Bei Flut steigen alle Boote


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tom68:

Bei Flut steigen alle Boote

 
12.11.01 12:38
Bei Flut steigen alle Boote
 
Die Aktienmärkte nach der jüngsten Zinssenkungsrunde
 
Bei Flut steigen alle Boote – mit welchem man zum Fischfang hinaus fahren kann, entscheidet sich erst, wenn alle genug Wasser unter dem Kiel haben. In dieser bildlichen Darstellung der Situation an den Weltbörsen erleben wir momentan die erste Phase.

Die Notenbanken, insbesondere die amerikanische FED, fluten die Märkte mit Liquidität. So ist die US-Geldmenge einschließlich Sparguthaben und Geldmarktfonds in den vergangenen 52 Wochen um mehr als 900 Mrd. Dollar angewachsen. In Geldmarktfonds liegen jetzt 2,3 Bill. Dollar – 400 Mrd. Dollar mehr als vor zwölf Monaten. Und der Mittelzufluss der US-Rentenfonds ist im bisherigen Jahresverlauf fünfmal so hoch wie bei Aktienfonds. Vor zehn Jahren hatten die Amerikaner zuletzt mehr Geld in Renten-, als in Aktienfonds angelegt.

Mit den dramatischen Zinsschritten der FED von 6,5 Prozent zu Jahresanfang auf jetzt 2 Prozent wird das Parken von Geld uninteressant, bei Staatsanleihen schwindet die Kursphantasie. Wechselt nun ein bedeutender Teil dieser unvorstellbar großen Barbestände zügig in die Aktienmärkte? Dann könnte die nach dem 11. September bisher V-förmige Erholung der Kurse weiter gehen.

Auf der anderen Seite sitzt der Schock des Kurssturzes insbesondere bei den Technologietiteln seit März 2000 tief, die Angst vor weiteren terroristischen Attacken bleibt hoch und auch die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes könnte die Verbraucher dazu bewegen, weiterhin besonders hohe Liquidität vorzuhalten.

Also eine Liquiditätsfalle? Nicht wie die in Japan, meint Deutsch-Banker Ed Yardeni. Dennoch werde es seiner Meinung noch bis zum zweiten Halbjahr 2002 dauern, bis die hohen Barbestände die Wirtschaft wieder beleben. Dann erst würden auch die Kurse ihre Fahrt nach Norden beschleunigen. Der demographische Ausblick sei mit 95 Millionen US-Bürgern unter 25 Jahren günstig und verhindere zusammen mit einem intakten Bankensystem japanische Verhältnisse.

Gegenwärtig packen die Aktienmärkte alle schlechten Nachrichten in eine Kiste – je mehr, je besser. „Vergessen wir 2001“ lautet die Inschrift am Jahresende, dann wird das Ding weggestellt. Gleichzeitig werden jetzt schon alle Hoffnungen auf 2002 gesetzt und eine Erholung frühzeitig im nächsten Jahr erwartet.

Die Aktienmärkte haben damit zur Stunde schon ein gutes Stück Zukunft vorweggenommen. Darin hat sie auch die Tatsache bestärkt, dass der befürchtete Einbruch des privaten Konsums im Oktober ausgeblieben ist. Aus Angst vor einer Rezession gab es überall in den USA Sonderrabatte, die Automobilkonzerne bieten zusätzlich eine Null-Prozent-Kredite an. Verbraucher nutzen günstige Konditionen, um ihre Schulden günstiger zu finanzieren. Die Kfz-Verkäufe z.B. erreichten im Oktober Spitzenwerte.

Die Sonderangebote gehen zu Lasten der Gewinne. Und wenn die Konsumenten teure Güter jetzt kaufen, kaufen sie sie eben im nächsten Jahr nicht. Die Arbeitslosenrate wird nach Meinung zahlreicher Beobachter noch weiter steigen und im kommenden Frühjahr bis an die Marke von 7 Prozent heranreichen, vermutet etwa Yardeni. Damit könnte sich aber die Rezession der Profite verlängern und vertiefen. Das wiederum führte dann dazu, dass Investitionsbudgets überdacht und Erweiterungspläne zurückgestellt würden. Und das betrifft dann u.a. die Anbieter von Hochtechnologie, deren Aktien oft immer noch hoch bewertet sind.

Die meisten Beobachter sind sich einig, dass die September-Tiefs wohl in diesem Zyklus nicht mehr erreicht werden. Deswegen muss jetzt nicht zwangsläufig eine Hausse einsetzen. Viele sehen den weiteren Verlauf der Aktienkurse zunächst sehr volatil. Der Dow Jones könnte wohl die 10.000er-Marke nehmen, aber der Angriff auf neue Höchststände sei vor der zweiten Jahreshälfte 2002 unwahrscheinlich, heißt es. Die Liquiditätsschwemme werde eher einen nochmaligen Absturz verhindern, als eine sofortige Fortsetzung der V-Rally zu bewirken.

In dieser Situation macht eine auf Momentum angelegte Anlagestrategie wenig Sinn, es sei denn, man stellt auf einen kurzfristigen Horizont ab. Da bieten insbesondere Technologieaktien und Halbleiterwerte interessante Möglichkeiten. Insgesamt ist es aber wohl noch zu früh, besonders lukrative langfristige Anlagetrends auszumachen. Es fehlt eben noch etwas Wasser unter dem Kiel.

Autor: Klaus Singer, 12:14 12.11.01

ausgeliehen bei WO
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Stoxx Dude:

bei mir ist eher Land unter ! o.T.

 
12.11.01 13:13
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zit1:

Hi Tom, schöner Vergleich...

 
12.11.01 13:25
... die Sache mit dem Fischfang. ;-)
Ich glaube auch nicht an eine echte Hausse, dazu fehlen die Argumente.
Welche market maker sind momentan dazu bereit massiv einzusteigen?

Ed Yardini lag in den letzten 2 Jahren übrigens ausnahmelos falsch mit seinen Zukunftszenarien und lebt wohl immer noch von seinem einstigen Zufallstreffer, den warnenden Worten vor dem crash von 1987. Sein Katastrophenszenario für den Jahrtausendwechsel war zwar kultig, aber genauso unrealistisch wie die von ihm propagnadierte Annahme, der S&P500 werde im Jahr 2010 bei 29000 Punkten stehen.
Ich glaube der Mann ist einfach nur ein mediengeiler Selbstdarsteller.

Gruß,
Zit
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tom68:

erkennt man schon am einfallslosen ID-Fake... o.T.

 
12.11.01 13:26
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