News - 30.05.07 21:12
Das Kapital: Die Finanzwerte in der Zwickmühle
Neben Öl und Pharma zählt der Finanzsektor im bisherigen Jahresverlauf zu den Enttäuschungen an der Börse. Weitere Themen in diesem Kapital: Royal Bank of Scotland und China.
Dabei ist die Branche am KGV gemessen eher noch attraktiver geworden, da sie nach wie vor nur mit dem knapp zwölffachen Gewinn bewertet wird, während die nichtfinanziellen Sektoren inzwischen den gut 16-fachen Gewinn kosten.
Nur ist die Finanzbranche tatsächlich in einer Zwickmühle. Setzt die Wirtschaft ihren Aufschwung fort, werden die Zinsen weiter zunehmen müssen, womit insbesondere den Banken der Wind ins Gesicht weht, weil die Kreditnachfrage gedrosselt wird, die Ausfallrisiken steigen und auch das Kapitalmarktgeschäft gedämpft wird. Lassen die Zentralbanken hingegen weiterhin eine ungehemmte Aufblähung des Finanzwesens im Verhältnis zur Realwirtschaft zu, drohen die Personalkosten des Sektors ins Unermessliche zu steigen.
Und das ist die Crux. Rechnet man zu den Banken und Versicherern noch Finanzdienstleister wie Börsenbetreiber und Immobilienwerte hinzu, steht der Finanzsektor für ein Drittel der Kapitalisierung des Stoxx 600. Zum Vergleich: In Deutschland machen Banken und Versicherer fünf Prozent der Bruttowertschöpfung aus. Um die Hoffnungen zu erfüllen, müssen allein die im Stoxx 600 enthaltenen Finanzwerte heuer rund 330 Mrd. Euro vor Steuern verdienen, drei Viertel des deutschen Volkseinkommens im ersten Quartal. Da ist so oder so mit steigendem Wettbewerb zu rechnen. Und wehe, wenn die Kreditblase dereinst platzt. Den Banken wird dann kaum damit geholfen sein, dass sie Kreditrisiken an ihre Kunden (wie Versicherer) weitergereicht haben.
Royal Bank of Scotland
Vielleicht findet Fred Goodwin ja auf dem Flug zur Boardsitzung der Bank of China ein bisschen Zeit zum Nachdenken. Dank des Übernahmekampfs um ABN Amro dürfte es dem Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) dabei nicht an Stoff mangeln. Seit das Konsortium um RBS sein Interesse an ABN bestätigt hat, ist die RBS-Aktie um zehn Prozent abgerutscht. Sie liegt damit seit Jahresbeginn im Minus, während die heimischen Rivalen im Schnitt ganz leicht zugelegt haben.
Angesichts der Größe des ABN-Deals war mit einer nervösen Marktreaktion zu rechnen, doch steht insgesamt die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Denn seit der Übernahme des US-Hypothekenanbieters Charter One zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt im Jahre 2004 leidet die Aktie unter einem "Goodwin-Abschlag". Das ABN-Geschäft trägt wenig dazu bei, den Anlegern diese Angst zu nehmen.
Darüber hinaus leidet auch RBS darunter, dass britische Banken derzeit wenig attraktiv sind. Immerhin locken die kontinentaleuropäischen Rivalen noch mit einem um drei Prozentpunkte höheren Gewinnwachstum sowie der Aussicht auf weitere Konsolidierung.
Trotz allem erscheint RBS zumindest auf Basis des Gewinns vernünftig bewertet, und der Kurs könnte durchaus ausschlagen, wenn die Bank die Schlacht um ABN gegen Barclays verlöre. Doch der Abschlag dürfte fortbestehen, da sich die Anleger dann sorgen, worauf der RBS-Chef als nächstes ein Auge werfen wird. Schwächelt die RBS-Aktien weiter, werden es wohl Goodwins eigene Aktionäre und nicht die von ABN sein, die es zu überzeugen gilt.
