France Telecom will sich von
Mobilcom offenbar trennen
20. Feb 11:39, ergänzt 11:47
France Telecom ist zum Angriff übergegangen: Die Franzosen haben den Mobilcom-Aufsichtsrat aufgefordert, die Geschäftspraxis von Unternehmenschef Schmid zu überprüfen.
Es herrscht Krieg zwischen den ehemaligen Partnern Mobilcom |MOB 11,69 -23,24%|
und France Telecom: Die Franzosen prüfen derzeit, wie sie sich am besten aus Mobilcom zurück ziehen können. Sie ließen gerade den jüngsten Anteilskauf von Sybille Schmid, der Ehefrau von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid, und seine Geschäftsführung überprüfen, berichtete die «Financial Times» am Mittwoch. Bei eventuellen Unregelmäßigkeiten könne France Telecom sich elegant aus der Affäre ziehen.
Streit um UMTS-Investitionen
France Telecom hat vor zwei Jahren 28,5 Prozent an Mobilcom gekauft und sich verpflichtet, die Kosten für den Ausbau des deutschen UMTS-Mobilfunkgeschäfts zu tragen. Da die Franzosen hohe Schulden haben und nicht gewillt sind, Milliarden zu investieren, ist zwischen den beiden Unternehmen ein Streit entbrannt. Mobilcom will als einer der ersten Unternehmen in Deutschland UMTS-Dienste anbieten und entsprechend schnell Geld von den Franzosen sehen.
Franzosen suchen einen Ausweg
Das Investment seiner Ehefrau hatte Mobilcom-Chef Schmid lange als das Engagement eines «Finanzinvestors» verschleiert. Sie hatte vor Wochen fünf Prozent an Mobilcom über die Börse erworben. Offenbar wollte der Unternehmensgründer Schmid verhindern, dass France Telecom die derzeit billigen Mobilcom-Aktien aufkauft und mehr Macht über das Unternehmen erhält.
Sollte es bei dem Einstieg von Ehefrau Schmid Unregelmäßigkeiten gegeben haben, hoffen die Franzosen, ihren Vertrag mit der Mobilcom für «null und nichtig» erklären zu können. Denn Mobilcom hat einen Trumpf im Ärmel: Sollte es fundamentale Gegensätze über die Zusammenarbeit geben, kann France Telecom zur Übernahme einer Aktienmehrheit gezwungen werden. Bei dem hohen Schuldenstand eine Horrorvision für die Franzosen.
Anleger stark verunsichert
Die haben laut «FT» beim Mobilcom-Aufsichtsrat Krach geschlagen. Der Aufsichtsrat solle die Geschäfte der Schmids abklopfen, forderte France Telecom. Das Gremium tagt am heutigen Mittwoch in einer außerordentlichen Sitzung. Nach Auskunft eines Sprechers ist das Treffen allerdings schon länger anberaumt gewesen. Die Anleger sind verunsichert. In den vergangenen Tagen ist der Kurs der Mobilcom-Aktie stark gefallen. (nz)