Das Angstwort des Monats: Inflation!

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Das Angstwort des Monats: Inflation!

 
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Das Angstwort des Monats: Inflation!

von Jochen Steffens

Nachdem der Ölpreis monatelang die Märkte in Angst und Schrecken versetzt hat, wird nun die Inflation zum Angstthema Nummer 1. Vor einigen Wochen/Monaten brauchte nur eine einzige Nachricht zum Öl veröffentlicht werden, um die Märkte in Panik zu versetzen, sei es, dass im tiefsten Hinterland eines fast vergessenen Ölförderlandes drei bewaffnete Männer den Wachmann eines Ölbohrturms bedrohten, oder ein nicht sonderlich wichtiger Außenminister eines Landes der OPEC bei einem Glas Sekt irgendwelche seltsamen Äußerung über die Ölfördermenge seines Landes fallen ließ.

Es ist für Ängste typisch. Die Auslöser müssen wohl dosiert eingesetzt werden, ansonsten steigt die Reizschwelle, die Angst verliert sich. Das war beim Öl der Fall. Als der Ölpreis Rekordhöhe erreichte, verlor das Thema seltsamerweise seinen Schrecken.

Ein neues Thema muss her: Inflation. Gut, es ist neu, die meisten Anleger wissen gar nicht, was Inflation eigentlich bedeutet, wie Inflation einzuschätzen ist, welche Wirkungen es hat, und reagieren wie immer: erst einmal angemessen panisch.

US- Erzeugerpreise steigen dramatisch

Alles im Dax wartete heute auf die US-Erzeugerpreise, nichts bewegte sich: Hasenstarre. Dann wurden die neuesten Werte veröffentlicht. Für den Markt wichtig: Sie lagen über den Erwartungen, der Rest: EGAL! Verkaufen, was das Zeug hält!

Das kann ein Fehler sein, also hier ein genauerer Blick auf die Zahlen:

Die Erzeugerpreise sind um 1,9 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 1,1 bis 1,5 % nach zuvor +0,6 %.

Die Kernrate ist um 0,3 % geklettert. Erwartet wurde ein Plus von 0,2 % nach zuletzt +/-0,0 %.

Erst einmal fällt wieder auf, dass die Kernrate, ohne Energie und Nahrungsmittel, lediglich um 0,3 % angestiegen ist, aber auch hier ein Wert über den Erwartungen. Das muss doch was zu bedeuten haben, nur was?

Der Erzeugerpreisindex besteht aus vielen verschiedenen Indizes, die alle die durchschnittliche Veränderung der Verkaufspreise der US-Hersteller aufzeigen. So ist eine zeitlich enge Preisinformation über eine Vielzahl von Gütern in verschiedenen Stadien des Herstellungsprozesses möglich.

Dieser Index ist deswegen so wichtig, da er eine Aussicht auf die zukünftige Inflation gewährt, schließlich ist die Entwicklung der Erzeugerpreise oft ein Vorbote für die Entwicklung der Verbraucherpreise.

Und hier liegt mal wieder die Crux an der Sache: Die entscheidende Frage ist nämlich: Können die Hersteller die Kosten ihrer Produkte wirklich in der letzten Konsequenz auf die Verbraucher umsetzten?

Dazu muss man sich die Mühe machen, die einzelnen Indizes anschauen:

Unterschieden wird:

Rohprodukte

Darunter fallen Produkte wie Rohöl, Kohle, Gas, Getreide, Baumstämme, Eisenerz.

Nun wissen wir, dass Rohöl, aber auch sämtliche andere Rohstoffe, sich in einer ziemlichen Haussephase befinden. So verwundert es nicht, dass der Teilindex Rohprodukte mit 10,2 % Anstieg den höchsten Zuwachs verzeichnet.

Nimmt man hier nur die Kernrate, ohne Energie und Nahrungsmittel, aber mit anderen Rohstoffen, dann ist "nur noch" ein Anstieg von 5,3 % zu verzeichnen.

