@herrmannb
Ja danke für den Hinweis. Das ist mir garnicht aufgefallen. Ich dachte den Parketthandel gibt es gar nicht mehr (oder kaum noch) und interpretiere es mal so, daß es bei den liquiden Aktien nur für den Parketthandel einen Designated Sponsor gibt und für den XETRA-Handel kein Designated Sponsor nötig ist, oder eben alle Banken "mitmischen" und automatisch für Liquidität sorgen.
Wenn du das aber bei einer SDAX Aktie nachschaust, dann siehst Du auch einen Designated Sponsor für den XETRA-Handel, z.B. bei Mutares.
Die Designated Sponsors sind also auch für den vollelektronischen Xetra-Handel zuständig.. als Liquiditätsspender wenn erforderlich.
Wozu das prinzipiell gut ist, das ist in folgendem Video recht gut erklärt (ab Minute 6 oder 7 etwa)
dctp Doku: Kaufen und Verkaufen - Die Theorie der BörseInterview mit Dr. Christoph Boschan (vom 31.08.2008, 45 min)
www.dctp.tv/filme/theorie_boerse_boschan_kaufen-und-verkaufen/Aussage in obiger Doku: In 90% der Orders gibt es keinen direkten Kontrahenten, so daß der Designated Sponsor als Liquiditätsspender aushelfen muss und wahlweise die Rolle als Käufer oder Verkäufer übernehmen kann, um einen Handel (Kauf bzw. Verkauf) zu ermöglichen. Das ist bei hochliquiden Aktien, wie z.B. DAX-Aktien, aber eher selten nötig, sondern eher bei Nebenwerten.
Die olle dctp Doku hatte ich ewig gesucht und gerade erst wiedergefunden. Es ist etwas allgemein philosophisch gehalten, deckt aber einige interessante Aspekte ab:
- Rolle der Makler als Liquiditätsspender (designated sponsor) (6 min)
- Börslicher und außerbörslicher Handel (min 17+)
- Hauptbörse als Referenzpreissystem bei Handel auf mehreren Handelsplätzen (min 18+)
- Börse als Sekundärmarkt ist kein Primärmarkt (min 24+)
- Arbitragehandel (min 30+)
- Ordnungsgemäße Preisfeststellung ist "formale Kurswahrheit" und bildet nicht den Wert eines Unternehmens ab (min 31+)
- Derivativer Handel, Terminhandel (min 34+)
- Tulpenbörse, Warenterminhandel (min 36+)
- Privilegierter Handel durch Informationsvorsprung (min 38+)
- Börsencrash 1929 (min 40+)
Tradegate ist ein vollelektronisches Maklersystem. Sämtliche nötigen Kursanpassungen werden in so einem Handelssystem entsprechend auch automatisch bei der Kursstellung berücksichtigt. Du handelst bei TG immer mit einer Maklersoftware die entsprechend als Käufer oder Verkäufer fungiert, wenn es keinen direkten Kontrahenten gibt. Die Gegenpartei wickelt die Maklersoftware dann wenn nötig über andere offene Börsenplätze per Arbitragehandel ab. (Wenn du genau hinschaust und XETRA-Realtimekurse anforderst, dann siehst du auch, daß Tradegate bei Ticksize 2 permanent 1 cent teurer ist beim Kauf, denn nur so funktioniert Arbitrage.) Gerade bei Nebenwerten dürfte das ziemlich oft so sein. Mir ist jedenfalls schon aufgefallen, daß bei mir eine Order einer illiquiden SDAX-Aktie sekundengenau auch auf XETRA ausgeführt wurde... mit gleichem Preis und gleicher Stückzahl.
Nochmal, bei Kursanpassungen werden ja alle bestehenden Orders im System gelöscht. Es gibt also noch keinen vortlaufenden Handel, weil das Orderbuch noch leer ist. Dann muß die Handelsplattform immer selbst einen Kurs stellen, oder auf Kurse der Referenzbörse warten. Tradegate wird wohl mit dem um den Dividendenabschlag geminderten Vortageskurs starten und nicht bis 9:00 warten. Notfalls geht Tradegate eben mit kleiner Stückzahl in Vorleistung bis genügend Kontrahenten im Markt sind. Das ist jedenfalls die Aufgabe eines Maklers, egal ob Mensch oder Maschine. Diese Kursanpassungen sind ja eher selten bei einem Ex-Tag pro Jahr. Und laut Wikipedia funktioniert Tradegate auch "mit Unterstützung von so genannten Spezialisten [... um], die ausreichende Liquidität für den Handel zur Verfügung stellen." Auf der Website von Tradegate finde ich leider keine Details.
Und für alle Tradegatefans noch ein Netzfund von 2014, quasi zum 10jährigen ausgegraben:
"Die zweifelhafte Erfolgsgeschichte von Tradegate"
www.wiwo.de/finanzen/boerse/...te-von-tradegate/10367106.html:)