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Biontech & MRNA: Revolution in der Pharmaindustrie

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51Mio:

Biontech & MRNA: Revolution in der Pharmaindustrie

80
25.11.20 12:01
Ich öffne diesen Thread, um über das Unternehmen Biontech, die MRNA Technologie im Kontext der Pharmaindustrie zu diskutieren. Bitte keine täglichen Tradingerfolge, keine Einzeiler a la Kurs fällt oder steigt heute. Das kann jeder selber sehen.  
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Dictus:

Recherche

10
28.10.26 17:47
Ich habe übrigens noch einmal ein wenig recherchiert, weil es mich gewundert hat, dass in der Forschung bei BioNtech mRNA derzeit so vernachlässigt wird – erst recht nach den Erfolgen von Moderna. Dabei bin ich auf die folgende Pressemitteilung aus dem Jahr 2016 aufmerksam geworden, die mir bisher noch nicht bekannt war.

investors.biontech.de/static-files/...-4426-9a0b-c7c18a25fb19

Scheinbar hat sich BioNtech 2016 nicht nur mit einem einzigen Wirkstoff (in diesem Fall BNT122), sondern im gesamten Feld der patientenindividuellen, neoantigenspezifischen mRNA-Krebsimpfstoffe zur Hälfte an Roche bzw. Genentech gebunden. Für nur 310 Millionen Euro. Im Nachhinein ein wahnsinnig schlechter Deal. Was das bedeutet? Solange dieser Vertrag besteht, ist es BioNTech untersagt, im Alleingang oder mit Dritten (wie Bristol Myers Squibb für Pumitamig) einen neuen individualisierten mRNA-Impfstoff aufzusetzen, der beispielsweise 34 statt 20 Mutationen kodiert (Also Modernas neuer Ansatz vs. BioNtechs bestehende iNeST-Plattform). Auch der Zukauf von CureVac hilft rechtlich nicht weiter: Als 100-prozentige Tochter greifen die vertraglichen Wettbewerbsverbote automatisch auch für verbundene Konzerngesellschaften – BioNTech müsste entsprechende Programme also zwingend in die Roche-Allianz einbringen.

Der Vertrag mit Genentech enthält allerdings eine Ausnahme, die BioNTech bereits genutzt hat: Wenn BioNTech eine klinische Studie vorschlägt, Genentech sich im gemeinsamen Lenkungsausschuss (Joint Steering Committee) aber gegen eine Finanzierung entscheidet, darf BioNTech BNT122 in dieser spezifischen Indikation auf eigene Rechnung allein entwickeln (Genentech behält lediglich spätere Rückkauf- oder Lizenzrechte gegen Aufpreis).

Genau das ist bei der kürzlich abgebrochenen Phase-2-Studie bei Darmkrebs (BNT122-01) passiert: Weil Genentech dort nicht einsteigen wollte, hat BioNTech die Studie ab 2021 allein gesponsert, weshalb BNT122 dort als Monotherapie ohne Roches Tecentriq getestet werden musste. In der Monotherapie haben sich mRNA-Wirkstoffe im metastasischen Setting aber bisher als zu schwach erwiesen um gegen die große Tumormasse alleine vorzugehen.

Und damit zum Haken für Pumitamig: Selbst bei einem solchen Alleingang untersagen derartige Pharmaverträge in aller Regel, das gemeinsame Molekül ohne Zustimmung des Partners mit einem direkten Konkurrenzprodukt zu Tecentriq – wie dem bispezifischen PD-L1/VEGF-Antikörper Pumitamig – zu kombinieren. Da Tecentriq klinisch und kommerziell weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, blockiert das BioNTech massiv: Man kann individualisierte mRNA-Ansätze entweder nur als Monotherapie testen oder muss sie an das Schrottprodukt von Roche koppeln, statt sie mit wirksameren Optionen wie Keytruda oder Pumitamig zu verknüpfen.

Das rückt auch die angekündigte Ausgründung der BioNTech-Gründer in ein anderes Licht und erklärt, warum der Schritt intern und bei den Gebrüdern Strüngmann kaum kommentiert wird, während er von außen kritisiert wird. Eine Tochtergesellschaft unter dem Konzerndach von BioNTech wäre an dieselben vertraglichen Exklusivitätsklauseln gebunden gewesen und hätte individualisierte mRNA nicht frei mit modernen Antikörpern kombinieren dürfen. Um die nächste Generation patientenindividueller mRNA ohne die vertraglichen Altlasten aus dem Jahr 2016 aufzubauen, brauchte es eine rechtlich vollständig eigenständige Einheit.

Schade natürlich, dass man damit zeitlich in starken Versatz zu Moderna gerät.
Antworten
Dictus:

Und wenn man sich die Reaktion

 
28.10.26 18:11
der großen Player anschaut kann ich Modernas Marktkapitalisierung schon etwas mehr verstehen. mRNA wird in Zukunft wohl deutlich relevanter werden als die meisten erwarten. Den Schatz muss BioNtech heben.

www.boerse-express.com/news/articles/...rebsimpfstoffe-956927
Antworten
kiesly:

Danke für deine Recherche

 
28.10.26 18:36
Ist doch alles ein verdammtes Haifischbecken, erstrecht die Pharmabranche.
Wusste nicht dass BionTech es nötig hatte, sich so umklammern zu lassen.
Antworten
Schleudersch.:

..vielen Dank für diese Information ..

 
28.10.26 18:47
.. vielen herzlichen Dank für diese absolut wertvollen Zusatzinformationen, die so bedeutend sind. Es verändert die Perspektive komplett ..wenn ich an diese Info eher gekommen wäre, hötte ich sicher mein Invest überdacht.
Antworten
koeln2999:

Bindun an Roche

 
28.10.26 20:12
Bis wann läuft denn die Kooperation? Das kann nicht ewig gehen.

