Dax nimmt Jahreshoch ins Visier
Sprung über 3500 Punkte erwartet - Dresdner-Stratege warnt vor Rückkehr der Bären
von Holger Zschäpitz
Berlin - Es gehört dieser Tage eine Menge Mut dazu, die Rückkehr des Bärenmarktes auszurufen. Schließlich schickt sich der Dax nach Einschätzung der meisten Marktstrategen in dieser Woche an, ein weiteres Jahreshoch zu erklimmen. Doch die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein trauen dem Anstieg noch immer nicht über den Weg. Jetzt haben sie die Investoren in einer umfangreichen Deutschland-Studie noch einmal eindringlich gewarnt, dass die Zeiten fallender Kurse wieder zurückkehren könnten. "Die weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen nicht für eine positive Einschätzung von Aktien", schreibt Dresdner-Stratege Rainer Gerdau. Er erwartet für das kommende Jahr, dass alle wichtigen Volkswirtschaften unter dem Trendwachstum bleiben werden. Insbesondere ein Umsatzwachstum, das sich positiv auf die Gewinne auswirkt, werde ausbleiben.
Als weitere Wachstumsbürde für deutsche Aktien sieht Gerdau den hohen Ölpreis sowie einen prognostizierten Anstieg des Euro bis auf 1,35 Dollar. Seines Erachtens werden die Kosteneinsparungen nicht ausreichen, um die Gewinnerwartungen für das kommende Jahr zu erfüllen. Aktuell ist für 2004 ein Gewinnanstieg bei den Dax-Gesellschaften von 47 Prozent eingepreist. Nach Gerdaus Berechnungen müssten die Unternehmen allein auf Basis von Kostenreduzierungen ihre Gewinnmargen um 30 Prozent ausweiten, was er für utopisch hält. Selbst die positiven Reformansätze in Deutschland können den Strategen nicht überzeugen. Sie würden von den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen überkompensiert. "Wenn es zu der von unserem Haus antizipierten Rückkehr des Bärenmarktes kommt, dann wird der deutsche Aktienmarkt wegen seines konjunkturellen Hebels überproportional belastet", warnt Gerdau und schiebt gleich ein Dax-Kursziel nach. So liege das faire Niveau des deutschen Marktbarometers auf Basis der diesjährigen Gewinnschätzungen bei 2504 Punkten.
Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Studie ist klug gewählt. Denn traditionell beginnt Mitte August die schwächste Jahreszeit für Aktien. Seit 1966 verlor der Dax zwischen Mitte August und Ende September im Schnitt rund vier Prozent. "Statistisch gesehen folgt jetzt die klassische Sommerflaute", schreiben die Experten der WestLB in ihrem aktuellen Marktausblick.
Zurückzuführen ist das saisonale Muster auch auf die während der Sommermonate fehlenden Impulse. Und so sind wegweisende Daten in dieser Woche Mangelware. Mit Henkel und MLP legen nach dem Zahlenmarathon der vergangenen beiden Wochen gerade einmal zwei Dax-Leichtgewichte ihre Gewinnausweise vor. Makroökonomisch ist lediglich der ZEW-Konjunkturindikator von Bedeutung. Auch aus Übersee ist planmäßig nicht viel zu erwarten. Hier stehen die Frühindikatoren und der Philli Fed Index auf der Agenda. Etwas Aufmerksamkeit dürfte noch der Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan hervorrufen, dessen Veröffentlichung wegen des Stromausfalls auf diese Woche verschoben wurde.
"Ich erwarte insgesamt eine ruhige Handelswoche mit relativ geringen Umsätzen", sagt Joachim Paech, Chefhändler bei Julius Bär. Dem Dax traut er eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung bis auf 3520 Punkte zu. Paech schließt eine Rückkehr des Bärenmarktes weitgehend aus. Auch von saisonalen Kursmustern hält er wenig. "Nach drei Minusjahren in Folge ticken die Uhren anders. Außerdem sucht jede Menge Liquidität neue Möglichkeiten am Aktienmarkt", sagt Paech.
Eine ereignisreiche Woche sagen die Strategen MLP voraus. Dabei sollten die Geschäftszahlen eher im Hintergrund stehen. Denn der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse wird im Rahmen der Dax-Neuordnung am Dienstag wohl die Weichen dafür stellen, dass MLP aus der ersten Börsenliga heraus fällt. Der Finanzdienstleister ist beim Börsenwert längst jenseits des Dax-Regelwerkes. Ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen für die fällige MLP-Nachfolge machen die Strategen zwischen T-Online und Continental aus, wobei die Mehrzahl der Strategen dem Reifenhersteller die besten Chancen einräumt. Bei der Marktkapitalisierung ist Conti auf Platz 26 aller deutschen Gesellschaften vorgerückt und hat die Nase klar vorn.
