ROUNDUP 3: Babcock stellt Insolvenzantrag - Rettung vielleicht Montag
Der Oberhausener Maschinenbau- Konzern Babcock Borsig hat inmitten fieberhafter Rettungsversuche Insolvenzantrag gestellt. Noch während der Krisengipfel unter Leitung von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) in der Nacht zu Freitag tagte, trat das Oberhausener Traditions- Unternehmen den schweren Gang zum Amtsgericht an. Der Konzern musste in seiner Finanzkrise einen Insolvenzantrag stellen, um dem Vorwurf der Konkursverschleppung zuvorzukommen. Babcock beschäftigt weltweit 22 000 Mitarbeiter, davon 13 000 in Deutschland.
ARBEITSAMT SOLL BESCHÄFTIGTEN KONKURSAUSFALLGELD ZAHLEN
Die Mitarbeiter sollen Anfang kommender Woche Konkursausfall-Geld vom Arbeitsamt erhalten, berichteten unterdessen die Beschäftigten nach der Betriebsversammlung. Ein Anwalt hatte die Belegschaft während der Veranstaltung über den Ablauf des beantragten Insolvenzverfahrens informiert.
CLEMENT: RETTUNG NOCH NICHT GESCHEITERT
Der Rettungsversuch sei aber noch nicht gescheitert, sagte Clement. Wie es bei den Verhandlungen über das Sanierungskonzept weitergeht, war am Nachmittag aber noch nicht abzusehen. Mitarbeiter berichteten nach einer Betriebsversammlung, eine Entscheidung solle nicht vor Montag fallen. Das habe Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) erklärt. Ein Regierungssprecher betonte dagegen: "Die Verhandlungen laufen mit Hochdruck weiter. Wir setzen auf ein schnelleres Ergebnis." Zu den Chancen für eine Rettung sagte Ministerpräsident Clement: "50:50 ist sehr positiv gedacht".
BUND UND LAND ERHÖHEN HILFSZUSAGEN
Bund und Land hatten die Bürgschaftsangebote während des zweiten Krisenmarathons in der Düsseldorfer Regierungszentrale bis Freitag auf 300 Millionen Euro erhöht. Der Bund wollte davon 200 Millionen Euro stemmen. Höhere Hilfen wollte Clement nicht ausschließen. "Wir brauchen insgesamt 700 bis 800 Millionen Euro für die strategische Neuausrichtung", sagte Clement.
FDP WARNT VOR 'BLANKOSCHECK' FÜR BABCOCK
Die FDP warnte Clement davor, dem angeschlagenen Konzern einen Blankoscheck auszustellen. "Eine Insolvenz, die nur durch politische Intervention abgewendet wird, schafft keine wettbewerbsfähigen Strukturen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP- Landtagsfraktion, Gerhard Papke.
INSOLVENZVERWALTER SICHTET KONKURSMASSE
Hoffnung nährten am Freitag Beratungen zwischen Clement und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über weitere Zusagen. "Wir gehen bis an die Kante dessen, was wir können", sagte Clement. Der vorläufige Insolvenzverwalter sichtete zu diesem Zeitpunkt bereits in der Babcock-Zentrale die potenzielle Konkursmasse. CSU- Landesgruppenchef Michael Glos riet den Babcock Beschäftigten zur Vorsicht. Im Fall Holzmann sei Schröders persönliches Engagement alles andere als erfolgreich gewesen.
EIGENKAPITALERHÖHUNG UM 200 MIO EURO
Die 200 Millionen Euro für die im Sanierungsplan vorgesehene Eigenkapitalerhöhung des Konzerns waren bereits gesichert durch die Großaktionäre Westdeutsche Landesbank und TUI (vormals Preussag) sowie den US-Investor One Equity Partners, der die Mehrheit an HDW hält. Ein Sprecher der TUI bezifferte die Risiken des Unternehmens durch einen Totalausfall der Babcock auf rund 170 Millionen Mark.
CLEMENT: INSOLVENZANTRAG KEINE ZÄSUR
Clement hatte die seit acht Uhr erneut tagende Krisenrunde mit Banken und Großaktionären in der Staatskanzlei kurz verlassen, um die Öffentlichkeit zu unterrichten. Der vom Unternehmen in der Nacht gestellte Insolvenzantrag sei ein "förmlich vorschriebener Akt und keine Zäsur" in der Verhandlung. Es werde versucht, den Insolvenzantrag rückgängig zu machen.
KONZERN SOLL ZUSAMMEN GEHALTEN WERDEN
Es sei überragend wichtig, Babcock Borsig mit seinen rund 300 Konzernunternehmen zusammenzuhalten. "Was wir jetzt brauchen ist Babcock Borsig neu", sagte der Ministerpräsident, der die Verhandlungen moderiert. Das Traditionsunternehmen war durch die Abgabe der Aktienmehrheit an der Kieler Werft HDW in die Krise geraten./wd/DP/kro