ich erwarte mir von den kommenden Zahlen keine besonders nachhaltigen Auswirkungen auf den Kurs (und würde mich freuen, wenn ich mich irre). Aus mehreren Gründen:
1. es ist wenig wahrscheinlich, dass die Zahlen so toll sind, dass sie gegen den Gesamtmarkt und auch den Mitbewerb MASSIV besser sind. Wir werden allenfalls uns schon darüber freuen wenn sie angepasst nicht viel schlechter sind. Woher sollten erheblich bessere Zahlen denn auch kommen, wenn der Gesamtmarkt aktuell eher verhalten ist. Das sehe ich also nicht als großartiges Kaufsignal.
2. Der CEO wird folglich auch einen Ausblick geben, den wir auch schon kennen. So in etwa in dem Sinne von: AT&S behauptet sich in einem aktuell schwierigen Marktumfeld. Die Einsparungsmaßnahmen kommen gut voran. Gesamtaussichten sind mittelfristig intakt, KI und viele Geschäftszweige in denen AT&S tätig ist, eröffnet sehr gutes Potential aktuell beobachtet man die Lage am Markt und ist bestens darauf vorbereitet, beim Wiederanspringen der Nachfrage diese auch bedienen zu können. Bis dahin wird mit Erfolg an einer Diversifizierung der Geschäftspartner gearbeitet, weswegen der Standort Leoben ausgebaut wird. Die Verschuldung ist durch langfristige Kredite und das Hybridkapital zwar ein Faktor, aber einer, den AT&S beherrscht. Ich denke, so in etwa kann das kommen und so in etwa wird das am Markt auch erwartet. Sehe ich momentan auch nicht als zusätzliches Kaufsignal.
3. Mein Hauptargument ist aber, dass derzeit AT&S (und viele andere Titel) überhaupt nicht nach ihrem momentanen Geschäftserfolg oder dem kommenden Potential bewertet werden - womit Zahlen auch an "Bedeutung" verlieren (ich meine in Bezug auf den Kurs und natürlich nur dann, wenn die nicht extrem massiv schlecht wären - was nicht anzunehmen ist). Derzeit wird das allgemeine Wirtschaftsklima bewertet - ganz egal, wie es AT&S geht:
Haben wir alle sattsam gesehen: Arbeitsmarktdaten, Beschäftigungszahlen, Konsumverhalten und vieles mehr in den USA geht nach OBEN - was tut der Markt ? Der Wirtschaft und der Beschäftigung gehts besser - die Kurse fallen weiter - weil man sich vor weiteren Zinserhöhungen fürchtet. Allem Anschein nach wünscht man sich schIechte Wirtschaftsdaten, damit die Zinsen nicht mehr weiter angehoben werden. Ist doch schon ziemlich absurd - oder ?
Und wie geht's den Branchen, die von steigenden Zinsen profitieren ..... sollten ? Den Banken ? Die haben nun Zinsen und Spannen wie schon lange nicht mehr, müssen auch keine Negativzinsen mehr zahlen - und die Kurse fallen dennoch, weil man sich fürchtet, dass die ausstehenden Kredite vermehrt nicht mehr bedient werden können. Dabei gibt es vor allem aus einem Grund keine höheren Zinsen für die Sparguthaben: Nämlich weil die Banken (pauschal gesprochen ... !) in Geld schwimmen, das sie wegen entsprechend restriktiver Vergaberichtlinien nicht so leicht an neue Kreditnehmer ausgeben dürfen. Die brauchen gar keine Spareinlagen, sind also in der Regel gut aufgestellt. Sollte also für die Banken aktuell paradisisch sein - aber dennoch fallen die Kurse. Und das interpretiere ich so, dass die Banken im selben negativen Gesamtblick auf die Weltwirtschaft gefangen sind, wie auch AT&S
4. Warum das alles ? Wegen der Inflation ? Man könnte sich mal fragen, ob die Anhebung von Zinsen überhaupt der (einzig) richtige Weg ist, die Inflation zu bekämpfen. Eventuell würde es sich lohnen mal zu überlegen, WARUM es denn die hohe Inflation gibt und ob man an den Ursachen was verändern könnte .... Da vermisse ich spürbare Aktivitäten der Verantwortlichen.
