Börsenausblick/Deutschland begreift, besser spät als nie
Von vwd Börsenkorrespondent Herbert Rude
Frankfurt (vwd) - In Aufbruchstimmung gehen Frankfurts Börsianer dem
neuen Jahrtausend entgegen. Zwar war das mit der Euro-Einführung vor
einem
Jahr genauso, und damals endete die Euphorie innerhalb weniger
Handelsstunden und mündete in Lethargie, geprägt von der
Underperformance
des DAX bis in das Frühjahr hinein. Doch die Strukturen zum Beginn
dieses
neuen Jahres unterscheiden sich von den Strukturen zu Beginn des
vergangenen
Jahres, und zwar stark und fast vollkommen.
Vor einem Jahr prägten die deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik
Persönlichkeiten, deren Herzen links schlugen und, nach ihren eigenen
Angaben, nicht an der Börse. Die nun aktiven Entscheidungsträger für das
Umgestalten der Rahmenbedingungen verweisen dagegen voll Genugtuung und
überraschend schnell auf die Jubel-Hausse nach den Details zur
Unternehmenssteuerreform.
Die Regierung hat begriffen. Die Börse ist der Puls der
Wirtschaftsentwicklung. Die Kapitalmärkte sollten in der Lage sein, beim
Kampf gegen die Arbeitslosigkeit einen entscheidenden Beitrag zu
leisten.
Das zeigen die Unternehmen des Neuen Markts täglich, und die USA machen
es
uns seit Jahren vor. Ohne effektive Maßnahmen und ohne Erfolge im Kampf
gegen die Arbeitslosigkeit hat die Regierung kaum eine Chance auf eine
Wiederwahl, das weiß sie.
Traurig das Bild, das die Unionsparteien bieten mit ihrer
Grundsatzopposition zum Beispiel gegen die Steuerfreiheit für
Veräußerungsgewinne, die zu einem kaum vorstellbaren Schub bei
Allokationseffizienz und beim Basteln neuer schlagkräftiger Einheiten
führen
wird. Während internationale Anleger wieder Interesse an deutschen
Aktien
zeigen, zieht bei den Unionsparteien Kleinmut ein, das Interesse am
Großen
Wurf schwindet dahin. Die CDU muß aufpassen, dass sie nun nicht genauso
schnell abrutscht wie die SPD in der ersten Hälfte des alten Jahres.
Die Steuerreform kann nur der Auftakt zu dem Umbruch sein, der
Deutschland zu Beginn des neuen Jahrtausends wettbewerbsfähig macht.
Während
die IG Metall in grotesker Weise den Leistungsträgern die Kosten für die
Zwangs-Rente mit 60 aufbürden will, braucht Deutschland das Zerschlagen
des
Gordischen Knotens in der Renten-Versicherung als weiteres starkes
Aufbruchssignal. Vermutlich würde nichts dem Standort Deutschland
besser tun
als eine Rentenreform, die den Namen verdient. Das böse geflügelte Wort
von
der german disease würde dann wohl wieder verschwinden.
Ein weiteres gutes Zeichen auch für ausländische Anleger wäre das
Abschaffen des Solidaritäts-Zuschlags so schnell wie möglich. Dieses
Relikt
belastet den Standort schon viel zu lange, ein schnelles Ende wäre ein
gutes
Signal für den Beginn eines Investitions-Schubs in Deutschland. Daneben
braucht Deutschland nichts dringender als die Übernahme zumindest von
Teilen
des US-Erfolgs-Rezepts, auch das machen die Unternehmen am Neuen Markt
in
der Breite und die DAX-100-Unternehmen vereinzelt vor.
Dazu gehört der Abbau der Bürokratie, das Schaffen leistungs- und
erfolgsbezogener Vergütungssysteme für Mitarbeiter sowie flexible
Strukturen
in der Unternehmensführung, aber auch Management-Gehälter, die denen von
US-Kollegen im Erfolgsfall wenigstens im Ansatz entsprechen. Die
Chancen auf
einen Umbruch sind gut, die Zahl der Neuemissionen wird voraussichtlich
schon wieder auf einen Rekordstand klettern, und viele dieser
Unternehmen
haben begriffen.
An den Börsen wird im kommenden Jahr auch viel davon abhängen, wie die
Technologie- und Internet-Unternehmen ihre Konzepte umsetzen. Noch wird
viel
Hoffnung bezahlt, im kommenden Jahr schlägt die Stunde der Wahrheit. Je
mehr
Unternehmen über technologische Innovationen die Möglichkeit zu
niedrigeren
Stückkosten schaffen und über E-Commerce direkten Druck auf die Preise
ausüben, desto besser für die Weltbörsen. Denn dann würde sich trotz
boomender Konjunktur der Preisauftrieb weiter in Grenzen halten mit
günstigen Folgen auch für die Zinspolitik.
