An den Finanzmärkten gleicht praktisch kein Jahr dem anderen. Die einzige Konstante ist, daß es immer wieder zu Veränderungen kommt.
Auch im Jahr 2004 wird es vermutlich wieder zur Ausbildung neuer Trends und zur Ablösung bisher bestehender Trends kommen.
Bestückt mit diesem Wissen, stellen sich viele Anleger zwischen den Jahren die Frage, wie sie ihr Vermögen am geschicktesten umschichten, damit im neuen Jahr beim Versuch, einen Vermögen aufzubauen, möglichst viel hängen bleibt.
Auch das Team von FAZ.NET-Investor hat sich pünktlich zum Ultimo wieder einmal Gedanken über die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten gemacht. In drei Beiträgen zu diesem Thema haben wir unsere Haltung zu den Aussichten am Aktienmarkt, am Rentenmarkt und am Devisenmarkt zusammengefaßt.
Von Jürgen Büttner
Von 2000 bis 2002 fuhr der Zug an der Börse drei Jahre lang in die falsche Richtung. Anders als es die Anleger während des zuvor jahrelang dauernden Bullenmarktes gewohnt war, hagelte es da plötzlich massive Verluste. Im ersten Quartal 2003 hielt dieser Trend zunächst auch noch an und phasenweise kam es sogar zu einem regelrechten Ausverkauf bei den Aktien.
Doch wie so oft an der Börse kam es dann, als keiner mehr einen Cent auf eine baldige Wende zum Besseren setzen wollte, doch zu einem Umschwung. Seit März steigen an den meisten Weltbörsen jedenfalls die Kurse wieder und mit den richtigen Titeln im Depot läßt sich sogar wieder richtig gutes Geld verdienen.
Zunächst günstige Aussichten für weiter steigende Kurse
Zum Jahreswechsel gibt es zwar keine Garantie, daß sich der neu eingeleitete Aufwärtstrend im Jahr 2004 fortsetzen wird. Denn wie schnell der Wind drehen kann, haben gerade die Ereignisse in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt. Grundsätzlich betrachtet stehen die Aussichten zunächst aber gut, daß der Börsenzug auch weiterhin in die richtige Richtung fahren wird. Die Geldpolitik wirkt jedenfalls weiter expansiv und in Sachen Weltkonjunktur scheinen die Weichen zunächst richtig gestellt zu sein.
Hinzu kommt zudem ein weiteres Argument, welches derzeit vielleicht sogar am stärksten wiegt. Und zwar ist damit der Umstand gemeint, daß es angesichts noch immer relativ niedriger Anleiherenditen an Anlagealternativen zu den Aktien mangelt. Denn daß genügend Liquidität vorhanden ist, die nach lukrativen Anlagechancen sucht, zeigt sich auch daran, daß viele Gelder in die jahrzehntelang vernachlässigten Rohstoffmärkte gesteckt werden.
Demnach oben weisenden Kurstrend folgen
Etliche Märkte warten zudem noch immer mit durchaus vertretbaren Bewertungsrelationen auf. Dazu gehört auch die deutsche Börse, wo der Dax auf Basis der für 2004 erwarteten Gewinne auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 kommt. Und während schon das vertretbar ist, finden sich außerhalb des Bereichs der Standardwerte nicht selten oft noch weitaus günstiger bewertete Titel.
Die Kategorie der niedrig bewerteten Titel erlebte bereits im Jahr 2003 ein Comeback und es spricht einiges für eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Erst Recht dann, wenn eine vorteilhafte Bewertung einhergeht mit einer interessanten Produktpalette und einer herausragenden Marktstellung.
Auch die Charttechnik spricht dafür, das sich nach dem Motto „the trend is your friend“ die eingeschlagene Aufwärtsbewegung zunächst eine Fortsetzung finden wird. Denn banal gesprochen ist es auch an der Börse so, daß es für den Krug wahrscheinlicher ist, bis zum Brunnen zu kommen, als das er bricht.
Auch das Börsenjahr 2004 dürfte wieder einige Überraschungen parat haben
Eine weitere Binsenweisheit spricht im übrigen eher dagegen, daß es ein gemächliches und wenig spannendes Börsenjahr wird. Denn genau das scheint die Mehrheit der Börsianer zu erwarten. So trauen die Analysten den Dax im Schnitt ein Plus von um die zehn Prozent zu. Derzeit gibt es zwar durchaus einige Gründe, die diese Erwartungshaltung rechtfertigen. Aber bekanntlich ist es an der Börse ja so, daß die Mehrheit der Marktteilnehmer meistens nicht Recht behält.
