Keine Religion wird derzeit im Westen so argwöhnisch betrachtet wie der Islam. Dabei lohnt es sich für Anleger, den Koran zu achten: Die islamischen Indizes laufen seit ihrer Auflegung besser als vergleichbare Börsenbarometer ohne religiösen Anstrich. Was dahinter steckt.
Dieben werden Hände und Füße abgehackt, Ehebrecherinnen werden gesteinigt, Vergewaltigungsopfer öffentlich ausgepeitscht - die Shari’ah, die islamische Rechtsordnung, ist das Schreckgespenst der westlichen Welt. Wörtlich übersetzt heißt Shari’ah nichts anderes als Weg - der Weg, der es den Menschen ermöglichen soll, im Einklang mit der göttlichen Ordnung zu leben. Nur wegen der strengen Auslegung einiger fundamentalistischer Länder ist die Shari’ah noch lange kein Strafgesetzbuch, das Gräueltaten vorschreibt. Sie ist ein Leitfaden, der alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens regelt: vom Gebet bis zur Schadensregulierung. Und eben auch das Finanzielle.
Da der Geldverleih gegen Zinsen nach der Shari’ah als unmoralisch gilt, fließen die Petrodollars aus dem Nahen Osten nicht auf Sparbücher, sondern meist in Immobilien und Aktien. Und nicht nur in Saudi-Arabien und den Emiraten ist Anlegergeld im Überfluss vorhanden. "Auch in Deutschland leben rund zehn Millionen Muslime, potenzielle Anleger", sagt Lars Hamich, der Leiter des Index-Teams bei Dow Jones Indexes. Was also lag näher, als eine Auswahl von Aktien zu schaffen, in die die Anhänger Mohammeds guten Gewissens investieren können? Nicht jede Firma ist schließlich religiös korrekt. Dass für muslimische Anleger Aktien von Schweinefleisch verarbeitenden Unternehmen und Alkohol-Produzenten nicht in Frage kommen, versteht sich von selbst. Aber auch Schulden sind nach der Shari’ah so verpönt wie Zinsen. Das bedeutet: Gläubige Moslems dürfen ebensowenig in überschuldete Unternehmen investieren wie in Firmen, deren Hauptgeschäftszweck es ist, das beim Börsengang eingesammelte Geld Gewinn bringend anzulegen.
Die Regeln sind eindeutig, nur die Umsetzung bereitet Probleme: Was die Cash- und Schuldensituation anbelangt, ist meist aus den Geschäftsberichten ersichtlich, ob ein Unternehmen nach der Shari’ah akzeptabel ist. Was aber bestimmt nicht im Geschäftsbericht der Lufthansa steht, ist, dass die Airline auf den Flügen Alkohol serviert und deshalb problematisch ist. Da es unter islamischen Rechtsgelehrten verschiedene Auffassungen über Erlaubtes und Verbotenes gibt, gilt die Faustregel: Nicht mehr als fünf Prozent des Umsatzes einer Firma dürfen aus Produkten stammen, die nicht mit der Religion vereinbar sind. Vor allem für Anleger, die ihr Geld etwa durch Fonds oder Zertifikate breit streuen wollen, ist es nahezu unmöglich, alle Unternehmen in einem Index auf die Ausschlusskriterien hin abzuklopfen. Im Jahr 1998 begann das US-Unternehmen Dow Jones Indexes daher mit der Berechnung des Islamic Market Index (DJIM), in den nur Firmen aufgenommen werden, die für Moslems unbedenklich sind. Da es zu viel Aufwand wäre, alle 50000 börsennotierten Unternehmen der Erde auf Herz und Nieren zu prüfen, konzentrierte man sich auf die zehn Prozent, die im Dow Jones World Index enthalten sind und die zusammengenommen ohnehin 95 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ausmachen. Illiquide Aktien von Kleinst-AGs, bei denen es zudem oft schwierig ist, aus öffentlich zugänglichen Quellen an die relevanten Informationen zu kommen, fallen von vorneherein durchs Raster.