Die Politik ist nicht geschlossen unterwegs (jedes Land hat seine eigenen "Versuche") und auch nicht wirklich erfolgreich. Jaja, die Inflationsraten sinken ETWAS. Ist das ein Erfolg ? Wenn die Inflation im Jahr davor massiv gestiegen ist, sagen wir um 10 % dann ist doch ein weiterer Anstieg - auch wenns "NUR" 5 % ja kein Erfolg, sondern etwas mehr als 15 % in zwei Jahren. Kennt irgendwer eine Wohnung, deren Miete, wenn sie mal gestiegen ist, dann auch wieder sinkt ?? Oder den Preis eines Apfels ?? Und nicht jeder Konsument hat einen Arbeitsplatz, bei dem die Gewerkschaft 18 % Gehaltserhöhung fordert (fordern ist ungleich mit erhalten ...). DAS regiert aber das Wirtschaftsklima, und da versagt die Politik meiner Meinung nach. Jedenfalls in Österreich.
5. Die Weltpolitik ist auch nicht in der Lage, die derzeitigen großen Konflikte zu beherrschen. Sanktionen gegen Russland haben, wie erwartet, den Krieg noch immer nicht beendet - aber dafür das Wirtschaftswachstum in Russland UND bei uns......
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin absolut kein Anhänger Putins und halte den Überfall auf die Ukraine für ein Verbrechen. Bloß die Maßnahmen, die der Westen ergriff, sind nun erwiesenermaßen nicht zielführend und für die eigene Wirtschaft nachteilig. Kann mir vorstellen, dass man wie bisher weiterhin sagen wird, ja, aber Russland wird das nicht durchhalten und darum sind die Sanktionen gut, weil sie helfen, den Krieg zu beenden. Das stimmt NICHT MEHR. Wenn ein Krieg 1 1/2 Jahre dauert und ein Ende nicht absehbar ist, dann sind so viele Menschen gestorben, dass man die Sanktionen als gescheitert ansehen muss und zwar weil sie den Krieg nachweislich NICHT beendet haben und das Leben der in der Zwischenzeit Getöteten nicht gerettet haben.
6. Die Politik sorgt zusätzlich für Unsicherheit indem man nicht weiß, wie sich beispielsweise das Klima mit China entwickelt ? Wird man in großem Umfang mit China noch Handel betreiben "dürfen" ? Werden die Handelsschranken irgendwann mal wieder abgebaut ? Ist es nicht zunehmend "gefährlich" in China als "westliches Unternehmen" einen Betriebsstandort zu betreiben (ich hab meine Meinung eh schon gepostet, dass es das NICHT ist, weil der von China kontrollierte Markt in der Zwischenzeit jedenfalls an Köpfen gemessen jetzt schon um ein Vielfaches größer ist, als der "westliche" - nur noch nicht so kaufstartk, aber auch das wird sich noch ändern ....) ?
7. Jetzt hat man (im Technologie und Medikamentesektor) noch die Option, in den USA oder der EU subventionierte weitere Werke zu errichten - aber wir wissen nicht, wie lange und mit (am Ende) wieviel Geld wird das subventioniert. Für die Produzenten - auch AT&S - hieße das aber garantiert noch mehr Schulden, weil die Staaten ja nicht alles zahlen. Und dann hat man die Produktionsstätten mit den laufenden Kosten (die natürlich höher sind, als in Asien) und sucht entsprechendes Personal und muss, polemisch gesprochen, für die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Maschne 10 Jahre warten. Die Qual der Wahl also: neue Schulden oder Risiko, dass der Mitbewerb hoch subventioniert überholen kann .... ? Auch nicht wirklich ein Kaufsignal für AT&S, das sich nicht noch ein neues Werk leisten kann - man baut ja noch an Kulim.
Mein Fazit: Die obige Liste könnte man lange fortsetzen. ABER: Das ist es, was meiner Meinung nach den Markt derzeit beherrscht. Und das ist erheblich gewichtiger, als die kommenden Zahlen von AT&S. Die werden wie ein Tropfen in der Wüste wirken - ich fürchte, auch dann, wenn sie super ausfallen sollten.
Sobald sich die Gesamtsituation am Weltmarkt ändert (im Sinne von verbessert) wird sich die Lage drehen. Die Unternehmen mit den guten Zukunftsaussichten zuerst und umso höher - DAZU GEHÖRT FÜR MICH AT&S. Der Rest ist für mich nur eine Frage der Zeit.