Kursverluste scheinen vorprogrammiert
Die Ausgangslage scheint klar: Nach den herben Verlusten in den USA und auch in Asien dürften auch an Europas Börsen Kursabschläge nicht zu vermeiden sein. Händler stellen sich beim Dax bereits auf einen Test der Unterstützung bei 5.000 Punkten ein. Schon am Vortag hatte der bekannteste deutsche Aktienindex ein Minus von 1,44 Prozent auf 5.084,52 Punkten hinnehmen müssen. Die Sorgen um die Bilanzierungspraktiken bei einigen US-Firmen und der daraus resultierenden Furcht vor weiteren Pleiten nach dem Muster von Enron dürften die Marktteilnehmer nachhaltig verunsichern, heißt es.
Rentenmarkt vor Comeback
Die sich abzeichnende Konjunkturerholung hatte den Rentenmarkt zuletzt unter Druck gesetzt. Dieser Schwächeanfall dürfte zur Wochenmitte erneut unterbrochen werden. Händler gehen davon aus, dass der Anleihenmarkt von der Schwäche an den Aktienmärkten profitieren kann. Als Stütze sollte sich auch die Flucht aus Unternehmensanleihen erweisen, die bereits am Dienstag dem US-Rentenmarkt deutliche Aufschläge einbrachte. Auch der Bund-Future hatte am Vortag um 28 Basispunkte auf 107,56 Prozent zugelegt.
Dollar mit Abschlägen
Am Devisenmarkt hat der Dollar etwas an Stärke verloren. Ursache dafür scheinen die unsauberen Bilanzierungspraktiken einiger US-Unternehmen zu sein sowie der Widerstand von Unternehmen wie General Motors gegen die Politik eines starken Dollar. Die Bilanzskandale trübten das Bild Amerikas als Vorreiter in Sachen Shahreholder Value, heißt es ergänzend. Gegen 7.25 Uhr verbessert sich der Euro gegenüber der US-Devise auf 0,8657 nach 0,8647 Dollar im späten US-Handel am Dienstag. Der Yen klettert auf 132,74 Yen nach 133,31 Yen und markiert damit ein Wochenhoch.
Nikkei 225 fällt unter 10.000 Punkte
Nach den schwachen Vorgaben aus den USA mussten auch die Aktienkurse in Japan Verluste hinnehmen. Der Nikkei 225 Index rutschte mit einem Minus von 1,1 Prozent oder 106,55 Yen auf 9.919,48 Yen sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Yen. Der Topix-Index gab um 1,4 Prozent oder 13,99 Zähler auf 964,75 Punkte nach. Für die Verluste machten Händler neben den schlechten US-Vorgaben die Meldungen von Toshiba und Fujitsu verantwortlich, die beide über höher als erwartete Verluste im laufenden Geschäftsjahr berichteten. Zudem habe der weiter erholte Yen die Exportwerte belastet. Auch die Entlassung der populären japanischen Außenministerin Makiko Tanaka nach einem tagelangen Streit mit Spitzenbeamten ihres Ministeriums drückte laut Händlern auf die Stimmung. Kommentatoren sprachen von einem Rückschlag für die Regierung.
Hongkong-Aktien sehr schwach
Der Aktienmarkt in Hongkong tendiert zum Mittwochmittag sehr schwach. Der Hang-Seng-Index (HSI) verliert in der ersten Handelshälfte 2,4 Prozent oder 263,74 Punkte auf 10.750,50 Zähler. Die Verluste an Wall Street hätten die Gewinne vom Vortag in Hongkong wieder zunichte gemacht, heißt es. Am Dienstag hatte der Index von einer Rally bei Telekomwerten profitiert. China Mobile und Hutchison, zwei Vortagesgewinner, geben drei Prozent ab und tragen damit zu einem großen Teil der Verluste bei. Eine starke Unterstützung wird bei 10.700 Punkten gesehen. Händlern zufolge dürfte diese Marke aber am Nachmittag nicht durchbrochen werden.
Wenig Bewegung beim nachbörslichen US-Handel
Nach den herben Verlusten in der offiziellen Sitzung zeigten sich die US-Aktien am Dienstag im nachbörslichen Geschäft per saldo weitgehend unverändert. Der Nasdaq 100 Index stieg um geringfügige 0,60 Punkte auf 1.519,93 Zähler. Auffällig verhielten sich allerdings die Anteilsscheine des Finanz- und Versicherungskonzerns Conseco, die um 26 Prozent auf 3,99 Dollar stiegen. Die Meldung, man werde die Zinszahlungen auf die Schulden begleichen können, sorgte hier für eine gewisse Entwarnung. Veritas Software gaben nach schwachen Viertquartalszahlen dagegen um 6,6 Prozent auf 43,12 Dollar nach.