Übrig bleiben rund 5000 Werte, von denen etwa 1400 nach Koran-Maßstäben unbedenklich sind. Das Shari’ah Board, ein sechsköpfiges Gremium, das sich aus islamischen Rechtsgelehrten zusammensetzt, überprüft die von Dow Jones gelieferten Daten und Informationen regelmäßig und schließt Unternehmen aus, sobald diese die Anforderungen nicht mehr erfüllen. Um auch der Nachfrage nach einem Blue-Chip-Index gerecht zu werden, kam in diesem Jahr der Dow Jones Islamic Market Titans 100 dazu, der die 50 größten Shari’ah-konformen Unternehmen der USA enthält und je 25 Standardtitel aus Europa und Asien. Das Frappierende: Die islamischen Indizes laufen seit ihrer Auflegung besser als vergleichbare Börsenbarometer ohne religiösen Anstrich. Den Hauptgrund sieht Stephanie Schleidt von Dow Jones Indexes im Verschuldungsverbot des Korans. Schuldenfreie Unternehmen können nicht Pleite gehen, lautet eine alte Börsenregel. Schleidt: "Enron flog wegen der zu hohen Verschuldung aus den Islamic Indexes, lange bevor die Rating-Agenturen merkten, dass da etwas schief läuft." Da es im heutigen Wirtschaftsleben unmöglich ist, ohne Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen auszukommen, musste das Shari’ah Board bei dieser Thematik allerdings einen Kompromiss finden: Die Schulden eines Unternehmens dürfen maximal ein Drittel seines Börsenwerts ausmachen. "Das ist noch akzeptabel", meint Mohd Daud Baker, Mitglied des Shari’ah Board aus Malaysia. "Der Islam ist keine Religion, die sich dem Fortschritt verschließt."
Wegen des Verbots, Geld gegen Zinsen zu verleihen, gilt auf der anderen Seite eine ähnliche Regelung für Bankguthaben. Die liquiden Mittel dürfen nicht höher sein als ein Drittel der Marktkapitalisierung. Die Unvereinbarkeit von Glaube und Zins sorgt dafür, dass Banken und Versicherungen in islamischen Indizes überhaupt keine Rolle spielen. Aus dem DAX etwa bleiben mit Altana, BASF und Schering (Chemie/Pharma) sowie Infineon, SAP und Siemens (Technologie) gerade mal sechs Werte übrig, die unbedenklich sind.
Da die zuletzt stark unter die Räder gekommenen Finanztitel im Index fehlen, präsentiert sich dieser weniger schwankungsanfällig als andere globale Börsenbarometer, ist aber trotzdem nicht nur für Witwen und Waisen geeignet: "Wir sind ziemlich technologielastig", erklärt Index-Experte Lars Hamich.
Unter den zehn schwersten Werten im Islamic Titans 100 befinden sich jeweils vier Titel aus den Zukunftsbranchen Technologie und Pharma, dazu zwei Ölgesellschaften. Ganz normale Blue Chips also, keine exotischen Investments, die nur für religiöse Fanatiker interessant sind. "Die Grundwerte der christlichen und der islamischen Religion sind gar nicht so verschieden", weiß Dow-Experte Hamich, "weshalb man auch von einem allgemeinen Ethik-Index sprechen könnte." Die Nachfrage steigt: Nach jüngsten Erhebungen folgen bereits etwa fünf Milliarden Euro Anlegergelder islamischen Indizes, etwa drei Viertel davon flossen in Produkte auf Grundlage der Dow-Jones-Berechnungen. Im Prinzip bieten sich diese Indizes für jeden an - unabhängig von der Religion. Für europäische Anleger, die regelmäßige Dividendeneinkünfte gewohnt sind, ist allerdings befremdlich, dass es sich um reine Kurs-Indizes handelt, in die - im Gegensatz zu Performance-Indizes - die Ausschüttungen nicht mit eingerechnet werden. Das wiederum liegt an der in der Shari’ah nicht geklärten Frage, ob Dividenden unter das Zinsverbot fallen. Um diese Klippe zu umschiffen, bleiben die Dividenden außen vor. Für Anleger hat das zwar den Nachteil, dass die Emittenten von indexnahen Produkten - etwa Zertifikaten - die Ausschüttungen einbehalten. Doch das ist durchaus zu verschmerzen: Einerseits hat der Islamic Titans 100 den wichtigsten globalen Index MSCI World trotzdem geschlagen, andererseits halten sich die Verwaltungsgebühren in Grenzen, weil die Emittenten ohnehin an den Dividenden verdienen.
So kommt das Islamic-Global-Equity-Builder-Zertifikat der Deutschen Bank (ISIN DE0007352965) mit einer Verwaltungsgebühr von 1,25 Prozent pro Jahr aus. Das ist zwar nicht wenig, im Vergleich zu den happigen Gebühren der aktiv gemanagten Islamic-Fonds jedoch ein Sonderangebot.
