Die Analysten halten Gefahr neuer Kurs-Rückschläge für hoch. Milzbrand-Fälle rücken Bayer in den Blickpunkt
Börsianer müssen sich auf einen Balance-Akt einstellen
Berlin - Für die neue Handelswoche brauchen Investoren gute Nerven. Denn eine Flut von Quartalsberichten aus den USA und die weitere politische Entwicklung werden zeigen, ob der Optimismus an den Börsen nicht zu voreilig war. In der abgelaufenen Woche gewann der Dax rund drei Prozent und der Nemax-50 knapp sieben Prozent. Seit den Tiefständen infolge der Anschläge auf New York und Washington legte der Dax mehr als 30 Prozent und der Nemax-50 knapp 40 Prozent zu. Damit haben die Indizes wieder ihr Niveau vor den Terroranschlägen erreicht.
"Der jüngste Kursanstieg ist allerdings fundamental nur schwach untermauert", meinen die Experten von Helaba Trust. Und auch Markus Morsch von der Commerzbank hält die Gefahr neuer Rückschläge für groß: "Mit rationalen Argumenten haben die Kursgewinne nichts zu tun. Das ist ein rein psychologischer Effekt", urteilt der Aktienstratege. "Wir erleben derzeit ein Vabanquespiel zwischen Gier und Ratio."
Die fundamentalen Rahmenbedingungen sehen in der Tat wenig verlockend aus. Das Ausmaß der Konjunkturflaute in den USA ist ebenso wenig einzuschätzen wie die Dauer der Wachstumsschwäche in Europa. Zudem sind die Auswirkungen der Terroranschläge auf Konsumbereitschaft und Unternehmensgewinne bisher kaum absehbar. Die Konjunkturdaten aus den USA lieferten zum Wochenschluss ein geteiltes Bild. Während der Index des Verbrauchervertrauens überraschend anstieg, verzeichneten die US-Einzelhandelsumsätze den stärksten monatlichen Rückgang seit rund zehn Jahren. Die Quartalszahlen von wichtigen US-Unternehmen wie IBM, General Motors, Boeing und Microsoft dürften in dieser Woche vielleicht schon mehr Klarheit bringen.
Doch die Angst vor neuen Terroranschlägen und eine Ausweitung des Konflikts auf andere Staaten dominiert weiter das Börsengeschehen. "Ein weiterer Terrorakt in den USA mit mehreren Opfern würde die Erholung an den Aktienmärkten beenden und die Kurse in Richtung alter Tiefstände schicken", meint Analyst Guiseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz.
Einen Eindruck, wie wacklig der Kursaufschwung ist, bekamen Investoren bereits am Freitag. Meldungen über einen neuen Milzbrandfall in den USA führten in New York und Frankfurt zu deutlichen Kursverlusten. "Die Bomben auf Afghanistan haben hier keinen interessiert. Nun scheint das Ganze aber wieder in die USA zurückzukehren. Das verunsichert den Markt", sagt ein Frankfurter Händler. Falls sich die Fälle von Milzbrand ausweiten sollten, hätte das auch für den Aktienmarkt dramatische Folgen.
Doch wie in Krisenzeiten üblich gibt es an der Börse auch Gewinner. Nach den am Wochenende bekannt gegebenen neuen Milzbranderkrankungen dürften die Papiere des Pharmakonzerns Bayer weiter im Mittelpunkt stehen. Schon am Freitag hatte die Aktie gegen den schwächeren Dax-Trend mehr als sieben Prozent zugelegt. Das Unternehmen stellt mit Ciprobay ein Antibiotikum gegen die tödliche Infektion her. "Bayer hat bisher psychologisch von den Fällen in den USA profitiert", meint Amato. In den kommenden Tagen dürfte die Betrachtung aber wieder nüchterner ausfallen.
Hohe Erwartungen haben Analysten an die Quartalszahlen von SAP am Donnerstag. "Die Geschäfte müssen sehr gut gelaufen sein. Sonst hätte SAP nicht seine Prognosen nach den Terroranschlägen so deutlich untermauert", meint Kevin Ashton von der Deutschen Bank. Er rechnet mit einem Gewinnanstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 90 Prozent. In Europa müssen zudem Philips, Nokia, Roche und Nestlé zum Rapport. Investoren hoffen auf nervenschonende Ergebnisse.