China
Endlich eine Maßnahme, die den Börsenwahn in China beruhigt? Auf die leichte Anhebung der Steuer auf Aktiengeschäfte ist der Aktienmarkt in Schanghai um 6,5 Prozent gefallen. Für einen Markt, der seit Jahresbeginn bereits 62 Prozent zugelegt hatte, ist dies indes fast nichts. Immerhin ist der Schritt erfolgreicher als frühere Versuche, den Markt abzukühlen. Die vielen Warnungen sind ja an den Anlegern ebenso abgeprallt wie die geldpolitischen Verknappungen im Mai, auf die der Index für ganze zehn Minuten gefallen ist.
Auch der jüngste Eingriff nagt höchstens an der Stimmung. Die Extrakosten für den Aktienhandel sind hingegen irrelevant; eine Rekordsumme von 53 Mrd. $ hat den Besitzer gewechselt. Peking hat immer noch strukturelle Maßnahmen wie die Erhöhung des Aktienangebots oder die Erlaubnis zu mehr Auslandsengagements in der Hinterhand. Doch müssten beide umfangreich ausfallen.
Fragt sich nur, wie weit Peking gehen könnte. Auf den ersten Blick scheint selbst eine deutliche Korrektur verkraftbar, da die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft überschaubar sind. Auch scheinen kreditfinanzierte Aktienkäufe von Privatanlegern rar zu sein, wenn Staatsfirmen auch mächtig spekulieren mögen. Das schwindelerregende Marktniveau macht es für Peking allerdings schwieriger, sich gegen einen etwaigen Einbruch zu stemmen. Der Markt hat sich in weniger als sechs Monaten verdoppelt. Fiele er jetzt ebenso stark, würde ein Marktwert von rund 1200 Mrd. $ vernichtet. Das entspricht ungefähr den gesamten Devisenreserven Chinas.
Quelle: Financial Times Deutschland
News druckenName Aktuell Diff.% Börse
ABN AMRO HOLDING 35,59 -0,61% Amsterdam
Bank of China Ltd. Registered Shares H YC 1 0,36 -0,55% Frankfurt
BARCLAYS ORD 25P 725,50 -1,23% London Dom Quotes
ROYAL BANK SCOT ORD 25P 632,00 -0,47% London Dom Quotes
Das Kapital: Die Finanzwerte in der Zwickmühle
Neben Öl und Pharma zählt der Finanzsektor im bisherigen Jahresverlauf zu den Enttäuschungen an der Börse. Weitere Themen in diesem Kapital: Royal Bank of Scotland und China.
Dabei ist die Branche am KGV gemessen eher noch attraktiver geworden, da sie nach wie vor nur mit dem knapp zwölffachen Gewinn bewertet wird, während die nichtfinanziellen Sektoren inzwischen den gut 16-fachen Gewinn kosten.
Nur ist die Finanzbranche tatsächlich in einer Zwickmühle. Setzt die Wirtschaft ihren Aufschwung fort, werden die Zinsen weiter zunehmen müssen, womit insbesondere den Banken der Wind ins Gesicht weht, weil die Kreditnachfrage gedrosselt wird, die Ausfallrisiken steigen und auch das Kapitalmarktgeschäft gedämpft wird. Lassen die Zentralbanken hingegen weiterhin eine ungehemmte Aufblähung des Finanzwesens im Verhältnis zur Realwirtschaft zu, drohen die Personalkosten des Sektors ins Unermessliche zu steigen.
Und das ist die Crux. Rechnet man zu den Banken und Versicherern noch Finanzdienstleister wie Börsenbetreiber und Immobilienwerte hinzu, steht der Finanzsektor für ein Drittel der Kapitalisierung des Stoxx 600. Zum Vergleich: In Deutschland machen Banken und Versicherer fünf Prozent der Bruttowertschöpfung aus. Um die Hoffnungen zu erfüllen, müssen allein die im Stoxx 600 enthaltenen Finanzwerte heuer rund 330 Mrd. Euro vor Steuern verdienen, drei Viertel des deutschen Volkseinkommens im ersten Quartal. Da ist so oder so mit steigendem Wettbewerb zu rechnen. Und wehe, wenn die Kreditblase dereinst platzt. Den Banken wird dann kaum damit geholfen sein, dass sie Kreditrisiken an ihre Kunden (wie Versicherer) weitergereicht haben.