Von vwd Börsenkorrespondent Herbert Rude
Frankfurt (vwd) - In Aufbruchstimmung gehen Frankfurts Börsianer dem
neuen Jahrtausend entgegen. Zwar war das mit der Euro-Einführung vor
einem
Jahr genauso, und damals endete die Euphorie innerhalb weniger
Handelsstunden und mündete in Lethargie, geprägt von der
Underperformance
des DAX bis in das Frühjahr hinein. Doch die Strukturen zum Beginn
dieses
neuen Jahres unterscheiden sich von den Strukturen zu Beginn des
vergangenen
Jahres, und zwar stark und fast vollkommen.
Vor einem Jahr prägten die deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik
Persönlichkeiten, deren Herzen links schlugen und, nach ihren eigenen
Angaben, nicht an der Börse. Die nun aktiven Entscheidungsträger für das
Umgestalten der Rahmenbedingungen verweisen dagegen voll Genugtuung und
überraschend schnell auf die Jubel-Hausse nach den Details zur
Unternehmenssteuerreform.
Die Regierung hat begriffen. Die Börse ist der Puls der
Wirtschaftsentwicklung. Die Kapitalmärkte sollten in der Lage sein, beim
Kampf gegen die Arbeitslosigkeit einen entscheidenden Beitrag zu
leisten.
Das zeigen die Unternehmen des Neuen Markts täglich, und die USA machen
es
uns seit Jahren vor. Ohne effektive Maßnahmen und ohne Erfolge im Kampf
gegen die Arbeitslosigkeit hat die Regierung kaum eine Chance auf eine
Wiederwahl, das weiß sie.
Traurig das Bild, das die Unionsparteien bieten mit ihrer
Grundsatzopposition zum Beispiel gegen die Steuerfreiheit für
Veräußerungsgewinne, die zu einem kaum vorstellbaren Schub bei
Allokationseffizienz und beim Basteln neuer schlagkräftiger Einheiten
führen
wird. Während internationale Anleger wieder Interesse an deutschen
Aktien
zeigen, zieht bei den Unionsparteien Kleinmut ein, das Interesse am
Großen
Wurf schwindet dahin. Die CDU muß aufpassen, dass sie nun nicht genauso
schnell abrutscht wie die SPD in der ersten Hälfte des alten Jahres.
Die Steuerreform kann nur der Auftakt zu dem Umbruch sein, der
Deutschland zu Beginn des neuen Jahrtausends wettbewerbsfähig macht.
Während
die IG Metall in grotesker Weise den Leistungsträgern die Kosten für die
Zwangs-Rente mit 60 aufbürden will, braucht Deutschland das Zerschlagen
des
Gordischen Knotens in der Renten-Versicherung als weiteres starkes
Aufbruchssignal. Vermutlich würde nichts dem Standort Deutschland
besser tun
als eine Rentenreform, die den Namen verdient. Das böse geflügelte Wort
von
der german disease würde dann wohl wieder verschwinden.
Ein weiteres gutes Zeichen auch für ausländische Anleger wäre das
Abschaffen des Solidaritäts-Zuschlags so schnell wie möglich. Dieses
Relikt
belastet den Standort schon viel zu lange, ein schnelles Ende wäre ein
gutes
Signal für den Beginn eines Investitions-Schubs in Deutschland. Daneben
braucht Deutschland nichts dringender als die Übernahme zumindest von
Teilen
des US-Erfolgs-Rezepts, auch das machen die Unternehmen am Neuen Markt
in
der Breite und die DAX-100-Unternehmen vereinzelt vor.
Dazu gehört der Abbau der Bürokratie, das Schaffen leistungs- und
erfolgsbezogener Vergütungssysteme für Mitarbeiter sowie flexible
Strukturen
in der Unternehmensführung, aber auch Management-Gehälter, die denen von
US-Kollegen im Erfolgsfall wenigstens im Ansatz entsprechen. Die
Chancen auf
einen Umbruch sind gut, die Zahl der Neuemissionen wird voraussichtlich
schon wieder auf einen Rekordstand klettern, und viele dieser
Unternehmen
haben begriffen.
An den Börsen wird im kommenden Jahr auch viel davon abhängen, wie die
Technologie- und Internet-Unternehmen ihre Konzepte umsetzen. Noch wird
viel
Hoffnung bezahlt, im kommenden Jahr schlägt die Stunde der Wahrheit. Je
mehr
Unternehmen über technologische Innovationen die Möglichkeit zu
niedrigeren
Stückkosten schaffen und über E-Commerce direkten Druck auf die Preise
ausüben, desto besser für die Weltbörsen. Denn dann würde sich trotz
boomender Konjunktur der Preisauftrieb weiter in Grenzen halten mit
günstigen Folgen auch für die Zinspolitik.