Die Antwort gibt Gerstenmayer selbst:
Die AT&S hat zuletzt die Konsumflaute massiv zu spüren bekommen, sind die Aussichten schon besser geworden?
ANDREAS GERSTENMAYER: Das Marktumfeld ist noch sehr schwankend und volatil, deshalb sind die Prognosen weiter sehr gedämpft, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle positive Entwicklungen gibt. Der negative Konjunkturzyklus durchläuft gerade alle Industriezweige. Wir hatten uns schon sehr gewundert, wie euphorisch zu Jahresbeginn die Finanzmärkte waren, als sei die Krise abgesagt gewesen. Das ließ sich schwer nachvollziehen. Jetzt, ein paar Monate später, ist es dann auch anders gekommen.
Was heißt das für das Unternehmen?
Wir müssen uns darauf einstellen, dass zumindest die erste Hälfte 2024 schwierig bleibt. Aber alle grundsätzlichen Prognosen sind unverändert intakt, das ist das Positive. Trotz der aktuellen Delle brauchen wir nicht darüber diskutieren, dass Digitalisierung ein Langzeit-Trend ist. Genauso wie die Elektrifizierung. Elektronik und Mikroelektronik stellen einen wesentlichen Teil der Lösung der CO2-Klimaprobleme dar. Durch dieses Tal muss man jetzt durchmarschieren.
Die Mega-Investition der AT&S in Kulim ist teilweise von Einsparungen betroffen. Weiterhin nur das zweite Werk?
In Kulim haben wir das zweite Werk auf „on hold“ gestellt. Wir bestücken die im Grunde fertige Halle noch nicht Maschinen, weil wir erst noch die Markterholung abwarten. Das erste Werk kommt ganz normal und termingerecht. Die Eröffnung wird im Jänner sein. Wir waren mit unseren Kostensenkungsmaßnahmen sogar schneller, als wir uns das ursprünglich selbst vorgenommen haben. Wir stehen jedenfalls am Start und sind gut vorbereitet, wenn es wieder aufwärts geht.
Ein bedeutender Teil der Einsparungen von 440 Millionen Euro passiert auch in China. Unterschätzen wir die Krise in China?
Man wird sehen, wie der Staat das Ganze in den Griff bekommt, ob das jetzt auf der Immobilien-Seite oder in anderen Bereichen ist. Klar ist, dort ist über die Corona-Zeit viel Kaufkraft verloren gegangen. In manchen Sektoren mussten die Menschen von der Substanz leben. Es wird länger dauern, bis sich alle erholen. Umgekehrt sieht man, wie massiv chinesische Unternehmen in den Export gehen – etwa mit E-Autos.