Auf den Zinsschritt folgt ein Balanceakt


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mothy:

Auf den Zinsschritt folgt ein Balanceakt

 
09.11.01 08:04
Aus der FTD vom 9.11.2001 www.ftd.de/kapital
Das Kapital: Auf den Zinsschritt folgt ein Balanceakt

Die Kapelle erhöht den Takt, und mit einem Mal kommt richtiger Schwung in den Seniorenabend. Die EZB hat die Leitzinsen richtigerweise um 50 Basispunkte gesenkt. Aber ab jetzt wird es schwerer für sie zu balancieren.

Der um die Inflationsrate bereinigte kurzfristige Realzins liegt nun bei unter einem Prozent. Das ist so niedrig wie im ersten Halbjahr 1996 und noch weniger als im Frühjahr 1999, als es um die Industrieproduktion in Europa ähnlich düster bestellt war wie heute. Beide Male hat das tiefe Realzinsniveau rasch Wirkung gezeigt.

Auch die Zinskurve sowie die Geldmengenentwicklung signalisieren eher eine bevorstehende Stabilisierung der Wirtschaft. In Deutschland steigt die Geldmenge M1 seit Ende vergangenen Jahres. Im September lag sie um 8,6 Prozent über dem Vorjahr, und das, obwohl die Bargeldnachfrage im Zuge der Euro-Einführung rapide fällt. Seit der Wiedervereinigung weist M1 - mit einem Vorlauf von drei bis vier Quartalen - regelmäßig auf den späteren Verlauf der deutschen und europäischen Industrieproduktion.


Die EZB muss nun einerseits schauen, die Wirtschaft wieder auf die Füße zu kriegen. Andererseits sollte sie den Fehltritt von April 1999 vermeiden, als sie den Leitzins mitten in die Erholung von 3 auf 2,5 Prozent gesenkt hat. Erschwert wird die Sache durch die Schwäche der USA und Japans, deren Ausmaß und Länge kaum zu prognostizieren sind. Eine einfache Möglichkeit wäre, die Zinsen entsprechend dem Rückgang der Inflationsrate zu senken, bis die Frühindikatoren drehen. Doch wenn Wim Duisenberg & Co. starke Indizien für einen weiteren Inflationsrückgang haben, sollten sie nicht lange zögern. Der Ölpreis, die schwache Weltwirtschaft und die Aufwertung des Euro um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr sprechen dafür, die nächste Zinssenkung lieber früh als spät durchzusetzen. Sonst sieht die EZB am Ende doch wieder alt aus.

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