310 Millionen - ein Taschenheld. Da hatten Strüngmanns wohl keinen Mut weiter zu investieren. Sollte man jetzt seine Position auflösen?

Antworten
Gelöschter Beitrag. Einblenden »
#33313

Aki2408:

Schade,

 
28.10.26 21:05
aber das erklärt dann doch so Einiges und warum BioNTech so gar nicht aus der Kurve kommt.  
Antworten
Magnesium:

Kooperation mit Genentech

3
29.10.26 09:18
Bei der SEC gibt es eine geschwärzte Version der Vereinbarung (siehe Link). Interessant erscheint mir vor allem der Abschnitt 9.7. Leider ist hier der Zeitraum der Exklusivität geschwärzt, was der zentrale Punkt sein dürfte. Als Nicht-Anwalt würde ich den Abschnitt so interpretieren, dass Biontech in dieser Zeit weder eigenständig noch mit Drittfirmen andere pharmazeutische Produkte erforschen, entwickeln, herstellen oder verkaufen darf, die auf Neoepitop-RNA (also maßgeschneiderter, individualisierter Krebs-RNA) im vereinbarten Therapiebereich basieren... da würde also auch die Ausgründung nicht helfen. Kündigungsrechte von Seiten Biontech gibt es praktisch keine (im wesentlichen schwerwiegende Vertragsverletzung von Genentech). Laut KI liegen Exklusivitätsfristen in diesem Bereich bei 5-10 Jahren... wäre natürlich vorteilhaft, wenn die 10 Jahre nun abgelaufen sind. :-) Das wäre für mich auch der einzige vertretbare Grund, dass man so wie geschehen agiert hat.

Die Vereinbarung erklärt aus meiner Sicht in der Tat so einiges (Danke an Dictus für die Recherche). Man hätte aber trotzdem den Bereich mRNA nicht so abschenken dürfen und im Notfall eine Vereinbarung mit Genentech treffen können. Es bleibt auch weiterhin vollkommen unerklärlich, dass man im Bereich Grippe-Covid so brutal gescheitert ist im Vergleich zu Moderna. Und es ist absolut semi-professionell wie die Ausgründung gehandhabt wird. Ich sehe hier auch große Fehler beim Management. Es drängt sich schon der Eindruck auf, dass die Covid Zulassung alleine von Pfizer durch die Tür bekommen wurde und Biontech alleine dazu nicht ansatzweise fähig gewesen wäre. Gut dass man nun groß mit BMS kooperiert… die wissen ebenfalls wie das Zulassungs-Geschäft funktioniert.

www.sec.gov/Archives/edgar/data/1776985/...d635330dex1014.htm
Antworten
Schleudersch.:

Nachfrage

 
29.10.26 10:02
BioNTech hat die weltweite strategische Zusammenarbeit und den Exklusivitätsvertrag mit Genentech im Jahr 2016 abgeschlossen.
Die offizielle Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung, Herstellung und Vermarktung maßgeschneiderter mRNA-Krebsimpfstoffe wurde am 20. September 2016 unterzeichnet und am darauffolgenden Tag öffentlich bekannt gegeben, Quelle Gemini.
Der Kooperations- Exklusivitätsvertrag ist so lange bindend, bis vertragliche Entwicklungs-, Herstellungs- und weiterenVermarktungs Verpflichtungen erfüllt sind oder bis jeweilige Lizenz- und Umsatzbeteiligungsfristen (Royalty Terms) für entwickelte Produkte abgelaufen sind.. wiederum Quelle AI Gemini.
Dem Prozess der Herstellung und Vermarktung nähert sich BionTech ja scheinbar, die Infrastruktur ist gut eingeleitet, oder wo übersehe ich Wesentliches, bitte?
Antworten
Vermeer:

Anmerkung: KI ist keine Quelle

3
29.10.26 10:18
Die muss selbst eine Quelle haben. Und du hoffst dass diese Quelle richtig wiedergegeben ist.
Antworten
Dictus:

Magnesium

8
29.10.26 11:55
Danke für die vollständige SEC-Meldung. Das klärt noch mal einiges auf – vor allem, warum das Management und die Großaktionäre den Weg über die Ausgründung gewählt haben.

Bei Abschnitt 9.7 hast du völlig recht: Da das Wort „years” hinter den geschwärzten Sternchen stehen geblieben ist, war die reine Wettbewerbssperre auf eine feste Jahresfrist gedeckelt (in der Branche sind es meist 5, 7 oder 10 Jahre, sodass 10 Jahre zum Jahreswechsel 2026/2027 tatsächlich auslaufen würden). Das Problem ist nur: Section 9.7 ist lediglich die halbe Miete. Selbst wenn diese Frist abläuft, bleibt BioNTech im eigenen Konzern über Section 9.1.1 gefesselt. Dort wurde Genentech eine weltweite Exklusivlizenz eingeräumt und gemäß den Definitionen in Section 1.27 und 1.29 umfasst dies alles an Know-how, Algorithmen und Patenten zur Neoepitop-mRNA, die von BioNTech oder einer Konzerntochter bis zum Ende der Vertragslaufzeit kontrolliert werden. Genau deshalb hilft auch der Zukauf von CureVac im Konzernverbund nicht weiter. Solange die letzte Studie (IMcode003) zu Bauchspeicheldrüsenkrebs läuft, befindet sich der Vertrag im „Collaboration Term“ – und BioNTech darf im eigenen Haus keine Neoepitop-mRNA außerhalb des Roche-Entwicklungsplans testen.

