BÖRSENKRISE: Kopfschütteln in Asien


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BÖRSENKRISE: Kopfschütteln in Asien

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01.08.02 06:02
Fünf Jahre nach der Asienkrise geht es auch mit den hiesigen Finanzmärkten bergab. Der Westen sollte endlich begreifen, dass kulturelle Überlegenheitsgefühle fehl am Platz sind.

Kaum fünf Jahre sind vergangen, seitdem die schwere Finanzkrise den asiatischen Kontinent erschütterte - und schon denkt im Westen kaum jemand mehr daran. Nun aber, da das Absacken der amerikanischen und europäischen Finanzmärkte etliche Milliarden Dollar Marktwert vernichtet hat, bekommt die westliche Welt zu spüren, dass sie wirtschaftlich in vielerlei Hinsicht ebenso anfällig ist wie der asiatische Kontinent. Diese Erkenntnis könnte dazu beitragen, dass die Welt näher zusammenrückt.

Vor 1997/98 hatte der wirtschaftliche Erfolg der asiatischen Staaten bei vielen Amerikanern einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Grund dafür war nicht nur die Tatsache, dass sich die größte Volkswirtschaft der Welt in der Industriefertigung der Konkurrenz geschlagen geben musste. Ein harter Schlag waren auch die großen Reden der asiatischen Regierungschefs: Nicht etwa die Nachahmung des US-Wirtschaftsmodells sei für den Erfolg der "Tiger" verantwortlich, argumentierten sie. Es seien vielmehr die ureigenen "asiatischen Werte", dank derer der Kontinent im rauen Wettbewerb mit den USA überlegen sei.

Zwar ist dies aus wirtschaftstheoretischer Sicht eine schlichte Argumentation. Dennoch löste sie eine hitzige internationale Debatte aus. Dann aber kam die asiatische Finanzkrise - und plötzlich sprach niemand mehr von den "asiatischen Werten". Die Zyniker unter den US-Kommentatoren beobachteten mit Genugtuung, wie die Staatschefs, die noch kurz zuvor gegen die Amerikaner gewettert hatten, gesenkten Hauptes in Washington vorstellig wurden und beim Internationalen Währungsfonds Notkredite beantragten.

Mangel an Mitgefühl

Von Mitgefühl für die asiatischen Staaten war in den USA damals nicht viel zu spüren. Eher frohlockten die Amerikaner, dass sie in Folge der dramatischen Währungsverluste der betroffenen Länder plötzlich viel weniger Geld für Computer und andere technische Geräte ausgeben mussten.

Die amerikanischen Zeitungen waren übersät mit Geschichten über Thais und Koreaner, die einst fest in der Mittelschicht verankert waren und auf einmal am Hungertuch nagten. Dramatisch waren auch die Berichte über Familienväter, die jeden Morgen in ihrer Büromontur aus dem Haus gingen, obwohl sie ihren Job längst verloren hatten. - Ihnen war es zu peinlich, die bittere Wahrheit gegenüber der eigenen Familie einzugestehen.

Noch greifbarer für die Amerikaner waren die Meldungen von den asiatischen Familien, die das USA-Auslandsstudium ihrer Kinder nicht mehr finanzieren konnten. Das wurde zwar bedauert. Dennoch überwog die Auffassung, es sei ein unnötiger Luxus, seine Kinder vom armen Asien allein für die Bildung ins reiche Amerika zu schicken.

Nun schreiben wir das Jahr 2002 - und so wie einst die asiatischen Finanzmärkte sind nun auch die der gesamten westlichen Welt in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Die Börsen befinden sich auf Talfahrt. Unterdessen laufen in den USA die Vorbereitungen für die Kongresswahlen, die im Herbst stattfinden, auf Hochtouren. Die Strategen der Republikaner können nur hoffen, dass der gegenwärtige Kurssturz nicht als "Bush-Freifall" in die Geschichtsbücher eingeht.

Ihre Sorge ist berechtigt, denn die gegenwärtige Krise trifft den Wähler an einer sensiblen Stelle - seiner Geldbörse. Auf einmal fürchten viele US-Bürger um ihre finanzielle Zukunft. Plötzlich scheint fraglich, ob sie ihren Ruhestand überhaupt rechtzeitig antreten können, wo doch ihre Ersparnisse nach und nach dahinschmelzen.

