Nach und nach legt die Kinowelt Medien AG angekündigte Projekte auf Eis oder nimmt von ihnen ganz Abschied. Das Münchner Medienhaus gab gestern bekannt, die im Grundsatz seit langem geplante Wandelanleihe so lange zu verschieben, bis sich das Kapitalmarktumfeld positiver gestaltet. Ferner wird die Ausübung der Option, die restlichen 90% an der Fußball-Vermarktungsfirma Sportwelt Beteiligungsgesellschaft zu ziehen, verschoben. Im Verlauf dieses Jahres hatte Kinowelt bereits den am Kapitalmarkt umstrittenen Plan, einen Free-TV-Sender zu gründen, begraben. Das dritte Quartal 2000 verlief bei den Münchnern branchentypisch schwach und war zusätzlich durch Vorleistungen in der Filmproduktion belastet.
Die Wandelanleihe, für die bereits ein Börsenprospekt eingereicht worden war, sollte ein Volumen von bis zu 200 Mill. Euro haben. Finanzvorstand Eduard Unzeitig hatte auf der Bilanzpressekonferenz im April die Nutzung dieses Finanzierungsinstruments für die "kommenden Monate" angekündigt. Nun soll die Anleihe so lange verschoben werden, "bis die Rahmenbedingungen am Neuen Markt genügend Sicherheit für eine erfolgreiche Platzierung bieten".
500 Mill. DM Nettofinanzschulden
Das Wandelpapier hatte einer Mitteilung zufolge den Zweck, zu einer "Strukturoptimierung" der Finanzierung vor allem der im ersten Halbjahr 2000 vorgenommenen Akquisitionen zu führen. Die Verschiebung der Transaktion tangiere die Finanzierung des Konzerns nicht, so Unzeitig: "Die bestehenden Finanzierungsformen können problemlos weitergeführt werden." Die liquiden Mittel per 30. September gab das Unternehmen mit 283 Mill. DM nach 290 Mill. DM Ende Juni und 240 Mill. DM zu Jahresbeginn an. Die Bilanzsumme am 30. September wird auf 2,4 Mrd. DM beziffert, so dass die flüssigen Mittel auf einen Anteil von etwa 12% kommen. Die Nettoverschuldung des Konzerns betrug Ende September dem Finanzvorstand zufolge rund 500 Mill. DM.
Dass sich die ebenfalls seit langem geplante Übernahme der 90% an der Sportwelt weiter verzögert, liegt Kinowelt zufolge an den Plänen der Europäischen Kommission zur Reform des Transfersystems im Profifußball. Brüssel fordert dabei, dass Spieler generell ohne Ablöse den Verein wechseln können. Derzeit ist eine Zahlung an den bisherigen Club fällig, wenn der Balltreter aus einem laufenden Vertrag heraus wechselt.
Eine Neuregelung der finanziellen Konditionen bei Vereinswechseln könnte sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf den Wert der Sportwelt-Vereine und damit des Unternehmens selbst haben, hieß es. Mit der Klärung der Diskussion zwischen der EU und dem internationalen Fußball-Verband (Fifa) werde "im Laufe der nächsten neun Monate" gerechnet. Die Übernahme der Sportwelt-Anteile soll nun Anfang der kommenden Fußball-Saison, also im Spätsommer 2001, stattfinden. Der Kauf als solcher stehe dabei nicht in Frage.
Fußball: Keine Ergebnisauswirkung
Kinowelt hält bereits 10% an der Sportwelt, deren Portfolio aus Beteiligungen an zwölf deutschen Vereinen besteht, die ihre Vermarktung auf die Gesellschaft übertragen haben. Die restlichen Anteile liegen bei den Kinowelt-Vorständen Michael und Rainer Kölmel. Diese haben dem Unternehmen die Option gegeben, das 90%-Paket zu den Anschaffungskosten zu übernehmen. Unzeitig betonte, dass sich durch den Beschluss weder die Strategie der Kinowelt noch die der Sportwelt ändere. Der nun beschlossene zeitliche Aufschub biete vielmehr den Aktionären mehr Sicherheit. Da die Sportwelt im laufenden Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis plane, habe die Verschiebung des Anteilskaufs keine Auswirkungen auf das diesjährige Konzernergebnis.
Die ebenfalls gestern präsentierten Eckdaten des Kinowelt-Konzerns für das dritte Quartal zeigten eine deutliche Verlangsamung der Ertragsentwicklung bei den Münchnern. Nach Steuern wies der Konzern sogar einen Fehlbetrag von 3,1 Mill. DM aus (nach IAS-Rechnungslegung). Somit stand für die ersten neun Monate ein Ergebnis von netto 17,2 Mill. DM zu Buche nach 1,0 Mill. DM im Vorjahreszeitraum. Die Monate Juli bis September gelten im Kino- und im Filmhandelsgeschäft allerdings traditionell als schwach - ganz im Gegensatz zum laufenden vierten Quartal. Je Aktie ergab sich ein Ergebnis von 0,36 Euro nach 0,42 Euro zum Halbjahr und von 0,02 Euro in den Monaten Januar bis September 1999.
