Anleger stoßen Aktien ab


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Cuba Maß:

jetzt kacken wir aber gerade ganz schön ab!

 
04.03.08 16:47
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oljun80:

Wie wahr, wie wahr..

 
04.03.08 17:02

Ein Volk von Pfennigfuchsern


von Martin Blümel

Nichts Gutes verheißt der Starbucks-Indikator des US-Fernsehsenders CNBC: Zwei Drittel der Amerikaner trinken demnach keinen Premiumkaffee. Und von den wenigen Genießern will ein Drittel künftig weniger Geld als bisher fürs teure Koffein ausgeben. Das ist nicht nur schlecht für Starbucks, sondern – so sagt CNBC – ein Indiz dafür, dass der Konsum in den USA generell darnieder liegt.




Der Sender liegt damit nicht so falsch. Nicht nur beim Kaffee läuft’s schlecht. Bei Home Depot beispielsweise – das ist der amerikanische OBI – gehen die Geschäfte so mies, dass der Gewinn nach neuesten Zahlen gleich um 28 Prozent absackte. Für das laufende Geschäftsjahr geht der Konzern von einem Umsatzrückgang von bis zu fünf Prozent aus. Für Home Depot ein Schock. Seitdem das Unternehmen 1978 mit vier Geschäften startete, waren zweistellige Zuwachsraten üblich. In den 90er-Jahren verdoppelte sich der Umsatz alle drei bis vier Jahre. Home Depot stieg so mit 350.000 Mitarbeitern in 2230 Baumärkten zum zweitgrößten Einzelhändler der USA auf. Nur Wal-Mart ist noch größer. Und jetzt das. Die Absatzprobleme bei Home Depot stehen stellvertretend für eine Sorge, die derzeit ganz Amerika plagt: Kommt es nach der Kreditkrise zu einer Konsumkrise? Dann wäre eine Rezession nur schwer zu vermeiden. Schließlich umfasst der private Verbrauch in den Staaten gut zwei Drittel der Gesamtnachfrage. Sorgen daher auch an der Wall Street: Seit gut einem Jahr sind Konsumaktien neben den Finanzwerten die unbeliebtesten Investments.

Woran liegt es? Die Mutter aller Ursachen ist die amerikanische Immobilienkrise. Viele Hausbesitzer stecken in finanziellen Schwierigkeiten – und das ist naturgemäß die wichtigste Kundengruppe von Home Depot, um im Beispiel zu bleiben. Der Wert der Eigenheime sinkt, und viele können ihre Hypothekenraten nicht mehr bedienen. Da ist schlicht kein Geld mehr da für frische Tapeten und den neuesten Superbohrer.

Umso überraschender daher die Nachricht aus dem Handelsministerium, dass die Einzelhandelsumsätze im Januar gestiegen seien. Jedoch: „Das Statement gibt nur die halbe Wahrheit wieder, denn real – also nach Abzug der Inflationsrate – sinken die Umsätze“, sagt Rob Carnell, Volkswirt bei ING Financial Markets. Der Effekt: Der Einzelhandel ist so schwach wie zuletzt 2003.

Und könnte statistisch noch schlechter sein, wenn nicht die Amerikaner bei ihrer Inflationsbetrachtung die explodierenden Energie- und Nahrungsmittelpreise außen vor ließen. Denn viele Dollars gehen in den USA für Energie drauf, für Öl, Gas und Benzin sowie für Lebensmittel. Die Amerikaner nennen das Necessities, die Notwendigkeiten des Lebens, Ausgaben, die sich kaum vermeiden lassen. Für andere Dinge fehlt dann das Geld. Siehe Home Depot und Starbucks.

Notenbank und Regierung versuchen zu helfen. Der Leitzins wird wohl bis Ende 2008 auf zwei Prozent sinken. Und ein Konjunkturprogramm soll Amerika zum Geldausgeben animieren. Ob es helfen wird, ist fraglich. Das Problem liegt in der hohen Verschuldung der amerikanischen Haushalte. Die hat sich seit den 80er-Jahren verdoppelt und war bisher wesentlicher Antreiber des Konsumwachstums. Zwar könnten jetzt sinkende Zinsen Erleichterungen bei den Kredittilgungen bringen. Allerdings verschärfen die Banken gerade ihre Konditionen. Die Zinssenkungen verpuffen so. Und das Konjunkturprogramm? Ab Mai wird den meisten amerikanischen Steuerzahlern ein Scheck in den Briefkasten flattern, mit einer einmaligen Steuerrückzahlung in Höhe von 600 Dollar. Bei Ehepaaren das Doppelte. Für jedes Kind gibt es noch mal 300 Dollar dazu. Und wer nicht genug verdient, um überhaupt Einkommen steuer zahlen zu müssen, bekommt auch 300 Dollar. Nicht schlecht, große Ausgaben, wie eine Autofinanzierung etwa, werden sich damit dennoch nicht stemmen lassen.

