Arbeitszeitverkürzung für Börsenhändler
(Mittwoch, 03.09.2003 - 13:29 Uhr)
Die Deutsche Börse fährt die Handelszeiten der elektronischen Börse Xetra gehörig zurück.
Ab dem 3. November werde der Handel statt bisher um 20.00 Uhr schon um 17.30 Uhr beendet, teilte die Deutsche Börse AG am Mittwoch in Frankfurt mit. Diese Änderung gelte zunächst für ein Jahr. Nach sechs Monaten soll geprüft werden, ob die verkürzten Handelszeiten beibehalten werden.
Die Zeiten für den Parketthandel in Frankfurt bleiben den Angaben nach unverändert 9.00 bis 20.00 Uhr.
Wunsch der Marktteilnehmer
Mit dem früheren Handelsschluss werde dem Wunsch vieler Marktteilnehmer Rechnung getragen, hieß es. Zudem hätten sich viele ausländische Investoren für eine europaweit einheitliche Regelung ausgesprochen. Der Anteil der ausländischen Anleger am Xetra-Handel liegt den Angaben nach bei mehr als 40 Prozent. Die großen Börsen etwa in London und Paris schließen ebenfalls um 17.30 Uhr.
Kritik am Abendhandel
Im Juni 2000 - zum Ende des Börsenbooms - hatte die Deutsche Börse die Handelszeiten sowohl für Xetra und als auch im Parkett auf Wunsch vieler Anleger verlängert. Doch die Nachfrage im späten Abendhandel ging konstant zurück. 2001 hatte der Anteil des Abendhandels am gesamten Orderaufkommen noch neun Prozent betragen, 2002 nur noch acht Prozent. Früheren Angaben nach lag er zuletzt bei sieben Prozent.
Marktteilnehmer hatten immer wieder kritisiert, angesichts des geringen Handels kämen Kurse am Abend eher zufällig zustande. Den nur geringen Umsätzen stünden hohe Kosten gegenüber, hieß es immer wieder.
Händler begrüßen die Entscheidung
"Das ist ein längst überfälliger Schritt", sagte ein Frankfurter Händler. Die im Vergleich zu ausländischen Börsenplätzen lange Handelszeiten hätten "nur hohe Ausgaben bei geringen Handelsumsätzen verursacht". Viele Banken könnten nun Kosten einsparen.
Diese Ansicht vertrat auch ein Händler aus München. Es sei sinnvoll, dass sich die Deutsche Börse den europäischen Gepflogenheiten anpasse. gleichzeitig befürchtete er aber Personalkürzungen: "Aber das bedeutet wohl auch, dass die Banken wieder ein paar Leute rausschmeißen werden, denn dann wird ja auch weniger Personal gebraucht."
Parketthandel für Private attraktiv
Im Parketthandel seien gerade am Abend mehr Privatanleger aktiv als am gesamten Handelstag, teilte die Deutsche Börse nun weiter mit. Als spezielles Angebot für Privatinvestoren werde die längere Handelszeit daher für das Parkettgeschäft beibehalten. Ein Münchner Händler glaubt nicht, dass sich Parketthandel durch die verkürzte Xetra-Handelszeit wieder beleben werde. "Im Prinzip läuft alles über Xetra und das wird wohl auch so bleiben."
dpa-AFX
03.09.2003, 13:29 Uhr