Filmprojekte kosten zunächst nur Geld
Unzeitig führte den Quartalsverlust unter anderem auf Vorleistungen bei einer Reihe von laufenden Filmprojekten zurück, die sich auf rund 10 Mill. DM addierten. Diesen Investitionen hätten aber noch keine Umsätze gegenübergestanden. Höhere Finanzierungskosten drückten das Finanzergebnis, das sich nach -9,4 Mill. DM in den ersten sechs Monaten auf -24 Mill. DM für den Neunmonatszeitraum verschlechterte.
Der Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte im Neunmonatsvergleich um gut 50% auf 179,7 (118,3) Mill. DM. In der ersten Jahreshälfte waren hier bereits 142,2 Mill. DM verdient worden. Nach Abschreibungen, aber vor Zinsen und Steuern (Ebit) wurden in den ersten neun Monaten 55,3 Mill. DM verdient, eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr hatte das Ebit bereits 50,6 Mill. DM betragen, so dass im dritten Quartal nur noch 4,7 Mill. DM hinzukamen.
Die Ebit-Marge, per Ende Juni noch bei 20%, fiel in der Neunmonatsbetrachtung auf 13,5% zurück, lag damit aber noch deutlich über dem Vorjahr (6,1%). Unzeitig sagte, er rechne für das Gesamtjahr mit einer Erhöhung des Konzern-Nettogewinns, der 1999 vor Anteilen Dritter 17,7 Mill. DM betragen hatte. Das Schlussquartal sei schließlich traditionell das stärkste. Auch bei den 2000er Prognosen für Umsatz (630 Mill. DM) und Ebit (rund 100 Mill. DM) bleibe es.
20 bis 25 Prozent Wachstum 2001
Die Konzernerlöse legten von Januar bis September um 82% auf 410,7 (226,0) Mill. DM zu (erstes Halbjahr: +63%). Laut Unzeitig entfielen davon rund 65 Mill. DM auf Erstkonsolidierungen. Der Lizenzhandel als größter Bereich wuchs von knapp 90 auf gut 144 Mill. DM. Die Sparte Kino (Verleih sowie Betrieb eigener Kinos) kam auf 104,8 Mill. DM (+64%), Home Entertainment (Video/DVD) auf 69,9 Mill. DM (+161%) und Inflight Entertainment (Filme in Flugzeugen) auf 31,9 Mill. DM (+90%). Der Bereich Merchandising verdoppelte den Umsatz auf 59,7 (29,8) Mill. DM. Für das kommende Jahr versprach Unzeitig ein Umsatzplus von 20 bis 25% und eine überproportionale Ergebnisentwicklung.
Die Kinowelt-Aktie, deren Kurs in den vergangenen Wochen schwer gelitten hatte, konnte gestern Morgen nach Bekanntgabe der Zahlen in Xetra bis auf 23,49 Euro zulegen (Schlusskurs vom Freitag: 21,45 Euro), gab aber dann nach und stürzte am Nachmittag auf Notierungen unter 21 Euro ab.
Die Wandelanleihe, für die bereits ein Börsenprospekt eingereicht worden war, sollte ein Volumen von bis zu 200 Mill. Euro haben. Finanzvorstand Eduard Unzeitig hatte auf der Bilanzpressekonferenz im April die Nutzung dieses Finanzierungsinstruments für die "kommenden Monate" angekündigt. Nun soll die Anleihe so lange verschoben werden, "bis die Rahmenbedingungen am Neuen Markt genügend Sicherheit für eine erfolgreiche Platzierung bieten".
500 Mill. DM Nettofinanzschulden
Das Wandelpapier hatte einer Mitteilung zufolge den Zweck, zu einer "Strukturoptimierung" der Finanzierung vor allem der im ersten Halbjahr 2000 vorgenommenen Akquisitionen zu führen. Die Verschiebung der Transaktion tangiere die Finanzierung des Konzerns nicht, so Unzeitig: "Die bestehenden Finanzierungsformen können problemlos weitergeführt werden." Die liquiden Mittel per 30. September gab das Unternehmen mit 283 Mill. DM nach 290 Mill. DM Ende Juni und 240 Mill. DM zu Jahresbeginn an. Die Bilanzsumme am 30. September wird auf 2,4 Mrd. DM beziffert, so dass die flüssigen Mittel auf einen Anteil von etwa 12% kommen. Die Nettoverschuldung des Konzerns betrug Ende September dem Finanzvorstand zufolge rund 500 Mill. DM.
Dass sich die ebenfalls seit langem geplante Übernahme der 90% an der Sportwelt weiter verzögert, liegt Kinowelt zufolge an den Plänen der Europäischen Kommission zur Reform des Transfersystems im Profifußball. Brüssel fordert dabei, dass Spieler generell ohne Ablöse den Verein wechseln können. Derzeit ist eine Zahlung an den bisherigen Club fällig, wenn der Balltreter aus einem laufenden Vertrag heraus wechselt.
