Oh graue Börsenwelt!
20. Feb. 2002 Tristesse allerorten
Weder die Zahlen von VW noch die Wall Street-Eröffnung nach der Feiertagspause brachten dem deutschen Markt die erhofften Impulse nach oben. Wall Street erlitt einen neuen Anfall von "Enronitis", der in Sorgen um die Verschuldung einzelner Firmen und Branchen mündet.
Von den Zahlen der HypoVereinsbank und näheren Angaben von DaimlerChrysler zum Geschäftsverlauf erwarten die Börisaner auch wenig Gutes. Dennoch könnte sich der Markt nach den Einbußen der Vortage durchaus etwas berappeln.
Bund-Future ohne rettenden Impuls
Noch nicht einmal von der Schwäche der Aktien konnte der Bund-Future profitieren. Am Dienstag verlor der März-Kontrakt 26 Ticks auf 107,63 Prozent. Der Schlussstand unterhalb der wichtigen Marke von 107,69 Prozent deute auf weitere Verluste am Mittwoch hin, meinte ein Händler. Weitere Unterstützungen gebe es bei 107,30/10 Prozent.
Euro nahezu unverändert in Fernost
Der Euro hat am Mittwoch an den Devisenmärkten in Fernost bei Kursen knapp unter 0,8770 Dollar nahezu unverändert zur US-Währung notiert. Dabei habe der Dollar unter dem Eindruck der Kursverluste an der Wall Street vom Vortag gestanden, sagten Händler. Der Euro kostete gegen 6.50 Uhr MEZ 0,8765/70 Dollar und lag damit auf dem Niveau seines New Yorker Schlusskurses vom Vortag.
Yen profitiert von Bailout-Gerüchten
Der Yen stieg für das erste Mal in viert Tagen nach Meldungen, der Notenbankgouverneur Hayami dränge Ministerpräsident Koizumi, Geld in gefährdete Banken zu pumpen. Im asiatischen Handel stieg der Yen bis gegen 6.00 Uhr MEZ auf 133,26 Yen pro Dollar nach 133,57 im New Yorker Handel.
Tokioter Börse schließt knapp behauptet
Knapp behauptet hat der Aktienmarkt in Tokio am Mittwoch den Handel beendet. Der Nikkei-225-Index fiel um 0,1 Prozent auf 9.834,13 Punkte. Nachdem der Index zwischenzeitlich ins Plus gedreht hatte, schloss er wieder im Minus.
Aktien Hongkong am Mittag schwächer
Schwächer tendieren die Aktienkurse am Mittwochmittag (Ortszeit) in Hongkong. Der Hang-Seng-Index verliert bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte 1,0 Prozent auf 10.737,88 Punkte. Im Verlauf des Vormittags konzentrierten sich der Verkäufe besonders auf die Indexschwergewichte China Mobile, China Unicom und HSBC. Grund für die schlechte Stimmung an der Börse Hongkong seien die schwachen Vorgaben von Wall Street.
Nachbörslich leichtes Aufatmen
Nach der Schlussglocke holten einige große Titel einen Teil ihrer Tagesverluste wieder auf. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator tendierte mit 0,35 Prozent Plus auf 1.392 Punkte etwas fester. TMP Worldwide dagegen, die ihre Gewinnprognose für 2002 verringerten, gaben weitere 1,72 Dollar auf 30,19 Dollar ab. Die Index-Futures bewegten sich kaum.
Sorgen um Bilanzpraktiken belasten Wall Street
Anhaltende Sorgen um undurchsichtige Bilanzierungspraktiken haben die New Yorker Aktienmärkte am Dienstag belastet und den Nasdaq-Index auf den tiefsten Stand seit dem 2. November 2001 gedrückt.
Überschattet wurde das Geschäft nach Händlerangaben außerdem von Befürchtungen, die hohen Schulden der US-Telekomfirmen könnten weitere Unternehmen des Sektors in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Der Dow Jones schloss 1,60 Prozent schwächer bei 9.744,45 Zählern. Die Nasdaq gab 3,04 Prozent auf 1.750,26 Zähler nach. Der S&P 500 gab 1,9 Prozent auf 1.083,34 Punkte ab.
