Anlagestrategie Reisende soll man nicht aufhalten


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das Zentrum d.:

Anlagestrategie Reisende soll man nicht aufhalten

 
10.11.01 13:21
Von Jürgen Büttner (FAZ)

9. Nov. 2001 Die jüngsten Kursgewinne an den Weltbörsen sorgen für hektische Betriebsamkeit. Nachdem beispielsweise der Nemax-50-Index seit dem Tief am 21. September um rund 80 Prozent zugelegt hat, grübeln die Anlegern: Steht diese Hausse in Zeiten des Terrors und der Konjunkturschwäche auf tönernen oder auf festen Füßen? Und fast noch wichtiger: Soll man jetzt noch einsteigen oder ist der Zug bereits abgefahren?

Die Antwort darauf fällt schwer. Schließlich steckt allen Beteiligten noch der größte Bärenmarkt aller Zeiten in den Knochen. Gleichzeitig lockt das Umfeld nicht zum Kauf. Der Kampf gegen den Terror lähmt die Konsumlust und erstmals seit langer Zeit haben alle große Volkswirtschaften gleichzeitig mit einer Konjunkturflaute zu kämpfen.

Korrekturgefahr steigt

Doch diese vordergründige Betrachtungsweise greift vermutlich zu kurz. Denn viele der derzeit negativen Begleitumstände stecken schon in den Kursen drin. Dadurch kann die überschüssige Liquidität, die aufgrund der expansiven Geldpolitik im Umlauf ist und nach Anlagealternativen sucht, ihre ganze Kraft entfalten. Sie ist in erster Linie für die zuletzt zu beobachtende Rally verantwortlich zu machen.

Bleibt die Frage zu klären, wie lange der daraus resultierende Schwung anhalten wird. Die Antwort darauf hängt von den zugrunde gelegten Prämissen ab. Doch zunächst bleibt festzuhalten, dass nach den jüngsten deutlichen Kursgewinnen die Gefahr einer Korrektur täglich steigt. Wann sie genau kommen wird, lässt sich schwer sagen. Historisch betrachtet war es aber meistens so, dass beim DAX, nachdem er sich wie jüngst geschehen um mehr als zehn Prozent von seiner 38-Tage-Durchschnittslinie entfernt hat, die Korrektur nicht mehr fern war.

Weiteres Kursverhalten abhängig vom Konjunkturzyklus  

Doch dabei handelt es sich um eine Timing-Frage, die beim Dax vielleicht noch einmal ein Rückschlagspotenzial von zehn bis 20 Prozent beinhaltet. Wichtiger ist der langfristige Ausblick. Und da hängt nun viel davon ab, ob man von einem ganz normalen Konjunkturzyklus ausgeht oder von tiefergehenden strukturellen Problemen, die vielleicht sogar in einer Deflation münden werden.

Im letztgenannten Fall wird es nicht nur bei einer Korrektur bleiben sondern zu einer Fortsetzung des Bärenmarktes kommen. Doch wenn alles normal läuft, spricht einiges dafür, dass die eingeleiteten zins- und fiskalpolitischen Schritte für einen Konjunkturbelebung im nächsten Jahr sorgen werden. Dann werden sich auch die aktuell noch hoch anmutenden Kurs-Gewinn-Verhältnis weitgehend von selbst bereinigen. Alleine die massiv eingeleiteten und in diesem Jahr ergebniswirksam werdenden Restrukturierungsmaßnahmen auf Unternehmensebene bergen massives Gewinnsteigerungspotenzial. Kommt dann noch eine wirtschaftliche Erholung hinzu, sehen auch schnell die Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder besser aus. Viele andere Bewertungsfaktoren befinden sich ohnehin schon im grünen Bereich. Zu denken ist dabei nur an das Kurs-Buchwert-Verhältnis sowie die im Konkurrenzverhältnis zu Anleihen gestiegene Attraktivität von Aktien.

Weit entfernt von Exzessen

Von einer neuen Spekulationsblase, wie kürzlich von Bundesbankpräsident Welteke angedeutet, muss trotz der jüngsten Kursgewinnen daher noch nicht gesprochen werden. Eine Massenhysterie der Anleger, wie in den Hochzeiten des Bullenmarktes, ist ebenfalls noch nicht in Sicht. Vielmehr scheint es, als ob an der aktuellen Kurserholung nur wenige Anleger teilhaben und der große Rest der Herde staunend zuschaut.

Auch historisch betrachtet war es häufig so, dass in ähnlichen konjunkturellen Ausgangslagen die Kurse gestiegen sind. So beruhigt eine Studie aus den USA mit Blick auf das eingebrochene Konsumentenvertrauen das Nervenkostüm der Börsianer. Demnach stieg der Dow Jones Industrial Average in den nachfolgenden zwölf Monaten in der Vergangenheit im Schnitt um 26,3 Prozent, wenn das US-Verbrauchervertrauen auf einen Wert unter 66 eingebrochen ist. Kletterte das Verbrauchervertrauen dagegen auf einen hohen Wert von über 113, kam es anschließend zu Verlusten von 0,3 Prozent.

Aktienkauf hat derzeit Saison

Hinzu kommt ein weiterer günstiger saisonaler Effekt: Historisch betrachtet war die Zeit von Anfang November bis Ende April stets die beste Zeit zum Aktienkauf. In den vergangenen 30 Jahren kletterte da der S&P 500 Index jedenfalls im Schnitt um 8,8 Prozent. In der Periode von Mai bis Oktober verbuchte er dagegen nur ein bescheidenes Plus von 1,9 Prozent.

Trotz der genannten positiven Faktoren gebietet es die derzeit unsichere Börsenlage, die Strategie ständig auf den Prüfstein zu stellen. Auch wenn aktuell einiges dafür spricht, dass wir trotz ungünstiger konjunktureller Rahmenbedingungen das Schlimmste an den Aktienmärkten überstanden haben, ist diese Meinung nicht in Stein gemeißelt.
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