Eine Neuregelung der finanziellen Konditionen bei Vereinswechseln könnte sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf den Wert der Sportwelt-Vereine und damit des Unternehmens selbst haben, hieß es. Mit der Klärung der Diskussion zwischen der EU und dem internationalen Fußball-Verband (Fifa) werde "im Laufe der nächsten neun Monate" gerechnet. Die Übernahme der Sportwelt-Anteile soll nun Anfang der kommenden Fußball-Saison, also im Spätsommer 2001, stattfinden. Der Kauf als solcher stehe dabei nicht in Frage.
Fußball: Keine Ergebnisauswirkung
Kinowelt hält bereits 10% an der Sportwelt, deren Portfolio aus Beteiligungen an zwölf deutschen Vereinen besteht, die ihre Vermarktung auf die Gesellschaft übertragen haben. Die restlichen Anteile liegen bei den Kinowelt-Vorständen Michael und Rainer Kölmel. Diese haben dem Unternehmen die Option gegeben, das 90%-Paket zu den Anschaffungskosten zu übernehmen. Unzeitig betonte, dass sich durch den Beschluss weder die Strategie der Kinowelt noch die der Sportwelt ändere. Der nun beschlossene zeitliche Aufschub biete vielmehr den Aktionären mehr Sicherheit. Da die Sportwelt im laufenden Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis plane, habe die Verschiebung des Anteilskaufs keine Auswirkungen auf das diesjährige Konzernergebnis.
Die ebenfalls gestern präsentierten Eckdaten des Kinowelt-Konzerns für das dritte Quartal zeigten eine deutliche Verlangsamung der Ertragsentwicklung bei den Münchnern. Nach Steuern wies der Konzern sogar einen Fehlbetrag von 3,1 Mill. DM aus (nach IAS-Rechnungslegung). Somit stand für die ersten neun Monate ein Ergebnis von netto 17,2 Mill. DM zu Buche nach 1,0 Mill. DM im Vorjahreszeitraum. Die Monate Juli bis September gelten im Kino- und im Filmhandelsgeschäft allerdings traditionell als schwach - ganz im Gegensatz zum laufenden vierten Quartal. Je Aktie ergab sich ein Ergebnis von 0,36 Euro nach 0,42 Euro zum Halbjahr und von 0,02 Euro in den Monaten Januar bis September 1999.
Filmprojekte kosten zunächst nur Geld
Unzeitig führte den Quartalsverlust unter anderem auf Vorleistungen bei einer Reihe von laufenden Filmprojekten zurück, die sich auf rund 10 Mill. DM addierten. Diesen Investitionen hätten aber noch keine Umsätze gegenübergestanden. Höhere Finanzierungskosten drückten das Finanzergebnis, das sich nach -9,4 Mill. DM in den ersten sechs Monaten auf -24 Mill. DM für den Neunmonatszeitraum verschlechterte.
Der Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte im Neunmonatsvergleich um gut 50% auf 179,7 (118,3) Mill. DM. In der ersten Jahreshälfte waren hier bereits 142,2 Mill. DM verdient worden. Nach Abschreibungen, aber vor Zinsen und Steuern (Ebit) wurden in den ersten neun Monaten 55,3 Mill. DM verdient, eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr hatte das Ebit bereits 50,6 Mill. DM betragen, so dass im dritten Quartal nur noch 4,7 Mill. DM hinzukamen.
Die Ebit-Marge, per Ende Juni noch bei 20%, fiel in der Neunmonatsbetrachtung auf 13,5% zurück, lag damit aber noch deutlich über dem Vorjahr (6,1%). Unzeitig sagte, er rechne für das Gesamtjahr mit einer Erhöhung des Konzern-Nettogewinns, der 1999 vor Anteilen Dritter 17,7 Mill. DM betragen hatte. Das Schlussquartal sei schließlich traditionell das stärkste. Auch bei den 2000er Prognosen für Umsatz (630 Mill. DM) und Ebit (rund 100 Mill. DM) bleibe es.
20 bis 25 Prozent Wachstum 2001
Die Konzernerlöse legten von Januar bis September um 82% auf 410,7 (226,0) Mill. DM zu (erstes Halbjahr: +63%). Laut Unzeitig entfielen davon rund 65 Mill. DM auf Erstkonsolidierungen. Der Lizenzhandel als größter Bereich wuchs von knapp 90 auf gut 144 Mill. DM. Die Sparte Kino (Verleih sowie Betrieb eigener Kinos) kam auf 104,8 Mill. DM (+64%), Home Entertainment (Video/DVD) auf 69,9 Mill. DM (+161%) und Inflight Entertainment (Filme in Flugzeugen) auf 31,9 Mill. DM (+90%). Der Bereich Merchandising verdoppelte den Umsatz auf 59,7 (29,8) Mill. DM. Für das kommende Jahr versprach Unzeitig ein Umsatzplus von 20 bis 25% und eine überproportionale Ergebnisentwicklung.
Die Kinowelt-Aktie, deren Kurs in den vergangenen Wochen schwer gelitten hatte, konnte gestern Morgen nach Bekanntgabe der Zahlen in Xetra bis auf 23,49 Euro zulegen (Schlusskurs vom Freitag: 21,45 Euro), gab aber dann nach und stürzte am Nachmittag auf Notierungen unter 21 Euro ab.