Deshalb wäre es nicht überraschend, wenn auch das Börsenjahr 2004 mit einigen Turbulenzen aufwartet. Problematisch dürfte es insbesondere dann werden, wenn sich die hehren Konjunkturhoffnungen doch nicht erfüllen sollten. Momentan sieht es in dieser Hinsicht oberflächlich betrachtet zwar ganz gut aus, aber es gibt auch noch immer etliche strukturellen volkswirtschaftlichen Probleme, welche ganz zu schweigen von der Gefahr, daß exogene Faktoren, wie etwa ein neuer Krieg, den Börsenzug ebenfalls jederzeit zum Entgleisen bringen könnte.
Doch das sind Zukunftsspekulationen, auf denen sich aktuell keine vernünftige Anlagestrategie aufbauen lassen. Rational agierende Anleger verschwenden ohnehin nicht zu viel Zeit mit dem Nachdenken über ungelegte Eier. Sie halten sich am besten an die Trends und versuchen diese solange erfolgreich mitzuspielen, wie es geht.
Und wer sich an diese Maxime hält, dem bleibt derzeit nichts anderes übrig, als zunächst im Börsenzug sitzen zu bleiben. Aussteigen kann man immer noch dann, wenn sich im Verlauf des Jahres 2004 aufgrund neuer fundamentaler Ereignisse die Trends als nicht mehr haltbar erweisen sollten. FAZ.NET-Investor wird dabei wie bisher gewohnt versuchen, auf einen derartigen Trendwechsel rechtzeitig aufmerksam zu machen.
Von Thorsten Winter
Die Unternehmen in Amerika hielten sich mit Investitionen noch zurück, und die Erholung der Konjunktur werde vom privaten Konsum getragen, dem ein Zinsanstieg ebenso schaden würde wie der Investitionsbereitschaft, gab der Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt, Stefan Schilbe, zu bedenken. Und meinte: „Von einer Trendwende auf dem Anleihemarkt kann also keine Rede sein.“ Markus Kohlenbach von DWS Investments meinte zur F.A.Z.: „Es ist verfrüht, die derzeitigen Korrekturen an den Anleihemärkten als Wende zu bezeichnen.“ Das war im Frühsommer.
Seinerzeit gab es auch andere Stimmen von Volkswirten: Aussagen pro Zinswende. Der steigende Wachstum, anziehende Investitionen und vermehrter Konsum, all dies werde den Anstieg der Renditen auf dem Kapitalmarkt befördern sowie das Deflationsgespenst vertreiben - und die Notenbank Amerikas veranlassen, früher oder später die Leitzinsen heraufzusetzen. So lautete der Tenor. Bisher haben eher die Zweifler, die keine Zinswende gesehen haben, Recht behalten.
Renditen so hoch wie vor Jahresfrist
Die Renditen der zehnjährigen Staatspapiere in Deutschland und Amerika bewegen sich auf einem Niveau, das sie vor Jahresfrist innehatten. Eine entsprechende Bundesanleihe rentiert aktuell mit 4,35 Prozent und damit sogar ein paar Basispunkte schlechter als Mitte Dezember 2002. Und der jüngste Trend ging eher Richtung steigender Kurse, was fallende Renditen nach sich zieht. Gegenüber dem Tief im Juni bei 3,47 Prozent hat sich die Rendite aber um beachtliche 88 Basispunkte gesteigert.
Bei den zehnjährigen amerikanischen Treasurys stellt sich die Entwicklung nur unwesentlich anders dar: Binnen Jahresfrist ist die Rendite um ein paar Basispunkte geklettert und lag zuletzt bei 4,23 Prozent. Der Renditeaufschlag zum Jahrestief bei 3,10 Prozent fällt mit 113 Basispunkten deutlich stärker aus als in Deutschland. Doch genau wie die zehnjährige Bundesanleihe konnte sich dieser Titel zuletzt wieder etwas berappeln. Seit Mitte Oktober bewegt er sich wie der Bundestitel seitwärts, bei einer Renditespanne von knapp vier bis gut 4,40 Prozent.
Gleiches gilt für den Terminkontrakt Bund-Future, der für den deutschen Anleihemarkt wegweisend ist. In den vergangenen drei Monaten pendelte er zwischen 110,88 Prozent und rund 112,75 Prozent; aktuell steht er bei 112,51 Prozent. Zwar sprechen Analysten davon, daß das Unterschreiten der „magischen“ Marke von 112,30 Prozent ein mittel- und langfristiges Verkaufssignal sei. Doch im jüngsten Kursverlauf spiegelt sich dies nicht wider.
