Dax: Neues Jahreshoch in Sicht

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Nassie:

Dax: Neues Jahreshoch in Sicht

 
17.08.03 22:42
Dax nimmt Jahreshoch ins Visier
Sprung über 3500 Punkte erwartet - Dresdner-Stratege warnt vor Rückkehr der Bären
von Holger Zschäpitz

Berlin  -  Es gehört dieser Tage eine Menge Mut dazu, die Rückkehr des Bärenmarktes auszurufen. Schließlich schickt sich der Dax nach Einschätzung der meisten Marktstrategen in dieser Woche an, ein weiteres Jahreshoch zu erklimmen. Doch die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein trauen dem Anstieg noch immer nicht über den Weg. Jetzt haben sie die Investoren in einer umfangreichen Deutschland-Studie noch einmal eindringlich gewarnt, dass die Zeiten fallender Kurse wieder zurückkehren könnten. "Die weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen nicht für eine positive Einschätzung von Aktien", schreibt Dresdner-Stratege Rainer Gerdau. Er erwartet für das kommende Jahr, dass alle wichtigen Volkswirtschaften unter dem Trendwachstum bleiben werden. Insbesondere ein Umsatzwachstum, das sich positiv auf die Gewinne auswirkt, werde ausbleiben.


Als weitere Wachstumsbürde für deutsche Aktien sieht Gerdau den hohen Ölpreis sowie einen prognostizierten Anstieg des Euro bis auf 1,35 Dollar. Seines Erachtens werden die Kosteneinsparungen nicht ausreichen, um die Gewinnerwartungen für das kommende Jahr zu erfüllen. Aktuell ist für 2004 ein Gewinnanstieg bei den Dax-Gesellschaften von 47 Prozent eingepreist. Nach Gerdaus Berechnungen müssten die Unternehmen allein auf Basis von Kostenreduzierungen ihre Gewinnmargen um 30 Prozent ausweiten, was er für utopisch hält. Selbst die positiven Reformansätze in Deutschland können den Strategen nicht überzeugen. Sie würden von den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen überkompensiert. "Wenn es zu der von unserem Haus antizipierten Rückkehr des Bärenmarktes kommt, dann wird der deutsche Aktienmarkt wegen seines konjunkturellen Hebels überproportional belastet", warnt Gerdau und schiebt gleich ein Dax-Kursziel nach. So liege das faire Niveau des deutschen Marktbarometers auf Basis der diesjährigen Gewinnschätzungen bei 2504 Punkten.


Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Studie ist klug gewählt. Denn traditionell beginnt Mitte August die schwächste Jahreszeit für Aktien. Seit 1966 verlor der Dax zwischen Mitte August und Ende September im Schnitt rund vier Prozent. "Statistisch gesehen folgt jetzt die klassische Sommerflaute", schreiben die Experten der WestLB in ihrem aktuellen Marktausblick.


Zurückzuführen ist das saisonale Muster auch auf die während der Sommermonate fehlenden Impulse. Und so sind wegweisende Daten in dieser Woche Mangelware. Mit Henkel und MLP legen nach dem Zahlenmarathon der vergangenen beiden Wochen gerade einmal zwei Dax-Leichtgewichte ihre Gewinnausweise vor. Makroökonomisch ist lediglich der ZEW-Konjunkturindikator von Bedeutung. Auch aus Übersee ist planmäßig nicht viel zu erwarten. Hier stehen die Frühindikatoren und der Philli Fed Index auf der Agenda. Etwas Aufmerksamkeit dürfte noch der Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan hervorrufen, dessen Veröffentlichung wegen des Stromausfalls auf diese Woche verschoben wurde.


"Ich erwarte insgesamt eine ruhige Handelswoche mit relativ geringen Umsätzen", sagt Joachim Paech, Chefhändler bei Julius Bär. Dem Dax traut er eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung bis auf 3520 Punkte zu. Paech schließt eine Rückkehr des Bärenmarktes weitgehend aus. Auch von saisonalen Kursmustern hält er wenig. "Nach drei Minusjahren in Folge ticken die Uhren anders. Außerdem sucht jede Menge Liquidität neue Möglichkeiten am Aktienmarkt", sagt Paech.


Eine ereignisreiche Woche sagen die Strategen MLP voraus. Dabei sollten die Geschäftszahlen eher im Hintergrund stehen. Denn der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse wird im Rahmen der Dax-Neuordnung am Dienstag wohl die Weichen dafür stellen, dass MLP aus der ersten Börsenliga heraus fällt. Der Finanzdienstleister ist beim Börsenwert längst jenseits des Dax-Regelwerkes. Ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen für die fällige MLP-Nachfolge machen die Strategen zwischen T-Online und Continental aus, wobei die Mehrzahl der Strategen dem Reifenhersteller die besten Chancen einräumt. Bei der Marktkapitalisierung ist Conti auf Platz 26 aller deutschen Gesellschaften vorgerückt und hat die Nase klar vorn.