Sorgen um Bilanzpraktiken belasten Wall Street
Sorgen der Anleger um mögliche Bilanz-Unregelmäßigkeiten weiterer US-Unternehmen haben die Blue Chips an der Wall Street am Dienstag auf den tiefsten Stand seit Mitte November 2001 gedrückt. Die Investoren seien nach dem Kollaps des Energiehändlers Enron vorsichtig geworden, sagten Händler. Die Ankündigung des Energiehandelskonzerns Williams Cos., er wolle seinen kompletten Quartalsbericht erst in einigen Wochen vorlegen und auf eine Studie zur Ex-Tochter Williams Communications warten, habe die Anleger verschreckt.
Der Dow-Jones-Index schloss 2,51 Prozent schwächer auf 9.618,24 Punkten. Die Nasdaq verlor 2,62 Prozent auf 1.892,98 Zähler.
Der Energiehändler und Pipeline-Betreiber Williams Cos. hatte mitgeteilt, das Unternehmen wolle zunächst eine Studie über seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der in die roten Zahlen geratenen Ex-Tochter Williams Communications abwarten, bevor ein ausführlicher Quartalsbericht veröffentlicht werde. Williams-Chef Steve Malcolm begründete diesen Schritt mit der jüngsten Herunterstufung der Verbindlichkeiten der Tochter und dem Antrag auf Gläubigerschutz der Telekommunikationsfirma Global Crossing vom Montag. Die Aktien von Williams Cos. gaben 22,2 Prozent auf 18,78 Dollar nach.
Spekulationen über die Bilanzierungspraktiken und Skepsis über den Aufspaltungsplan belasteten nach Händlerangaben die Aktien des US-Industriekonglomerats Tyco, die rund 19,9 Prozent auf 33,65 Dollar einbrachen. Der Medizintechnikproduzent C.R. Bard hatte am Dienstag mitgeteilt, derzeit werde mit Tyco über eine Neubewertung der angestrebten Übernahme diskutiert. Tyco hatte vorige Woche die Aufspaltung in vier Unternehmen angekündigt.
Die Titel des Anbieters von Telefondienstleistungen, WorldCom, verloren 13,33 Prozent auf 10,40 Dollar. Händler nannten Spekulationen um eine mögliche Herabstufung der Verbindlichkeiten des Unternehmens als Grund für die Kursverluste.
Unerwartet starke US-Konjunkturdaten konnten die Kurse nach Händlerangaben nur im frühen Geschäft beflügeln. Der im Dezember um zwei Prozent gestiegene US-Auftragseingang für langlebige Güter sei ein weiteres Zeichen einer Konjunkturerholung, hieß es. Analysten hatten vorher nur mit einem Auftragsplus von 1,3 Prozent gerechnet.
US-Anleihen mit starken Kursgewinnen
Mit sehr fester Tendenz sind die US-Anleihen am Dienstag in New York aus dem Handel gegangen. Zehnjährige Titel mit einer Zinsausstattung von fünf Prozent verteuerten sich um 25/32 auf 100-7/32. Die Rendite fiel von 5,075 Prozent auf 4,966 Prozent. Der Longbond mit einem Kupon von 5-3/8 Prozent stieg um 30/32 auf 99-19/32 und rentierte mit 5,401 Prozent, nach 5,468 Prozent am Montag. Neben den schwachen Aktienmärkten gab nach Angaben von Teilnehmern einen weiteren Katalysator für die Haussestimmung bei den Staatsanleihen: Die Flucht aus bestimmten Unternehmensanleihen. So lag die Rendite einiger dieser Titel 20 bis 50 Basispunkte über der von staatlichen Papieren.
