Anlagemarkt Türkei


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Anlagemarkt Türkei

 
04.10.05 14:39

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Interview
„Türkische Aktien als langfristige Anlagen zu sehen”

Auf den letzten Drücker hat die Europäische Union am Montag abend die Tür für Beitrittsverhandlungen mit der Türkei geöffnet. Österreich hatte zuvor seinen Widerstand gegen die Vorgabe, mit dem Ziel der Aufnahme der Türkei in die EU zu verhandeln, aufgegeben. Die tükische Börse reagiert auf diese Nachricht mit deutlich steigenden Kursen. Der ISE National 100 Index legte am Vormittag um 3,5 Prozent auf gut 35.486 Zähler zu. So hoch wie aktuell stand der Index noch nie.
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Damit setzt die Börse in Istanbul ihren Höhenflug fort, der den Investoren seit Ende vergangenen Jahres ein Plus von gut 42 Prozent beschert hat. An der Spitze liegen aktuell Finanztitel wie Akbank und Bankasi. Das ist schön für den Fonds Espa Stock Istanbul der Erste Sparinvest in Wien, der von Manfred Zourek gemanagt wird und beim Jahresvergleich bei den Türkei-Fonds vorne liegt.

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Espa-Fondsmanager Manfred Zourek

Im FAZ.NET-Interview äußert sich Zourek über das kleine Kursfeuerwerk in Istanbul und die Aussichten für den türkischen Aktienmarkt.

Was ist an der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen für den türkischen Aktienmarkt so spannend, daß die Börse diese Nachricht stark feiert?

Das ist ein langfristiges Thema. Wenn die Türkei ein Vollmitglied der EU würde, wäre das für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sehr positiv. Aber allein schon durch die Aufnahme der Gespräche und Vorgaben der EU wird die Entwicklung berechenbarer. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden weiter an ein westliches Verständnis herangeführt. Die Fundamentaldaten werden sich weiter verbessern. Bei der Inflation hat sich ja schon viel getan. Der Preisauftrieb ist nun einstellig - vor zehn Jahren war er noch dreistellig. Und dieses Umfeld hilft Unternehmen etwa bei der Planung von Investitionen.

Weil die Zinsen gesunken sind und weiter sinken werden?

Das zum einen. Und zum anderen wäre es natürlich kein ideales Umfeld, wenn ein Unternehmen heute etwas kaufte und zu den aktuellen Bedingungen abschreibt, aber in weniger Jahren zum doppelten Preis wieder kaufen müßte.

Was ändert sich denn für türkische Unternehmen durch die Aufnahme der Gespräche kurzfristig?

Nichts. Wir reden über einen Prozeß, der seit Jahren angestrebt worden ist. Der Weg dorthin war mit einer Reihe von Stolpersteinen versehen...

...die zuletzt von der österreichischen Regierung aufgestellt wurden...

Jaja. Der bisherige Prozeß ist von den Marktteilnehmern sehr genau beobachtet worden, und immer, wenn es nachteilige Schlagzeilen gegegen hat, hat das die Stimmung gedrückt. Nun ist klar: Über die nächsten zehn Jahre wird es Beitrittsverhandlungen geben. Natürlich werden auch diese Gespräche von Aufs und Abs begleitet sein - da darf man sich nichts vormachen. Insofern stellt sich das Umfeld für die Börse nicht wesentlich anders dar. Aber die Aufnahme der Verhandlungen, auf die die Türkei lange gewartet hat, ist positiv zu werten.

Immerhin hat die EU dem Land schon seit den frühen sechziger Jahren solche Gespräche in Aussicht gestellt. Aber trotz aller Unsicherheiten ist der ISE National 100 dieses Jahr gut gelaufen mit einem Plus von 42 Prozent. Ihr Fonds hat noch besser abgeschnitten. Die dicksten Positionen darin sind Bankentitel. Haben diese Aktien die besten Chancen?

Diese Branche profitiert sehr stark derzeit von den Fortschritten in der Wirtschaft und den gesunkenen Zinsen. Er wird aber nicht dauerhaft ein Outperformer sein. Es wird sicherlich eine Rotation hin zu Aktien von Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und der Industrie kommen. Daß aber in einem solchen Stadium die Finanztitel die großen Renner sind, ist eine übliche Entwicklung in Schwellenländermärkten. Das hängt mit den stabileren Verhältnissen und den niedrigen Zinsen zusammen.

Welche Titel mögen Sie derzeit besonders?

Akbank, Garantibank und Isbank.

Wie ist der türkische Aktienmarkt denn derzeit bewertet?