Börsianer müssen sich auf einen Balance-Akt einstellen
Berlin - Für die neue Handelswoche brauchen Investoren gute Nerven. Denn eine Flut von Quartalsberichten aus den USA und die weitere politische Entwicklung werden zeigen, ob der Optimismus an den Börsen nicht zu voreilig war. In der abgelaufenen Woche gewann der Dax rund drei Prozent und der Nemax-50 knapp sieben Prozent. Seit den Tiefständen infolge der Anschläge auf New York und Washington legte der Dax mehr als 30 Prozent und der Nemax-50 knapp 40 Prozent zu. Damit haben die Indizes wieder ihr Niveau vor den Terroranschlägen erreicht.
"Der jüngste Kursanstieg ist allerdings fundamental nur schwach untermauert", meinen die Experten von Helaba Trust. Und auch Markus Morsch von der Commerzbank hält die Gefahr neuer Rückschläge für groß: "Mit rationalen Argumenten haben die Kursgewinne nichts zu tun. Das ist ein rein psychologischer Effekt", urteilt der Aktienstratege. "Wir erleben derzeit ein Vabanquespiel zwischen Gier und Ratio."
Die fundamentalen Rahmenbedingungen sehen in der Tat wenig verlockend aus. Das Ausmaß der Konjunkturflaute in den USA ist ebenso wenig einzuschätzen wie die Dauer der Wachstumsschwäche in Europa. Zudem sind die Auswirkungen der Terroranschläge auf Konsumbereitschaft und Unternehmensgewinne bisher kaum absehbar. Die Konjunkturdaten aus den USA lieferten zum Wochenschluss ein geteiltes Bild. Während der Index des Verbrauchervertrauens überraschend anstieg, verzeichneten die US-Einzelhandelsumsätze den stärksten monatlichen Rückgang seit rund zehn Jahren. Die Quartalszahlen von wichtigen US-Unternehmen wie IBM, General Motors, Boeing und Microsoft dürften in dieser Woche vielleicht schon mehr Klarheit bringen.
Doch die Angst vor neuen Terroranschlägen und eine Ausweitung des Konflikts auf andere Staaten dominiert weiter das Börsengeschehen. "Ein weiterer Terrorakt in den USA mit mehreren Opfern würde die Erholung an den Aktienmärkten beenden und die Kurse in Richtung alter Tiefstände schicken", meint Analyst Guiseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz.
Einen Eindruck, wie wacklig der Kursaufschwung ist, bekamen Investoren bereits am Freitag. Meldungen über einen neuen Milzbrandfall in den USA führten in New York und Frankfurt zu deutlichen Kursverlusten. "Die Bomben auf Afghanistan haben hier keinen interessiert. Nun scheint das Ganze aber wieder in die USA zurückzukehren. Das verunsichert den Markt", sagt ein Frankfurter Händler. Falls sich die Fälle von Milzbrand ausweiten sollten, hätte das auch für den Aktienmarkt dramatische Folgen.
Doch wie in Krisenzeiten üblich gibt es an der Börse auch Gewinner. Nach den am Wochenende bekannt gegebenen neuen Milzbranderkrankungen dürften die Papiere des Pharmakonzerns Bayer weiter im Mittelpunkt stehen. Schon am Freitag hatte die Aktie gegen den schwächeren Dax-Trend mehr als sieben Prozent zugelegt. Das Unternehmen stellt mit Ciprobay ein Antibiotikum gegen die tödliche Infektion her. "Bayer hat bisher psychologisch von den Fällen in den USA profitiert", meint Amato. In den kommenden Tagen dürfte die Betrachtung aber wieder nüchterner ausfallen.
Hohe Erwartungen haben Analysten an die Quartalszahlen von SAP am Donnerstag. "Die Geschäfte müssen sehr gut gelaufen sein. Sonst hätte SAP nicht seine Prognosen nach den Terroranschlägen so deutlich untermauert", meint Kevin Ashton von der Deutschen Bank. Er rechnet mit einem Gewinnanstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 90 Prozent. In Europa müssen zudem Philips, Nokia, Roche und Nestlé zum Rapport. Investoren hoffen auf nervenschonende Ergebnisse.