„Hauptgesprächsstoff ist im Moment die Angst vor unzuverlässigen Angaben von Wirtschaftsprüfern und das unsichere Gefühl bei den Bilanzen", sagte Tracy Herrick, Chefinvestment-Strategin bei Jefferies & Co. „Die Banken werden das Problem zuerst zu spüren bekommen.“ Die Mitteilung der PNC Financial Services Group, der Gewinn aus aufgegebenen Geschäftsbereichen für 2001 sei wegen eines Buchführungs-Fehlers um 35 Millionen Dollar niedriger als zunächst gemeldet ausgefallen, habe für Unruhe bei den Investoren gesorgt, sagten Händler. Das Unternehmen musste damit bereits zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen seine Gewinnangaben nach unten korrigieren. Die Aktien büßten rund 2,8 Prozent auf 55,35 Dollar ein.
Die Titel des Mobilfunkkonzerns Nextel Communications brachen rund 27 Prozent auf 3,55 Dollar ein und waren der umsatzstärkste Wert an der Nasdaq. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, der internationale Konzernbereich NII Holdings werde für 2001 eine vorsteuerliche Belastung von einer bis zwei Milliarden Dollar verbuchen.
Im Blickpunkt standen auch die Aktien des Computerherstellers IBM, die im Verlauf auf ein Viermonats-Tief einbrachen. Die Investmentbank Prudential Securities hatte zuvor das Kursziel für die Aktie auf 100 von 111 Dollar gesenkt und dies mit Sorgen um unübersichtliche Finanzberichte des Konzerns begründet. Diese Befürchtungen könnten der Aktie noch bis zum kommenden Jahr schaden, hieß es. Die IBM-Papiere fielen zum Schluss rund 3,3 Prozent auf 99,54 Dollar. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ will IBM den Forderungen der Investoren nach einer transparenteren Rechnungslegung nachkommen und über die Bilanzierungsvorschriften hinaus die Herkunft seiner Einnahmen künftig detaillierter offen legen.
Die Aktien des US-Netzwerkausrüsters Cisco Systems verloren rund 1,6 Prozent auf 16,81 Dollar. Ein Zeitungsartikel habe Befürchtungen um mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Transaktionen des Konzerns geweckt, sagte David Memmott, Leiter Aktienhandel bei Morgan Stanley. Die Investoren befürchteten außerdem, dass Sorgen um die Kreditwürdigkeit der Telekommunikationsfirmen zu einer Verknappung des Kapitals führen und die Darlehenskosten der Unternehmen erhöhen könnten, sagten Börsianer. Diese Sorgen seien durch den Antrag auf Gläubigerschutz der Telekomfirma Global Crossing im Januar verstärkt worden. Die Aktien der Qwest Communications verloren 3,8 Prozent auf 7,27 Dollar. Mehrere Ratingagenturen hatten in der vergangenen Woche die Bonitätsbewertung des US-Telekommunikationsanbieters gesenkt, nachdem Qwest Handelspapiere (Commercial Papers) nicht erneuern konnte.
Die Aktien von Finanzwerten litten nach Händlerangaben unter Sorgen, dass deren Gewinne als Folge der Probleme ihrer Kunden schrumpfen könnten. Die Titel des Blue Chip Citigroup gaben rund 4,3 Prozent auf 42,22 Dollar nach und waren der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange.