Notenbank-Aussagen nützen Renten und Aktien
Neue Aussagen der amerikanischen Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank, die Zinsen bis auf weiteres auf dem aktuellen, historisch niedrigen Niveau von einem Prozent in Amerika und zwei Prozent in Euroland zu halten, dürften dem Rentenmarkt tendenziell guttun und die Kurse stützen. Andererseits helfen sie auch dem Aktienmarkt, denn niedrige Zinsen bedeuten billiges Geld, was Investieren und Konsumieren erleichtert. Und Unternehmen natürlich bei der weiteren Verbesserung der Ertragslage. Denn umgekehrt würde eine Zinserhöhung die Kreditkosten erhöhen - mit möglichen nachteiligen Folgen für den wirtschaftlichen Aufschwung.
Gleichwohl könnte ein Zinsschritt nach oben in Amerika aber auch als ermutigendes Zeichen gelesen werden: Die Notenbank mit ihrem Chef Alan Greenspan an der Spitze würde höchstselbst signalisieren, sie glaube an den Aufschwung und die Stärke der Wirtschaft Amerikas. In dieser Woche hat sie aber mitgeteilt, die Chancen, ein nachhaltiges Wachstum zu erreichen, und die Risiken in etwa gleich stark zu sehen. Angesichts einer niedrigeren Inflation könnten die Leitzinsen noch für einen „beträchtlichen Zeitraum“ niedrig bleiben.
Höhere Zinsen in Europa gefährdeten Aufschwung
Dies dürfte ein Signal sein, daß die amerikanische Notenbank im nächsten Vierteljahr die Zinsen nicht erhöht, vielleicht auch im zweiten Quartal 2004 nicht. Die Frage ist allerdings, ob Amerika mittelfristig nicht höhere Zinsen braucht, um das nötige Kapital ins Land zu ziehen und das Haushaltsdefizit finanzieren zu können. Zuletzt hatte die Bereitschaft, amerikanische Staatspapiere zu erwerben, im Ausland deutlich nachgelassen.
Für Europa ergibt sich aufgrund der nach wie vor dümpelnden Konjunktur in den großen Staaten wie Deutschland und Frankreich und des sehr geringen Preisauftriebs gar keine Gründe, die Leitzinsen heraufzusetzen. Dies würde die Konjunktur abwürgen. Ob und wann es zur Zinswende kommt, hängt vom Fortgang der wirtschaftlichen Erholung ab. Da viele Volkswirte und Unternehmen in ihren Wachstumsprognosen die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte und von der Opposition kritisierte Steuererleichterungen eingerechnet haben, könnten viele Hoffnungen enttäuscht werden: falls sich im Vermittlungsausschuß von Bundestag und Bundesrat keine Einigung erzielen läßt und die nächste Stufe der Steuerreform ausbleibt. Infolgedessen würde den Bürgern (und Konsumenten) nicht nur kein Mehr an Geld zufließen, die Unsicherheit dürfte zunehmen, was sich ungünstig auf die Binnenkonjunktur auswirken würde.
Insofern dürfte der Rentenmarkt zumindest in Europa auf Sicht keine größeren Pendelausschläge sehen, die weit über die jüngste Spanne hinausgehen und für einen Vollzug der Zinswende stehen. Nennenswertes Kurspotential dürfte aber auch keines vorhanden, wenn sich die Wirtschaft belebt. Verstärkt auf Anleihen zu setzen, erscheint angesichts dessen nicht sinnvoll.
Hochzins-Unternehmensanleihen könnten steigen
Mit einer Ausnahme: Mit hohen Nominalzinsen ausgestattete Anleihen von Unternehmen mit als mäßig eingestufter Kreditwürdigkeit, könnten mittelfristig wieder steigen. Bedingung: Die Unternehmen müßten im Zuge eines Aufschwungs mehr verdienen, ihre finanzielle Verfassung verbessern - und mit einer Heraufstufung durch Ratingagenturen wie Standard&Poor´s und Moody´s belohnt werden. Solche Nachrichten würden die Nachfrage nach entsprechenden Papieren steigen lassen. Und so etwas belebt die Kurse.
Die vergangenen zwei Jahre wurden mit Blick auf den Devisenmarkt vor allem von einem Trend geprägt: dem schwächelnden Dollar. Der Greenback stand nicht nur gegen den Euro, sondern vor allem auch gegen die so genannten „Commodity-Währungen“ wie dem kanadischen, dem australischen oder dem neuseeländischen Dollar und dem südafrikanischen Rand massiv unter Druck. Gegen den Rand hat die Währung in den vergangenen zwei Jahren etwas 50 Prozent ihres Wertes verloren, gegen den Euro rund 30 Prozent.