Händler führten dies auf die Risiko-Aversion vieler Teilnehmer zurück, zumal es bei den Unternehmen der betreffenden Anleihen Spekulationen über ihr weiteres Fortbestehen gebe. So standen die Titel von Worldcom, Williams Communications, Tyco International und Household International auf den Verkaufslisten der Anleger. “Wir sehen eine dramatische Flucht in qualitativ hochwertige, weil sichere Anlagen“, sagte Anleihenexperte Andrew Brenner von Investec Ernst in New York. Auch die unerwartet gut ausgefallenen US-Konjunkturdaten des Tages konnten die Stimmung nicht zu Gunsten der Aktienmärkte wenden.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters
Medienschau
Unternehmensnachrichten
France Telecom - E.ON will 103 Millionen Orange-Aktien verkaufen
Der Düsseldorfer Energiekonzern E.ON will nach Angaben der France Telecom rund 103 Millionen Aktien des Mobilfunkbetreibers Orange verkaufen. E.ON werde die Anteilsscheine ab dem 26. Februar am Markt platzieren, teilte die Orange-Muttergesellschaft France Telecom am Dienstag mit. „Die Haltefrist auf die Aktien (...) läuft am 26. Februar 2002 aus. France Telecom und E.ON haben einen Vertrag darüber unterzeichnet, dass E.ON diese Aktien kursschonend am Markt platzieren soll", hieß es in der Mitteilung. Frühere Spekulationen über den Verkauf der Anteilsscheine durch den deutschen Energieversorger hatte die France Telecom noch am 18. Januar dementiert. (Reuters)
Kamps mit deutlichem Umsatzanstieg im Jahr 2001
Die Großbäckerei Kamps hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 Umsatz und Ergebnis verbessert und will diesen Trend auch 2002 fortsetzen. Der Netto-Konzernumsatz stieg nach vorläufigen Berechnungen im Jahr 2001 auf 1,7 Milliarden Euro nach 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr, teilte die Gesellschaft am Mittwoch in einer Pflichtveröffentlichung mit. Das Betriebsergebnis vor Firmenwertabschreibungen (Ebita) habe sich auf 107 Millionen Euro nach 103,4 Millionen Euro im Vorjahr belaufen. Die Bankverbindlichkeiten seien um 54 Millionen Euro auf 168 Millionen Euro zurückgeführt worden. Für das Geschäftsjahr 2002 strebe Kamps ein organisches Umsatzwachstum von fünf Prozent bei deutlich verbessertem Ebita an. Die Gesellschaft kündigte ferner die Platzierung von Schuldverschreibungen im Nennbetrag von 300 Millionen Euro mit Fälligkeit im Jahr 2009 an. (Reuters)
BHW Holding: Kaufpreis für Sekundärplatzierung am 14. Februar
Der Kaufpreis für die Aktien der BHW Holding aus der angekündigten Sekundärplatzierung von bis zu 32,5 Prozent des Kapitals wird auf Grundlage des im Bookbuilding-Verfahrens erstellten Orderbuchs voraussichtlich am 14. Februar festgelegt. Wie einer am Mittwoch veröffentlichten Finanzanzeige zu entnehmen ist, soll der Preis dann voraussichtlich am folgenden Tag veröffentlicht werden. Die Frist zur Abgabe von Kaufangeboten durch Anleger gegenüber den Konsortialbanken beginnt am 30. Januar und endet für institutionelle Investoren am 14. Februar um 17.00 Uhr. Für Privatanleger endet sie bereits am 13. Februar um 24.00 Uhr. Für sie ist unter bestimmten Voraussetzungen ein Preisnachlass von 1,00 Euro je Aktie auf den Kaufpreis vorgesehen. (vwd)
Gewerkschaften kritisieren geplanten Umbau der Deutschen
Der vom designierten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geplante Umbau der Führungsstruktur nach US-Vorbild hat bei den Gewerkschaften massive Kritik ausgelöst. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die für die Finanzbranche zuständige Dienstleistungsgewerkschaft ver.di befürchteten einem Bericht der „Berliner Zeitung“ (Mittwochausgabe) zufolge, dass damit die in Deutschland gesetzlich garantierte Mitbestimmung der Arbeitnehmer ausgehebelt werden soll. Auslöser sei die vorgesehene Schaffung eines Exekutivkomitees. Auch nach Einschätzung von Experten dürften in diesem neuartigen Gremium künftig vorbei an den Mitbestimmungsregelungen wichtige strategische Entscheidungen fallen. (AFP)
Samuel Palmisano wird neuer IBM-Konzernchef