Wer sich nicht davon abschrecken lässt, dass einem die Dividenden durch die Lappen gehen, findet in den islamischen Indizes eine durchaus interessante Alternative zu nachhaltigen Investments. Und auch nach europäischen Moralmaßstäben muss niemand Angst haben, mit fundamentalistischen Terrorgruppen in Verbindung gebracht zu werden. "Einen Heiligen Krieg gibt es im Islam nur für den Verteidigungsfall. Niemals darf man selbst der Angreifer sein", erklärt Shari’ah-Board-Mitglied Mohd Daud Baker, nach dessen Ansicht Al Kaida allein schon in finanzieller Hinsicht gegen die Gesetze des Islam verstößt. Wenn es wahr sein sollte, dass Osama bin Laden vor den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center Aktien der Münchener Rück leerverkauft hatte, ist das kein Vorgehen, das die Billigung des Shari’ah Boards finden würde. Baker: "Shortselling ist grundsätzlich verboten. Auch dann, wenn es sich um ein Unternehmen handelt, das nach islamischer Auffassung nichts im Depot verloren hat."
Knock-Out-Kriterien
Genussgifte: Sie sind verboten. Alkohol- und Zigarettenproduzenten sucht man in den islamischen Indizes deshalb vergeblich. Aber auch Airlines, die auf ihren Flügen Alkohol servieren, fallen durchs Raster.
Erotik: Playboy ist keine Aktie für Moslems. Die gesamte Unterhaltungsindustrie fällt den Knock-out-Kriterien zum Opfer. Verluste mit EM.TV oder Kinowelt blieben muslimischen Anlegern erspart.
Waffen: Nein danke. Die Herstellung von Kriegsgerät ist mit der Shari’ah nicht vereinbar. Der Islam ist entgegen vieler Vorurteile keine Religion, die Terrorismus billigt oder gar vorschreibt.
Schweine: Ein Tabuthema. Schweinezuchtbetriebe, aber auch die weiterverarbeitende Industrie stehen auf der schwarzen Liste.
Geldverleih: Für Mohammedaner als Geschäftszweck ebenso unmoralisch wie Schulden. Die Finanzbranche bleibt deshalb außen vor.
von Jens Castner / Euro am Sonntag
-red- / -red-
Dieben werden Hände und Füße abgehackt, Ehebrecherinnen werden gesteinigt, Vergewaltigungsopfer öffentlich ausgepeitscht - die Shari’ah, die islamische Rechtsordnung, ist das Schreckgespenst der westlichen Welt. Wörtlich übersetzt heißt Shari’ah nichts anderes als Weg - der Weg, der es den Menschen ermöglichen soll, im Einklang mit der göttlichen Ordnung zu leben. Nur wegen der strengen Auslegung einiger fundamentalistischer Länder ist die Shari’ah noch lange kein Strafgesetzbuch, das Gräueltaten vorschreibt. Sie ist ein Leitfaden, der alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens regelt: vom Gebet bis zur Schadensregulierung. Und eben auch das Finanzielle.
Da der Geldverleih gegen Zinsen nach der Shari’ah als unmoralisch gilt, fließen die Petrodollars aus dem Nahen Osten nicht auf Sparbücher, sondern meist in Immobilien und Aktien. Und nicht nur in Saudi-Arabien und den Emiraten ist Anlegergeld im Überfluss vorhanden. "Auch in Deutschland leben rund zehn Millionen Muslime, potenzielle Anleger", sagt Lars Hamich, der Leiter des Index-Teams bei Dow Jones Indexes. Was also lag näher, als eine Auswahl von Aktien zu schaffen, in die die Anhänger Mohammeds guten Gewissens investieren können? Nicht jede Firma ist schließlich religiös korrekt. Dass für muslimische Anleger Aktien von Schweinefleisch verarbeitenden Unternehmen und Alkohol-Produzenten nicht in Frage kommen, versteht sich von selbst. Aber auch Schulden sind nach der Shari’ah so verpönt wie Zinsen. Das bedeutet: Gläubige Moslems dürfen ebensowenig in überschuldete Unternehmen investieren wie in Firmen, deren Hauptgeschäftszweck es ist, das beim Börsengang eingesammelte Geld Gewinn bringend anzulegen.