Das hört sich dramatisch an, wird nicht selten dramatisch dargestellt - ist allerdings bisher alles andere als dramatisch. Das zeigt alleine schon die „coole“ Reaktion der Europäischen Zentralbank, die sich zumindest bisher nicht aus der Ruhe bringen läßt. Fakt ist, daß sich viele Währungen, die sich jetzt angeblich plötzlich so stark geben, ihrerseits von einer Schwächephase erholen. Dabei haben sie noch lange kein Niveau erreicht, das sie vorher nicht schon gesehen haben. Auch nicht der Euro. Denn verlängert man dessen Historie anhand einer „Vorgängerwährung“, der Mark, so kann die Einheitswährung noch bis auf knapp 1,43 Dollar je Euro steigen. Erst dann wäre wirklich ein neuer Rekord zu verzeichnen.
„Dollarmythos“ ist verblasst
In den 90er-Jahren war der Dollar gefragt, weil die Wirtschaft in Amerika scheinbar unbeschränkt wachsen konnte. Das zog nicht nur die Aktionäre an, sondern auch ausländische Unternehmen, die kräftig im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten investierten. Diese Nachfrage trieb nicht nur den Dollar nach oben, sondern versorgte Amerika auch mit günstigem Geld.
Auf Grund nachlassenden Wachstums, fallender Börsen, den Attentaten in New York und einer beinahe schon unendlichen Serie von Bilanz- und anderen Skandalen ging dieser Mythos verloren. Der Dollar war nicht nur nicht mehr so stark gefragt, sondern auf Grund rasch fallender Zinsen wurde er auch von dieser Seite relativ unattraktiv. Aus diesem Grund wurde und wird er schwächer und schwächer.
Tiefe Zinsen und Skandale bleiben nicht ohne Wirkung
Um die Wirtschaft anzukurbeln, senkte nicht nur die Notenbank die Zinsen, sondern die Regierung reduzierte auch die Steuern und erhöhte die Ausgaben. Damit steigt der Geldbedarf. Gleichzeitig sparen die amerikanischen Konsumenten zu wenig. Und diese Differenz - die negative Leistungsbilanz von etwas fünf Prozent des Sozialproduktes- wurde und wird bisher vom Ausland ausgeglichen. Allerdings nicht mehr so bereitwillig, wie in der Vergangenheit. Amerika muß auf Grund der relativen „Unattraktivität“ immer mehr bieten - und das schlägt sich im Wechselkurs in Form von Kursverlusten nieder.
Kursfristig sieht es nun so aus, als ob die amerikanische Konjunktur auf Grund der externen Anreize schnell und kräftig in Fahrt kommen könnte. Die Börsen bauen zumindest darauf, nehmen das mit steigenden Kursen vorweg und bieten an sich für Anleger interessante Möglichkeiten. Und genau aus diesem Grund rechnen manche Marktteilnehmer damit, daß sich der Dollar in nächster Zeit wieder gegen den Rest der Welt erholen könnte. Das ist nicht völlig ausgeschlossen, denn nach einer raschen Abwertung kann es jederzeit zu einer Gegenbewegung kommen.
Argumente für einen nachhaltigen Wirtschatsboom fehlen
Nüchtern betrachtet gibt es allerdings einige Argumente, die nicht nur gegen eine nachhaltige Erholung, sondern sogar für eine weitere Abwertung sprechen. Denn die amerikanischen Konsumenten sind stark verschuldet und können den Konsum nicht mehr ausweiten. Auch ein nachhaltiger Investitionsboom ist kaum zu erwarten, denn ein Leitmotiv á la „Interneteuphorie“ fehlt. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz aus Asien, die die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen beschränkt. Aus diesem Grund werden sie äußerst vorsichtig sein mit der Beschäftigung zusätzlichen Personals.
Gleichzeitig sind die amerikanischen Wertpapiere im internationalen Vergleich schon teuer. Anleger dürften eher in anderen Regionen der Welt investieren, untern anderem in Europa und Asien. Sollte es dort gelingen, die Wirtschaft über deutliche Reformen in Gang zu bringen, wäre das ein Zusatzargument. Selbst die asiatischen Zentralbanken, die ihre Währung bisher mit Interventionen gegen die Dollarschwäche schützen, werden sich überlegen, ob sie die Währungsrisiken nicht anders verteilen sollten. Auch das müßte den Dollar belasten.
Auf dieser Basis ist es insgesamt zwar möglich, daß sich der Dollar kurzfristig gegen den Euro erholen wird. Langfristig sprechen jedoch viele Argumente für einen schwachen Greenback.
