Das Seelenleben der Anleger aufspüren


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Das Seelenleben der Anleger aufspüren

 
19.04.04 14:18
Elliott Wave, Fibonacci, Behavioral Finance – Kunst, Handwerk oder Kaffeesudlesen?

Auf Basis welcher Kriterien fällen Investoren ihre Anlageentscheide? Handelt es sich, wie es das der traditionellen Wirtschaftstheorie zu Grunde liegende Modell des homo œconomicus postuliert, um eine rein rationale Abwägung von Kosten und Nutzen eines Entscheids? Oder spielen psychologische Faktoren die Hauptrolle, wie dies die Anhänger der Behavorial Finance vertreten, oder sind es doch die vielschichtigen Modelle der sogenannten Chartisten, die den Anlageton und damit das Urteil über Kaufen, Halten oder Verkaufen bestimmen?

Systematischer Anknüpfungspunkt

Gravitationspunkt der technischen Analyse ist die Meinung, dass sich an den Finanzmärkten systematisch Überrenditen erzielen lassen. Dies setzt voraus, dass die sogenannte Random-Walk-These nicht zutrifft, die Kapitalmärkte also nicht informationseffizient sind. Mit anderen Worten: Aus den historischen Kursverläufen können künftige Entwicklungen abgeleitet werden. Obgleich die Finanzmarkttheorie eine solche Ineffizienz zuweilen anzweifelt, sprechen vor allem die Praktiker eine andere Sprache. Sie können sich in dieser Effizienzdebatte unter anderem auf den empirisch nachgewiesenen „Momentum-Effekt“ berufen. Demnach können Aktienwerte systematisch in Gewinner- und Verlierer-Portefeuilles aufgeteilt werden. „Überrenditen“ lassen sich zudem erzielen, wenn Anleger geschickt das kollektive Fehlverhalten nutzen, wie es die junge Disziplin der Behavioral Finance beschreibt.

Behavioral Finance

Professor Daniel Kahneman hat massgebend dazu beigetragen, dass der Zweig der Behavioral Finance, der sich mit dem Seelenleben der Anleger befasst, gedeiht. Dafür wurde er im Jahr 2002 (zusammen mit Vernon Smith) für seine Leistung mit dem Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Gewürdigt wurde der Professor für seine „Integration von Einsichten aus der psychologischen Forschung in die Wirtschaftswissenschaften, vor allem hinsichtlich des menschlichen Urteils und der Entscheidungsfällung unter Unsicherheit.“ Behavorial Finance versucht die Stärken und Schwächen der Anleger aufzuspüren. Eine zentrale Erkenntnis lautet hier: Investoren neigen leider dazu, Buchverluste in Aktien nicht wahrhaben zu wollen und sie lieber „auszusitzen“, statt die Titel rasch und konsequent zu verkaufen und sich damit noch grössere Verluste zu ersparen.

Chartisten im Vormarsch

Elliott-Wellen-Prinzip, Fibonacci-Folge, goldenes Verhältnis oder 50-Tage-Linie: Solche und weitere Begriffe der technischen Analyse zur Vorhersage von Kursbewegungen von Aktien, Bonds oder Derivaten sind für nicht Eingeweihte Fachchinesisch. Dies erstaunt insofern, als die Ursprünge der kurz auch als technische Analyse bezeichneten Methode ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Damals hatte Charles H. Dow, der Mitbegründer des „Wall Street Journal“, erkannt, dass es am Aktienmarkt zu bestimmten wellenförmigen Wiederholungen kommt. Im 20. Jahrhundert entwickelten sich daraus zahlreiche Strömungen, darunter der von Ralph Nelson Elliott Ende der dreissiger Jahre entwickelte gleichnamige Wellenzyklus, ein Prinzip zur formalen Beschreibung menschlichen Kollektivverhaltens. Mittlerweile werden die Verfahren gemeinhin eingeteilt in die Charttechnik, die einzig Kursverläufe unter die Lupe nimmt, und die Markttechnik, bei der zusätzlich andere Grössen wie das Handelsvolumen betrachtet werden.

