sorry leute, bin heut im stress, n. Woche Urlaub
Nachhaltige Aufwärtstendenz ohne Euphorie
Hans Bernecker: Nachhaltige Aufwärtstendenz ohne Euphorie
Mails/Nachrichten vom 02.08.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
New York pausierte gestern nach der ersten Aufschwungbewegung. Wenn ein Index wie der Dow Jones binnen weniger Tage von 7500 auf über 8800 steigt, kann er auch anschließend auf 8300/8400 zurückfallen. Das ist nun wirklich nichts besonderes. Das gehandelte Volumen lag mit 1,6 Mrd darüber hinaus am unteren Ende des normalen Geschäftes. Das gilt auch für die Nasdaq, wo gut 1,3 Mrd Stück gehandelt wurden. Vor einer Woche lagen die Vergleichszahlen bei 2,4 Mrd Stück an der NYSE und 2 Mrd Stück an der Nasdaq. Die Volumina lassen also etwas nach.
Die gestrige Schwäche beinhaltet wenig neue Erkenntnisse. Die Verhaftung zweier ehemaliger Worldcom-Manager ist eher eine politische Inszenierung, als daß es wirklich gravierende Konsequenzen mit sich bringt. Vor allem das Weiße Haus will nun „Betrüger“ sehen, die abgeführt werden, um die Glaubwürdigkeit der Märkte wiederherzustellen. Damit habe ich so meine Probleme, aber wenn es der Sache dient, o.k. Die Zahlen von Exxon Mobil gestern brachten den Dow Jones ebenfalls unter Druck, ähnlich wie Adobe Systems an der Nasdaq. Solche Einzelwerte bestimmen aber nicht den Trend. Für problematischer halte ich die Kursentwicklung von Microsoft. Mit 45 $ nähert man sich knapp dem bisherigen Boden, der seit 2 Jahren zwischen 42 und 45 $ liegt. Wehe dem, Microsoft rutscht unten durch, was angesichts einer Bewertung von knapp 247 Mrd $ auch durchaus möglich wäre. Das KGV liegt mit 22 für 2003 gar nicht mehr so hoch. Aber wenn da jetzt eine falsche Zahl herauskommt und der Kurs unten durchrutscht, hat das natürlich eine gewisse Schockwirkung. Für den Dow Jones wird das weniger problematisch als für die Nasdaq. Als einzige sieht die Nasdaq von den drei wichtigsten Märkten auch so aus, daß sie den bisherigen Tiefststand von 1200 Punkten nochmals testen wird. Beim Dow und beim S&P mache ich mir weniger Sorgen.
Am deutschen Markt müssen die Unternehmenszahlen verarbeitet werden. Zu Allianz hatte ich mich mehrfach geäußert. Das Dresdner Bank-Problem ist nun einmal da. Wenn aber nun Investment-Adressen wie Goldman Sachs die Allianz bei einem Kurs von 135 E. als fair bewertet ansieht, dann kann ich dem nicht zustimmen. Der Börsenwert liegt im Moment gerade einmal bei 34 Mrd E., was gemessen an der Substanz und der Ertragskraft des reinen Versicherungsgeschäftes zu wenig ist. Droht der Allianz aber eine ähnliche Entwicklung wie BMW damals beim Rover-Debakel? Das kann ich nicht ausschließen. Es ist schwer zu taxieren, wie nervös man in München ist. Bisher hält man der Bank die Stange. Die Frage ist, wie lange noch?
Die Zahlen der DT. Bank haben hingegen überrascht. Der Ansatz des neuen Vorstandes Ackermann überzeugt. Im Vorsteuergewinn, der um 35 % kletterte, sind natürlich erhebliche Erlöse aus Beteiligungen enthalten. Das war auch nicht anders zu erwarten. Im reinen Bankgeschäft hielt man sich trotz erhöhter Rückstellungen aber erstaunlich gut. Offensichtlich machen sich die Kostensenkungen wirklich bemerkbar.
Die Bayer-Zahlen muß ich mir erst in Ruhe angucken, bevor ich ein Urteil abgebe. Das der Kurs auf die schwächeren Ergebnisse für das erste Halbjahr nicht reagiert, war ein positives Indiz. Wegen der Eingliederung von Crop Science, dem Effekt von Lipobay und den Erlösen aus Beteiligungen erscheinen mir die jetzigen Zahlen zunächst etwas verzerrt. Deswegen darf man kein vorschnelles Urteil fällen. Aus dem Gefühl bleibe ich aber bei meiner Meinung, wie ich in den letzten Actien-Börsen geschrieben habe. Wichtiger als die laufenden Zahlen wird für den Markt sein, wie der neue Vorstand die Struktur des Konzerns verändern wird. Ich gehe darauf in der nächsten AB ein.
Die Börse geht nach einer anstrengenden Woche ins wohlverdiente Wochenende. Tun Sie das auch und gewinnen Sie ein bißchen Distanz zum Tagesgeschäft. Die Zahlen dieser Woche von Unternehmen und Konjunkturen müssen erst einmal „sacken“. Die Nervosität ist in der Kommentierung wie auch in den Märkten förmlich zu spüren. Das ist angesichts der letzten Wochen nicht verwunderlich, darf aber auch nicht überbewertet werden. Machen Sie nicht den Fehler, jeden Tag sämtliche Dispositionen vom Vortag in Frage zu stellen. Mit ein bißchen Distanz erkennt man das größere Bild.
Ich bleibe bei der Linie, wie diese Woche skizziert. Märkte steigen immer mit Angst. Damit kann ich gut leben. Je geringer die Euphorie, um so nachhaltiger die Tendenz.