Auch im Jahr 2004 wird es vermutlich wieder zur Ausbildung neuer Trends und zur Ablösung bisher bestehender Trends kommen.
Bestückt mit diesem Wissen, stellen sich viele Anleger zwischen den Jahren die Frage, wie sie ihr Vermögen am geschicktesten umschichten, damit im neuen Jahr beim Versuch, einen Vermögen aufzubauen, möglichst viel hängen bleibt.
Auch das Team von FAZ.NET-Investor hat sich pünktlich zum Ultimo wieder einmal Gedanken über die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten gemacht. In drei Beiträgen zu diesem Thema haben wir unsere Haltung zu den Aussichten am Aktienmarkt, am Rentenmarkt und am Devisenmarkt zusammengefaßt.
Aktionäre bleiben zunächst im fahrenden Börsenzug sitzen
Von Jürgen Büttner
Von 2000 bis 2002 fuhr der Zug an der Börse drei Jahre lang in die falsche Richtung. Anders als es die Anleger während des zuvor jahrelang dauernden Bullenmarktes gewohnt war, hagelte es da plötzlich massive Verluste. Im ersten Quartal 2003 hielt dieser Trend zunächst auch noch an und phasenweise kam es sogar zu einem regelrechten Ausverkauf bei den Aktien.
Doch wie so oft an der Börse kam es dann, als keiner mehr einen Cent auf eine baldige Wende zum Besseren setzen wollte, doch zu einem Umschwung. Seit März steigen an den meisten Weltbörsen jedenfalls die Kurse wieder und mit den richtigen Titeln im Depot läßt sich sogar wieder richtig gutes Geld verdienen.
Zunächst günstige Aussichten für weiter steigende Kurse
Zum Jahreswechsel gibt es zwar keine Garantie, daß sich der neu eingeleitete Aufwärtstrend im Jahr 2004 fortsetzen wird. Denn wie schnell der Wind drehen kann, haben gerade die Ereignisse in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt. Grundsätzlich betrachtet stehen die Aussichten zunächst aber gut, daß der Börsenzug auch weiterhin in die richtige Richtung fahren wird. Die Geldpolitik wirkt jedenfalls weiter expansiv und in Sachen Weltkonjunktur scheinen die Weichen zunächst richtig gestellt zu sein.
Hinzu kommt zudem ein weiteres Argument, welches derzeit vielleicht sogar am stärksten wiegt. Und zwar ist damit der Umstand gemeint, daß es angesichts noch immer relativ niedriger Anleiherenditen an Anlagealternativen zu den Aktien mangelt. Denn daß genügend Liquidität vorhanden ist, die nach lukrativen Anlagechancen sucht, zeigt sich auch daran, daß viele Gelder in die jahrzehntelang vernachlässigten Rohstoffmärkte gesteckt werden.
Demnach oben weisenden Kurstrend folgen
Etliche Märkte warten zudem noch immer mit durchaus vertretbaren Bewertungsrelationen auf. Dazu gehört auch die deutsche Börse, wo der Dax auf Basis der für 2004 erwarteten Gewinne auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 kommt. Und während schon das vertretbar ist, finden sich außerhalb des Bereichs der Standardwerte nicht selten oft noch weitaus günstiger bewertete Titel.
Die Kategorie der niedrig bewerteten Titel erlebte bereits im Jahr 2003 ein Comeback und es spricht einiges für eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Erst Recht dann, wenn eine vorteilhafte Bewertung einhergeht mit einer interessanten Produktpalette und einer herausragenden Marktstellung.
Auch die Charttechnik spricht dafür, das sich nach dem Motto „the trend is your friend“ die eingeschlagene Aufwärtsbewegung zunächst eine Fortsetzung finden wird. Denn banal gesprochen ist es auch an der Börse so, daß es für den Krug wahrscheinlicher ist, bis zum Brunnen zu kommen, als das er bricht.
Auch das Börsenjahr 2004 dürfte wieder einige Überraschungen parat haben
Eine weitere Binsenweisheit spricht im übrigen eher dagegen, daß es ein gemächliches und wenig spannendes Börsenjahr wird. Denn genau das scheint die Mehrheit der Börsianer zu erwarten. So trauen die Analysten den Dax im Schnitt ein Plus von um die zehn Prozent zu. Derzeit gibt es zwar durchaus einige Gründe, die diese Erwartungshaltung rechtfertigen. Aber bekanntlich ist es an der Börse ja so, daß die Mehrheit der Marktteilnehmer meistens nicht Recht behält.
