oland Leuschel
« Fairer » Wert der Deutschen Telekom unter 7 Euro ?
In meiner letzten Kolumne habe ich dargelegt, was nunmehr protokollarisch belegt ist : Alan Greenspan erkannte im Jahre 1996 « dass es an der Wall Street ein Aktienblasen-Problem » gab (FOMC Sitzungsprotokoll vom 24.9.1996). In derselben Sitzung warnte der Gouverneur Lawrence Lindsey vor deren Folgen, während die Mehrheit der Investmentbanker gerade mit dem Jubeln zu Greenspans Geldpolitik begonnen hatte. Höhepunkt war dann später (2000) der Ausspruch des Gurus Ralph Acampora von Prudential Securities, und er sprach damit vielen anderen Gurus aus dem Herzen : « Alan we love you ». Heute wissen wir warum ; denn sein Arbeitgeber zahlte an seine Analysten laut Wall Street Journal die höchsten Prämien (bis zu 8,5% des Umsatzes bei Finanztransaktionen), insofern eine Analyse zu Aktiendeals etc. führte. Nicht nur bei Prudential sondern auch bei CSFB etc. wurden derartige Vereinbarungen vertraglich festgelegt. Meine oft hier in dieser Kolumne geäusserte Vermutung, die Analysenabteilungen vieler Investmentbanken wurden seit 1996 aus « organisatorischen » Gründen den jeweiligen Marketingabteilungen der Banken eingegliedert, wird jetzt durch die Veröffentlichung von Auszügen aus den Arbeitsverträgen im Wall Street Journal bestätigt. Es entsteht allgemein der Eindruck, als wäre die gesamte Investmentbranche seit einigen Jahren mehr oder weniger korrupt und der Aktionär das Opfer dieses Systems. Man braucht nur an den Fall Enron zu denken und an die korrupten Wirtschaftsprüfer. Ich wiederhole, dies ist ein Gemisch, welches das ganze kapitalistische System in Frage stellt ; denn letzten Endes wird sich jeder Anleger fragen, wem oder welcher Zahl er überhaupt noch vertrauen kann.
Nach all den Superlativen (grösste globale Kapitalvernichtung aller Zeiten, grösste Firmenpleite in den USA mit Enron, grösster Quartalsverlust einer Gesellschaft in USA mit 54,2 Mrd Dollar bei AOL) ist jetzt die grösste Kapitalvernichtung bei einem einzelnen Unternehmen entstanden: Vor 3 Jahren war die Marktkapitalisierung von Worldcom 180 Mrd. Dollar und ist jetzt unter 7 Mrd. gefallen, das heisst Kapitalvernichtung von 173 Mrd. Dollar. Auch nach diesem Kurssturz kann ich noch keineswegs raten diese Aktie zu kaufen, man brauche nur an Enron zu denken und zu sehen, dass die Anleihen der Worldcom bei 43% des Nominalwertes stehen. Auch die vor einem Jahr erfolgte Emission von rund 12 Mrd. Dollar hat bisher den Anleiheinhabern über 6 Mrd. Dollar Verlust gebracht. Ich rate allen Anlegern auch zu äusserter Vorsicht bei den Emissionen der hochverschuldeten europäischen Telefongesellschaften, obwohl die staatlichen Grossaktionäre im Falle einer Liquiditätskrise rettend eingreifen können, wie im Falle der niederländischen KPN.
Extreme Vorsicht ist auch bei der Aktie Deutsche Telekom geboten. Sie hat einen Kurssturz von rund 90% gegenüber ihrem Höchstkurs Anfang 2000 hinter sich und ist unter den Emissionspreis für Frühzeichner (14,32 Euro) vom November 1996 gefallen. Ein kühl rechnender Analyst muss aber zu dem Schluss kommen, die Aktie ist mit Euro 14 nach wie vor überbewertet. Rechnet man den sogenannten « fairen » Wert nach dem unter Analysten allgemein anerkannten DCF-Modell, kommt man auf 6,30 bis 7 Euro. Sie wissen, DCF steht für Discounted-Cash-Flow-Methode. Also warten Sie noch, bevor Sie bei dieser Aktie einsteigen, auch wenn Sie meinen Ratschlägen gefolgt sind und inzwischen eine grosse Cash-Position angesammelt haben und von Ungeduld geplagt werden.
Aber keine Angst, die Optimisten sind weiterhin unter uns. Super-Optimist Heiko Thieme, der nach wie vor zum Kaufen bläst, erwähnt in seiner letzten Kolumne eine Umfrage des Finanzmagazins Barron’s : « Von 178 in Amerika befragten Fondsmanagern sehen fast 50% den Dow Jones am Ende des Jahres bei 11.000 », das ist doch was ! Übrigens das Manager-Magazin hat in seiner jüngsten Ausgabe Heiko Thieme in die sogenannte « Hall of Shame » (Halle der Schande) aufgenommen, in der die grössten Geldvernichter der Fondsindustrie ihren Ehrenplatz gefunden haben (Kurt Ochner, Bernie Cornfeld, Bernd Förtsch etc.). « In Branchenkreisen gilt der ehemalige Deutsch-Banker als der schlechteste Aktionfondsmanager der USA. « Psycho-Heiko » wie ihn die Kollegen an der Wall Street nennen, liebt hochriskante Wetten auf obskure Biotech- und Technologie-Papiere. », so Originalton Manager-Magazin.