Die Regeln sind eindeutig, nur die Umsetzung bereitet Probleme: Was die Cash- und Schuldensituation anbelangt, ist meist aus den Geschäftsberichten ersichtlich, ob ein Unternehmen nach der Shari’ah akzeptabel ist. Was aber bestimmt nicht im Geschäftsbericht der Lufthansa steht, ist, dass die Airline auf den Flügen Alkohol serviert und deshalb problematisch ist. Da es unter islamischen Rechtsgelehrten verschiedene Auffassungen über Erlaubtes und Verbotenes gibt, gilt die Faustregel: Nicht mehr als fünf Prozent des Umsatzes einer Firma dürfen aus Produkten stammen, die nicht mit der Religion vereinbar sind. Vor allem für Anleger, die ihr Geld etwa durch Fonds oder Zertifikate breit streuen wollen, ist es nahezu unmöglich, alle Unternehmen in einem Index auf die Ausschlusskriterien hin abzuklopfen. Im Jahr 1998 begann das US-Unternehmen Dow Jones Indexes daher mit der Berechnung des Islamic Market Index (DJIM), in den nur Firmen aufgenommen werden, die für Moslems unbedenklich sind. Da es zu viel Aufwand wäre, alle 50000 börsennotierten Unternehmen der Erde auf Herz und Nieren zu prüfen, konzentrierte man sich auf die zehn Prozent, die im Dow Jones World Index enthalten sind und die zusammengenommen ohnehin 95 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ausmachen. Illiquide Aktien von Kleinst-AGs, bei denen es zudem oft schwierig ist, aus öffentlich zugänglichen Quellen an die relevanten Informationen zu kommen, fallen von vorneherein durchs Raster.
Übrig bleiben rund 5000 Werte, von denen etwa 1400 nach Koran-Maßstäben unbedenklich sind. Das Shari’ah Board, ein sechsköpfiges Gremium, das sich aus islamischen Rechtsgelehrten zusammensetzt, überprüft die von Dow Jones gelieferten Daten und Informationen regelmäßig und schließt Unternehmen aus, sobald diese die Anforderungen nicht mehr erfüllen. Um auch der Nachfrage nach einem Blue-Chip-Index gerecht zu werden, kam in diesem Jahr der Dow Jones Islamic Market Titans 100 dazu, der die 50 größten Shari’ah-konformen Unternehmen der USA enthält und je 25 Standardtitel aus Europa und Asien. Das Frappierende: Die islamischen Indizes laufen seit ihrer Auflegung besser als vergleichbare Börsenbarometer ohne religiösen Anstrich. Den Hauptgrund sieht Stephanie Schleidt von Dow Jones Indexes im Verschuldungsverbot des Korans. Schuldenfreie Unternehmen können nicht Pleite gehen, lautet eine alte Börsenregel. Schleidt: "Enron flog wegen der zu hohen Verschuldung aus den Islamic Indexes, lange bevor die Rating-Agenturen merkten, dass da etwas schief läuft." Da es im heutigen Wirtschaftsleben unmöglich ist, ohne Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen auszukommen, musste das Shari’ah Board bei dieser Thematik allerdings einen Kompromiss finden: Die Schulden eines Unternehmens dürfen maximal ein Drittel seines Börsenwerts ausmachen. "Das ist noch akzeptabel", meint Mohd Daud Baker, Mitglied des Shari’ah Board aus Malaysia. "Der Islam ist keine Religion, die sich dem Fortschritt verschließt."
Wegen des Verbots, Geld gegen Zinsen zu verleihen, gilt auf der anderen Seite eine ähnliche Regelung für Bankguthaben. Die liquiden Mittel dürfen nicht höher sein als ein Drittel der Marktkapitalisierung. Die Unvereinbarkeit von Glaube und Zins sorgt dafür, dass Banken und Versicherungen in islamischen Indizes überhaupt keine Rolle spielen. Aus dem DAX etwa bleiben mit Altana, BASF und Schering (Chemie/Pharma) sowie Infineon, SAP und Siemens (Technologie) gerade mal sechs Werte übrig, die unbedenklich sind.
Da die zuletzt stark unter die Räder gekommenen Finanztitel im Index fehlen, präsentiert sich dieser weniger schwankungsanfällig als andere globale Börsenbarometer, ist aber trotzdem nicht nur für Witwen und Waisen geeignet: "Wir sind ziemlich technologielastig", erklärt Index-Experte Lars Hamich.