Deshalb wäre es nicht überraschend, wenn auch das Börsenjahr 2004 mit einigen Turbulenzen aufwartet. Problematisch dürfte es insbesondere dann werden, wenn sich die hehren Konjunkturhoffnungen doch nicht erfüllen sollten. Momentan sieht es in dieser Hinsicht oberflächlich betrachtet zwar ganz gut aus, aber es gibt auch noch immer etliche strukturellen volkswirtschaftlichen Probleme, welche ganz zu schweigen von der Gefahr, daß exogene Faktoren, wie etwa ein neuer Krieg, den Börsenzug ebenfalls jederzeit zum Entgleisen bringen könnte.
Doch das sind Zukunftsspekulationen, auf denen sich aktuell keine vernünftige Anlagestrategie aufbauen lassen. Rational agierende Anleger verschwenden ohnehin nicht zu viel Zeit mit dem Nachdenken über ungelegte Eier. Sie halten sich am besten an die Trends und versuchen diese solange erfolgreich mitzuspielen, wie es geht.
Und wer sich an diese Maxime hält, dem bleibt derzeit nichts anderes übrig, als zunächst im Börsenzug sitzen zu bleiben. Aussteigen kann man immer noch dann, wenn sich im Verlauf des Jahres 2004 aufgrund neuer fundamentaler Ereignisse die Trends als nicht mehr haltbar erweisen sollten. FAZ.NET-Investor wird dabei wie bisher gewohnt versuchen, auf einen derartigen Trendwechsel rechtzeitig aufmerksam zu machen.
Warten auf die Zinswende
Von Thorsten Winter
Die Unternehmen in Amerika hielten sich mit Investitionen noch zurück, und die Erholung der Konjunktur werde vom privaten Konsum getragen, dem ein Zinsanstieg ebenso schaden würde wie der Investitionsbereitschaft, gab der Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt, Stefan Schilbe, zu bedenken. Und meinte: „Von einer Trendwende auf dem Anleihemarkt kann also keine Rede sein.“ Markus Kohlenbach von DWS Investments meinte zur F.A.Z.: „Es ist verfrüht, die derzeitigen Korrekturen an den Anleihemärkten als Wende zu bezeichnen.“ Das war im Frühsommer.
Seinerzeit gab es auch andere Stimmen von Volkswirten: Aussagen pro Zinswende. Der steigende Wachstum, anziehende Investitionen und vermehrter Konsum, all dies werde den Anstieg der Renditen auf dem Kapitalmarkt befördern sowie das Deflationsgespenst vertreiben - und die Notenbank Amerikas veranlassen, früher oder später die Leitzinsen heraufzusetzen. So lautete der Tenor. Bisher haben eher die Zweifler, die keine Zinswende gesehen haben, Recht behalten.
Renditen so hoch wie vor Jahresfrist
Die Renditen der zehnjährigen Staatspapiere in Deutschland und Amerika bewegen sich auf einem Niveau, das sie vor Jahresfrist innehatten. Eine entsprechende Bundesanleihe rentiert aktuell mit 4,35 Prozent und damit sogar ein paar Basispunkte schlechter als Mitte Dezember 2002. Und der jüngste Trend ging eher Richtung steigender Kurse, was fallende Renditen nach sich zieht. Gegenüber dem Tief im Juni bei 3,47 Prozent hat sich die Rendite aber um beachtliche 88 Basispunkte gesteigert.
Bei den zehnjährigen amerikanischen Treasurys stellt sich die Entwicklung nur unwesentlich anders dar: Binnen Jahresfrist ist die Rendite um ein paar Basispunkte geklettert und lag zuletzt bei 4,23 Prozent. Der Renditeaufschlag zum Jahrestief bei 3,10 Prozent fällt mit 113 Basispunkten deutlich stärker aus als in Deutschland. Doch genau wie die zehnjährige Bundesanleihe konnte sich dieser Titel zuletzt wieder etwas berappeln. Seit Mitte Oktober bewegt er sich wie der Bundestitel seitwärts, bei einer Renditespanne von knapp vier bis gut 4,40 Prozent.
Gleiches gilt für den Terminkontrakt Bund-Future, der für den deutschen Anleihemarkt wegweisend ist. In den vergangenen drei Monaten pendelte er zwischen 110,88 Prozent und rund 112,75 Prozent; aktuell steht er bei 112,51 Prozent. Zwar sprechen Analysten davon, daß das Unterschreiten der „magischen“ Marke von 112,30 Prozent ein mittel- und langfristiges Verkaufssignal sei. Doch im jüngsten Kursverlauf spiegelt sich dies nicht wider.