Gemessen an den Ergebnisschätzungen für die nächsten zwölf Monate liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei elf bis zwölf.

Wie nimmt sich diese Bewertung im historischen Vergleich aus?

Da liegt der Markt in etwa in der Mitte. 2001/2002 lag das KGV unter zehn, in den beiden Jahren davor in der Hohephase bei rund 20. Und im Vergleich zu den osteuropäischen Märkten ist der türkische Markt recht günstig bewertet.

Und hat deshalb noch Potential?

Ja, einmal aus diesem Grund, und zum anderen, weil die Gewinndynamik recht hoch ist. Im Durchschnitt dürften die Unternehmensgewinne um gut 20 Prozent steigen, schätze ich.

Da müßte doch ein merklich höheres KGV verkraftbar sein, oder?

Auf den ersten Blick vielleicht. Da aber Schwellenländermärkte für böse Überraschungen gut sind, sind Investoren nicht bereit, für sie den gleichen Preis zu zahlen wie für westeuropäische Unternehmen mit ähnlich starken Wachstumszahlen. Denn die Risiken sind bei Schwellenländern größer. Wenn die Risikobereitschaft unter Investoren wieder abnimmt und Zinsen steigen, dürfte die Türkei stärker getroffen werden als westliche Aktienmärkte.

Weil dann Investoren wieder Gelder abziehen?

Genau. Und steigende Zinsen sind für Wirtschaften, die sich im Umbruch befinden, negativ zu sehen.

Aber dieses Argument wurde vor anderthalb Jahren auch schon angeführt, als nachhaltig steigende Zinsen in Amerika absehbar waren. Gleichwohl sind Aktien und Anleihen aus Schwellenländern gut gelaufen.

Das stimmt. Ich sage ja auch nicht, daß der Aufwärtstrend zuende geht. Das Risiko eines sich drehenden Trends, also eine Abkehr von Emerging Markets muß aber berücksichtigt werden. Denn in diesem Fall könnte es auch die Aktien erwischen. Das war dieses Jahr in zweiten Quartal oder im Mai 2004 der Fall, als nicht Risiko gefragt war, sondern der „save heaven”. Und türkische Aktien passen nicht unbedingt mit einer sicherheitsorientierten Veranlagung zusammen.

Was glauben Sie, wo der türkische Aktienmarkt in einem Jahr stehen wird?

Aktienprognosen sind etwas schwieriges. Das gilt für die Türkei umso mehr. Wir haben zwei Jahre mit zweistelligen Zuwächsen hinter uns. Ich glaube, daß die Türkei auch in den kommenden Jahre eine entsprechende Entwicklung zeigen kann. Aber das schließt ein schwaches Jahr mit einem Minus von 20 Prozent nicht aus, falls es an einer Stellen mal krachen sollte. Man muß mit Blick auf die Türkei die langfristige Perspektive im Auge haben und das Investment entsprechend halten.

Fundamental sieht es ja gut aus: Die Wirtschaft der Türkei ist zuletzt fast so stark gewachsen wie China und Indien.

Das wird sicher nicht in alle Unendlichkeit so weitergehen. Aber wenn man das mit Kerneuropa vergleicht, das mit einem Prozent wächst, oder mit Osteuropa, wo im Schnitt ein Plus von drei bis vier Prozent beim Bruttoinlandsprodukt erreicht wird, dann ist die Türkei ein interessanter Markt, auf den viele Unternehmen gehen und wo sie investieren.

Wie sollte ein Privatanleger investieren? Einzelaktien oder Fonds für einen festen Betrag kaufen?

Man sollte nicht alles zu einem bestimmten Zeitpunkt kaufen, weil man dann das Risiko eingehen würde, zu einem zu hohen Kurs zu kaufen. Langfristig angelegte Ansparpläne erscheinen mir dagegen in einem so volatilen Markt sehr empfehlenswert, weil die Anteile mal zu höheren und mal zu niedrigeren Kursen erworben werben. Und dann muß ein Investor auch nicht nervös werden, wenn der Markt einmal im Minus liegt. Gemessen am Trend besteht aber eher das Risiko, Performance am Wegesrand liegenzulassen, als Kursverluste zu erleiden. Im übrigen ist ein Markt wie die Türkei lediglich als Beimischung anzusehen.

Quelle: faznet

Antworten
Hartz5:

Nur ein kleiner Einblick in die wahren

 
04.10.05 14:54
Hintergründe.

www.wsws.org/de/2004/jan2004/trk-j30_prn.html
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