US-Anleihen schließen leichter
Mit etwas leichteren Notierungen zeigten sich die Kurse der US-Anleihen am Dienstag im späten New Yorker Handel. Zehnjährige Papiere mit einem Kupon von 4,875 Prozent verloren 3/32 auf 99-31/32 und rentierten mit 4,875 Prozent. Der Longbond mit einer Zinsausstattung von 5,375 Prozent gab um 12/32 auf 99-24/32 nach. Die Rendite lag bei 5,390 Prozent. Die überraschend positiven US-Konjunkturdaten hätten die Anleger zum Rückzug aus dem Anleihemarkt veranlasst, erklärten Marktbeobachter.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters
Medienschau
Unternehmensnachrichten
DaimlerChrysler bekräftigt Ergebnisschätzung für 2002
DaimlerChrysler hat seine vor rund zwei Wochen revidierte Gewinnschätzung bekräftigt. Für 2002 werde im Konzern ein um Sondereffekte bereinigter Operating Profit erwartet, der das Doppelte des Vorjahresniveaus sehr deutlich übertreffe. Dabei erwartet DaimlerChrysler einen deutlichen Rückgang des Fahrzeugmarktes in Nordamerika und einen Umsatzrückgang im Konzern von mehr als zehn Milliarden Euro. Der bereinigte operative Verlust bei Chrysler sei 2001 mit 2,18 (0,53) Milliarden Euro aber etwas geringer ausgefallen als vor Jahresfrist erwartet. Im Nutzfahrzeuggeschäft blieb wegen der Verluste bei Freightliner nur ein kleiner Gewinn von 51 (1.253) Millionen Euro. (Reuters/vwd)
Qiagen-Gewinn 2001 am oberen Ende der Analystenprognosen
Das am Neuen Markt gelistete Biotechnologieunternehmen Qiagen NV hat für das abgelaufene Geschäftsjahr 2001 einen Gewinn je Aktie am oberen Ende der Analystenprognosen ausgewiesen. Das Unternehmen teilte am Dienstagabend mit, der Gewinn je Aktie ohne einmalige Belastungen aus Akquisitionen sei um 39 Prozent auf 0,25 Dollar gestiegen. Der Umsatz habe sich gleichzeitig um 22 Prozent auf 263,8 Millionen Dollar verbessert und lag damit am unteren Ende der Analystenerwartungen. (Reuters)
Teleplan übernimmt Reparaturen für HP im Wert von 38 Millionen Dollar
Die Teleplan International NV übernimmt für die Kundendienst- und Servicezentrale der Hewlett-Packard Co Garantieleistungen und Reparaturmaßnahmen für Speicherprodukte in Europa und Nahost. Der Geschäftsabschluss habe einen Wert von 38 Millionen Dollar Umsatz und laufe über drei Jahre. Eine Ausweitung um elf Millionen Dollar sei möglich. Teleplan sei bereits der Partner für HP-Speicherprodukte in der Region Amerika und Asien-Pazifik. (Ad-hoc)
Kirch bietet Murdoch Einstieg in das Kerngeschäft an
Die hoch verschuldete Münchner Gruppe hat die Suche nach einem Großinvestor begonnen. Dabei hofft Kirch auch auf seinen Konkurrenten Rupert Murdoch. Kirch will ihm bis Ende der Woche einen großen Anteil an Kirch Media anbieten, war aus nahe stehenden Kreisen zu erfahren. (FTD, S. 1)
Axel Springer Verlag schreibt rote Zahlen
Das Ergebnis des Axel Springer Verlages ist im Geschäftsjahr 2001 durch den Einbruch im Anzeigengeschäft und durch eingeleitete Restrukturierungsmaßnahmen belastet worden. Der Jahresfehlbetrag beläuft sich auf 191 (Vorjahr: Jahresüberschuss 98) Millionen Euro, teilte die Gesellschaft am Dienstag mit. Die Umsatzerlöse betragen 2.863 (Vorjahr: 2.902) Millionen Euro. Das operative Ergebnis bleibe positiv, hieß es weiter. Auf Grund des negativen Jahresergebnisses schlage der Vorstand vor, auf eine Dividendenzahlung zu verzichten. (Ad-hoc)
Dialog Semiconductor mit Gewinneinbruch