Bei genauerer Betrachtung der Definitionen stimmt die Aussage, dass die Ausgründung der Gründer (Arife SE) hier nicht helfen würde, allerdings nicht – ganz im Gegenteil, sie ist der einzig gangbare juristische Ausweg: Nach Section 1.5 („Affiliate“) gelten die Vertragsbeschränkungen nur für Unternehmen, an denen BioNTech mehr als 50 Prozent der Stimmrechte hält oder die Kontrolle ausübt. Da BioNTech an Arife nur als Minderheitsgesellschafter beteiligt sein wird, ist die neue Firma rechtlich ein unabhängiger Dritter. Der eigentliche Clou findet sich aber am Ende von Section 1.5 unter Buchstabe (C): Dort wurde 2016 ausdrücklich vereinbart, dass die AT Impf GmbH (das Family Office der Gebrüder Strüngmann) sowie alle von ihr beherrschten Gesellschaften nicht als verbundene Unternehmen von BioNTech gelten. Das bedeutet, dass die Strüngmanns und das Gründerpaar Arife mit privaten Mitteln ausstatten und dort eine völlig neue, individualisierte Neoantigen-Plattform der nächsten Generation aufbauen können, ohne dass der Genentech-Vertrag greift.

Auch das Zusammenspiel mit Pumitamig wird dadurch überhaupt erst möglich: Arife kann als eigenständige Gesellschaft Studien aufsetzen und Pumitamig von BioNTech über ein klassisches Zulieferabkommen (Clinical Supply Agreement) beziehen. Da Pumitamig ein Antikörper ist und BioNTech die mRNA-Komponente in dieser Phase weder besitzt noch finanziert, hat Roche keinerlei vertragliche Handhabe, eine solche Kombination zu blockieren.

Für die verbleibende Partnerschaft mit Genentech bedeutet das: Es läuft nur noch das adjuvante Pankreas-Programm BNT122 (IMcode003), das voraussichtlich bis Anfang 2028 läuft.
Bringt diese Studie keinen statistischen Durchbruch oder verliert Roche vorher endgültig das Interesse an der Allianz, ist der Vertrag beendet. Genentech kann den Vertrag nach einem Studienende jedoch nicht unbegrenzt blockieren, da sie gemäß Section 4.1 zu wirtschaftlich angemessenen Entwicklungsanstrengungen verpflichtet sind und andernfalls eine Vertragsverletzung riskieren. In diesem Fall müsste Genentech ordentlich kündigen (Section 14.3.2), wodurch gemäß Section 14.5.1 alle Exklusivlizenzen erlöschen und die Rechte vollständig an BioNTech zurückfallen würden.

Antworten
Dictus:

Fragen

11
29.10.26 12:11
Jetzt stellen sich für mich nach Abschluss meiner Analyse aber die folgenden Fragen, die ich schon teilweise selbst beantworten möchte. Hier wären aber natürlich auch andere Sichtweisen interessant. 1. Warum erfolgt die Arife Ausgründung erst jetzt und nicht schon früher? 2. Wie wahrscheinlich ist es überhaupt nach Modernas Erfolg, dass Roche diesen Vertrag auslaufen lässt? 3. Selbst im Best Case - Arife legt direkt Anfang 2027 mit der 2. Generation von individualisierten mRNA-Impfstoffen los und Roche kündigt den Vertrag mit BioNtech 2028 auf, hat BioNTech überhaupt noch eine Chance zu Modernas Vorsprung aufzuschließen?

Zunächst zu Punkt 1:

Dass Uğur Şahin und Özlem Türeci diesen Schritt erst im Jahr 2026 vollziehen, liegt schlicht daran, dass die juristischen, technologischen und operativen Voraussetzungen vorher nicht gegeben waren. Der wichtigste rechtliche Faktor ist die zehnjährige Wettbewerbssperre in Abschnitt 9.7 des Genentech-Vertrags. Da das Abkommen nach der behördlichen Freigabe im vierten Quartal 2016 wirksam wurde, endet die dort fixierte Frist von zehn Jahren exakt zum Jahreswechsel 2026/2027.

Während dieser aktiven Laufzeit war BioNTech jede direkte oder indirekte Tätigkeit im Bereich der Neoepitop-RNA – ausdrücklich auch die Zusammenarbeit mit Dritten – strikt untersagt. Eine Ausgründung unter Beteiligung von BioNTech hätte Roche vor Ablauf dieser Frist eine sofortige Handhabe für massive Vertragsstrafen oder Unterlassungsklagen geboten. Hinzu kommt das technologische Timing: Um Arife von Beginn an mit unbelastetem geistigen Eigentum und modernen Plattformtechnologien auszustatten, benötigte man das freie Patent- und Know-how-Paket von CureVac. Diese Übernahme wurde jedoch erst im Laufe des Jahres 2025 verhandelt und formal zum Jahreswechsel 2025/2026 abgeschlossen. Zudem mussten die Gründer die Daten der eigenen Erstgenerationsstudien abwarten. Zwischen 2024 und Sommer 2026 trafen nacheinander die ernüchternden Ergebnisse zu BNT111 beim Melanom, das verfehlte progressionsfreie Überleben bei BNT122 im metastasierten Melanom sowie bei BNT113 im Kopf-Hals-Bereich und schließlich der DSMB-Stopp bei Darmkrebs ein. Eine Ausgründung der mRNA-Sparte mitten in dieser Studienphase hätte am Kapitalmarkt wie eine Kapitulation vor den laufenden Programmen gewirkt. Zudem brauchte BioNTech zuerst ein tragfähiges, neues operatives Fundament, bevor die Gründer die operative Führung abgeben konnten. Dieses Fundament steht erst seit der Biotheus-Übernahme, dem weltweiten Milliardendeal mit Bristol Myers Squibb für Pumitamig und dem planmäßigen Hochfahren von 15 Phase-3-Studien im Bereich der bispezifischen Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Parallel dazu meldete Moderna beim Melanom Phase-3-Erfolge und zeigte auf dem ESMO 2026, dass ein 34-Neoantigen-Design selbst beim Bauchspeicheldrüsenkrebs bei allen Patienten anschlägt. Dies gab den Gründern die wissenschaftliche Gewissheit, dass nicht das Wirkprinzip falsch war, sondern lediglich das Behandlungsstadium und das Korsett des alten Roche-Vertrags.