IBM hat den Firmenpräsidenten Samuel J. Palmisano (50) zum neuen Konzernchef ausgewählt. Palmisano war bisher für die IBM-Tagesgeschäfte zuständig. Er löst mit Wirkung vom 1. März den langjährigen IBM-Chef Louis V. Gerstner (59) an der Spitze des weltgrößten Computerkonzerns ab. Palmisano wird seinen Präsidententitel behalten. Gerstner bleibt bis zum Jahresende 2002 IBM- Verwaltungsratsvorsitzender, teilte IBM am Dienstag weiter mit. (dpa)
Worldcom-Aktie nach Kreditabstufungs-Gerüchten auf Tiefstand
Der Aktienkurs des US-Telekommunikationsanbieters Worldcom ist am Dienstag auf den tiefsten Stand seit siebeneinhalb Jahren gefallen, nachdem es an der Wall Street Marktgerüchte über eine mögliche Kreditabstufung gab. Worldcom-Aktien sanken an der Nasdaq im Verlauf mehr als 17 Prozent und schlossen in einem schwachen Markt gut 13,3 Prozent tiefer bei 10,40 Dollar. Die internationale Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) dementierte aber am Dienstag eine Abstufung für Worldcom. „Die Gerüchte haben keine Substanz", sagte S&P-Direktorin Rosemarie Kalinowski. „Das ist Nonsens.“ (Reuters)
SAP SI mit Umsatz- und Ergebnisanstieg im Jahr 2001
Das IT-Beratungshaus SAP System Integration (SAP SI) hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 Umsatz und Ergebnis verbessert. Der Umsatz sei nach vorläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent auf 268,8 Millionen Euro gestiegen, teilte die im Nemax 50 gelistete Tochter des Walldorfer SAP-Konzerns am Mittwoch in einer Pflichtveröffentlichung mit. Der operative Gewinn vor Firmenwert-Abschreibungen habe sich um 37 Prozent auf 40,3 Millionen Euro verbessert, was einer Marge von 15 Prozent entspreche. Für das laufende Geschäftsjahr 2002 strebe SAP SI ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent an. Die operative Marge solle zwischen 15 und 17 Prozent liegen. (Reuters)
Wirtschaftsnachrichten
Regierung legt Jahreswirtschaftsbericht vor: Verhalten optimistisch
Das Bundeskabinett berät am Mittwoch über den von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht. Nach anhaltender Wirtschaftsflaute hofft die Bundesregierung auf ein allmähliches Anziehen der deutschen Konjunktur. Für den Jahresdurchschnitt geht sie allerdings nur noch von einem Wachstum von 0,75 Prozent aus statt offiziell bisher 1,25 Prozent. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft nur um 0,6 Prozent gewachsen, im Jahr 2000 dagegen um 3,0 Prozent. (dpa)
Monti möchte mit Infineon ein Zeichen setzen
Die Europäische Kommission will die staatlichen Beihilfen der EU-Mitgliedsländer für Großinvestitionen deutlich reduzieren. Wie die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in ihrer Mittwochausgabe schreibt, will sich Wettbewerbskommissar Mario Monti in diesem Kontext zunächst auf drei ostdeutsche Projekte konzentrieren. Dabei handele es sich um zwei geplante Chip-Werke der Infineon Technologies AG in Dresden und Frankfurt/Oder sowie um ein Werk der BMW AG in Leipzig, heißt es. In den kommenden Wochen will Monti den deutschen Finanzminister Hans Eichel der Zeitung zufolge davon überzeugen, dass staatliche Subventionen in der bisherigen Höhe mehr als zehn Jahre nach der Wiedervereinigung im Osten Deutschlands nicht mehr genehmigungsfähig seien. (vwd)
EU-Kommission entscheidet zu Defizitwarnung und Beihilfenpläne
Die EU-Kommission will am Mittwoch bei ihrer wöchentlichen Sitzung in Brüssel Deutschland und Portugal wegen zu hoher Staatsdefizite verwarnen. Die Kommission werde vor allem kritisieren, dass Berlin und Lissabon erheblich von ihren Haushaltsplänen abgewichen seien, berichteten EU-Mitarbeiter. Aus deutscher Sicht ist eine solche Frühwarnung unnötig, da an der Berliner Haushaltspolitik seitens der EU nichts auszusetzen sei. Die Kommission wird zudem ihre Leitlinien für die Schlussphase der Verhandlungen mit den Kandidatenländern für die EU-Erweiterung vorstellen. Dabei geht es um die schwierigen Bereiche der Landwirtschaft und Regionalhilfen. Nach den bereits vorab bekannt gewordenen Plänen der Brüsseler Behörde sollen die EU-Beitrittskandidaten erst 2013 die vollen Beihilfen der Union für ihre Landwirte erhalten. Die Bewerberländer aber fordern, allen voran Polen, die völlige Gleichbehandlung direkt nach dem Beitritt. (dpa)