Abbruch einer Dienstfahrt
Berlins Regierender Wowereit will Gregor Gysi nun doch zum Bush-Besuch nicht alleine lassen
Von Mathias Zschaler
Berlin - Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin, steht nicht nur "selbstverständlich an der Seite unserer amerikanischen Freunde", sondern auch für Gespräche mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush zur Verfügung. Das hat er am Dienstag der aufatmenden Weltöffentlichkeit mitgeteilt. Und zwar unter Verzicht auf den affirmativen Zusatz, dass dies auch gut so sei - was insofern besser ist, als das doch etwas übertrieben angemutet hätte. Richtig gut ist die Figur nämlich nicht, die Berlin im so genannten Vorfeld des Bush-Besuchs an den Tag legt. Und das gilt nicht allein für bestimmte lebendige Repräsentanten.
Nehmen wir beispielsweise das Brandenburger Tor. Dort wollte George W. Bush eigentlich eine Rede halten. Doch dann mussten die Besuchsberater des amerikanischen Präsidenten feststellen, dass das Brandenburger Tor zurzeit mit einer Bauplane verhängt ist, was zur Folge hat, dass der "Symbolcharakter in den USA nicht zu vermitteln ist", wie es heißt. Das Brandenburger Tor ist also gewissermaßen gar nicht da, wenn der amerikanische Präsident übernächste Woche nach Berlin kommt.
Anders gesagt: Mit dem Brandenburger Tor ist es im Prinzip genau so, wie es beinahe mit Klaus Wowereit gewesen wäre. Der hatte eigentlich etwas anderes vor, als wegen Bush in seiner Berliner Symbolcharakterrolle aufzutreten. Schließlich ist er in einer Art Zweitjob selbst Präsident, wenn auch nur des Bundesrates, und in dieser Eigenschaft hätte er an und für sich dringend nach Australien gemusst.
Doch sozusagen in letzter Minute hat Präsident Wowereit jetzt diese Dienstreise zu Gunsten von Präsident Bush abgesagt. Wahrscheinlich ist er insgeheim froh, einen Vorwand gefunden zu haben. Denn Australien-Reisen sind bekanntlich anstrengend. Außerdem hätte es dann noch ein weiteres Problem mit dem Berliner Symbolcharakter gegeben. Denn der wäre dann einzig und allein an dem stellvertretenden Regierenden Bürgermeister Gregor Gysi hängen geblieben. Im Prinzip stand aber auch Gysi nur begrenzt als Symbol für den Bush-Empfang zur Verfügung, weil seine Partei gegen den Bush-Besuch demonstrieren will. Und die Partei hat bekanntlich immer Recht. Zumindest theoretisch wäre Gysi also in die Bredouille gekommen, hätte Wowereit partout auf Australien bestanden.
Ob diese Berliner Symbolspezialitäten in den USA zu vermitteln sind, ist allerdings eine andere Frage.