Kopfschütteln in Asien

Die Menschen auf der anderen Seite des Pazifiks nehmen diese Nachrichten mit Kopfschütteln auf. Haben diese arroganten Westler ernsthaft angenommen, dass nur die Asiaten über ihre Verhältnisse gelebt hätten? Haben Sie wirklich geglaubt, dass nur koreanische, thailändische oder indonesische Unternehmen ihre Bilanzen frisieren oder übertrieben schnell expandieren und damit den finanziellen GAU heraufbeschwören?

Im Grunde waren die meisten Exzesse, die sich die asiatische Unternehmen leisteten, vom Westen induziert. "Just build it and they will come", lautete damals die Parole der Amerikaner. Man müsse nur produzieren, Käufer fänden sich dann von alleine. Damit wurde der Welt vorgegaukelt, die Konsumbereitschaft des US-Normalverbrauchers könne unendlich gesteigert werden. Zudem vertrat Washington die hochtrabende Theorie, dass eine Öffnung der Kapitalmärkte das Nonplusultra sei.

Aus all dem lernen wir vor allem eines: Es gibt keinen Grund für kulturelle Überlegenheitsgefühle, denn kein Staat ist gegen Krisen gefeit. Die Länder dieser Erde sind heutzutage viel zu eng miteinander verwoben - und wir alle sind viel zu menschlich, als dass wir nicht auch eines Tages einen Fehler begehen könnten, der zu gravierenden Problemen führen mag. Es mag traurig, vielleicht sogar beunruhigend sein, dass wir die Bedeutung der globalen Harmonie erst dann erkennen, wenn es mit den Finanzmärkten bergab geht. Aber allein die Erkenntnis der gegenseitigen Abhängigkeit könnte sich auf lange Sicht als nützlich erweisen.  
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Suzie Wong:

Happy : Klasse ! o.T.

 
01.08.02 06:45
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Happy End:

Ernüchternde Zahlen

 
01.08.02 09:09
Nun zeigt es auch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Die US-Wirtschaft hat im letzten Jahr einen deutlich stärkeren Einbruch einstecken müssen als bisher vielfach angenommen.

Der Wachstumsschub, der Anfang dieses Jahres verbucht wurde, ist nicht so stark ausgefallen wie zunächst gemeldet. Und es ist auch nicht gelungen, diesen Schwung ins zweite Quartal hinüberzuretten.

Die Illusion von der "Rezession, die keine war" liegt nach den neuen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) endgültig in Scherben. Es zeigt sich, dass die zahlreichen Warnsignale korrekt waren und auch die US-Notenbank richtig handelte, als sie Anfang 2001 überraschend und kräftig die Zinsen senkte: Die US-Ökonomie steckte schon lange vor den Anschlägen des 11. September in einer tiefen Rezession, die durch den Einbruch der Hightech-Investitionen ausgelöst wurde.

Der Aufschwung seit der Jahreswende 2001/2002 ist äußerst fragil, die US-Wirtschaft sieht weiterhin gefährdet aus. So ist das magere Wachstum im zweiten Quartal Besorgnis erregend, weil der Kurssturz an den Weltbörsen erst im Juli an Tempo gewann. Er spiegelt sich daher noch gar nicht in den Daten wider.

Auch die Details der neuen BIP-Zahlen bergen unschöne Überraschungen. Zwar ist es erfreulich, dass die privaten Haushalte in den späten 90er Jahren doch mehr gespart haben, als es die Statistiker bisher angenommen hatten. Das Bild des US-Konsumenten, der in den Boomjahren kaum etwas zur Seite legte und nun unter seinem Schuldenberg zusammenzubrechen droht, kann glücklicherweise relativiert werden.

Gleichzeitig hat sich aber herausgestellt, dass die gesamtwirtschaftlichen Gewinne in den späten 90er Jahren deutlich niedriger ausgefallen sind, als zuvor vermeldet worden war. Das enorme Wachstum der Profite in der Boomphase der New Economy war also zumindest zum Teil eine statistische Fata Morgana.

Nun stellt sich die Frage, inwieweit die aktuellen Annahmen über das langfristige Gewinnwachstum der US-Unternehmen realistisch sind - und ob den Börsen noch eine weitere Abwärtskorrektur bevorsteht. Bereits jetzt drückt die Entwicklung am Aktienmarkt massiv auf die Stimmung der Verbraucher und der Unternehmen. Die am Donnerstag erscheinenden Umfrageergebnisse aus der US-Industrie werden zeigen, ob auch die realwirtschaftliche Aktivität darunter bereits leidet. Klar scheint jedoch schon jetzt: Eine wirklich boomende Wirtschaft werden die USA dieses Jahr nicht mehr erleben.  
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