ich hoffe das ist aktuell
Analyse der Analysten - Bilanz des Schreckens
Von Michael Mross
Daß die Analysten im Jahr 2000 einen verdammt schlechten Job gemacht haben, dürfte allgemein bekannt sein. Nun hätte ich gedacht, dass diese hochbezahlt- wie spezialisierten Experten vielleicht etwas dazu gelernt hätten. Dem scheint aber nicht so. Im Gegenteil.
Nichts war und nichts ist schlimmer, als gemäß den Expertenratschlägen zu handeln. Ein worst case -Szenario allerdings bahnt sich immer dann an, wenn die Börsenakademiker mehrheitlich der Meinung sind, eine Aktie steige. Und das ist leider auch Anfang des Jahres 2001 der Fall.
Die Herren stammen aus Häusern mit Rang und Namen. Doch die Urteile sind nicht mal das Papier wert, auf dem sie stehen. In Amerika horcht die Börsennation jedoch immer auf, wenn diese Hosenträger - Menschen, stets adrett und seriös gekleidet, ihren Richterspruch ablassen: strong buy, buy, hold, sell, strong sell.
Die grausame Botschaft: Die Majorität dieser Herren der Börse sind immer noch extrem bullish für High Techs und für Internet Werte. Meine Interpretation: Dann geht´s weiter runter!
Drehen wir die Uhr einfach mal zurück. Beispiel Yahoo. Im Oktober 2000 gaben 26 Börsenexperten der namhaftesten Institute in den USA eine Kaufempfehlung für Yahoo. 13 klebten dem Internetwert sogar das Prädikat "strong buy" auf. Nun weiß ich nicht so genau, worin der Unterschied zwischen "strong buy" und "moderate buy" oder einfach nur "buy" liegt. Das ist genauso wie halbschwanger oder schwanger. Aber egal. 26 Aktienexperten meinten im Oktober, der Anleger solle Yahoo unbedingt kaufen. Und zwar bei einem Kurs von 80 Dollar!
Echt ein guter Tipp! Im Februar 2001 steht Yahoo nur noch bei 25 Dollar. Macht also gerade mal ein Verlust von 55 Dollar in nur knapp 5 Monaten. Eine analytische Meisterleistung!
Und wie sieht die Bilanz im Februar 2001 aus? Immerhin raten jetzt 4 Experten zum Verkauf - aber das Gros der Expertenschar sieht in Yahoo immer noch einen Kauf.
Beispiel Nortel. Im Oktober 2001 meinten gar 31 Experten (das hätte schon zum Nachdenken Anlaß geben können) Nortel sei ein klarer Kauf bei 60 Dollar. Im Februar 2001 fällt die Aktie auf unter 20 Dollar wegen Bekanntgabe schlechter Zahlen. Nortel verliert innerhalb von 5 Monaten zwei Drittel des Wertes.
Das waren nur zwei Beispiele. Die Liste könnte fast endlos fortgeführt werden. Überall da, wo die Mehrheit der Experten zum Kauf blies, halbierten sich die Aktien, manche verloren sogar bis zu 80 Prozent ihrer Börsennotiz, gemessen am Empfehlungzeitpunkt.
Obacht ist also immer angebracht, wenn die Mehrheit dieser "Aktien-Experten" zum Kauf rät.
Fazit: Aktien können nur dann steigen, wenn die Mehrheit der Analysten den Daumen nach unten dreht. Und so langsam passiert das auch, allerdings viel zu langsam. Die High Tech Branche und die Internets erfreuen sich immer noch überwiegender Kaufempfehlung.
Sehr schön zusammengefasst sind die Analystenbewertungen bei yahoo.com. Die Ratings gehen von 1 (strong buy) bis 5 (strong sell). Die Gesamtnote wird berechnet aus dem Quotienten von Note (Rating) durch Anzahl der Ratings. Beispiel: gäbe es nur 2 Experten, die eine "Note" abgäben, und lautete diese einmal strong buy = 1 und einmal strong sell = 5, dann errechnet sich ein Durchschnitt von 3 (1+5=6 6/2=3). 3 heißt also so was wie unentschieden. Alles was über 3 liegt bedeutet, dass die Mehrheit der Experten eher zum Kauf rät. Eine Bewertung unter 3 verrät eine eher bearishe Haltung, also mehrheitlich Verkaufsempfehlungen.
Und wie sieht die Bilanz derzeit aus? Beispiel Internetwerte. Im Februar 2001 befinden Analysten über 96 börsennotierte Internetaktien. Und über 90 Prozent der Empfehlungen lauten immer noch auf Kauf. Das kann heiter werden. Es zeigt, das der Markt immer noch überwiegend bullish ist für diese Aktien Gattung. Und da die Börse ja meist das Gegenteil tut, was die Mehrheit erwartet, müssen wir leider davon ausgehen, dass die "betroffenen" Aktien weiter fallen. Dies gilt übrigens auch für die Telekomausrüster, die bis ins Jahr 2001 hinein noch die Lieblinge vieler Anleger waren.
Wer sich die Bilanz des Schreckens genauer ansehen will, der kann dies hier tun: Übersicht Internetaktien:
biz.yahoo.com/research/indgrp/internet_servcs.html
Übersicht Telekomausrüster:
biz.yahoo.com/research/indgrp/telecomm_equip.html
Bleibt zu hoffen, dass die Analysten ausnahmsweise mal Recht haben. Sonst geht bei der New Economy bald das Licht aus.