Bezüglich der zweiten Frage, wie wahrscheinlich eine Vertragsbeendigung durch Roche nach den Erfolgen von Moderna ist, muss man die Zeitachse vor und nach Anfang 2028 trennen. Bis zum Vorliegen der Phase-2-Daten der Bauchspeicheldrüsenkrebs-Studie IMcode003 Anfang 2028 wird Roche den Vertrag mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht kündigen. Die Rekrutierung und die aufwendige Herstellung der patientenindividuellen Dosen sind bereits abgeschlossen und bezahlt. Da Modernas jüngste ESMO-Daten belegen, dass eine adjuvante mRNA-Therapie beim operierten Pankreaskarzinom nach 17 Monaten mehr als die Hälfte der Patienten rückfallfrei hält, wird Roche dieses bereits bezahlte Entwicklungsticket nicht kurz vor der Auswertung entwerten. Ab 2028 sieht die Lage jedoch völlig anders aus: Dass Roche den Vertrag danach verlängert oder gar neue gemeinsame Studien aufsetzt, ist äußerst unwahrscheinlich. Zwischen 2028 und 2030 verliert Roches eigener Antikörper Tecentriq seinen Patentschutz. Eine neu aufgesetzte Phase-3-Zulassungsstudie würde frühestens in den 2030er-Jahren ausgewertet – zu einem Zeitpunkt, an dem Tecentriq längst durch billige Biosimilars verdrängt worden ist. Für das Einzelmedikament BNT122, dessen Gewinne hälftig an BioNTech fließen müssten, rechnet sich dieser Aufwand für die Basler nicht mehr. Zudem hat Roche unter Konzernchef Thomas Schinecker sein Portfolio spürbar bereinigt und Ressourcen in andere Wachstumsfelder umgeleitet. Bezeichnend ist hierbei, dass Roche die Co-Finanzierung der Darmkrebs-Studie von vornherein verweigerte und die adjuvante Blasenkrebs-Studie IMcode004 im März 2026 eingestellt wurde. Erbringt IMcode003 Anfang 2028 keinen statistisch überragenden Durchbruch, wird Roche von seinem freien Kündigungsrecht gemäß Section 14.3.2 Gebrauch machen. Damit fallen alle Lizenzen und Rechte an der Plattform gemäß Section 14.5.1 sofort und vollständig an BioNTech zurück.

Was die dritte Frage nach BioNTechs verbleibenden Marktchancen angeht, lässt sich nicht bestreiten, dass Moderna im klassischen chirurgisch-adjuvanten Nischenmarkt der ersten Generation – namentlich beim Melanom sowie bei Nieren- und Blasenkrebs – vier bis fünf Jahre vorne liegt. Wer daraus jedoch schließt, das gesamte Feld sei für BioNTech verloren, übersieht die Struktur der Onkologiemärkte sowie Modernas erhebliche Abhängigkeiten. Modernas Onkologie-Pipeline konzentriert sich fast ausschließlich auf vier Indikationen und lässt riesige Milliardenmärkte wie Brustkrebs, Magenkrebs, Darmkrebs, Leberkrebs oder das kleinzellige Lungenkarzinom in späten Studienphasen völlig unberührt. Genau in diesen Indikationen baut BioNTech mit Pumitamig und seiner ADC-Flotte derzeit ein dichtes Netz an Phase-2- und Phase-3-Programmen auf. Hinzu kommt die strukturelle Verwundbarkeit von Moderna: Alle Phase-3-Programme des US-amerikanischen Unternehmens hängen von Mercks Blockbuster Keytruda ab, der ab 2028 seinen Patentschutz verliert. Sollte BioNTech in den kommenden zwei Jahren in den laufenden Phase-3-Studien mit BMS nachweisen können, dass Pumitamig durch die zweifache Blockade von PD-L1 und VEGF dem bisherigen Monopolisten Keytruda überlegen ist, würde BioNTech die Kontrolle über den künftigen Standard-Rückgratwirkstoff der Immuntherapie übernehmen. Dies würde ab 2028 den Weg für ein Dreifach-Konzept eröffnen, das Moderna aus eigener Kraft nicht abbilden kann. Während reine mRNA-Impfstoffe im metastasierten Stadium – auf das rund siebzig Prozent des Onkologie-Umsatzes entfallen – regelmäßig an der bestehenden Tumormasse scheitern, können BioNTechs ADCs diese Tumormassen gezielt abräumen. Pumitamig kann die immunologische Barriere aufbrechen und die von Arife entwickelte zweite mRNA-Generation kann schließlich als Erhaltungstherapie gegen Mikrometastasen verabreicht werden. Ergänzt um den FixVac-Kandidaten BNT116 beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, der als Standardpräparat ohnehin frei von Roche-Bindungen ist und bereits in frühen Stadien klinisch erprobt wird, verliert BioNTech zwar das erste Rennen bei den adjuvanten Frühstadien an Moderna. Für die weitaus größere zweite Welle in den volumenstarken Krebsarten ab 2028 verschafft sich das Unternehmen jedoch die deutlich stärkere strategische Ausgangsposition.