Royal Bank of Scotland
Vielleicht findet Fred Goodwin ja auf dem Flug zur Boardsitzung der Bank of China ein bisschen Zeit zum Nachdenken. Dank des Übernahmekampfs um ABN Amro dürfte es dem Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) dabei nicht an Stoff mangeln. Seit das Konsortium um RBS sein Interesse an ABN bestätigt hat, ist die RBS-Aktie um zehn Prozent abgerutscht. Sie liegt damit seit Jahresbeginn im Minus, während die heimischen Rivalen im Schnitt ganz leicht zugelegt haben.
Angesichts der Größe des ABN-Deals war mit einer nervösen Marktreaktion zu rechnen, doch steht insgesamt die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Denn seit der Übernahme des US-Hypothekenanbieters Charter One zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt im Jahre 2004 leidet die Aktie unter einem "Goodwin-Abschlag". Das ABN-Geschäft trägt wenig dazu bei, den Anlegern diese Angst zu nehmen.
Darüber hinaus leidet auch RBS darunter, dass britische Banken derzeit wenig attraktiv sind. Immerhin locken die kontinentaleuropäischen Rivalen noch mit einem um drei Prozentpunkte höheren Gewinnwachstum sowie der Aussicht auf weitere Konsolidierung.
Trotz allem erscheint RBS zumindest auf Basis des Gewinns vernünftig bewertet, und der Kurs könnte durchaus ausschlagen, wenn die Bank die Schlacht um ABN gegen Barclays verlöre. Doch der Abschlag dürfte fortbestehen, da sich die Anleger dann sorgen, worauf der RBS-Chef als nächstes ein Auge werfen wird. Schwächelt die RBS-Aktien weiter, werden es wohl Goodwins eigene Aktionäre und nicht die von ABN sein, die es zu überzeugen gilt.
China
Endlich eine Maßnahme, die den Börsenwahn in China beruhigt? Auf die leichte Anhebung der Steuer auf Aktiengeschäfte ist der Aktienmarkt in Schanghai um 6,5 Prozent gefallen. Für einen Markt, der seit Jahresbeginn bereits 62 Prozent zugelegt hatte, ist dies indes fast nichts. Immerhin ist der Schritt erfolgreicher als frühere Versuche, den Markt abzukühlen. Die vielen Warnungen sind ja an den Anlegern ebenso abgeprallt wie die geldpolitischen Verknappungen im Mai, auf die der Index für ganze zehn Minuten gefallen ist.
Auch der jüngste Eingriff nagt höchstens an der Stimmung. Die Extrakosten für den Aktienhandel sind hingegen irrelevant; eine Rekordsumme von 53 Mrd. $ hat den Besitzer gewechselt. Peking hat immer noch strukturelle Maßnahmen wie die Erhöhung des Aktienangebots oder die Erlaubnis zu mehr Auslandsengagements in der Hinterhand. Doch müssten beide umfangreich ausfallen.
Fragt sich nur, wie weit Peking gehen könnte. Auf den ersten Blick scheint selbst eine deutliche Korrektur verkraftbar, da die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft überschaubar sind. Auch scheinen kreditfinanzierte Aktienkäufe von Privatanlegern rar zu sein, wenn Staatsfirmen auch mächtig spekulieren mögen. Das schwindelerregende Marktniveau macht es für Peking allerdings schwieriger, sich gegen einen etwaigen Einbruch zu stemmen. Der Markt hat sich in weniger als sechs Monaten verdoppelt. Fiele er jetzt ebenso stark, würde ein Marktwert von rund 1200 Mrd. $ vernichtet. Das entspricht ungefähr den gesamten Devisenreserven Chinas.
Quelle: Financial Times Deutschland
News druckenName Aktuell Diff.% Börse
ABN AMRO HOLDING 35,59 -0,61% Amsterdam
Bank of China Ltd. Registered Shares H YC 1 0,36 -0,55% Frankfurt
BARCLAYS ORD 25P 725,50 -1,23% London Dom Quotes
ROYAL BANK SCOT ORD 25P 632,00 -0,47% London Dom Quotes
Werbung