Mit freundlichen Grüßen
Hans A. Bernecker
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Nachhaltige Aufwärtstendenz ohne Euphorie
Hans Bernecker: Nachhaltige Aufwärtstendenz ohne Euphorie
Mails/Nachrichten vom 02.08.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
New York pausierte gestern nach der ersten Aufschwungbewegung. Wenn ein Index wie der Dow Jones binnen weniger Tage von 7500 auf über 8800 steigt, kann er auch anschließend auf 8300/8400 zurückfallen. Das ist nun wirklich nichts besonderes. Das gehandelte Volumen lag mit 1,6 Mrd darüber hinaus am unteren Ende des normalen Geschäftes. Das gilt auch für die Nasdaq, wo gut 1,3 Mrd Stück gehandelt wurden. Vor einer Woche lagen die Vergleichszahlen bei 2,4 Mrd Stück an der NYSE und 2 Mrd Stück an der Nasdaq. Die Volumina lassen also etwas nach.
Die gestrige Schwäche beinhaltet wenig neue Erkenntnisse. Die Verhaftung zweier ehemaliger Worldcom-Manager ist eher eine politische Inszenierung, als daß es wirklich gravierende Konsequenzen mit sich bringt. Vor allem das Weiße Haus will nun „Betrüger“ sehen, die abgeführt werden, um die Glaubwürdigkeit der Märkte wiederherzustellen. Damit habe ich so meine Probleme, aber wenn es der Sache dient, o.k. Die Zahlen von Exxon Mobil gestern brachten den Dow Jones ebenfalls unter Druck, ähnlich wie Adobe Systems an der Nasdaq. Solche Einzelwerte bestimmen aber nicht den Trend. Für problematischer halte ich die Kursentwicklung von Microsoft. Mit 45 $ nähert man sich knapp dem bisherigen Boden, der seit 2 Jahren zwischen 42 und 45 $ liegt. Wehe dem, Microsoft rutscht unten durch, was angesichts einer Bewertung von knapp 247 Mrd $ auch durchaus möglich wäre. Das KGV liegt mit 22 für 2003 gar nicht mehr so hoch. Aber wenn da jetzt eine falsche Zahl herauskommt und der Kurs unten durchrutscht, hat das natürlich eine gewisse Schockwirkung. Für den Dow Jones wird das weniger problematisch als für die Nasdaq. Als einzige sieht die Nasdaq von den drei wichtigsten Märkten auch so aus, daß sie den bisherigen Tiefststand von 1200 Punkten nochmals testen wird. Beim Dow und beim S&P mache ich mir weniger Sorgen.
Am deutschen Markt müssen die Unternehmenszahlen verarbeitet werden. Zu Allianz hatte ich mich mehrfach geäußert. Das Dresdner Bank-Problem ist nun einmal da. Wenn aber nun Investment-Adressen wie Goldman Sachs die Allianz bei einem Kurs von 135 E. als fair bewertet ansieht, dann kann ich dem nicht zustimmen. Der Börsenwert liegt im Moment gerade einmal bei 34 Mrd E., was gemessen an der Substanz und der Ertragskraft des reinen Versicherungsgeschäftes zu wenig ist. Droht der Allianz aber eine ähnliche Entwicklung wie BMW damals beim Rover-Debakel? Das kann ich nicht ausschließen. Es ist schwer zu taxieren, wie nervös man in München ist. Bisher hält man der Bank die Stange. Die Frage ist, wie lange noch?
Die Zahlen der DT. Bank haben hingegen überrascht. Der Ansatz des neuen Vorstandes Ackermann überzeugt. Im Vorsteuergewinn, der um 35 % kletterte, sind natürlich erhebliche Erlöse aus Beteiligungen enthalten. Das war auch nicht anders zu erwarten. Im reinen Bankgeschäft hielt man sich trotz erhöhter Rückstellungen aber erstaunlich gut. Offensichtlich machen sich die Kostensenkungen wirklich bemerkbar.
Die Bayer-Zahlen muß ich mir erst in Ruhe angucken, bevor ich ein Urteil abgebe. Das der Kurs auf die schwächeren Ergebnisse für das erste Halbjahr nicht reagiert, war ein positives Indiz. Wegen der Eingliederung von Crop Science, dem Effekt von Lipobay und den Erlösen aus Beteiligungen erscheinen mir die jetzigen Zahlen zunächst etwas verzerrt. Deswegen darf man kein vorschnelles Urteil fällen. Aus dem Gefühl bleibe ich aber bei meiner Meinung, wie ich in den letzten Actien-Börsen geschrieben habe. Wichtiger als die laufenden Zahlen wird für den Markt sein, wie der neue Vorstand die Struktur des Konzerns verändern wird. Ich gehe darauf in der nächsten AB ein.
Die Börse geht nach einer anstrengenden Woche ins wohlverdiente Wochenende. Tun Sie das auch und gewinnen Sie ein bißchen Distanz zum Tagesgeschäft. Die Zahlen dieser Woche von Unternehmen und Konjunkturen müssen erst einmal „sacken“. Die Nervosität ist in der Kommentierung wie auch in den Märkten förmlich zu spüren. Das ist angesichts der letzten Wochen nicht verwunderlich, darf aber auch nicht überbewertet werden. Machen Sie nicht den Fehler, jeden Tag sämtliche Dispositionen vom Vortag in Frage zu stellen. Mit ein bißchen Distanz erkennt man das größere Bild.
Ich bleibe bei der Linie, wie diese Woche skizziert. Märkte steigen immer mit Angst. Damit kann ich gut leben. Je geringer die Euphorie, um so nachhaltiger die Tendenz.
Mit freundlichen Grüßen
Hans A. Bernecker
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