geschickter Schachzug. Er verschafft S&N die Markführerschaft in Finnland und 50 Prozent von Baltic Beverages Holding (BBH), an der Carlsberg den Rest hält. BBH ist Marktführer in Estland, Lettland, Litauen - und Russland, mit einem Marktanteil von 30 Prozent. Sun Interbrew hält 12,7 Prozent. Bravo, für die der sonst so knausrige Bierriese Heineken bis zu 450 Mio. Euro bezahlen will, beliefert 3,8 Prozent des Marktes.

Gemessen daran ist die Summe, die S&N für Hartwall bietet, nicht übertrieben. Zwar stehen dem Aufschlag von 22 Prozent gemessen am Aktienkurs keine Synergien gegenüber. Aber Hartwall war an der Börse mit dem 17fachen Gewinn für 2002 bewertet. Bei mittelfristigen operativen Wachstumserwartungen von über 15 Prozent pro Jahr war das ziemlich günstig. Der Preis, den S&N zahlt, liegt bei 2,05 Mrd. Euro. Zählt man die Nettoschulden von 175 Mio. Euro hinzu, so entspricht das dem 9,2fachen des laufenden Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Goodwill (Ebitda). Interbrew zahlte für Becks fast das zwölffache Ebitda, S&N für Kronenbourg, die Biersparte von Danone , ebenfalls - und das in großteils stagnierenden Biermärkten.

Das Problem ist nur, dass schon Kronenbourg S&N einen Kater beschert hat - in Form von 1,5 Mrd. £ Nettoschulden. Außerdem hält Danone eine Verkaufsoption auf den verbleibenden Anteil. Die kann ab 2003 ausgeübt werden, was S&N 1,2 Mrd. £ kosten würde. S&N wird es schwer haben, bei der Konsolidierung des Biermarktes federführend mitzuwirken. Nach dem Hartwall-Kauf und dem Einstieg beim indischen Marktführer United Breweries im Januar steigt indes immerhin der Druck auf S&N, sich aus dem undankbaren englischen Pub-Geschäft zurückzuziehen. Dort sind gut zwei Mrd. £ oder ein Drittel des Unternehmenswerts vor der Übernahme gebunden.



© 2002 Financial Times Deutschland  
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