beflügeln!
Bagdad/Washington - Das Regime von Saddam Hussein steht offenbar kurz vor der Auflösung. Augenzeugen berichten, dass es in Bagdad keine Zeichen einer Präsenz von Regierungsvertretern, von Polizei oder Uniformierten mehr auf den Straßen gebe. Im Hotel Palestine, in dem fast alle ausländischen Journalisten untergebracht sind, sind die irakischen Beamten verschwunden, die sonst zur Kontrolle der Presse eingesetzt waren. Auch Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf, der sich sonst täglich mit der Presse traf, ist nicht aufgetaucht. Das irakische Fernsehen sendet seit Dienstag nicht mehr.
Plünderungen in mehreren Stadtteilen
In der Hauptstadt kam es am Mittwoch erstmals in mehreren Stadtteilen zu Plünderungen. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder von Irakern, die Vasen, Teppiche, Klimageräte und andere Einrichtungsgegenstände aus Regierungsgebäuden schleppten. Der US-Nachrichtenkanal CNN meldet, ein Depot mit Regierungsfahrzeugen sei geleert worden. Plünderungen werden auch aus dem Armenviertel Saddam-City im Nordosten der Fünf-Millionen-Stadt gemeldet.
Der "Anfang vom Ende"?
Die US-Truppen wurden auf ihrem Vormarsch von jubelnden Menschen begrüßt. "Gut, gut, Bush!" riefen Einwohner im nördlichen Stadtteil Hababijah, nach Angaben eines AFP-Korrespondenten. Hunderte Bagdader hätten einen US-Konvoi von sieben Fahrzeugen empfangen und ein großes Porträt von Machthaber Saddam Hussein zerissen. Verschiedene Fernsehsender zeigten Bilder von einem alten Mann, der mit seinem Schuh auf ein Saddam-Bild einschlug und dabei rief: "Du Verbrecher". Das sei der "Anfang vom Ende", bewertete ein BBC-Reporter die Szenen.
Rätselraten um Verbleib von Saddam
Das Schicksal von Saddam Hussein ist unterdessen weiter unklar. Während das Pentagon den versuchten "Enthauptungsschlag" vom Montag als "sehr, sehr effektiv" bezeichnete, meldet die britische Zeitung "Times" unter Berufung auf den Geheimdienst MI6, Saddam habe das Gebäude wahrscheinlich kurz vor der Bombardierung verlassen - "entweder durch ein Tunnelsystem oder mit dem Auto". Ein US-Bomber hatte vier satellitengesteuerte Bomben auf ein Gebäude gefeuert, in dem Geheimdienste den Staatschef und seine Söhne vermuteten.
Scharfe Proteste nach Tod von Journalisten
Nachdem am Dienstag wahrscheinlich durch US-Beschuss drei Journalisten ums Leben kamen, verwahrte sich der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) "schärfstens gegen die militärischen Maßnahmen" der USA, "die gegen internationale Journalisten und Medien im Irak gerichtet sind". Der katarische TV-Sender El Dschasira will alle seine Reporter aus dem Irak abziehen, nachdem sein Bagdad-Korrespondent durch eine US-Bombe getötet wurde. Alle Mitarbeiter seien gefährdet, auch diejenigen, die bei den US-Truppen "eingebettet" seien, hieß es. Das Pentagon hatte zuvor den Tod der Journalisten bedauert.
Keine Beweise für Massenvernichtungswaffen
Knapp drei Wochen nach Beginn des Krieges haben die US-Streitkräfte noch immer keine Belege für die angeblichen Chemiewaffen Iraks gefunden. Tests an verdächtigen Fässern in der Nähe der zentralirakischen Stadt Kerbela hätten "gemischte Ergebnisse" erbracht, teilte das Pentagon mit. Eines der Ziele der Kriegsparteien USA und Großbritannien ist die Vernichtung angeblich vorhandener irakischer Massenvernichtungswaffen.
Im Irak-Krieg sind laut CNN bisher 96 US-Soldaten und 31 Briten ums Leben gekommen. Auf US-Seite werden acht Soldaten vermisst, sieben seien in irakischer Gefangenschaft. Die irakische Armee hat bisher keine Angaben zu Verlusten in dem fast drei Wochen alten Krieg gemacht.
Pläne für Nachkriegs-Irak
Die USA und Großbritannien bemühen sich bereits um den Aufbau einer Nachkriegsordnung. In der südirakischen Metropole Basra nahmen die britischen Streitkräfte mit einem örtlichen Stammesführer Kontakt auf. Der Scheich habe freie Hand, ein Verwaltungskomitee zu bilden, sagte ein britischer Militärsprecher. 3.000 britische Soldaten hätten den größten Teil der Stadt besetzt. Nächste Woche soll die erste Konferenz der Opposition im Südirak stattfinden. US-Präsident George W. Bush hatte gesagt, die Vereinten Nationen würden eine "vitale Rolle" bei der Bildung einer Übergangsregierung spielen. (md/dpa/AFP)
Bagdad/Washington - Das Regime von Saddam Hussein steht offenbar kurz vor der Auflösung. Augenzeugen berichten, dass es in Bagdad keine Zeichen einer Präsenz von Regierungsvertretern, von Polizei oder Uniformierten mehr auf den Straßen gebe. Im Hotel Palestine, in dem fast alle ausländischen Journalisten untergebracht sind, sind die irakischen Beamten verschwunden, die sonst zur Kontrolle der Presse eingesetzt waren. Auch Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf, der sich sonst täglich mit der Presse traf, ist nicht aufgetaucht. Das irakische Fernsehen sendet seit Dienstag nicht mehr.