Praxis verdeutlicht Unterschiedliches

Wenn also das Abstellen auf historische Kurse a priori vernünftig scheint, drängt sich umso mehr die Frage auf, wie die technische Analyse im Praxistest abschneidet. Einen ernüchternden Befund liefert dazu eine Studie der Universität Augsburg. Die im Schweizer Magazin „Financial Markets und Portfolio Management“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die ab Mitte der neunziger Jahre gemachten technischen Empfehlungen vereinzelter (deutschen) Börsenzeitschriften den Markt keineswegs zu schlagen vermochten. Ein positiveres Bild zeichnen hingegen amerikanische Untersuchungen, die sich auf längere Zeiträume abstützen. Solche Einzelresultate sind wohl auch deshalb widersprüchlich, weil vieles letztlich von den Zeichendeutern und dem ihnen eigenen Blick auf ihr Orakel abhängt.

Cogito, ergo sum ...

Hinsichtlich der psychologischen Auswirkungen auf das Anlegerverhalten ist gewissermassen jeder sein eigener Herr und Testbarometer, denn ausser dem prozyklischen Herdentrieb – kaufen, sobald die Kurse steigen und verkaufen, sobald sie fallen – sind keine empirischen Auswirkungen wirklich nachweisbar. Und letztlich hilft an den Finanzmärkten nicht die Trefferquote diverser fundamentaler, charttechnischer oder sonstiger Methoden, und auch nicht, ob (Aktien)Künstler oder Handwerker oder Nobelpreisträger am Werk sind, sondern einzig und allein die eigene Befähigung, Entscheidungen zu treffen – und dies ist schwer genug!

derstandard.at/standard.asp?id=1615487
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Kritiker:

Interessant, Happy End

 
19.04.04 14:39
Der typisch Deutsche liebt die Chart-Technik, weil er klare Abgrenzungen und Bewertungen braucht. Er glaubt, mit Statistiken und Zahlenspielen alles beweisen zu können. "Es wird so kommen, wie es immer schon war" (?)
Er versucht "heraus zu rechnen", "heraus zu lesen", die Zukunft mathematisch ab zu leiten...und , wenn er dabei verunglückt, versteht er die Welt nicht mehr.
Wozu hatte er Airbag, ABS, Sturzhelm, Astrologen und Analytiker?

Viele hier bei Ariva glauben auch an Aktiengewinne, wenn alle gleicher Meinung sind.
Doch es ist wie beim Pferderennen. Zu wissen, wer gewinnt, nützt nur, wenn es die Anderen nicht wußten.
Ich bin froh, daß er Chart-Fanatiker gibt, denn sie steigern die Chancen zu Gewinnen.
Charts sind Vergangenheit!! Sie können Hinweise geben, jedoch keine Beweise.
Also Gut Chart! - Macht so weiter - Kritiker.
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P550:

Hab' noch nie gehört, daß man ohne Charttechnik

 
19.04.04 14:43
Erfolg haben kann. Daß man sich auf sie alleine nicht verlassen kann, wissen wir.
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54reab:

der zufall schneidet besser ab

 
19.04.04 15:42
als der markt. von charttechnik reden wir lieber nicht. sie schafft es nicht den markt zu schlagen. mein eigener versuch ( people.freenet.de/baer45/dax/lottoaktuell.html target=_blank rel="nofollow"> DAX LOTTO ) läuft seit über 2 jahren und entwickelt sich zu einem weiteren beweis für den mächtigen people.freenet.de/baer45/dax/zufall.html target=_blank rel="nofollow">Zufall.

;o)
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Happy End:

@P550

 
19.04.04 18:18
Dann weißt Du´s jetzt ;-)
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Kicky:

Ursache für Verluste ist Selbstüberschätzung

 
19.04.04 19:48
und die Verlustaversion.(so Daniel Kahnemann)Ein Verlust schmerzt deutlich mehr als ein gleichgrosser Gewinn.Und es macht einen grossen Unterschied ,ob man etwas abwählen oder zuwählen muss.Wenn Privatanleger an der Börse schlechter abschneiden als professionelle Investoren, dann müssen sie die Ursache für ihre Verluste häufig bei sich selbst suchen. Die häufigsten Fehler sind demnach die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten sowie der völlig unzulängliche Umgang vieler Anleger mit den Risiken der Aktienmärkte. Verbessern können Anleger ihre Börsenbilanz nach den Worten Kahnemans, indem sie beginnen, in größeren Zusammenhängen zu denken. Diese Erkenntnis glaubt Kahneman mit den Ergebnissen seiner zahlreichen Versuche belegen zu können: „Es bringt nichts, jedes einzelne Aktienengagement isoliert zu bewerten. Wer bei einem Gesamtvermögen von 100 000 Euro rund 1000 Euro umschichtet oder neu investiert, der muss sich nicht lange um Verluste Sorgen machen. Sobald wir die Teilnehmer unserer Laborversuche gebeten haben, in solch größeren Zusammenhängen zu denken, hat sich die Bilanz deutlich verbessert.“ Der Grund dafür ist laut Kahneman simpel: „Unsere Versuchspersonen haben einfach weniger Entscheidungen getroffen.“ Kahneman empfiehlt kleinere und für das Gesamtvermögen unwichtigere Entscheidungen zu mechanisieren – etwa indem Verluste durch das automatische Setzen von Stopp-Loss-Orders automatisch begrenzt werden. Kahneman: „Allein die Konzentration auf das Wesentliche führt zu größerem Anlageerfolg.“
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leobmw:

das kannst du ja nicht !

 
19.04.04 19:57
„Allein die Konzentration auf das Wesentliche führt zu größerem Anlageerfolg.“

Gruß
leo
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leobmw:

definiere doch mal das Wesentliche !!

 
19.04.04 20:06

Gruß
leo
Antworten
leobmw:

ist in Deutsch - oder was ??? o. T.

 
19.04.04 20:28
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Kritiker:

EK + UK = Gew.!

 
19.04.04 20:38
Das ist das Wesentliche: Niedrig einkaufen, Spesen hinzurechnen, so hoch verkaufen, daß ein Gewinn bleibt. Und ... ein altes Händlergesetz nicht übersehen: Im Einkauf liegt der Gewinn!
@ P550 : Bis 2002 habe ich die Charttechnik berücksichtigt, Ergebnis = Verluste!
Seit 2003 schaue ich mir Charts nur noch oberflächlich an, Ergebnis : Gewinne!
Weil, die Vergangenheit kommt meist nicht wieder.
Wenn sich die Voraussetzungen ändern, ändern sich auch Wertbemessungen.
Aber, wenn Du P550 damit Erfolg hast, bleib dabei. Ich nicht - Kritiker.
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geldschneider:

@kritiker , Deine These ist falsch!

 
19.04.04 20:38
Weil die Quarttechnik in USA weit verbreiteter ist als bei uns!

Es gibt dort weit mehr Seiten, auch kostenlos, in denen du dich über Kauf und Verkaufssignale informieren kannst!

Und ich mache keine Entscheidungen ohne Charttechnik!

Und das ist keine kaffeesatzleserei!

Bin im Großen und Ganzen ganz gut damit gefahren, Aktuelle Nachrichten können den chart natürlich beeinflussen, doch meine Erfahrung hat gezeigt, daß bei Abwärtstrend, auch gute Nchrichten, kaum die Aktie zum steigen bringen!

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Kritiker:

@ geldschneider. Meine These ist

 
19.04.04 21:14
genausowenig falsch, wie Deine absolut richtig.
Daß in den USA die Charttechnik mehr verbreitet ist, macht sie allein nicht richtiger.
D.h. nur, daß mehr Anleger damit vera..lbert werden. - und, wenn die sich dann alle verblendet danach richten, entsteht ein gewisser Trend.
Du mußt unterscheiden zwischen Grundlage und der daraus entstehenden Verführung.
Nicht der Kaffeesatz ist schuld, sondern was ich daraus erlese.
Und weil alle des "Kaiser's" neue Kleider zu sehen glauben, bleibt es doch ein Nichts.
Ferner: Bücher über Aktientricks und Chartlehre wurden nicht erfunden, um dem Aktionär zu helfen, sondern um an ihm zu verdienen.
Doch Leben ins Geschäft mit Aktien bringen die unterschiedlichen Ansichten; und nur darin liegen die Chancen eines persönlichen Gewinns.
Deshalb bleib ruhig bei Deinen und ich bei Meinen. - Gruß Kritiker.
Antworten
geldschneider:

@kritiker es gibt Trader, die verdienen nur mit T

 
19.04.04 21:24
Trends der Charttechnik!

Hätte ich auf ein chartsignal bei conti am Freitag gehört und einen Call gekauft, hätte ich 70 % Gewinn gemacht!

GPC war auf der shortseite, und was passierte?

Schau dir den Chart an!!

Nicht immer stimmt die Charttechnik, genausowenig, wie die fundamentalanalyse!

Aber sie ist ein Mittel zum zweck!

Und merke:

Nicht jeder Trade, führt zum Erfolg!

Entscheidend ist das Ergebnis, aller Deiner Trades!

gruß
GS
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