Argentinien will mit drastischen Maßnahmen Kapital


Thema
abonnieren
Beiträge: 4
Zugriffe: 509 / Heute: 1
sir charles:

Argentinien will mit drastischen Maßnahmen Kapital

 
03.12.01 13:10
Argentinien will mit drastischen Maßnahmen Kapitalabfluß stoppen

Nur noch 1000 Dollar dürfen die Argentinier pro Monat abheben. Die Regierung kämpft damit gegen die Finanzkrise und den drohenden Kollaps an.


 
Wirtschaftsminister Domingo Cavallo hat zur Notbremse gegriffen | (c) epa


BUENOS AIRES / RIO DE JANEIRO. Bis zur Mittagspause am vergangenen Freitag war die Welt noch in Ordnung, soweit man im krisengeschüttelten Argentinien davon reden kann. Dann aber, beim "cafezito" begannen die Handys zu klingeln. Und immer mehr Damen und Herren, die noch ihren Kaffee genommen hatten, eilten hinaus auf die Straße, in die Banken und vor die Bankomaten. Gegen drei Uhr nachmittag hatten sich bereits beträchtliche Menschenschlangen gebildet. Jeder wollte noch schnell vor dem Wochenende sein Geld abheben, koste es was es wolle.


Inzwischen ging den Automaten das Geld aus, und an den Bankschaltern versuchten gestreßte Angestellte, die Kunden zu beruhigen: das elektronische System sei ausgefallen, man könne weder Peso noch Dollar auszahlen, wurde versichert. Doch dann wurde aus dem Gerücht grausame Wirklichkeit: Die Argentinier können nicht mehr frei über ihr Geld verfügen.


Die Wechselstuben in der Avenida Corrientes in Buenos Aires reagierten besonders schnell: wer Dollar haben wollte, mußte dafür 1,30 Peso hinlegen. Zehn Jahre Geldstabilität durch die feste Knüpfung des Peso an den Dollar im Verhältnis 1:1 waren für einen Moment dahin. Präsident Fernando De la Rúa trat vor die Kameras und versuchte, die Nation zu beruhigen: Der Peso werde nicht abgewertet, die Bindung an den Dollar bleibe bestehen, aber die Regierung werde Maßnahmen ergreifen, um die finanzielle Ausblutung des Landes zu verhindern.


Schätzungsweise 400 Mill. Dollar (6 Mrd. Dollar, 436 Mill. €) waren bis zu dieser Stunde schon an einem Tag abgehoben worden. 15 Mrd. Dollar aber haben die Argentinier seit Jahresanfang bereits vor dem eigenen Staat in Sicherheit, nicht selten ins Ausland, verbracht.


Cavallo zieht Notbremse

Was der Bevölkerung nun blüht, konnte sie dann erst Samstagabend im Fernsehen erfahren. Wirtschaftsminister Domingo Cavallo hat zur Notbremse gegriffen: die Bankguthaben werden faktisch eingefroren und 1:1 in Dollar getauscht und entsprechend niedrig verzinst. Bargeld dürfen die Argentinier nur noch in Höhe von 250 Peso oder Dollar pro Woche, maximal 1000 im Monat pro Konto abheben, alle übrigen Zahlungen müssen bargeldlos über die Banken erfolgen.


Die drakonischen Maßnahmen haben vor allem ein Ziel: das Geld im Lande und bei den Banken zu halten, die noch am ehesten profitieren. Der Kapitalflucht ins Ausland soll ein Riegel vorgeschoben werden. Ganz gleich, wie hoch ihr Einkommen sein mag (die Löhne und Gehälter werden weiter in Peso überwiesen), die Argentinier müssen für den täglichen Bedarf mit 250 Peso/
Dollar Bargeld pro Woche auskommen. Alle übrigen Verpflichtungen müssen bargeldlos abgewickelt werden. Für Export- und Importunternehmen gelten besondere Regelungen, die darauf abzielen, Geldabflüsse genau zu kontrollieren.


Die Notmaßnahmen haben viele Argentinier kalt erwischt. "Ich habe 30 Jahre lang gespart und nun nimmt mir die Regierung einfach alles weg!", schrie eine ältere Dame aufgeregt in die Fernsehkameras. Wer von der Hand in den Mund lebt, wie inzwischen jeder dritte Argentinier, braucht sich um Guthaben keine Sorgen zu machen, er wird sich bloß ein Bankkonto einrichten müssen (der Banco de Nacion macht das schon gegen eine Gebühr von einem Peso).


Die 36 Millionen Argentinier besitzen 11 Mill. Kreditkarten. Jene, die keine besitzen, werden sich eine anschaffen müssen, wenn sie denn überhaupt als kreditwürdig eingestuft werden. Viele Kleinhändler und Handwerker sind nun gezwungen, mit den Kreditkarten-Unternehmen Verträge abzuschließen, denn der Bargeldumlauf wird drastisch schrumpfen.


Die finanzielle Zwangsjacke, die den Argentiniern übergestülpt wurde, soll sie vorerst für 90 Tage einengen. In dieser Zeit hofft die Regierung, die Umschuldung der Kredite abgeschlossen und die größten Löcher gestopft zu haben. Vor allem hofft man in Buenos Aires nun auf internationale Finanzhilfe. Ob die Finanzmärkte den argentinischen Ritt über den Bodensee gutheißen, wird sich heute, Montag, zeigen. Die Anleger in Buenos Aires haben seit Juli dieses Jahres bereits die Hälfte ihres Investments verloren.


Antworten
Reila:

Das wird ein Hammer in einem Land,

 
03.12.01 13:26
wo einmal im Monat alles zu Bank oder Post rennt, um Mieten und Strom bar einzuzahlen.

R.
Antworten
sir charles:

Ja Reila aber 1000 USD müßten reichen "gg" o.T.

 
03.12.01 13:28
Antworten
ReWolf:

da lohnt sich dann ein 2. konto bei einer

 
03.12.01 13:35
anderen bank 2 x 1000 doller pro monat

oder bei jeder bank eins
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--