Plünderungen in mehreren Stadtteilen
In der Hauptstadt kam es am Mittwoch erstmals in mehreren Stadtteilen zu Plünderungen. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder von Irakern, die Vasen, Teppiche, Klimageräte und andere Einrichtungsgegenstände aus Regierungsgebäuden schleppten. Der US-Nachrichtenkanal CNN meldet, ein Depot mit Regierungsfahrzeugen sei geleert worden. Plünderungen werden auch aus dem Armenviertel Saddam-City im Nordosten der Fünf-Millionen-Stadt gemeldet.
Der "Anfang vom Ende"?
Die US-Truppen wurden auf ihrem Vormarsch von jubelnden Menschen begrüßt. "Gut, gut, Bush!" riefen Einwohner im nördlichen Stadtteil Hababijah, nach Angaben eines AFP-Korrespondenten. Hunderte Bagdader hätten einen US-Konvoi von sieben Fahrzeugen empfangen und ein großes Porträt von Machthaber Saddam Hussein zerissen. Verschiedene Fernsehsender zeigten Bilder von einem alten Mann, der mit seinem Schuh auf ein Saddam-Bild einschlug und dabei rief: "Du Verbrecher". Das sei der "Anfang vom Ende", bewertete ein BBC-Reporter die Szenen.
Rätselraten um Verbleib von Saddam
Das Schicksal von Saddam Hussein ist unterdessen weiter unklar. Während das Pentagon den versuchten "Enthauptungsschlag" vom Montag als "sehr, sehr effektiv" bezeichnete, meldet die britische Zeitung "Times" unter Berufung auf den Geheimdienst MI6, Saddam habe das Gebäude wahrscheinlich kurz vor der Bombardierung verlassen - "entweder durch ein Tunnelsystem oder mit dem Auto". Ein US-Bomber hatte vier satellitengesteuerte Bomben auf ein Gebäude gefeuert, in dem Geheimdienste den Staatschef und seine Söhne vermuteten.
Scharfe Proteste nach Tod von Journalisten
Nachdem am Dienstag wahrscheinlich durch US-Beschuss drei Journalisten ums Leben kamen, verwahrte sich der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) "schärfstens gegen die militärischen Maßnahmen" der USA, "die gegen internationale Journalisten und Medien im Irak gerichtet sind". Der katarische TV-Sender El Dschasira will alle seine Reporter aus dem Irak abziehen, nachdem sein Bagdad-Korrespondent durch eine US-Bombe getötet wurde. Alle Mitarbeiter seien gefährdet, auch diejenigen, die bei den US-Truppen "eingebettet" seien, hieß es. Das Pentagon hatte zuvor den Tod der Journalisten bedauert.
Keine Beweise für Massenvernichtungswaffen
Knapp drei Wochen nach Beginn des Krieges haben die US-Streitkräfte noch immer keine Belege für die angeblichen Chemiewaffen Iraks gefunden. Tests an verdächtigen Fässern in der Nähe der zentralirakischen Stadt Kerbela hätten "gemischte Ergebnisse" erbracht, teilte das Pentagon mit. Eines der Ziele der Kriegsparteien USA und Großbritannien ist die Vernichtung angeblich vorhandener irakischer Massenvernichtungswaffen.
Im Irak-Krieg sind laut CNN bisher 96 US-Soldaten und 31 Briten ums Leben gekommen. Auf US-Seite werden acht Soldaten vermisst, sieben seien in irakischer Gefangenschaft. Die irakische Armee hat bisher keine Angaben zu Verlusten in dem fast drei Wochen alten Krieg gemacht.
Pläne für Nachkriegs-Irak
Die USA und Großbritannien bemühen sich bereits um den Aufbau einer Nachkriegsordnung. In der südirakischen Metropole Basra nahmen die britischen Streitkräfte mit einem örtlichen Stammesführer Kontakt auf. Der Scheich habe freie Hand, ein Verwaltungskomitee zu bilden, sagte ein britischer Militärsprecher. 3.000 britische Soldaten hätten den größten Teil der Stadt besetzt. Nächste Woche soll die erste Konferenz der Opposition im Südirak stattfinden. US-Präsident George W. Bush hatte gesagt, die Vereinten Nationen würden eine "vitale Rolle" bei der Bildung einer Übergangsregierung spielen. (md/dpa/AFP)