@Badeschaum - Wegen sale/leaseback-Deal
Am Zustandekommen des sale/leaseback-Deals zweifle ich keine Sekunde. Es scheint eine seit vielen Jahren geläufige Art der "Kohleverflüssigung" zu sein. Und es ist nicht mal immer nur Ausdruck einer klammen Kasse.
Z.B. hat auch schon Daimler Benz das Gleiche mit deren sogenannten "Bullshit Castle" in Stuttgard-Möhrigen gemacht.
Was die Kursentwicklung betrifft sehe ich das wie Du und Powermike. Zur Zeit eine "technische Reaktion", ein Short Squeeze, keine Änderung fundamentaler Faktoren, kein grundsätzlicher Stimmungswandel.
Bis Q1/13 sind jederzeit schlechte Nachrichten möglich, die wieder für einen drastischen Kursrückgang sorgen würden. Scheinbar zeigt aber die 1,80$ einen guten Widerstand darzustellen, der dann nach einem vielleicht von einigen als unerwartet schlecht empfundenen Quartalsergebnis und/oder schlechtem Q1-Ausblick wieder halten dürfte.
@matzefin Zitat
"Aus eigener Erfahrung weiß ich daß es für manchen Händler schwierig ist: Ich denke da insbesondere an die Komplettsystemverkäufer eine breite AMD Palette anzubieten in der Vergangenheit hat Intel nicht umsonst Kartellstrafen bezahlen müssen usw. Es gibt auch legale Möglichkeiten einen Händler bzw. Assemblierer der zu viel bei der Konkurrenz kauft wieder auf "Linie" zu bringen usw. ..."
Die von dir angesprochene Problematik beschreibt das mit Abstand gewichtigste Problem für AMD. Intels Marktbeeinflußung "mit Zuckerbrot und Peitsche" mit dem Ziel AMD vom Markt abzuschneiden und die Wahlfreiheit, als wesentliches Merkmal des Modells der freien Markwirtschaft, insbesondere die des Endkunden einzuschränken.
Je konsolidierter die Märkte, wie in den "mature markets", um so leichter gelingt das. Die Umsatzanteilentwicklungen bei AMD bezüglich der "mature markets" sind ein Beleg dafür.
Je dynamischer und auch fragmentierter der Markt, wie die "emerging markets", umso besser für AMD. Rory Read bezeichnete Indien nicht umsonst als einen für AMD "kritischen Markt".
Der Rückstand in Bezug auf die Technik macht das Ganze nur noch schwerer für AMD, ist aber nicht die hauptsächliche Ursache für die gewaltigen Unterschiede bei den Markt- und vorallem bei den Umsatzanteilen(z.z. hält AMD etwa 8% Umsatzanteil im x86-Geschäft).
Ich stelle die Behauptung auf, das wenn jeder PC-Hersteller jeden Ranges auf unserem Globus ein umfänglich halbwegs adäquates Angebot an AMD-Rechnern vorhalten würde, sich der Umsatz von AMD innerhalb kurzer Zeit von ein bis zwei Quartalen verdoppeln würde.
Nicht weil sie so gut sind oder sonstwas, sondern einfach nur weil sie angeboten würden.
Hier zwei Beispiele von weltweit wohl Tausenden. Zwei 2.Tier, also zweitrangige PC-Hersteller, die auch als "Local-OEM" bezeichnet werden. Hauptsächlich agieren sie auf nationaler Ebene.
Das Angebot zeigt fast ausschliesslich Rechner mit Intel-CPUs. Seit ein paar Wochen hat man jetzt noch zusätzlich ein zweites Desktop-Produkt mit AMD-APU im Angebot. Preislich eher unattraktiv(
wenn auch in einem Fall mit 240GB SSD) und sicher nicht dazu geeignet ein Bestseller zu werden, machen beide Angebote mehr den Eindruck einer Alibi-Veranstaltung mit der Absicht etwaige Verdächtigungen bezüglich einer Kartell-Bildung von vorherein zu entkräften.
Hier praktisch ausschliesslich Rechner mit Intel-CPUs. "Praktisch", weil wie aus dem Nichts(keine genaue Quellenangabe) im Frühjahr die Meldung erschien, Wipro wolle einen AMD-Rechner mit einen FX-6100 anbieten, aber seit dem ist, wenn wundert's, nichts geschehen.
Kartelle sind zur Erinnerung, Vereinbarungen zwischen Unternehmen, die eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs bezwecken oder bewirken und sind, wenn diese zu einer wesentlichen Wettbewerbsbeschränkung führen, eigentlich grundsätzlich verboten.
Fast wöchentlich werden Ermittlungen und Verfahren über Kartellbildungen bekannt. Eisenbahnschienen,Rolltreppen,Kaffee,Kalisalz,Schokolade, und vieles mehr.
Bei den genannten Beispielen kann man übrigens oft von Selbstanzeigen hören und das dieser Selbstanzeiger sich dann als Kronzeuge zur Verfügung stellt, mit der Aussicht auf keine oder eine milde Abstrafung.
Wie es zu diesen Selbstanzeigen kommt, weiß ich nicht. Ich vermute mal, das diejenigen Wind von aussichtsreichen Ermittlungen bekommen haben.
Problem in diesem speziellen Fall des PC-Geschäfts ist aber, das eine Ermittlung oder gar Handhabe gegen diese Entwicklung den Behörden, falls sie sich dafür überhaupt noch interessieren, sehr schwer fällt. Händler können und werden sich, wie der Endkunde auch, auf das freie Wahlrecht berufen.