Welt.de
Sprung über 3500 Punkte erwartet - Dresdner-Stratege warnt vor Rückkehr der Bären
von Holger Zschäpitz
Berlin - Es gehört dieser Tage eine Menge Mut dazu, die Rückkehr des Bärenmarktes auszurufen. Schließlich schickt sich der Dax nach Einschätzung der meisten Marktstrategen in dieser Woche an, ein weiteres Jahreshoch zu erklimmen. Doch die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein trauen dem Anstieg noch immer nicht über den Weg. Jetzt haben sie die Investoren in einer umfangreichen Deutschland-Studie noch einmal eindringlich gewarnt, dass die Zeiten fallender Kurse wieder zurückkehren könnten. "Die weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen nicht für eine positive Einschätzung von Aktien", schreibt Dresdner-Stratege Rainer Gerdau. Er erwartet für das kommende Jahr, dass alle wichtigen Volkswirtschaften unter dem Trendwachstum bleiben werden. Insbesondere ein Umsatzwachstum, das sich positiv auf die Gewinne auswirkt, werde ausbleiben.
Als weitere Wachstumsbürde für deutsche Aktien sieht Gerdau den hohen Ölpreis sowie einen prognostizierten Anstieg des Euro bis auf 1,35 Dollar. Seines Erachtens werden die Kosteneinsparungen nicht ausreichen, um die Gewinnerwartungen für das kommende Jahr zu erfüllen. Aktuell ist für 2004 ein Gewinnanstieg bei den Dax-Gesellschaften von 47 Prozent eingepreist. Nach Gerdaus Berechnungen müssten die Unternehmen allein auf Basis von Kostenreduzierungen ihre Gewinnmargen um 30 Prozent ausweiten, was er für utopisch hält. Selbst die positiven Reformansätze in Deutschland können den Strategen nicht überzeugen. Sie würden von den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen überkompensiert. "Wenn es zu der von unserem Haus antizipierten Rückkehr des Bärenmarktes kommt, dann wird der deutsche Aktienmarkt wegen seines konjunkturellen Hebels überproportional belastet", warnt Gerdau und schiebt gleich ein Dax-Kursziel nach. So liege das faire Niveau des deutschen Marktbarometers auf Basis der diesjährigen Gewinnschätzungen bei 2504 Punkten.
Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Studie ist klug gewählt. Denn traditionell beginnt Mitte August die schwächste Jahreszeit für Aktien. Seit 1966 verlor der Dax zwischen Mitte August und Ende September im Schnitt rund vier Prozent. "Statistisch gesehen folgt jetzt die klassische Sommerflaute", schreiben die Experten der WestLB in ihrem aktuellen Marktausblick.
Zurückzuführen ist das saisonale Muster auch auf die während der Sommermonate fehlenden Impulse. Und so sind wegweisende Daten in dieser Woche Mangelware. Mit Henkel und MLP legen nach dem Zahlenmarathon der vergangenen beiden Wochen gerade einmal zwei Dax-Leichtgewichte ihre Gewinnausweise vor. Makroökonomisch ist lediglich der ZEW-Konjunkturindikator von Bedeutung. Auch aus Übersee ist planmäßig nicht viel zu erwarten. Hier stehen die Frühindikatoren und der Philli Fed Index auf der Agenda. Etwas Aufmerksamkeit dürfte noch der Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan hervorrufen, dessen Veröffentlichung wegen des Stromausfalls auf diese Woche verschoben wurde.
"Ich erwarte insgesamt eine ruhige Handelswoche mit relativ geringen Umsätzen", sagt Joachim Paech, Chefhändler bei Julius Bär. Dem Dax traut er eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung bis auf 3520 Punkte zu. Paech schließt eine Rückkehr des Bärenmarktes weitgehend aus. Auch von saisonalen Kursmustern hält er wenig. "Nach drei Minusjahren in Folge ticken die Uhren anders. Außerdem sucht jede Menge Liquidität neue Möglichkeiten am Aktienmarkt", sagt Paech.
Eine ereignisreiche Woche sagen die Strategen MLP voraus. Dabei sollten die Geschäftszahlen eher im Hintergrund stehen. Denn der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse wird im Rahmen der Dax-Neuordnung am Dienstag wohl die Weichen dafür stellen, dass MLP aus der ersten Börsenliga heraus fällt. Der Finanzdienstleister ist beim Börsenwert längst jenseits des Dax-Regelwerkes. Ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen für die fällige MLP-Nachfolge machen die Strategen zwischen T-Online und Continental aus, wobei die Mehrzahl der Strategen dem Reifenhersteller die besten Chancen einräumt. Bei der Marktkapitalisierung ist Conti auf Platz 26 aller deutschen Gesellschaften vorgerückt und hat die Nase klar vorn.
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