Die Hilfe kommt zudem spät. Zwischen New York und San Francisco machen bereits jede Menge Läden dicht. Starbucks schließt 100 Coffeeshops, Damenbekleider Ann Taylor 117 Geschäfte, Kinderbekleider Liz Clairborne 54, Surferparadies PacSun macht 173 Demo-Stores zu, Mobilfunkbetreiber Sprint Nextel verabschiedet sich von 125 Geschäften, Möbelhändler Ethan Allen schließt zwölf Shoppingparadiese, bei der Apothekenkette Rite Aid sind es 28 Filialen, und auch die berühmte Kaufhauskette Macy’s wird schlanker und schließt neun ihrer Läden. Und das ist nur der Anfang einer langen Liste von Liquidationen und Geschäftsaufgaben. „There will be blood“, kommentierte neulich die „New York Times“ dieses Szenario.

Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ist im Februar jedenfalls klar gesunken. Der Verbraucher-Index der Universität Michigan gab auf 70,8 von 78,4 Punkten nach. Volkswirte hatten mit 70,0 Punkten gerechnet. Dennoch: „Die Leute sind zwar verdrießlich, aber nicht hoffnungslos“, sagt Floyd Norris, Chef-Finanzkorrespondent der „New York Times“. „Sie glauben daran, dass es besser wird, aber sie wissen auch, dass es ein hartes Jahr wird.“ Auch an der Börse. Konsumaktien, die dem Sektor „langlebige Güter“ (Discretionary) zugeordnet werden, laufen miserabel. Die für den Bereich „Ausgaben für das tägliche Leben ohne Energie“ (Staples) teilweise gut. Wal-Mart ist so eine Aktie, die zulegt. Sie notiert sogar auf einem Zweijahreshoch – auf Dollarbasis in New York. „Wal-Mart verkauft überwiegend Necessities, das ist ein wichtiger Grund, warum die Akte läuft“, sagt Mark Perry, Finanzprofessor an der University of Michigan. „Wal-Mart hängt nicht von Impulskäufern ab, wie es etwa im Bereich Elektronik oder Möbel der Fall ist. Nur weil eine Rezession droht, werden die Leute nicht darauf verzichten, Brot, Glühbirnen und Windeln zu kaufen.“

Wal-Mart profitiert auch davon, dass die Amerikaner zu einem Volk der Pfennigfuchser werden. „Normal in einer solchen Wirtschaftslage“, findet der Professor. Und Wal-Mart sei ein Paradies für Pfennigfuchser. Das Unternehmen lockt nämlich mit heftigen Preisabschlägen, um ordentlich Umsatz zu machen. Ende Januar wurden eine ganze Woche die Preise um bis zu 30 Prozent reduziert. Und Besitzer einer Wal-Mart-Kreditkarte bezahlten ab einer Kaufsumme von 250 Dollar bis zu 18 Monate keinen Sollzins. „Wir wissen, die Zeiten sind schwierig, darum helfen wir mit unseren Sparprogrammen“, sagt John Fleming, Wal-Marts Chef-Verkaufsförderer. Ein Akt der Menschlichkeit? Eher ein cleverer Marketingschachzug. Denn die nicht so schlauen Konkurrenten schauen in die Röhre und verlieren Kunden – der Einzelhändler Tar get etwa.

Die 300 oder 600 Big Boys, wie die Bush’schen Steuererstattungen in den USA auch genannt werden, dürften ebenso Wal-Mart zugute kommen, schätzt Professor Perry. „Da kann man sich doch ein paar extra Goodies in den Einkaufswagen packen.“
Aber das sind Einmaleffekte. Viel wichtiger und Rettungsanker für den US-Einzelhandel ist die internationale Aufstellung. Die USA mögen zwar ein Problem haben, das sicher nicht spurlos an der Welt vorbeigehen, diese aber dennoch nicht in die Knie zwingen wird. Und Wal-Mart profitiert: 2003 machten die internationalen Umsätze, etwa in Mexiko und China, erst 17 Prozent des Gesamtgeschäfts aus. Seither ist der Konzern zu einem echten Global Player herangewachsen. Jetzt trägt das Ausland 25 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Das Wachstum in Asien und Co liegt dabei bei 18 Prozent. Vielleicht sollte CNBC einen Wal-Mart-Indikator entwerfen – für den Erfolg echter Global Player.

Autor: EURO am Sonntag


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