Wann erkennt und bewertet der Kapitalmarkt den Wert der breiten BioNTech-Pipeline? Das ist eine zweite wichtige Frage. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Szenarien, in denen der Markt diesen Wert erkennt. In den meisten Szenarien haben wir wenig bis keinen Einfluss, jedoch haben wir in ein paar Szenarien selbst Potenzial.
Nur ein Beispiel:
Wenn eine Vielzahl von ADR-Aktionären getrennt und/oder gemeinsam anlässlich der HV am 15. Mai 2026 BioNTech im Rahmen der ADR-Fragen anfragt, die Kapitalmarktkommunikation weiter zu verbessern? Wenn nicht nur primär die Influencer-Analysten der Investmentbanken adressiert werden? Diese sind oft/meist Zertifikat-Verkäufer, SL-Fischer, Short-Dienstleister und haben daher überwiegend Short-Interesse. Sondern institutionelle Investoren wie Kapitalanlagegesellschaften (Biotech-Fonds, Healthcare-Fonds, Versicherungen, Rentenfonds, auch Universal-Fonds, Family Offices) sowie Retail-/Publikumsbanken und auch die Wirtschaftspresse wären deutlich bessere Adressaten.
Über 70% der notwendigen Informationen stellt BioNTech sowieso bereits bereit, um den Wert der Pipeline-Projekte mit Methoden aus der Wirtschaftsprüfung zu berechnen. Wir kennen bereits das Spektrum der Krebsindikationen, die Anzahl der potenziellen Patienten und auch grob die bisherigen Preise (und Margen/Gewinne) für Krebsbehandlungen am Markt.
Aber es reicht nicht, 70% der Strecke zu laufen, um das Rennen zu gewinnen.
BioNTech sollte die Pipeline als zusätzliche Perspektive so darstellen, dass potenziell jeder Investor seine eigene Bewertung der Pipeline-Projekte via DCF (inflationsbereinigte, risikoadjustierte Gewinnreihen) rechnen kann. Jeder kann zusätzlich noch eigene Parameter und Annahmen verwenden. Aber die Basisdaten muss BioNTech weitgehend bereitstellen. Dazu gehört auch eine risikoadjustierte Einschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeiten.
Und man sollte „surfen“ können durch das ganze Spektrum dieser Onkologie-Pipeline. Man könnte überall starten: bei der Krebsindikation, beim Pipeline-Projekt, beim Wirkstoff, der Wirkstoffklasse, bei den Studiendaten, bei der Pressemitteilung, den Studiendesigns und den Abstracts der Onkologie-Vorträge. So könnte man mit medizinischer Sicht durch dieses Onkologie-Netz surfen, auch strategisch/unternehmerisch, aber eben auch als interessierter Investor, der die Risiken und Chancen herausfinden und berechnen will. Wenn BioNTech hier nur ein wenig mehr investiert, bekommt Prof. Sahin mehr Geld für seine neue Forschung, BioNTech bekommt günstigere Konditionen beim nächsten Unternehmenseinkauf per Aktien-Deal, der zugehörige Kapitalmarkt bis hin zum Kleininvestor würde profitieren. BioNTech ist etwas komplexer als der Verkauf von Zuckerwasser (Coca-Cola), Munition oder Elektro-SUVs, aber wahrscheinlich auch wichtiger für die Menschheit.
In den letzten Jahren hat sich übrigens gezeigt, dass BioNTech auch bei ADRs unsere Fragen und Themen jährlich anlässlich der HV durchaus bis auf Vorstandsebene wahrnimmt und auch qualifiziert schriftlich beantwortet.
Wollen wir nur zusehen und weiter abwarten oder BioNTech helfen, die Informationslücke in der Kapitalmarktkommunikation zu erkennen und zu schließen? Was wäre im Interesse der institutionellen Anleger, der Kleinanleger, der Markttransparenz und von BioNTech selbst?
Lieber weiter abwarten auf ein anderes Szenario?