Antworten
kaufladen:

Kurzzusammenfassung

 
29.10.26 12:36
Danke@ Dictus für deine super Beiträge. Diese Story ist super spannend und erstaunlich komplex.

Meine ganz ganz kurze Zusammenfassung aus Anlegersicht lautet: BNT ist ein doch stärker spekulativer Titel als bis kürzlich gemeinhin gedacht, es gibt aber eine gute Chance darauf, final richtig dick abzuräumen. Es sind aber dem Kostolany-Tugenden (einige Jahre warten) gefragt.

Antworten
kiesly:

Wow

 
29.10.26 13:02
wirklich großen Dank für die erhellenden Anmerkungen.
Jetzt kann ich wenigstens erahnen, wovon ich nichts weiß. Im Prinzip vertraue ich darauf, dass die Führungskräfte das Potential von BionTech aus Eigeninteresse nicht in den Sand setzen.
Wie ihr ran geht, ist nochmal ne ganz andre Hausnummer und letztendlich sehr löblich, dass ihr andere daran teilhaben lässt. Danke!
Antworten
kiesly:

Wow

 
29.10.26 13:04
Danke für eure Anmerkungen.
Jetzt habe ich wenigstens eine kleine Ahnung davon, wovon ich nichts weiß. Letztendlich vertraue ich darauf, dass die Führungskräfte das Potenzial von BioNTech aus Eigeninteresse, nicht in den Sand setzen. Was ihr macht, ist noch mal eine ganz andere Hausnummer.
Und dass ihr andere dran teilhaben lässt, ist sehr löblich. Danke!
Antworten
kiesly:

Doppelt

 
29.10.26 13:06
Gemoppelt!
Antworten
Magnesium:

Dictus

 
29.10.26 13:14
Danke für die detailierte Herleitung. Das macht für mich absolut Sinn.

Mein Kommentar zur Ausgründung war dahingehend gerichtet, dass diese neue Gesellschaft innerhalb der Exclusivity Period ebenfalls nicht helfen würde nach meinem Verständnis. Die 10 Jahre wäre auch meine Vermutung... es könnten aber auch 15 Jahre sein.
Antworten
Fabinio:

mRNA

4
29.10.26 17:59
Erstmal tolle Diskussion die hier stattfindet - Danke Dictus für den Input!
Interessant finde ich, dass anscheinend der überwiegende Großteil hier wegen der mRNA Technologie investiert ist. Mich haben die Abhängigkeiten von Roche auch überrascht und es ist plausibel, dass es mit ein Grund ist Arife zu gründen. Nichts desto trotz halte ich persönlich den individualisierten mRNA-Ansatz aktuell für stark überschätzt. Die Ergebnisse von Moderna sind ja nicht schlecht, aber auch nicht revolutionär. Völlig unterschätzt wird der logistische Aufwand und die Kosten für die Produktion. Wer dafür technologisch eine gute Lösung hat wird langfristig erfolgreich sein. Für die aktuellen Kosten finde ich die Wirksamkeit nicht ausreichend. Auch die westliche Welt zahlt nicht jeden Preis für ein Medikament. Außerdem ist das Melanom ein immunologisch sehr gut angreifbarer Tumor. Das heißt noch lange nicht dass dies genauso bei allen anderen Tumoren funktioniert. Die Kursreaktion auf die Melanom-Daten von Moderna ist meines Erachtens sehr stark übertrieben und für mich nicht nachvollziehbar. Man darf meiner Ansicht nach auch nicht davon ausgehen dass ein mRNA Erfolg von Biontech zu einer gleichen Kursreaktion führen würde. Aber sicherlich hat die Technologie langfristig großes Potential. Nur dauern die ganzen Studien in der Onkologie sehr lange, deswegen sehe ich dort die großen Erlöse in den nächsten Jahren für keine Pharmafirma. Im übrigen würde es etwas anders bei der Fixvac-Platform aussehen. Dort ist man nicht von Roche abhängig und kann sofort relativ kostengünstig produzieren.  

Die andere Neuigkeit der letzten Woche fand ich mindestens genauso schade. Man muss kein großer Pessimist sein, um davon auszugehen dass Trastuzumab-Pamirtecan (BNT323) nicht erfolgreich sein wird. Die interstitiellen Lungenschäden treten durch den stabileren Linker offensichtlich trotzdem etwa genauso häufig auf wie bei Trastuzumab-Deruxtecan (Enhertu) und man hat wahrscheinlich sogar eine geringere Wirksamkeit wegen des geringeren Bystander-Effekts. Damit ist die erste Zulassung wahrscheinlich erstmal vom Tisch und man muss auf Gotistobart hoffen.
Wie ich in meinen vorherigen Posts schon dargelegt habe, bin ich sehr überzeugt von den Novel-Novel-Kombinationen, perspektivisch auch novel-novel-novel-Kombinationen. Dort ist Biontech bekanntlich sehr gut aufgestellt. Die ersten Studienergebnisse zeigen beeindruckende Wirksamkeiten. Sollten diese in großen Phase III Studien bestätigt werden, ist das bezüglich Wirksamkeit bzw Senkung der Mortalität eine ganz andere Hausnummer als die Melanom-Daten von Moderna. Das hat aber in den nächsten Jahren wenig bis nichts mit mRNA zu tun und die Konkurrenz ist auch eine ganz andere als Moderna. Deswegen verstehe ich auch die ständigen Vergleiche mit der Firma nicht. Am Ende ist es auch immer eine Frage des Zeithorizonts. Für mich geht es um den Kurs 2030 und der wird meiner Ansicht nach dann für Biontech hauptsächlich durch Einnahmen von Pumitamig und Gotistobart und der Fantasie der Novel-Novel-Kombinationen bestimmt. Mal sehen wo dann Moderna steht…
Antworten
klaus1234:

Genentech

3
29.10.26 21:46
Dass biontech die Untersuchung von inest aktuell aufgrund der Vertragslage mit genentech eingestellt hat, halte ich für weit hergeholt. Biontech kann mit Zustimmung jederzeit inest Studien starten, auch adjuvant oder im frühen stadium, braucht dafür die Zustimmung von genentech, muss die Studien selbst bezahlen und gewährt genentech eine Option später einzusteigen, was sollte genentech also dagegen haben?
Auch die Ausgliederung in ein neues Unternehmen sehe ich nicht als probantes Mittel um zukünftig alleine inest entwickeln zu können.
Es läuft außerdem auch noch eine inest studie zu bauchspeicheldrüsenkrebs mit genentech als sponsor, die Studie wird noch ein paar Jahre laufen, bis dahin oder darüber hinaus, im Falle einer Vermarktung, bleibt die Kooperation und der Vertrag bestehen oder nicht?

Was wir hier übersehen:
Der geteste Einsatzbereich von inest und moderna  intismeran ist unterschiedlich, die einen nach vollständiger Entfernung des tumorgewebes, die anderen bei hoher tumorlast.
Moderna testet mit pembrolizumab, biontech will hingegeben pembrolizumab durch pumitamig auf breiter front ersetzen, macht es Sinn hier noch in die Forschung zu investieren?

Aufbau und Verabreichung:
Moderna intramuskulär, biontech intravenous
Moderna nutzt LNP, biontech LNX
Moderna ersetzt Nukleosid Uridin durch N1-Methylpseudouridin, Biontech nutzt nicht nukleosidmodifizierte Uridin-RNA.

Tranportmedium und rna Modifizierung waren schon beim coronaimpfstoff entscheidend und haben curevac und Translate bio zum Scheitern gebracht, gut möglich dass man hier nochmal grundsätzlich nachbessern muss, ggf. bin unter zur Hilfe nahme der curevac patente die vor 10 Jahren noch nicht verfügbar waren
Antworten
Dictus:

Klaus

 
30.10.26 18:08
Genau das habe ich oben doch erklärt.

Moderna hatte Erfolg im adjuvanten Setting in einer Kombo-Therapie mit Keytruda.

Mono-Therapie scheint bei mRNA nicht ausreichend zu sein. BioNtech darf die eigene individuelle mRNA-Plattform gemäß des Vertrages mit Roche aber nicht mit einem fremden PD-(L)1-Inhibitor wie Keytruda oder Pumitamig kombinieren (bzw. nur dann wenn Roche ausdrücklich zustimmt). Nur mit Tecentriq von Roche selbst.  Und das beschränkt erstens die Wirksamkeit der Kombination & zweitens die Indikationen in denen man die Kombi überhaupt erproben kann.
Antworten
klaus1234:

Bnt122

2
31.10.26 07:48
Die Phase 2 melanoma wurde auch in Kombi mit pembrolizumab erprobt, Phase 2 Magenkrebs in Kombi mit nivolumab von brystol, nur die studie zu bauchspeicheldrüsenkrebs läuft mit tecentriq von roche.
Bei darmkrebs ist keytruda adjuvant nicht zugelassen, daher wird es auch nicht in Kombi erprobt.
Was also soll roche gegen Kombis mit pembrolizumab haben, die kassieren 50% völlig egal mit welchem Medikament kombiniert wird, wichtig ist nur, dass es eingesetzt wird.
Wenn einer was dagegen hat ist es merck, da sie das Konkurrenzprodukt mit moderna erproben...
Biontech hat in Mainz seit ende der coronazeit eine inest Produktion hochgezogen, man war fest vom Erfolg überzeugt der bis jetzt nicht eingekehrt, ich geh davon aus dass man am wirkmechanismus arbeiten muss.  
Antworten
Fabinio:

mRNA II

4
31.10.26 12:39
Ich tue mich aktuell schwer in der Meinungsbildung bezüglich Biontechs Abhängigkeiten bei Autogene Cevumeran von Roche. Schwer vorstellbar dass dies der einzige Grund für das aktuell gefühlte scheitern der Autogene Cevumeran Plattform ist. Der Einwand von Klaus1234 bezüglich der Verwendung von Pembrolizumab beim Melanom ist absolut berechtigt.
Was ich nicht für berechtigt halte ist der Zweifel an der Wirksamkeit der Autogene Cevumeran Plattform. Der entscheidende Unterschied der beiden Melanomstudien von Biontech und von Moderna liegt im komplett unterschiedlich behandelten Tumorstadium. Das Patientenkollektiv von Moderna ist adjuvant nach komplett reseziertem Tumor, das von Biontech waren Patienten mit metastasierten oder nicht operablen Tumoren.