Die Dialog Semiconductor plc, London, hat im vierten Quartal einen Einbruch des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 105.000 Euro von 14,3 Millionen Euro im Vorjahresquartal verbucht. Im Gesamtjahr 2001 ist das Ebitda damit auf 3,5 (49,2) Millionen Euro gesunken, teilte das Technologieunternehmen am mit. Die Umsatzerlöse im vierten Quartal lagen bei 23,8 Millionen Euro, was einer 15-prozentigen Steigerung zum dritten Quartal entspricht. (Ad-hoc)
Bayer und Aventis planen Joint Venture für biologische Produkte
Die Pharmaunternehmen Bayer und Aventis werden möglicherweise ein Gemeinschaftsunternehmen für biologische Produkte gründen. Es sei eine nicht bindende Absichtserklärung dazu unterzeichnet worden, teilte Bayer am Mittwochmorgen mit. Es sei vorgesehen, den Bayer-Geschäftsbereich Biological Products und die Aventis-Tochter Behring zusammenzuführen. Bayer werde an dem Unternehmen die eindeutige Mehrheit der Anteile und die unternehmerische Führung erhalten. (Reuters)
Umtauschangebot der DePfa Holding zu 90 Prozent angenommen
Im Zuge der geplanten Aufspaltung der DePfa Pfandbrief AG haben die Aktionäre der Gesellschaft zu mehr als 90 Prozent das Aktien-Umtauschangebot der irischen Obergesellschaft DePfa Holding plc angenommen. (Ad-hoc)
Spütz rutscht wie erwartet ins Minus
Die Spütz AG hat für das Geschäftsjahr 2001 einen Verlust von 44,7 Millionen Euro ausgewiesen, nach einem Überschuss von 2,5 Millionen Euro im Vorjahr. Wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte, betrug der Verlust im vierten Quartal 14,6 (Vorjahresquartal 1,1) Millionen Euro. Beide Ergebnisse hätten damit in dem bei der außerordentlichen Hauptversammlung im Dezmber gesteckten Rahmen gelegen, hieß es. Das Jahr 2002 habe bei Spütz mit einem ordentlichen Geschäftsverlauf begonnen. (Ad-hoc)
Mobilcom und France Telecom streiten weiter
Der Telefonkonzern Mobilcom streitet mit seinem Großaktionär France Telecom um den fünfprozentigen Anteil von Sybille Schmid, Ehefrau des MobilCom-Gründers. (FTD, S. 4)
Honeywell bestätigt Rücktritt von CEO Bossidy
Honeywell International hat den Rücktritt des CEO Lawrence A. Bossidy bestätigt. Bossidy werde noch bis zum 30. Juni sein Amt ausüben und dann an seinen Nachfolger David Cote übergeben, teilte der US-Technologiekonzern am Dienstag mit. (vwd)
Wirtschaftsnachrichten
Weiter Auftragsrückgang im Bauhauptgewerbe
Der deutsche Bau kommt nicht aus der Krise. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, verzeichnete das Bauhauptgewerbe im vergangenen Jahr preisbereinigt 5,1 Prozent weniger Aufträge als noch im Jahr 2000. Der Gesamtumsatz sank um 7,5 Prozent auf 92,7 Milliarden Euro. Die schlechte Entwicklung wirkte sich auch auf die Zahl der Beschäftigten aus: In den Betrieben des Hoch- und Tiefbaus waren im Jahresdurchschnitt rund 954.000 Menschen tätig. Das waren 95.000 oder gut neun Prozent weniger als noch 2000. (AFP)
Pleitenrekord in USA
Die Zahl der Pleiten ist in den USA im vergangenen Jahr um 19 Prozent gestiegen. Mit mehr als 1,49 Millionen erreichte die Zahl der Konkurse 2001 einen historischen Höchststand. Das teilte das Verwaltungsbüro der US-Gerichte am Dienstag in Washington mit. Den stärksten Zuwachs an Konkursen verzeichneten Iowa, Indiana und Ohio, drei überwiegend agrarisch geprägte Bundesstaaten im mittleren Westen der USA. (dpa)
Gruß
Happy End