Sie erinnern sich, noch im Jahre 1999 tönte er in allen Medien : « Roland Leuschel hat recht mit seiner Crash-Vorhersage, aber leider wird er ihn persönlich nicht erleben, da der nächste Börsencrash im Jahre 2045 stattfinden wird. » Der Crash hat stattgefunden in Form eines Salami-Crashs (und Roland Leuschel lebt noch), ist aber noch nicht zu Ende, erst werden, wie bereits mehrfach betont, die Tiefstkurse vom Herbst letzten Jahres getestet, und erst dann wird es möglich sein, eine konkrete Prognose zu stellen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auf Grund ernstzunehmender Berechnungen der Freiverkehrsmarkt Nasdasq noch auf 1.100 Punkte fallen kann.
Mein Rat bleibt schon seit einigen Monaten unverändert : Höchstens 30% Aktien (Value-Aktien vom Typ Phillip Morris, Nestle, Unilever, Procter & Gamble etc.). Aber Sie können jetzt schon limitierte Kauforders für Blue Chips wie IBM abgeben. Die Aktie wurde mehrmals seit dem Jahr 2000 bei 80 Dollar getestet, jetzt fiel sie darunter,und ich würde sagen, zwischen 60 und 75 Dollar sollte man seine Käufe staffeln. Ausserdem nur Triple A-Anleihen (Kurzläufer) und viel Cash besonders in Euro, da ich einen Kollaps des US-Dollar, wie bereits erwähnt, nicht ausschliessen kann. Vergessen Sie bitte nicht, dass viele Anleger inzwischen die sogenannten Geldmarktfonds entdeckt haben. Allein in Deutschland gibt es 86 dieser Fonds mit einem Fondsvermögen von 54 Mrd Euro. Auch mit Geldmarktfonds kann man Rendite erwirtschaften, Beispiel der grösste Fonds der DWS-Geldmarkt Plus hat einen Wertzuwachs von 4% seit einem Jahr.
Roland Leuschel
08.05.2002
« Fairer » Wert der Deutschen Telekom unter 7 Euro ?
In meiner letzten Kolumne habe ich dargelegt, was nunmehr protokollarisch belegt ist : Alan Greenspan erkannte im Jahre 1996 « dass es an der Wall Street ein Aktienblasen-Problem » gab (FOMC Sitzungsprotokoll vom 24.9.1996). In derselben Sitzung warnte der Gouverneur Lawrence Lindsey vor deren Folgen, während die Mehrheit der Investmentbanker gerade mit dem Jubeln zu Greenspans Geldpolitik begonnen hatte. Höhepunkt war dann später (2000) der Ausspruch des Gurus Ralph Acampora von Prudential Securities, und er sprach damit vielen anderen Gurus aus dem Herzen : « Alan we love you ». Heute wissen wir warum ; denn sein Arbeitgeber zahlte an seine Analysten laut Wall Street Journal die höchsten Prämien (bis zu 8,5% des Umsatzes bei Finanztransaktionen), insofern eine Analyse zu Aktiendeals etc. führte. Nicht nur bei Prudential sondern auch bei CSFB etc. wurden derartige Vereinbarungen vertraglich festgelegt. Meine oft hier in dieser Kolumne geäusserte Vermutung, die Analysenabteilungen vieler Investmentbanken wurden seit 1996 aus « organisatorischen » Gründen den jeweiligen Marketingabteilungen der Banken eingegliedert, wird jetzt durch die Veröffentlichung von Auszügen aus den Arbeitsverträgen im Wall Street Journal bestätigt. Es entsteht allgemein der Eindruck, als wäre die gesamte Investmentbranche seit einigen Jahren mehr oder weniger korrupt und der Aktionär das Opfer dieses Systems. Man braucht nur an den Fall Enron zu denken und an die korrupten Wirtschaftsprüfer. Ich wiederhole, dies ist ein Gemisch, welches das ganze kapitalistische System in Frage stellt ; denn letzten Endes wird sich jeder Anleger fragen, wem oder welcher Zahl er überhaupt noch vertrauen kann.
