(DER FONDS) „Die globalen Aktienmärkte werden einen guten September hinlegen“, sagt Joachim Goldberg von Cognitrend. Die weltweiten Leitindizes seien in einer sehr guten Verfassung und deuten auf eine Herbst-Rally hin, so der Behavioral-Finance-Experte. Zudem befänden sich mit einem Anteil von etwa 50 Prozent derzeit nicht allzu viele Optimisten am Markt - Crashs oder Korrekturen gebe es hingegen meist bei zuviel Optimismus.
Goldberg geht daher davon aus, dass der berüchtigte „schwache Börsenmonat September“ in diesem Jahr ausbleibt: „Diese Regel wurde von Statistikern und Investoren aufgestellt und ist nur ein weiterer Versuch, die Börse zu kontrollieren.“ Zum Hintergrund: Der September gilt mit einem durchschnittlichen Minus von knapp 3 Prozent in den vergangenen 30 Jahren als schlechtester Monat für Aktionäre. Der Tiefpunkt war im September 2002, als der Dax um 25 Prozent einbrach. Dennoch verweist der Cognitrend-Geschäftsführer darauf, dass andere Börsenregeln der September-Regel widersprechen: So besage beispielsweise die Regel vom Sommerloch, dass die Anleger ihre Aktien besser im Mai verkaufen sollen, um dann im September wieder zurück an den Markt zu kommen.
Laut Goldberg spricht die derzeitige Stimmung am Markt jedenfalls für weiter steigende Kurse: „Obwohl die Aktienkurse anziehen, sind die Kommentare zur Weltwirtschaft negativ – die Aufwärtsbewegung passt den Analysten einfach nicht“, sagt er und begründet: „Viele von ihnen wollen die Kurse herunterreden, weil sie im Sommer den Einstieg verpasst haben.“ Deshalb werde beim Dax derzeit jede kleine Korrektur sofort für neue Käufe genutzt.
„Zudem könnte ein schwacher September 2006 auch den Großanlegern gefallen, da sie auf hohen Cash-Quoten sitzen und ihre Aktienpositionen zurückgefahren haben“, erklärt Goldberg und verweist auf die monatliche Umfrage von Merrill Lynch. Sicherlich sei es psychologisch bequem, auch jetzt nicht zu kaufen und sich dabei auf den September zu berufen. Doch sollte es plötzlich zu Kursgewinnen kommen, könnten die Großanleger unter Zugzwang geraten, weil ihnen der Markt davonläuft. Sie müssten in diesem Fall ihre Aktienpositionen aufstocken, was den Markt dann sogar noch weiter in die Höhe treibe.
INFO: Joachim Goldberg ist geschäftsführender Gesellschafter der Cognitrend GmbH. Das Unternehmen wurde 2000 in Frankfurt gegründet und hat seinen Schwerpunkt auf der Vermarktung von Behavioral Finance. Dabei soll die Entwicklung auf den globalen Finanzmärkten und das Verhalten der Anleger mit verhaltenstheoretischen Ansätzen erklärt werden. Behavioral Finance kommt aus den USA und wird seit 1977 diskutiert.
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