Notenbank-Aussagen nützen Renten und Aktien
Neue Aussagen der amerikanischen Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank, die Zinsen bis auf weiteres auf dem aktuellen, historisch niedrigen Niveau von einem Prozent in Amerika und zwei Prozent in Euroland zu halten, dürften dem Rentenmarkt tendenziell guttun und die Kurse stützen. Andererseits helfen sie auch dem Aktienmarkt, denn niedrige Zinsen bedeuten billiges Geld, was Investieren und Konsumieren erleichtert. Und Unternehmen natürlich bei der weiteren Verbesserung der Ertragslage. Denn umgekehrt würde eine Zinserhöhung die Kreditkosten erhöhen - mit möglichen nachteiligen Folgen für den wirtschaftlichen Aufschwung.
Gleichwohl könnte ein Zinsschritt nach oben in Amerika aber auch als ermutigendes Zeichen gelesen werden: Die Notenbank mit ihrem Chef Alan Greenspan an der Spitze würde höchstselbst signalisieren, sie glaube an den Aufschwung und die Stärke der Wirtschaft Amerikas. In dieser Woche hat sie aber mitgeteilt, die Chancen, ein nachhaltiges Wachstum zu erreichen, und die Risiken in etwa gleich stark zu sehen. Angesichts einer niedrigeren Inflation könnten die Leitzinsen noch für einen „beträchtlichen Zeitraum“ niedrig bleiben.
Höhere Zinsen in Europa gefährdeten Aufschwung
Dies dürfte ein Signal sein, daß die amerikanische Notenbank im nächsten Vierteljahr die Zinsen nicht erhöht, vielleicht auch im zweiten Quartal 2004 nicht. Die Frage ist allerdings, ob Amerika mittelfristig nicht höhere Zinsen braucht, um das nötige Kapital ins Land zu ziehen und das Haushaltsdefizit finanzieren zu können. Zuletzt hatte die Bereitschaft, amerikanische Staatspapiere zu erwerben, im Ausland deutlich nachgelassen.
Für Europa ergibt sich aufgrund der nach wie vor dümpelnden Konjunktur in den großen Staaten wie Deutschland und Frankreich und des sehr geringen Preisauftriebs gar keine Gründe, die Leitzinsen heraufzusetzen. Dies würde die Konjunktur abwürgen. Ob und wann es zur Zinswende kommt, hängt vom Fortgang der wirtschaftlichen Erholung ab. Da viele Volkswirte und Unternehmen in ihren Wachstumsprognosen die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte und von der Opposition kritisierte Steuererleichterungen eingerechnet haben, könnten viele Hoffnungen enttäuscht werden: falls sich im Vermittlungsausschuß von Bundestag und Bundesrat keine Einigung erzielen läßt und die nächste Stufe der Steuerreform ausbleibt. Infolgedessen würde den Bürgern (und Konsumenten) nicht nur kein Mehr an Geld zufließen, die Unsicherheit dürfte zunehmen, was sich ungünstig auf die Binnenkonjunktur auswirken würde.
Insofern dürfte der Rentenmarkt zumindest in Europa auf Sicht keine größeren Pendelausschläge sehen, die weit über die jüngste Spanne hinausgehen und für einen Vollzug der Zinswende stehen. Nennenswertes Kurspotential dürfte aber auch keines vorhanden, wenn sich die Wirtschaft belebt. Verstärkt auf Anleihen zu setzen, erscheint angesichts dessen nicht sinnvoll.
Hochzins-Unternehmensanleihen könnten steigen
Mit einer Ausnahme: Mit hohen Nominalzinsen ausgestattete Anleihen von Unternehmen mit als mäßig eingestufter Kreditwürdigkeit, könnten mittelfristig wieder steigen. Bedingung: Die Unternehmen müßten im Zuge eines Aufschwungs mehr verdienen, ihre finanzielle Verfassung verbessern - und mit einer Heraufstufung durch Ratingagenturen wie Standard&Poor´s und Moody´s belohnt werden. Solche Nachrichten würden die Nachfrage nach entsprechenden Papieren steigen lassen. Und so etwas belebt die Kurse.
Viele Argumente sprechen gegen den Dollar
Die vergangenen zwei Jahre wurden mit Blick auf den Devisenmarkt vor allem von einem Trend geprägt: dem schwächelnden Dollar. Der Greenback stand nicht nur gegen den Euro, sondern vor allem auch gegen die so genannten „Commodity-Währungen“ wie dem kanadischen, dem australischen oder dem neuseeländischen Dollar und dem südafrikanischen Rand massiv unter Druck. Gegen den Rand hat die Währung in den vergangenen zwei Jahren etwas 50 Prozent ihres Wertes verloren, gegen den Euro rund 30 Prozent.
