Die Wirtschaft will das Image Berlins geraderücken. Mit einer ganzseitigen Willkommensanzeige in mehreren Tageszeitungen begrüßen führende Unternehmen den US-Präsidenten George Bush bei seinem Hauptstadt-Besuch kommende Woche. Der Initiator Hartmut Piepenbrock ist empört über die Haltung der PDS und des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit.

Soll die Freundschaft mit der früheren Schutzmacht unterstreichen: Anzeige der Berliner Wirtschaft zum Bush-Besuch
Wenn US-Präsident George W. Bush am kommenden Donnerstag in seinem Hotelzimmer die führenden Berliner Tageszeitungen durchblättert, dürfte er sich über ein Bild besonders freuen: ein Berliner Bär, der keine Steine schmeißt, sondern friedlich den Sternen auf der US-Flagge entgegenläuft.
Mit diesem Motiv setzen führende Unternehmen in Berlin einen Kontrapunkt zu den antiamerikanischen Protesten, die in der Hauptstadt erwartet werden. Initiator der Aktion unter dem Titel "Welcome Mr. President" ist der Dienstleistungsunternehmer Hartmut Piepenbrock. Sein Chef sei "zutiefst empört" über den Demonstrationsaufruf der PDS und den laxen Umgang des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit mit dem Thema, begründet Unternehmenssprecher Uwe Alschner die rund 100.000 Euro teure Willkommensanzeige, an der sich unter anderem auch Siemens, Daimler-Chrysler und die Deutsche Bank beteiligen.
Auch wenn der rot-rote Senat kürzlich in einem Beschluss die besonderen Beziehungen Berlins zur früheren Schutzmacht herausgestrichen habe, so zeige das Verhalten der PDS doch, dass sie "noch nicht reif" für die Regierung sei, meint Alschner.
Trotz Anzeige und öffentlicher Proteste durch CDU und FDP hält die Landes- und Bundes-PDS an ihrem Aufruf zu einer Demonstration in Berlin gegen die US-Politik fest. Allerdings: Ihre drei Senatoren - Gregor Gysi, Thomas Flierl und Heidi Knake-Werner - bleiben den Demonstrationen fern. Bis zum Freitag hatte noch die aus Westdeutschland stammende Gesundheitssenatorin Knake-Werner für Spannung innerhalb der Berliner Landesregierung gesorgt. Doch dann beugte sie sich dem Druck. Angesichts der "symbolischen Überfrachtung dieser Angelegenheit" werde sie nicht an Demonstrationen teilnehmen, ließ sie schriftlich mitteilen.
Seit Tagen versucht die PDS, ihren Kritikern aus Politik und Wirtschaft den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete sie am Freitag eine Resolution zusammen mit SPD und Grünen, die ausdrücklich die "Freundschaft und Partnerschaft mit dem amerikanischen Volk und seinen Repräsentanten" würdigt. Hervorgehoben werden darin zudem die historischen Verdienste der USA beim Kampf gegen Nazi-Deutschland, um die Freiheit Berlins in der Nachkriegszeit und bei der Wiederherstellung der Einheit.
Für den PDS-Landeschef Steffen Liebich ist die Anzeigenserie Piepenbrocks und weiterer Unternehmer indes kein Problem. Es sei legitim, wenn sie den US-Präsidenten begrüßten. Politische Parteien hingegen müssten auch das Recht haben, "ihre politischen Positionen in Form von Demonstrationen zu äußern."