Michael Mross ist TV-Börsenexperte und Buchautor. Seine aktuelle Neuerscheinung: "Die Börse!" (Econ) www.mross.de
Analyse der Analysten - Bilanz des Schreckens
Von Michael Mross
Daß die Analysten im Jahr 2000 einen verdammt schlechten Job gemacht haben, dürfte allgemein bekannt sein. Nun hätte ich gedacht, dass diese hochbezahlt- wie spezialisierten Experten vielleicht etwas dazu gelernt hätten. Dem scheint aber nicht so. Im Gegenteil.
Nichts war und nichts ist schlimmer, als gemäß den Expertenratschlägen zu handeln. Ein worst case -Szenario allerdings bahnt sich immer dann an, wenn die Börsenakademiker mehrheitlich der Meinung sind, eine Aktie steige. Und das ist leider auch Anfang des Jahres 2001 der Fall.
Die Herren stammen aus Häusern mit Rang und Namen. Doch die Urteile sind nicht mal das Papier wert, auf dem sie stehen. In Amerika horcht die Börsennation jedoch immer auf, wenn diese Hosenträger - Menschen, stets adrett und seriös gekleidet, ihren Richterspruch ablassen: strong buy, buy, hold, sell, strong sell.
Die grausame Botschaft: Die Majorität dieser Herren der Börse sind immer noch extrem bullish für High Techs und für Internet Werte. Meine Interpretation: Dann geht´s weiter runter!
Drehen wir die Uhr einfach mal zurück. Beispiel Yahoo. Im Oktober 2000 gaben 26 Börsenexperten der namhaftesten Institute in den USA eine Kaufempfehlung für Yahoo. 13 klebten dem Internetwert sogar das Prädikat "strong buy" auf. Nun weiß ich nicht so genau, worin der Unterschied zwischen "strong buy" und "moderate buy" oder einfach nur "buy" liegt. Das ist genauso wie halbschwanger oder schwanger. Aber egal. 26 Aktienexperten meinten im Oktober, der Anleger solle Yahoo unbedingt kaufen. Und zwar bei einem Kurs von 80 Dollar!
Echt ein guter Tipp! Im Februar 2001 steht Yahoo nur noch bei 25 Dollar. Macht also gerade mal ein Verlust von 55 Dollar in nur knapp 5 Monaten. Eine analytische Meisterleistung!
Und wie sieht die Bilanz im Februar 2001 aus? Immerhin raten jetzt 4 Experten zum Verkauf - aber das Gros der Expertenschar sieht in Yahoo immer noch einen Kauf.
Beispiel Nortel. Im Oktober 2001 meinten gar 31 Experten (das hätte schon zum Nachdenken Anlaß geben können) Nortel sei ein klarer Kauf bei 60 Dollar. Im Februar 2001 fällt die Aktie auf unter 20 Dollar wegen Bekanntgabe schlechter Zahlen. Nortel verliert innerhalb von 5 Monaten zwei Drittel des Wertes.
Das waren nur zwei Beispiele. Die Liste könnte fast endlos fortgeführt werden. Überall da, wo die Mehrheit der Experten zum Kauf blies, halbierten sich die Aktien, manche verloren sogar bis zu 80 Prozent ihrer Börsennotiz, gemessen am Empfehlungzeitpunkt.
Obacht ist also immer angebracht, wenn die Mehrheit dieser "Aktien-Experten" zum Kauf rät.
Fazit: Aktien können nur dann steigen, wenn die Mehrheit der Analysten den Daumen nach unten dreht. Und so langsam passiert das auch, allerdings viel zu langsam. Die High Tech Branche und die Internets erfreuen sich immer noch überwiegender Kaufempfehlung.
Sehr schön zusammengefasst sind die Analystenbewertungen bei yahoo.com. Die Ratings gehen von 1 (strong buy) bis 5 (strong sell). Die Gesamtnote wird berechnet aus dem Quotienten von Note (Rating) durch Anzahl der Ratings. Beispiel: gäbe es nur 2 Experten, die eine "Note" abgäben, und lautete diese einmal strong buy = 1 und einmal strong sell = 5, dann errechnet sich ein Durchschnitt von 3 (1+5=6 6/2=3). 3 heißt also so was wie unentschieden. Alles was über 3 liegt bedeutet, dass die Mehrheit der Experten eher zum Kauf rät. Eine Bewertung unter 3 verrät eine eher bearishe Haltung, also mehrheitlich Verkaufsempfehlungen.
Und wie sieht die Bilanz derzeit aus? Beispiel Internetwerte. Im Februar 2001 befinden Analysten über 96 börsennotierte Internetaktien. Und über 90 Prozent der Empfehlungen lauten immer noch auf Kauf. Das kann heiter werden. Es zeigt, das der Markt immer noch überwiegend bullish ist für diese Aktien Gattung. Und da die Börse ja meist das Gegenteil tut, was die Mehrheit erwartet, müssen wir leider davon ausgehen, dass die "betroffenen" Aktien weiter fallen. Dies gilt übrigens auch für die Telekomausrüster, die bis ins Jahr 2001 hinein noch die Lieblinge vieler Anleger waren.
Wer sich die Bilanz des Schreckens genauer ansehen will, der kann dies hier tun: Übersicht Internetaktien:
biz.yahoo.com/research/indgrp/internet_servcs.html
Übersicht Telekomausrüster:
biz.yahoo.com/research/indgrp/telecomm_equip.html
Bleibt zu hoffen, dass die Analysten ausnahmsweise mal Recht haben. Sonst geht bei der New Economy bald das Licht aus.
Michael Mross ist TV-Börsenexperte und Buchautor. Seine aktuelle Neuerscheinung: "Die Börse!" (Econ) www.mross.de