Zusätzlich wurde beispielsweise bei der im August diesen Jahres abgebrochenen Darmkrebsstudie mit Autogene Cevumeran bei allen untersuchten Patienten eine zielgerichtete, neu entstandene (de novo) T-Zell-Antwort gegen die krebsspezifischen Neoantigene ausgelöst. Die generierten T-Zellen wiesen Eigenschaften von Effektor-Gedächtniszellen (Effector Memory) auf und machten teilweise einen erheblichen Anteil der zirkulierenden CD8+-T-Zellen aus. Trotz dieser messbaren T-Zell-Antwort im Blut konnte der Impfstoff den Rückfall der Erkrankung in dieser spezifischen Studiensituation klinisch nicht ausreichend verhindern. Das heißt doch der Impfstoff hat die erhoffte Immunantwort ausgelöst, nur gebracht hat die Immunantwort dann eben nichts.

Die aktuellen Niederlagen von Biontech bezüglich mRNA werte ich eher als grundsätzliche Limitationen der mRNA-Technologie in der Onkologie und müssten eigentlich auch den Kurs von Moderna belasten. Ich kann nur auf meinen leider nicht beachteten letzten Post hinweisen. Nur weil Moderna es geschafft hat einen Riesenhype an der Börse auszulösen, heißt das noch lange nicht dass die Technologie tatsächlich in den nächsten Jahren den erhofften medizinischen und folglich finanziellen Erfolg bringt, wie von der Börse wohl aktuell antizipiert.

Zu guter Letzt tue ich mich schwer zu denken Biontech hätte bezüglich mRNA in den letzten Jahren fast alles falsch gemacht. Nochmals bleibt zu betonen dass die individuelle Produktion und Logistik eine sehr große unbeantwortete Herausforderung für individualisierte mRNA Impfstoffe bleibt. Vielleicht ist in den nächsten Jahren einfach die Zeit dafür noch gar nicht reif und im Hintergrund ist das der tatsächliche Wettbewerb zwischen Moderna und Biontech. Dass am Ende ein per KI berechneter individualisierter mRNA-Impfstoff mit möglichst vielen Targets das Beste in der mRNA Onkologie wird, ist aktuell naheliegend. Nur selbst dieser Impfstoff heilt wohl nicht alle Tumoren und erst recht nicht in allen Stadien. Das hat Biontech aktuell nachgewiesen. Aber es kann ein wichtiger Baustein eines multimodalen Konzepts werden, besonders wegen der sehr geringen Nebenwirkungen.  

Ich bin sehr gespannt ob Biontech nächste Woche etwas zur zukünftigen Strategie des Unternehmens bezüglich mRNA sagt. Man tut sich aktuell wirklich schwer eine zu erkennen…
Antworten
Magnesium:

mRNA

2
31.10.26 15:07
Der Roche Vertrag bezieht sich auf individualisierte mRNA Impfstoffe und Roche hat sich mit dem Vertrag die Exklusivität gekauft (Zeitraum unbekannt).

@Klaus: Die angesprochene Melanom Kombi ist off-the-shelf, oder? Off-the-shelf ist vom Vertrag nicht berührt. Mir ist keine Biontech Studie mit individualisierter mRNA ohne Roche bekannt... aber möglicherweise liege ich da falsch und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Dass Biontech eine neue Studie aufsetzt, voll bezahlt und anschließend 50% des Profits an Roche abdrückt wäre sehr riskant und eher ungewöhnlich... mal abgesehen davon, ob dies überhaupt möglich wäre (rechtliche Bewertung nötig / der Vertrag ist voll mit Klauseln).

Fakt ist, dass Biontech nach Covid im Bereich mRNA trotz großer Erwartungen nach aktuellem Stand komplett gescheitert ist (mal abgesehen vom wirtschaftlichen Nischenprodukt BNT122 Pankreas in der mittleren Zukunft, wobei auch dies offen ist). Man hat im Bereich individualisierter mRNA Impfstoffe, was aktuell von der Börse als riesiges Zukunfs-Geschäft bewertet wird, quasi nichts vorzuweisen und das obwohl man mit InstaDeep einen KI Anbieter gekauft und am Standort Mainz massiv investiert hat. Was ist aus der Kooperation mit dem englischen Gesundheitswesen geworden? Man hört nichts mehr...

Und ich wiederhole es nur ungern, selbst die "sichere Bank" Covid-Grippe-Impfstoff hat man nicht annähernd in die Nähe einer Zulassung gebracht. Stattdessen steht seit Monaten eine mRNA Ausgründung im Raum, für welche die Strategie nach wie vor absolut unklar ist. Letztendlich ist dies meiner Meinung nach aber ein Zugeständnis des Scheiterns und dass man es sich intern nicht zutraut mittelfristig. Bei aller wissenschaftlichen Expertise der Shahins wird es allerhöchste Eisenbahn, dass Profis im Konzern das Ruder übernehmen, die sich voll auf die Kommerzialisierung konzentrieren.

Natürlich ist Moderna im Bereich mRNA die Benchmark, wer denn sonst? Und ja, Moderna war wesentlich cleverer, wie sie ihre mRNA Studien aufgesetzt haben... Biontech hingegen möglicherweise etwas überambitioniert in den Indikationen. Dass Biontech hier so ins Hintertreffen geraten ist, liegt sicher nicht nur an der Roche Vereinbarung, aber ein Klotz am Bein und Blockade ist die Vereinbarung mit Sicherheit.
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Dictus:

klaus

2
31.10.26 15:36
Verschiedene Punkte

1. Eine Phase-2-Studie mit BNT122 und Nivolumab bei Magenkrebs hat es nie gegeben. Du meinst vermutlich die Studie IMcode004 bei muskelinvasivem Blasenkrebs (MIUC), die tatsächlich mit Nivolumab von BMS durchgeführt wurde. Warum hat man dort Nivolumab statt Roche's Tecentriq verwendet? Weil Tecentriq zuvor in der adjuvanten Blasenkrebs-Studie (IMvigor010) gescheitert war, während BMS dort die Zulassung als Standard of Care hatte. Übrigens liefen neben Pankreas weitere Studien mit Tecentriq, etwa die Phase-1-Studie und die Phase-2-Lungenkrebsstudie IMcode002, die wegen Rekrutierungsproblemen zurückgezogen wurde. Und genau diese Blasenkrebs-Studie mit dem fremden Nivolumab (IMcode004) haben Roche und BioNTech Anfang 2026 ohne Ergebnis wieder eingestellt.