Dieser Anstieg der Kosten für Rohstoffe ist seit Monaten bekannt, darauf haben wir hier schon letztes Jahr hingewiesen, als es noch um das Thema Deflation ging und die Unfähigkeit der Produzenten, die höheren Energie- und Rohstoffkosten auf die Verbraucher umzuwälzen.

Zwischenprodukte

Bei den Zwischenprodukten können sich die teureren Rohprodukte auch noch auswirken. Unter Zwischenprodukten versteht man Zubehör, Komponenten etc, unter anderem Mehl, Leder und T-Träger.

Hier ist noch ein Anstieg von 2,5 % zu verzeichnen, in der Kernrate lediglich 1,2 %.

Fertigprodukte

Bei den Fertigprodukten (Hierunter fällt aber auch Benzin) ist ein Anstieg, wie oben bereits erwähnt, von 1,9 % zu verzeichnen. Die Kernrate liegt bei 0,3 %.

Wenn Sie sich nun verdeutlichen, dass die Preise für Fertiggüter aus dem Energiesektor um 7,1 % angestiegen sind, der Benzinpreis gar um 12,7 %, dann muss doch jedem geneigten Leser klar werden: Hier geht es um die Auswirkungen von Hurrikan Katrina und der damit verbundenen Explosion der Benzin- und Energiekosten, sowie den hohen Ölpreis.

Nicht was ist, sondern was sein wird, ist interessant

Nun interessiert mich als Börsianer ja nicht, was im letzten Monat war, sondern was im nächsten Monat sein wird.

Dieser Anstieg wird grundsätzlich prozentual zum vorherigen berechnet. Wenn nun der Ölpreis nicht mehr ansteigt, die Benzinpreise konstant bleiben, wird dieser Werte im nächsten Monat deutlich zurückgehen. Das bedeutet, wenn alle Energiepreise so bleiben wie der Schnitt im September, dann stehen da 0 % Anstieg. Da sich einige Kosten verzögert auswirken, würde dann vielleicht doch noch ein kleiner Anstieg zu verzeichnen sein.

Nun sinkt aber im Oktober der Ölpreis, es kann also gut sein, dass der sinkende Ölpreis die zeitliche Verzögerung kompensiert oder sogar übertrifft. Das bedeutet: Alle haben jetzt Angst vor Inflation, aber die nächsten Zahlen könnten nach unten überraschen.

Inflation nicht gleich Inflation

Das unterscheidet diese ölpreisgetriebene Inflation von einer reinen Nachfrage-Inflation. Bei einer Nachfrage-Inflation kann es zu einem Teufelskreislauf kommen, welcher die bekannten, verheerenden Folgen hat. Von einer reinen Nachfrage-Inflation kann aber im Moment noch nicht die Rede sein.

Ausblick

Nun stellen wir uns vor, in einem Monat kommt es plötzlich zu sinkenden Inflationsraten (was eigentlich nicht viel aussagt, da es ein Logismus ist, da die Auswirkungen der Hurrikane nachlassen). Dann kann die Fed sich hinstellen und behaupten, dass die Gefahr einer Inflation erst einmal gebannt sei und vielleicht hoffnungsfroh und so nebenbei verlautbaren lassen, dass sie nun keine so große Eile mehr hat, mit den Zinsen ...

Naja, kann – ob sie es aber auch tut? Natürlich wirkt sich auch diese ölpreisgetriebene Inflation negativ auf das konjunkturelle Wachstum aus, das muss genau beobachtet werden, man sollte nicht zu entspannt an das Thema rangehen, morgen vielleicht mehr dazu ...

Die große Gefahr!

Das einzige, was nicht passieren darf, und darauf möchte ich noch einmal hinweisen: Der Ölpreis darf nicht dramatisch weiter steigen, sonst wird es für die Fed, die amerikanische Wirtschaft, die Weltwirtschaft sehr, sehr heikel. Auch das sollten Sie nicht vergessen!

Die Gefahren sind sehr hoch zurzeit, die Chancen aber auch – aber war das je anders an den Börsen?



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