Das hört sich dramatisch an, wird nicht selten dramatisch dargestellt - ist allerdings bisher alles andere als dramatisch. Das zeigt alleine schon die „coole“ Reaktion der Europäischen Zentralbank, die sich zumindest bisher nicht aus der Ruhe bringen läßt. Fakt ist, daß sich viele Währungen, die sich jetzt angeblich plötzlich so stark geben, ihrerseits von einer Schwächephase erholen. Dabei haben sie noch lange kein Niveau erreicht, das sie vorher nicht schon gesehen haben. Auch nicht der Euro. Denn verlängert man dessen Historie anhand einer „Vorgängerwährung“, der Mark, so kann die Einheitswährung noch bis auf knapp 1,43 Dollar je Euro steigen. Erst dann wäre wirklich ein neuer Rekord zu verzeichnen.
„Dollarmythos“ ist verblasst
In den 90er-Jahren war der Dollar gefragt, weil die Wirtschaft in Amerika scheinbar unbeschränkt wachsen konnte. Das zog nicht nur die Aktionäre an, sondern auch ausländische Unternehmen, die kräftig im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten investierten. Diese Nachfrage trieb nicht nur den Dollar nach oben, sondern versorgte Amerika auch mit günstigem Geld.
Auf Grund nachlassenden Wachstums, fallender Börsen, den Attentaten in New York und einer beinahe schon unendlichen Serie von Bilanz- und anderen Skandalen ging dieser Mythos verloren. Der Dollar war nicht nur nicht mehr so stark gefragt, sondern auf Grund rasch fallender Zinsen wurde er auch von dieser Seite relativ unattraktiv. Aus diesem Grund wurde und wird er schwächer und schwächer.
Tiefe Zinsen und Skandale bleiben nicht ohne Wirkung
Um die Wirtschaft anzukurbeln, senkte nicht nur die Notenbank die Zinsen, sondern die Regierung reduzierte auch die Steuern und erhöhte die Ausgaben. Damit steigt der Geldbedarf. Gleichzeitig sparen die amerikanischen Konsumenten zu wenig. Und diese Differenz - die negative Leistungsbilanz von etwas fünf Prozent des Sozialproduktes- wurde und wird bisher vom Ausland ausgeglichen. Allerdings nicht mehr so bereitwillig, wie in der Vergangenheit. Amerika muß auf Grund der relativen „Unattraktivität“ immer mehr bieten - und das schlägt sich im Wechselkurs in Form von Kursverlusten nieder.
Kursfristig sieht es nun so aus, als ob die amerikanische Konjunktur auf Grund der externen Anreize schnell und kräftig in Fahrt kommen könnte. Die Börsen bauen zumindest darauf, nehmen das mit steigenden Kursen vorweg und bieten an sich für Anleger interessante Möglichkeiten. Und genau aus diesem Grund rechnen manche Marktteilnehmer damit, daß sich der Dollar in nächster Zeit wieder gegen den Rest der Welt erholen könnte. Das ist nicht völlig ausgeschlossen, denn nach einer raschen Abwertung kann es jederzeit zu einer Gegenbewegung kommen.
Argumente für einen nachhaltigen Wirtschatsboom fehlen
Nüchtern betrachtet gibt es allerdings einige Argumente, die nicht nur gegen eine nachhaltige Erholung, sondern sogar für eine weitere Abwertung sprechen. Denn die amerikanischen Konsumenten sind stark verschuldet und können den Konsum nicht mehr ausweiten. Auch ein nachhaltiger Investitionsboom ist kaum zu erwarten, denn ein Leitmotiv á la „Interneteuphorie“ fehlt. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz aus Asien, die die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen beschränkt. Aus diesem Grund werden sie äußerst vorsichtig sein mit der Beschäftigung zusätzlichen Personals.
Gleichzeitig sind die amerikanischen Wertpapiere im internationalen Vergleich schon teuer. Anleger dürften eher in anderen Regionen der Welt investieren, untern anderem in Europa und Asien. Sollte es dort gelingen, die Wirtschaft über deutliche Reformen in Gang zu bringen, wäre das ein Zusatzargument. Selbst die asiatischen Zentralbanken, die ihre Währung bisher mit Interventionen gegen die Dollarschwäche schützen, werden sich überlegen, ob sie die Währungsrisiken nicht anders verteilen sollten. Auch das müßte den Dollar belasten.
Auf dieser Basis ist es insgesamt zwar möglich, daß sich der Dollar kurzfristig gegen den Euro erholen wird. Langfristig sprechen jedoch viele Argumente für einen schwachen Greenback.