Nach all den Superlativen (grösste globale Kapitalvernichtung aller Zeiten, grösste Firmenpleite in den USA mit Enron, grösster Quartalsverlust einer Gesellschaft in USA mit 54,2 Mrd Dollar bei AOL) ist jetzt die grösste Kapitalvernichtung bei einem einzelnen Unternehmen entstanden: Vor 3 Jahren war die Marktkapitalisierung von Worldcom 180 Mrd. Dollar und ist jetzt unter 7 Mrd. gefallen, das heisst Kapitalvernichtung von 173 Mrd. Dollar. Auch nach diesem Kurssturz kann ich noch keineswegs raten diese Aktie zu kaufen, man brauche nur an Enron zu denken und zu sehen, dass die Anleihen der Worldcom bei 43% des Nominalwertes stehen. Auch die vor einem Jahr erfolgte Emission von rund 12 Mrd. Dollar hat bisher den Anleiheinhabern über 6 Mrd. Dollar Verlust gebracht. Ich rate allen Anlegern auch zu äusserter Vorsicht bei den Emissionen der hochverschuldeten europäischen Telefongesellschaften, obwohl die staatlichen Grossaktionäre im Falle einer Liquiditätskrise rettend eingreifen können, wie im Falle der niederländischen KPN.
Extreme Vorsicht ist auch bei der Aktie Deutsche Telekom geboten. Sie hat einen Kurssturz von rund 90% gegenüber ihrem Höchstkurs Anfang 2000 hinter sich und ist unter den Emissionspreis für Frühzeichner (14,32 Euro) vom November 1996 gefallen. Ein kühl rechnender Analyst muss aber zu dem Schluss kommen, die Aktie ist mit Euro 14 nach wie vor überbewertet. Rechnet man den sogenannten « fairen » Wert nach dem unter Analysten allgemein anerkannten DCF-Modell, kommt man auf 6,30 bis 7 Euro. Sie wissen, DCF steht für Discounted-Cash-Flow-Methode. Also warten Sie noch, bevor Sie bei dieser Aktie einsteigen, auch wenn Sie meinen Ratschlägen gefolgt sind und inzwischen eine grosse Cash-Position angesammelt haben und von Ungeduld geplagt werden.
Aber keine Angst, die Optimisten sind weiterhin unter uns. Super-Optimist Heiko Thieme, der nach wie vor zum Kaufen bläst, erwähnt in seiner letzten Kolumne eine Umfrage des Finanzmagazins Barron’s : « Von 178 in Amerika befragten Fondsmanagern sehen fast 50% den Dow Jones am Ende des Jahres bei 11.000 », das ist doch was ! Übrigens das Manager-Magazin hat in seiner jüngsten Ausgabe Heiko Thieme in die sogenannte « Hall of Shame » (Halle der Schande) aufgenommen, in der die grössten Geldvernichter der Fondsindustrie ihren Ehrenplatz gefunden haben (Kurt Ochner, Bernie Cornfeld, Bernd Förtsch etc.). « In Branchenkreisen gilt der ehemalige Deutsch-Banker als der schlechteste Aktionfondsmanager der USA. « Psycho-Heiko » wie ihn die Kollegen an der Wall Street nennen, liebt hochriskante Wetten auf obskure Biotech- und Technologie-Papiere. », so Originalton Manager-Magazin.
Sie erinnern sich, noch im Jahre 1999 tönte er in allen Medien : « Roland Leuschel hat recht mit seiner Crash-Vorhersage, aber leider wird er ihn persönlich nicht erleben, da der nächste Börsencrash im Jahre 2045 stattfinden wird. » Der Crash hat stattgefunden in Form eines Salami-Crashs (und Roland Leuschel lebt noch), ist aber noch nicht zu Ende, erst werden, wie bereits mehrfach betont, die Tiefstkurse vom Herbst letzten Jahres getestet, und erst dann wird es möglich sein, eine konkrete Prognose zu stellen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auf Grund ernstzunehmender Berechnungen der Freiverkehrsmarkt Nasdasq noch auf 1.100 Punkte fallen kann.
Mein Rat bleibt schon seit einigen Monaten unverändert : Höchstens 30% Aktien (Value-Aktien vom Typ Phillip Morris, Nestle, Unilever, Procter & Gamble etc.). Aber Sie können jetzt schon limitierte Kauforders für Blue Chips wie IBM abgeben. Die Aktie wurde mehrmals seit dem Jahr 2000 bei 80 Dollar getestet, jetzt fiel sie darunter,und ich würde sagen, zwischen 60 und 75 Dollar sollte man seine Käufe staffeln. Ausserdem nur Triple A-Anleihen (Kurzläufer) und viel Cash besonders in Euro, da ich einen Kollaps des US-Dollar, wie bereits erwähnt, nicht ausschliessen kann. Vergessen Sie bitte nicht, dass viele Anleger inzwischen die sogenannten Geldmarktfonds entdeckt haben. Allein in Deutschland gibt es 86 dieser Fonds mit einem Fondsvermögen von 54 Mrd Euro. Auch mit Geldmarktfonds kann man Rendite erwirtschaften, Beispiel der grösste Fonds der DWS-Geldmarkt Plus hat einen Wertzuwachs von 4% seit einem Jahr.
Roland Leuschel
08.05.2002