Unter den zehn schwersten Werten im Islamic Titans 100 befinden sich jeweils vier Titel aus den Zukunftsbranchen Technologie und Pharma, dazu zwei Ölgesellschaften. Ganz normale Blue Chips also, keine exotischen Investments, die nur für religiöse Fanatiker interessant sind. "Die Grundwerte der christlichen und der islamischen Religion sind gar nicht so verschieden", weiß Dow-Experte Hamich, "weshalb man auch von einem allgemeinen Ethik-Index sprechen könnte." Die Nachfrage steigt: Nach jüngsten Erhebungen folgen bereits etwa fünf Milliarden Euro Anlegergelder islamischen Indizes, etwa drei Viertel davon flossen in Produkte auf Grundlage der Dow-Jones-Berechnungen. Im Prinzip bieten sich diese Indizes für jeden an - unabhängig von der Religion. Für europäische Anleger, die regelmäßige Dividendeneinkünfte gewohnt sind, ist allerdings befremdlich, dass es sich um reine Kurs-Indizes handelt, in die - im Gegensatz zu Performance-Indizes - die Ausschüttungen nicht mit eingerechnet werden. Das wiederum liegt an der in der Shari’ah nicht geklärten Frage, ob Dividenden unter das Zinsverbot fallen. Um diese Klippe zu umschiffen, bleiben die Dividenden außen vor. Für Anleger hat das zwar den Nachteil, dass die Emittenten von indexnahen Produkten - etwa Zertifikaten - die Ausschüttungen einbehalten. Doch das ist durchaus zu verschmerzen: Einerseits hat der Islamic Titans 100 den wichtigsten globalen Index MSCI World trotzdem geschlagen, andererseits halten sich die Verwaltungsgebühren in Grenzen, weil die Emittenten ohnehin an den Dividenden verdienen.
So kommt das Islamic-Global-Equity-Builder-Zertifikat der Deutschen Bank (ISIN DE0007352965) mit einer Verwaltungsgebühr von 1,25 Prozent pro Jahr aus. Das ist zwar nicht wenig, im Vergleich zu den happigen Gebühren der aktiv gemanagten Islamic-Fonds jedoch ein Sonderangebot.
Wer sich nicht davon abschrecken lässt, dass einem die Dividenden durch die Lappen gehen, findet in den islamischen Indizes eine durchaus interessante Alternative zu nachhaltigen Investments. Und auch nach europäischen Moralmaßstäben muss niemand Angst haben, mit fundamentalistischen Terrorgruppen in Verbindung gebracht zu werden. "Einen Heiligen Krieg gibt es im Islam nur für den Verteidigungsfall. Niemals darf man selbst der Angreifer sein", erklärt Shari’ah-Board-Mitglied Mohd Daud Baker, nach dessen Ansicht Al Kaida allein schon in finanzieller Hinsicht gegen die Gesetze des Islam verstößt. Wenn es wahr sein sollte, dass Osama bin Laden vor den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center Aktien der Münchener Rück leerverkauft hatte, ist das kein Vorgehen, das die Billigung des Shari’ah Boards finden würde. Baker: "Shortselling ist grundsätzlich verboten. Auch dann, wenn es sich um ein Unternehmen handelt, das nach islamischer Auffassung nichts im Depot verloren hat."
Knock-Out-Kriterien
Genussgifte: Sie sind verboten. Alkohol- und Zigarettenproduzenten sucht man in den islamischen Indizes deshalb vergeblich. Aber auch Airlines, die auf ihren Flügen Alkohol servieren, fallen durchs Raster.
Erotik: Playboy ist keine Aktie für Moslems. Die gesamte Unterhaltungsindustrie fällt den Knock-out-Kriterien zum Opfer. Verluste mit EM.TV oder Kinowelt blieben muslimischen Anlegern erspart.
Waffen: Nein danke. Die Herstellung von Kriegsgerät ist mit der Shari’ah nicht vereinbar. Der Islam ist entgegen vieler Vorurteile keine Religion, die Terrorismus billigt oder gar vorschreibt.
Schweine: Ein Tabuthema. Schweinezuchtbetriebe, aber auch die weiterverarbeitende Industrie stehen auf der schwarzen Liste.
Geldverleih: Für Mohammedaner als Geschäftszweck ebenso unmoralisch wie Schulden. Die Finanzbranche bleibt deshalb außen vor.
von Jens Castner / Euro am Sonntag
-red- / -red-