Und die Behörden müssten ermitteln, warum die Mehrzahl der Hersteller/Händler sich vorrangig für Intel-Produkte entscheiden, weiterhin herausfinden und den Nachweis führen,inwieweit die Gründe die zur Bevorzugung geführt haben, eine wettbewerbswidrige Beeinflußung darstellen.
Intel "glänzt" im Umgang mit deren "Geschäftspartner" mit Rabattierungen, einer zuverlässigen Belieferung oder auch nicht(Peitsche), Marketing-Programmen, vielerlei "Dienstleistungen" wie z.B Schulungen,Beratungen,u.ä..
Beispielsweise angesichts der Tatsache, das insbesondere die nachrangigen PC-Hersteller sich bei den Eigenkreationen hauptsächlich auf das nunmehr wachstumsschwache Geschäft mit Desktop-Rechnern als sogenannter Assemblierer konzentrieren mussten, stellt sich Intel nun als ein Vermittler zu asiatischen Auftragsfertigern zu Verfügung, bei denen man schon Kleinserien an halbwegs kundenspezifischen Notebooks herstellen lassen kann. Ab 500 Stück geht das los.
Jedenfalls scheinen zur Zeit die Aussichten, das sich an diesem großen Problem der Marktbeeinflussung etwas ändert, nicht gut. AMD hat sich durch die Vereinbarung mit Intel im Jahre 2009 und der erklärten Absicht offene Rechtstreitigkeiten zu beenden und zukünftig Streitigkeiten "intern" zu "lösen" selbst die Hände gebunden. Das Abkommen war bezüglich AMD wegen der damit verbundenen Zahlung von 1,25 Mrd. durch Intel in einer schweren finanziellen Krise keine Vereinbarung auf Augenhöhe, sondern offenbar aus der Not geboren.
Das entschuldigt die Aufsichtsbehörden für deren scheinbares Nichtstun seitdem dagegen überhaupt nicht. Diese Vereinbarung muss sie überhaupt nicht kümmern. Schon urig, ein Geiselnehmer zahlt der Geisel 100 Dollar dafür, das die Geisel keine Anzeige wegen der Geiselnahme erstattet und die Polizei gibt sich damit zufrieden.
Übrigens legt auch Nvidia seit geraumer Zeit, genauer seit dem Intel-Nvidia-Deal Anfang 2011, verschärfte Intel-Manieren an den Tag. So wird berichtet das Ende 2011 ein Grafikkarten-Hersteller nach Start einer Fertigung von Karten mit AMD-GPUs, durch Nvidia mit gekürzten Belieferungen von GF110-Chips abgestraft wurde.
Nach Angaben der Quelle hat diese Kürzung, auch wenn Nvidia später wieder den Status-Quo herstellte, als man dort einsehen musste, das dieser Hersteller doch nicht so verzichtbar war wie gedacht, Spuren in den Geschäftszahlen dieses nicht genannten Unternehmens hinterlassen.
Da aus dem Zeitraum Ende 2011 kein Unternehmen bekannt ist ,das erstmalig auch AMD-Karten anbot, kann demnach mit dem von der Quelle erwähnten "Herstellungs-Start" nur die Fertigung von Grafikkarten mit der damals neuen 28nm-GPU, also der 7000er-Serie gemeint sein. Der Hersteller vielleicht Gigabyte oder MSI?
Jedenfalls sind die vertikalen Bewegungen von AMD, wie bei SeaMicro oder der gerade "laut" verkündeten Vereinbarung mit Symmetry Electronics grundsätzlich zu begrüßen, wenn es auch im Vergleich zu Intel fast niedlich wirkt.
In die Vertikale gehen bedeutet, das hier ein bislang horizontal tätiger Komponentenhersteller in der Wertschöpfungskette ober- oder unterhalb von ihm aktiv wird, um z.B. das Kerngeschäft zu stärken oder wie im Fall AMD, um sich den Machenschaften Intels nicht weiter vollkommen tatenlos auszuliefern.
Hier jetzt scheinbar aktiv im Komponentenvertrieb und bei SeaMicro als Direkt-Anbieter von Komplettsystemen.
Wobei es bei SeaMicro noch ein Fragezeichen gibt, das erst beseitigt werden kann, falls ein erster "echter" Kunde bekannt würde. Ansonsten bleibt das angestrebte SeaMicro-Geschäftsmodell bislang undurchsichtig.
Mit "echt" meine ich jemanden, der tatsächlich ein System direkt von AMD/SeaMicro bezogen und dafür auch wirklich gezahlt hat. Also kein kostenfreies Testexemplar. Bei Symmetry stellt sich die Frage, in welcher Form AMD Einfluß genommen hat bzw. nimmt. Eine Beteiligung?
Wie schon erwähnt, bestärkt die Vereinbarung mit Symmetry Electronics die Vermutung, das es auch im Distributoren-Bereich Marktbeeinflussungen zum Nachteil AMDs gab. Es geht immer nach dem Motto; Die beste Konkurrenz ist die, die gar nicht verfügbar ist.
Mit Symmetry Electronics scheint man nun wenigstens im Embedded-Bereich für eine weltweite, zuverlässige Belieferung von interessierten Kunden sorgen zu wollen. Soll das so bleiben, spräche es für eine Geschäftsbeteiligung durch AMD. Ohne AMD-Beteiligung bestünde jederzeit die Möglichkeit einer Einflußnahme durch Intel. Und bei einem möglicherweise signifikanten Erfolg, wäre der Versuch der Einflußnahme so sicher, wie das Amen in der Kirche.