2. Du schreibst, dass Keytruda bei Darmkrebs adjuvant nicht zugelassen ist und deshalb dort nicht in Kombination erprobt wird. Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs (IMcode003) ist Tecentriq aber ebenfalls weder adjuvant noch bei Metastasen zugelassen – trotzdem wird BNT122 dort mit Tecentriq kombiniert! Für eine klinische Studie braucht der Antikörper keine bestehende Zulassung in der Indikation. Dass BNT122 bei Darmkrebs als reine Monotherapie ohne Checkpoint-Inhibitor lief, lag schlicht daran, dass Roche die Studie nicht mitfinanzieren wollte (weshalb BioNTech sie gemäß Section 4.5 allein gezahlt hat) und Section 4.5.4(f) des Vertrags BioNTech bei solchen Solo-Studien freie Kombinationen verbietet (also solche denen Roche nicht zustimmt).

3. Natürlich kann Merck rechtlich nicht verhindern, dass Roche und BioNTech Keytruda für eine Studie auf dem Markt einkaufen. Für Roche ist das jedoch ein schlechtes Geschäft bei großen Phase-3-Programmen: Roche muss Mercks Keytruda oder BMS' Nivolumab in der Studie für sehr viel Geld teuer zukaufen. Bei einer späteren Zulassung streicht Konkurrent Merck 100 Prozent der Keytruda-Umsätze ein, während sich Roche und BioNTech die verbleibende Marge von BNT122 teilen müssten. Roche ging es nie per se um BNT122, sondern darum den Wert von Tecentriq zu steigern. Studien mit anderen Antikörpern zu finanzieren wären für Roche also komplett idiotisch.

4. BioNTech hat die mRNA-Technologie seit Jahren nicht weiterentwickelt und ebenso lange keine neuen Studien mehr gestartet. Im Bereich der mRNA-Technologie hat Moderna dagegen 4 Phase-3-, 6 Phase-2- und 6 Phase-1-Programme in der Onkologie laufen. Bei Infektionskrankheiten sind es 18 weitere Studien. BioNTech hat insgesamt nur sieben laufende mRNA-Studien. Wie schon auf dem ESMO-Poster zum Pankreaskarzinom zu sehen war, kodiert Modernas Algorithmus bis zu 34 Neoantigene auf einem einzigen mRNA-Strang, während die iNeST-Plattform (BNT122) von BioNTech nur mit bis zu 20 Neoantigenen arbeitet. Es gibt nur einen einzigen logischen Grund dafür, dass BioNTech trotz finanziell quasi unbegrenzter Möglichkeiten diesen Schatz nicht hebt und das ist der Deal mit Roche. Man möchte Roche keinen Anlass geben, den Vertrag fortzuführen, da man das Potenzial der mRNA kennt und die eigenen individualisierten mRNA-Programme langfristig mit Pumitamig und den eigenen ADCs kombinieren möchte. Dafür benötigt man die Ausgründung von Arife in einer Form, in der BioNtech nicht Mehrheitseigentümer ist. In der Theorie passt jedes Puzzleteil.  
Antworten
Dictus:

Fabinio

 
31.10.26 15:45
„Die aktuellen Niederlagen von Biontech bezüglich mRNA werte ich eher als grundsätzliche Limitationen der mRNA-Technologie in der Onkologie und müssten eigentlich auch den Kurs von Moderna belasten. Ich kann nur auf meinen leider nicht beachteten letzten Post hinweisen. Nur weil Moderna es geschafft hat einen Riesenhype an der Börse auszulösen, heißt das noch lange nicht dass die Technologie tatsächlich in den nächsten Jahren den erhofften medizinischen und folglich finanziellen Erfolg bringt, wie von der Börse wohl aktuell antizipiert.“

I Ich halte Moderna ebenfalls für überbewertet. Aber wenn ich eines in meinen vielen Börsenjahren gelernt habe, dann, dass der Markt langfristig fast immer recht behält. Nun ist die Katze bezüglich der Wirksamkeit von Modernas mRNA-Wirkstoff bei Hautkrebs aus dem Sack. Ebenso die Frühdaten von Moderna in anderen Indikationen. Der Markt hat Moderna dafür kaum abgestraft: Das Unternehmen hat immer noch eine Marktkapitalisierung von 90 Milliarden USD. Und das bei marginalen Umsätzen. Was bedeutet das? Dass der Markt die vorliegenden Daten zu mRNA weiterhin als Paradigmenwechsel in der Onkologie einstuft. Biontech hatte nach 2020 die gleichen Voraussetzungen, um den Erfolg von Modernas mRNA-Technologie zu feiern. Das ist aber nicht passiert, weil die mRNA-Forschung bei BioNtech vernachlässigt wurde. Meiner Meinung nach liegt das maßgeblich am Knebelvertrag mit Roche. Nichtsdestotrotz wäre es jetzt fahrlässig von BioNTech, diesen Schatz – den die Börse sehr wertvoll findet – nicht zu heben. Insbesondere, da BioNTech trotz des großen Rückstands hinter Moderna immer noch auf dem zweiten Platz steht. Und der dritte Platz ist noch weiter abgeschlagen.
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