Welt.de
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JoBar:

Schön nassie, aber wie geht es dann weiter

 
17.08.03 22:51
wenn wir den Schnittpunkt der beiden Geraden erreicht haben??

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Rauf? Runter?

J
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Nassie:

Zurück auf Los

 
17.08.03 22:52
Deutsche Aktien kosten heute im Schnitt etwa so viel wie 1997. Also plus/minus null in sechs Jahren. Verdoppelt hat sich im selben Zeitraum die Zahl ihrer Privatbesitzer. Gut elf Millionen Deutsche halten heute Aktien oder Anteile an Aktienfonds. Und sie alle dürften sich, seit die Kurse wieder anziehen, fragen: Kann man dem Kursaufschwung trauen?

Der kam sogar für Profis überraschend. Klaus Kaldemorgen, Aktienchef beim Deutsche-Bank-Fondshaus DWS, hat "die Kurse von heute eigentlich erst gegen Jahresende erwartet". Denn immerhin gewann der deutsche Aktienindex Dax im laufenden Jahr schon mehr als 15 Prozent, seit dem Irak-Kriegstief im März gar mehr als 40 Prozent. Und nach drei Jahren Minus gibt es damit auch ein zaghaftes Durchatmen bei den großen deutschen Investmentfonds. Nun ist von "Sommerpause" die Rede: Es handeln jetzt rund 20 Prozent weniger Investoren als sonst üblich. Anzeige


Einig sind sich Börsianer derzeit nur darüber, dass der Dax von Horror-Abstürzen Richtung 2000 Punkte (zurzeit um 3300) auf absehbare Zeit verschont bleiben dürfte - solange es nicht zu neuen "exogenen Schocks" kommt. So nennen Ökonomen Terror und Kriege. "Was jetzt passiert, ist die Rückkehr zur Normalität. Deutsche Aktien hatten im internationalen Vergleich übermäßig stark verloren", erklärt Großanleger Kaldemorgen. Und für einen moderaten Fortgang der Kurs-Aufholjagd im zweiten Halbjahr gibt es gute Argumente:

- Sämtliche Anlage-Alternativen, also Geld, Anleihen und Immobilien, werfen kaum noch Rendite ab oder bringen gar Verluste. So lassen sich am Geldmarkt gerade noch 2,5 bis 3 Prozent verdienen. Mit Anleihepapieren, zum Beispiel in Rentenfonds, gerieten Anleger zuletzt deutlich ins Minus. Verlust droht auch bei offenen Immobilienfonds: Deren hohe Vermittlungs- und Verwaltungsgebühren verkehren den angepeilten Jahresprofit von weniger als vier Prozent für viele Investoren in ein Minus.

- Dagegen gelten insbesondere einige deutsche Aktien im langfristigen Vergleich immer noch als günstig bewertet. Und selbst wenn sie ab sofort keinen Cent weiter steigen würden, rentieren einige Papiere höher als etwa Bundesschatzbriefe: So werfen Lufthansa-Aktien bei einem Kurs um 11 Euro mehr als fünf Prozent Dividendenrendite ab, RWE bringt es bei einem Kurs von gut 24 Euro auf rund vier Prozent.


- Die Börse scheint vom Zocker-Casino wieder zum Wettbüro für Zukunftserwartungen zu werden: Gesetzt wird beispielsweise schon heute auf eine Konjunkturwende im nächsten Jahr. Hinweise darauf mehren sich, sicher sind Start und Stärke eines neuen Wirtschaftswachstums freilich nicht. Umgekehrt: Nach guten Nachrichten werden wieder Gewinne mitgenommen - wie zuletzt bei Papieren der Deutschen Bank oder Altana.

"Den Erlösen aus Umstrukturierungen müssen nun Umsatzzuwächse folgen", mahnt Jens Wilhelm, Geschäftsführer beim Fondsanbieter Union Investment. Wie die meisten Aktienprofis ist auch Wilhelm vorsichtig optimistisch. Deutschen Dividendenwerten werden bis Jahresende noch durchschnittliche Kursgewinne von fünf bis zehn Prozent zugetraut. Sogar von 3800 Dax-Punkten und mehr ist die Rede. Es darf also wieder spekuliert werden. Nur diesmal das Verkaufen nicht vergessen.

Frank Donovitz, Joachim Reuter
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