Die 30-Prozent-Ära ist vorbei. Wie MLP am Freitagnachmittag mitteilt, werden die selbstgesetzten Halbjahresziele verfehlt. Beim Vorsteuerergebnis rechnet der Finanzdienstleister höchstens mit einem Wert auf Vorjahresniveau (53,7 Millionen Euro). Auch die Prognose für das Gesamtjahr (ein 30-Prozent-Plus beim Vorsteuerergebnis auf 195 Millionen Euro) sei nicht mehr erreichbar.
Damit bleibt MLP das erste Mal seit Jahren unter der magischen 30-Prozent-Wachstumsmarke. Der bis dato stets rasante Zuwachs bei Umsatz und Ergebnis wurde von den MLP-Fans immer als Rechtfertigung für die exorbitante Bewertung der Aktie angeführt. Über einen langen Zeitraum notierte der titel mit einem KGV von 60 und mehr.
Das Unternehmen begründet die enttäuschende Geschäftsentwicklung in 2002 mit der negativen Berichterstattung über die Bilanzierungspraktiken und der anhaltend schwachen Verfassung des Kapitalmarktes.
49 Prozent minus
Das Management hat noch keine konkrete Gesamtjahresprognose abgegeben. Angenommen, der Ertrag stagniert auch im kompletten Geschäftsjahr, würde der Konzern ein Ergebnis von etwa einem Euro je Aktie erreichen. Der Kurssturz von 40 Prozent auf 9,30 Euro im späten Handel scheint daher auf den ersten Blick überzogen. Das KGV für 2002 liegt nach den bislang vorliegenden Daten nur noch bei 9, im kommenden Jahr bei 8.
Doch gerade die Zweifel an der Richtigkeit der Zahlen sind es, die die Anleger zusätzlich verschrecken. Kaum jemand glaubt, dass in der MLP-Bilanz alles mit rechten Dingen zugeht. Deshalb ist auch das Vertrauen in die revidierten Planungen gering.
Der voraussichtliche DAX-Rauswurf - auf diesem Kursniveau bleibt der Deutschen Börse eigentlich keine andere Wahl bei ihrem Treffen am 13. August - spielt nach Meinung von Stock-World eine untergeordnete Rolle. In diesem Börsenumfeld hilft die DAX-Zugehörigkeit nicht viel, und Verkäufe von Index- oder Blue Chip-Fonds würden sich im überschaubaren Rahmen halten